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Selbst-Emancipation · 1890-05-16 · Heft 4 (16.5.1890) · p. Seite 3

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1890
Issue
Heft 4 (16.5.1890)
Date
1890-05-16
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 4. Selbst-Emancipation. Seite 3. scheu Triumphen, ja sogar das freie Frankreich mit seinen „freien" antisemitischen Manifestationen. Ich "erinnere mich daran, weil ich hier, fern vom „civilisirten" Europa, im „wilden" 'Asien, schon zum siebenten Mal den Pcßach-Seder feiere, ungestört, in Ruhe und Frieden, ohne vor Verfolgungen zu zittern, ohne Beschränkungen unserer Rechte zu fürchten. Wozu uns der Luxus, wozu uns der äußere Glanz, der doch jede Minute von den Fäusten'des berauschten Pöbels zerstört werden kann? Wir brauchen keine -moderne Vergnügungen, die uns auf jedem Schritte lausende Kränkungen kosten können! Nein, lieber ein einfacher Ackerbauer sein, lieber ein einfaches Hüttchen beivohnen, mit der Schaufel in den Händen sein eigenes Stückchen Landes bearbeiten, von dem ein jedes Sandkörnchen uns soviel Erinnerungen der Vergangenheit und so viele Hoffnungen für die Zukunft bietet; darin, nur darin liegt das wirkliche Glück für den wirklichen Sohn Israels. Ix. Korrespondenzen. Wien, den 13. Mai 1890. In der gestrigen Sitzung des Abgeordnetenhauses hat der deutsch-liberale jüdische Abgeordnete, Dr. Jacques, über den schwachen Staatsschutz gegenüber der antisemitischen Bewegung Klage geführt. Justizminister Graf Schönborn stellte die Berechtigung zu dieser Beschwerde in Abrede und meinte, er ivürde wünschen, daß die Regierung immer so entschieden gegen die Verhetzung wider Religionen aufgetreten wäre, ivie jetzt. Es kann nun dem Grasen Schönborn die Anerkennung nicht versagt werden, daßer der jüdischen Bevölkerung mit vielem Billigkeitssinn entgegenkommt, aber seiner oben citirten Auffassung können wir keineswegs belstimmen. In nächster Zeit finden die Bezirksausschußwahlen in einigen Bezirken Wien's statt, und hoffen die Antisemiten ans neuerliche Siege. Der 1. Mai ist ruhig verlausen, da die Staatsgewalt, wohl ans Respect vor dein Socidie Erlaubnis der Regierung zur Erbauung von Häusern verschaffen. Die Verwaltung dieser Colonie war vom ersten Tage an so schlecht und ungeschickt, daß alle Bemühungen zur Erlangung der nöthigen Documente nur ungeheuer viel Geld verschlang, ohne daß auch nur ein Schritt vorwärts gemacht worden wäre. Es kam endlich so weit, daß selbst die Mitglieder des Vereines „Chowawe Zion", welche früher alles anwandten, um diese Colonie zu erhalten, schließlich alle Hoffnungen auf Erfolg aufgeben und von weiterer Arbeit zu Gunsten derselben abstehen mußten. Zum Glücke für die armen Colonisten aber bildete sich iin Jahre 1887 in Odessa eine private Gesellschaft, deren Zweck der Ankauf von Erde in Palästina war. Diese Gesellschaft erwarb nun von den „Meseritschern" das Besitzrecht von Jessud-Hamaalah und übertrugen den Proceß wegen Anerkennung des Eigenthumsrechtes an dem dortigen Boden dem Administrator des Barons in Rosch-Pinah. Die Sache nahm nun eine ganz andere Wendung. Nascher, als man voraussetzen alismus, resp. dessen eventuellen Ausschreitungen, ganz ungewöhnliche Vorsichtsmaßregeln getroffen hatte. Die Antisemiten sollen sich nun bei den Socialisten bedanken, wenn ihnen ihre Freude verdorben worden ist. Lemberg, am 12. Mai 1890. Wie wir erfahren, begab sich eine aus drei Mitgliedern bestehende Delegation des Vereines »Luckas Achim« nach Wien, um mit Hilfe des Polenclubs des Abgeordnetenhauses beim Ministerium das schnelle Jnslebentreten der Baron Hirsch'schen Stiftung für Galizien, nach ihrem Affimilations» muster freilich, durchzusetzen. — So viel es aber scheint, ohne Erfolg, denn wie man uns aus Wien berichtet, fürchtet man für die Zukunft ein Uebergewicht der jüdischen Handwerker über die christlichen. — Man berichtet uns aus Wilno in Russisch- Polen, daß die jüdische Emigration aus obigem Bezirke sich in letzter Zeit nach Afrika gewendet hat, anstatt wie bisher nach Amerika. Noch im v. I. eniigrirten circa 80 Juden nach Afrika, wo es ihnen ganz gut ergieng, so daß in diesem Jahre viele unserer Stammesgenossen ihnen nachsolgten. Am 10. d. M. starb hier Herr Michael Wolf, pensionirter Religionslehrcr der hiesigen Realschule. Der Verstorbene beendigte an seinem Todestage das 93. Lebensjahr. Er zeichnete sich durch innige Liebe zu seinem Volke aus, war Verleger der besten hebräischen Werke und verfaßte auch selbst viele gute Lehrbücher für den jüdischen Religionsunterricht. Besonderes Verdienst erwarb sich Herr Wolf durch die Verfassung eines polnisch-hebräischen Wörterbuches. Er war einer von den wenigen Religionslehrern, welche echtes jüdisches Gefühl in unserer Jugend zu entfachen und erhalten verstanden. Wir verlieren in ihm einen tapferen Kämpfer des Jubenthums. — Makkabi — (A. L.) Lemberg, im Jjar 5650. Bei der Sonntag, den 7. Jjar (27. April) d. I. stattgefundenen Generalversammlung des hiesigen national-)üdischen Vereines »Zion« wurde gewählt: Dr. jur. Auerbach'zum Präses, Dr. jur. durfte, war alles gewonnen, und Jeffud Hamaalah war für die jüdische Colonisation in Palästina gerettet. Die sieben Familien der Meseritscher, welche dort schon ansässig waren, behielten ihre Wohnsitze, ohne nun fürchten zu müssen, von dort verjagt zu werden, sie bekamen auch noch das Recht, sich Wohnungen erbauen zu dürfen. Das letztere Privilegium konnten sie leider noch nicht ausnützen, weil ihnen das nöthige Geld hiezu fehlte; außer einer monatlichen Unterstützung von 2000 Francs vom Vereine Chowawc-Zion und 1000 Mark vom Vereine Esra in Berlin hatten sie nichts. In diesem Sommer aber erreichte auch sie der rettende Arm des Barons, des Beschützers der gesammten jüdischen Colonisation in Palästina. Er erwarb sich von der Odessacr Gesellschaft die von derselben angekauften Theile in Jeffud Hamaalah, wofür er ihnen Boden in einer der judäischen Colonien gab. Auf dem so erworbenen Grund errichtete er eine musterhafte Pflanzschule aller möglichen Pflanzen der gemäßigten und tropischen Gegenden. Der Baron verpflichtete sich Korkis zum Vicepräses und Dr. jur. Mansch zum Secretär. Berlin, den 12. Mai 1890. Am 9. d. M. stellte Graf Pfeil im preußischen Hcrrenhause den Antrag, die Regierung möge angesichts der vom Cultusminister konstatirten Thatsache der Ueberzahl jüdischer Schüler an höheren Lehranstalten Maßregeln zur Abhilfe gegenüber jenen Uebelständen erwägen. Die Antwort des Cultusministers Geßler lautete zwar einigermaßen abwehrend, ließ aber jedenfalls den Sprecher von der neulich stattgehabten Stöcker-Debatte im Abgeordnetenhause erkennen. Schließlich wurde der Antrag des Grafen Pfeil nach einigen Reden, in welchen die innige Verbindung zwischen Germanenthum und Christenthum betont wurde, und nach einigen Contra-Reden von freisinniger und national-liberaler Seite angenommen. Hervorgehoben zu werden verdient, daß keiner der Pro- Sprecher den rein menschlichen und freiheitlichen Standpunkt vertrat, sondern immer nur entweder die egoistische Gegenleistung der Assimilation ins Feld führte, oder auf die kälten Paragraphe des Verfaffungsgesetzes sich berief. Ziem. Bukarest, den 5. Mai 1890. (Briefe aus Rumänien I.) Es freut mich sehr, aus dem Leitartikel in Nr. 3 Ihres geschätzten Blattes zu ersehen, daß Sie es nicht scheuen, den Kamps gegen die große Masse unserer verblendeten Glaubensgenossen aufzunehmen. — Die Waffen, deren sich diese Bekämpfer der Palästina-Idee bedienen, sind zumeist Witz und Spott. Diese in unserem Volke zu weit verbreitete Gegnerschaft ist übrigens in gewissem Sinne erklärlich. Unser Volk ist leider durch den jahrhundertelang auf ihm lastenden Druck eines guten Theiles seiner geistigen Elastizität verlustig geworden; der unter der jüngeren Generation grassirende und unser Jahrhundert überhaupt charakterisirende Pessimismus ist nicht ohne Einfluß auch auf die jüdische Jugend geblieben und so erklärt sich das ablehnende Verhalten einem Unternehmen gegenüber, welches dem oberflächlichen Beobachter wohl als ferner, für die dort wohnenden Colonisten, welche bis jetzt in einem zerfallenen Gebäude und in Hütten wohnten, Häuser zu erbauen. Er versprach, die Ansiedler überhaupt mit allem Nothwendigcn zu versehen. Zu den Arbeiten in der Pflanzschule werden jetzt junge Leute aus Zcphath verwendet. In Jeffud Hamaalah leben ungefähr 50 Personen. Diese Colonisten zeichnen sich durch Religiosität, ferner durch den Glauben an ihre Sache und durch bemerkenswerthe Ausdauer aus. Trotz der furchtbarsten Leiden während mehr als 5 Jahren ließen sie nicht ein Mal Aufrufe in den Zeitungen drucken, wie es andere Colonien zur Zeit der Roth gethan haben. — Mit Jeffud Hamaalah beendigen wir unsere Betrachtung der galiläischen und gelangen zu den judäischen Colonien. Als Schlüssel zu Judäa dient die Hafenstadt Jaffa. In dieser Stadt wohnen meistentheils Juden, außerdem wohnen hier Franzosen, Italiener, Griechen, Deutsche u. A. Bis zu den achtziger Jahren gab es jedoch hier fast gar keine

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