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Selbst-Emancipation · 1890-05-16 · Heft 4 (16.5.1890) · p. Seite 4

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1890
Issue
Heft 4 (16.5.1890)
Date
1890-05-16
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Sclbst - E in a n c i p a t;; o n. ein unerreichbares Ideal, als eine Chimäre-erscheinen kann. . .. , Glücklicherweise aber birgt noch das Judenihum herzhafte Männer in seiner Mitte, welche den Glauben an'die Lebensfähigkeit Jsracl's sich unberührt erhalten und welche sich nebenbei der muthigen Aufgabe gewidmet haben, die Erschlafften und Entmuthigten aufzurütteln ' und ihnen mit beredten und überzeugten Worten den Weg zur Erlösung zu zeigen. ’ . Für die in Rumänien wohnhaften Juden ist diese Campagne von der höchsten Wichtigkeit, Es sind wiederholt in dieser Richtung Versuche gemacht, — wie s. Z. die Sammluitgcn, für die nach Palästina Ausgewanderten, welche die Colonscn Sichron-Jäkob und Rosch-Pinah gegründet haben, — und Vereine gegründet worden, welche sich jedoch nicht behaupteten. Sie haben vollständig recht! Einem einzelnen. Nothlcidcnden kann in vielen Fällen geholfen werden; einer nach Hundcrttauscudeu zählenden, in der größten Annuth versunkenen Menge kann auf dem Wege der Unterstützung wohl momentan einige Linderung der . Roth verschafft.werden, — für eine dauernde Abfhilfc aber sind die gespendeten Gaben ein Tropfen in's M«rsi Ich habe aus den Ausführungen Ihres' wcrthen Blattes Müth -geschöpft für den Versuch einer Wiederaufnahme der in der Palästina-Frage früher bereits in Rumänien gemachten "Anstrengungen, und >wcrde unverzüglich an's Werk gehen. Es wird mir hoffentlich nicht schwer fallen, ' Mitarbeiter für die Gründung eines" Vereines zu finden, der sich die Aufgabe stellen soll, die' Mittel für die Gründung'einer neuen Cölonie im heiligen Lande zu sammeln und'so' einen Ring mchrzu schmieden an die Kette,' welche' ftüher oder später vielleicht dazu'berufen sein könnte, die einzig mögliche Lösung der jüdischen Frage herbeizuführen. ' ' ' I. Iche. ‘ Odessa, den 28. April liSÖO. Vorgestern ' fand im Saale Zaüsiner, in der Puschkinstraße, die erste Generat-V'ersämmlung...des..'„^ScccihcS,; Juden; jetzt ist, wie bereits gesagt, hier eincansehnliche Mische Gemeinde, welche einen Rabbiner hat und sogar schon ein eigenes Krankenhaus baut. Wenn mir von Jaffa nach Südösten. gegen Jerusalem gehen (wir haben hier eine prachtvolle Chaussee von ungefähr 60 Werft),' so stoßen wir bald hinter der Stadt auf die . großartige Herrschaftsbesitzung mit prachtvollem Garten des seligen Montcfiorc. Dieser Gärten wird ' von. einein jcrusalemischen Juden in Pacht gehalten, und die Einkünfte aus demselben' werden'zu den in Jerusalem befindlichen verschiedenen gottgefälligen Wohlthätigkeitsanstalten verwendet.' — ' ' . Weiter auf demselben Wege, ungefähr 4 Werst von Jaffa entfernt, finden wir die , Ackerbauschule der Pariser „Alliance Israelite universelle" unterdcmNamen „Mikweh-Jsrael" bekannt, deren Direktor, der berühmte Herr Hirsch/auch als Caffier und Haüpiverwaltcr aller Colomen, sowohl des Barons als auch des Vereines „Chöiväwe- Zion" fungirt. Er dient gan/unentgeltlich. Ich nenne den Herrn Hirsch „berühmt", weil über zur, Unterstützung jüdischer Colonistcn und Handwerker in Syrien und,Palästina" statt. -Im Ganzen erschienen , 101- Mitglieder. Der Gründer dieses Vereines,. Herr Ljubarski, cröffncte die Versammlung und schlug vor, sogleich zur Wahl eines Präsidenten zu schreiten. Einstimmig -wurde nun der Rechtsanwalt Herr M. G. Morgulis zum Präsidenten ..gewählt und auf Vorschlag des neugcwähltcn Präsidenten der Advoeatursconcipicnt Herr, Bz,, L. Bermann zuin Schriftführer gewählt. Der.Präsident cröffnete. nun die Versammlung mit . einer Ansprache an .die Anwesenden, in . der er die .Ziele des Vereines und die Pflichten der Mitglieder, desselben auseinandcrsetztc. „Der Verein", sagte, der. Redner, „muß nach Maßgabe seiner Kräfte alles zur Erreichung seiner heiligen Pflichten aufbietcn, Ziele,..zvelchc. seitens, der., hohen Regierung der Bestätigung werth erachtet wurden". ..Rach der Rede des Präsidenten schritt man zur..Wahl.des Vorstandes. der . Ersatzmänner und der Cassarcvisoren. In den. Vorstand wurden., gewählt: Rechtsanwalt Herr M. G- Morgulis, Med. Dr. L. S. Pinsler einstimmig, die Herren Grünbcrg, Barbasch und H. Puritz mit Stimmenmehrheit, Zu. Ersatzmännern wurden gewählt die Herren: Fischerowitz, Ä, Ginzburg, I. Ljubarski,,J.Eiscnstadt und M.. Rabbinowitz. Als Cassarcoisorcn wurden gewählt die. Herren: Ingenieur Gr. E, Weinstein, R. Starkmet, Towbin, Rechtsanwalt W. B. Pitkis und. Granat. Die Sitzung dauerte bis 1 Uhr Nachts. Nach Beendigung der Sitzung überreichten die Mitglieder des Vereins dem der Versammlung beiwohnenden Herausgeber der Zeitung „Hamelitz", erblichen Ehrenbürger, Herrn Ä.. Zcdcrbaum,, der nach dreijähriger,, mühevoller Arbeit endlich, die Sanction der Regierung'.', zur, Gründung , des Vereines erhielt, eine prachtvoll ausgestattete Adresse, welche von sämmtlichcn Mitgliedern unterschrieben, war.' .Es ist. unmöglich,, das feierliche Aussehen der Versammlung wiederzugeben. Alle fühlten sich brüderlich vereint, jedes Gesicht flammte vor Freude, manche sogar vergossen Freudmthräncn, ihn und .seine Persönlichkeit sehr viel in der Oeffentlichkeit gesprochen und geschrieben wurde, sowohl von Palästinafreundcn als. auch.von Anti- Palästinensern. Die Erftern stellen ihn als den ' nützlichsten Agitator für das Wohl und das Gedeihen des Judcnthüms hin, während die Letztern in. ihm den schädlichsten Verführer des jüdischen Volkes sehen. Worin aber Freund und 'Feind übereinstimmen, ist, daß er ein Mann "von eiserner. Willenskraft . und ungemein ehrlich .ich Geldaiigelegenheiten ist. — Die Schule „Mkweh- Israel" war bereits vor dem Anfänge der jüdischen Colonisätion in Palästina gegründet; damals aber konnten die absolvirten Zöglinge derselben in Palästina ihre erworbenen Kenntnisse nicht verwerthcn, vielmehr waren, sic gezwungen entweder in andere Länder auszuwandern oder aber ihren eigentlichen Beriif aufziigeben und sich ein anderes Feld .'zur Gründungeiner Existenz zu suchen. Jetzt aber'können sie sich leicht , in "den Colomen' Arbeit'verschaffen, und deswegen, wächst auch.die Anzahl der Schüler in „Mikweh-Jsrael" jetzt inst. Nr. .4. daß wir,endlich einmal auf legalen Wege.-unser, gutes Recht verfechten, für unsere heilige. Sache kämpfen können. Sogar solche, welche früher, ausgesprochene Assimilatoren gewesen sind, waren erschienen. Wir empfingen sie selbstverständlich mit offenen Armen. ■ Nach Beendigung der Wahlen wurden von den .Delegirten .der verschiedenen Zweigvereinc, — cs waren deren aus . den. Städten Petersburg, Warschau, Moskau, - Wilna, Dünaburg, Kiew, Grodno, , Poltawa, Charkow, Brisk, Bialystock, Oliviopol, Krementschug, Wasncssenk, Pinsk, Homcl, Minsk, Elisabcthgrad, Kischinew, Winnitza, Ungcn, Tscherkassi, Nikolajsw, Balta, Kowno erschienen, , .— /ein Picknick in einer der feinsten jüdischen Restaurationen von., Odessa ^bereitet. Außerdem wurde , heute Geld gesammelt,. um ein Bankett zu Ehren des Herrn Zederbaum und der Delegirten, dem sich die besten Fainilicu dcrOdessacr Judenschaft anschlicßen werden, zu, veranstalten. Herr Alexander Zcdcrbaum wurde übrigens hier auch dadurch geehrt, daß der hiesige „Verein der Verehrer und Pfleger der hebräischen Sprache", beschloß, - gelegentlich der 'Anwesenheit - dieses Kämpen der national-jüdischen Idee.ein Stipendium zur Erhaltung und Verpflegungeines Zöglings an dem hiesigen jüdischen Waisenhause zu stiften...., ,. Jacob Konsiantinowski). Mohilqw, den 24. April 1890. . Gegen zweihundert, jüdische Familien aus unserer, Stadt und deren , Umgebung haben beschlossen nach- Palästina auszuwandern: Um sicher zu. gehen,. wurde. eine aus Oekonomcn, Handwerkern und BanguierS bestchcndc Coinmifsion nach Palästina . entsendet, um Land,,.anzukaufcn und die... nöthigen, Vor-, kchrungcn für die Gründung. ciner^Ackcrbauco-. lopie-..zu. treffen. .Fast die Hälfte.der. Bevölkerung wünscht,, sehnsüchtig ihren bisherigen Wohnsitz zu. verlassen und auf reeller Basis im heiligen Lande, ein, neues Leben als .Ackerbauer zu beginnen, Demgemäß haben sich zahlreiche Mitglieder des Vereines „Chowawc Zion" und viele andere Juden, an die ^.n§1o-fevvisll Association in London mit der Bitte gewendet, ihren, Einfluß bei Baron, Hirsch jedem.-.Jahre,, Asißer theoretischen und.,praktischen Unterrichtim.« Ackerbau genießen die..Zöglinge, in dieser Schule , auch noch eine mittelmäßige allgemeine Bildung. Leider aber wird dort'auf hebräische Gegenstände wenig Gewicht gelegt;, in dieser Beziehung stehen die gleichartigen Schulen in den Colomen weit höher. Dieser traurige Umstand, läßt sich dadurch erklären, daß „Mikweh- Jsrael" eigentlich nur dazu gegründet war, um den palästinischen Juden die europäische.Bildung zugänglich, zu machen. Man kann aber sicher darauf rechnen, daß mit der Zeit auchden hebräischen Gegenständen hier Rechnung getragen. werden wird, da die localen Bedingungen immer mehr und niehr die Kenntnisse des Hebräischen erfordern. Sodann , aber wird, diese Schule , auch,erst-den Gipfel ihrer.Aufgabe erreicht haben.- Nebst einer Meierei befindet sich in,,Mikweh-Jsrael" .ein ..artesischer Brunnen , und. eine große Kelter,, für, , die, Weinarbeiten, welche , auf Kosten des Präsidenten der Alliance Jsraelite, Herrn Goldschmidt, errichtet wurdeii.. und 20.0M Francs gekostet,, haben.,

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