Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 3 (2.5.1890)
- Date
- 1890-05-02
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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das si ch' d u r ch a s s iiiii l a t o r i s ch e' Liebkosungen erweichen! a 's 's e n ' w ürd c. „Der Jude wird' gchaüt!" Dieses derbe Volkswort ist das Um und Ans des Judenhasses, in ihm liegt dessen Begründung, "Sie' Hiebe werden nicht stärker regnen/ wenn wir uns als Nation' 'geben werden, und sie fallen' nicht minder dicht nieder, weil wir uns vorläufig noch Nation zu sein Muben. Man "kann sogar behaupten, daß uns die Astimilationsbcstrebüngeü durch ihre Erfolglosigkeit und durch die Schaffung arisch-semitischer Zwitterwesen' noch tiefer als es nöthig war, in den^ antisemitischen' Strudel hincingeriffen haben, ivenff wir uns auch andererseits nicht einbildcn' wollen/ daß der Judenhaß mit' dem' Nationalwerden der Juden schwinden werde. Er wird aber in diesem letzterst Falle nicht mehr / so einschneidend empfunden werden, weil die gegenseitige Hilfe das Loos der Juden erleichtern wird, und' er wird am Ziele' unserer Bestrebungen zu völliger' Bedeutungslosigkeit 'herabsinken, da die Glieder des durch einen territorialen Mittelpunkt geeinigten jüdischen Volkes, ' in diesem Centrum ' eine moralische' Stütze und in letzter Linie einen thatsächlichen' "Zufluchtsort besitzen werden.' ' "" ' ' ///./" Mögen daher andere den Windmühlenkämps mit dem Antisemitismus aüfnchmen und fortführen, wir wollen fle darin nicht, stören st aber uns erlaube'^ man,' die' Rettung' des'" jüdischen'1 Volkes in positivem'Streben nach' Erstarkung" und nationaler Erlösung zu sehen: D e r An t i- / sc m i t i s m u s m ü ß üichtbe k ä m p s t, er muß' belanglos gemach t'werden/ - ----- B. iLorrespondenzen. .„ Wie», den 10. April 1890. Im Anschlüsse, an - die herrschenden Arbeiterstrikes, -, jedoch ohne nachweisbaren inneren Zusammenhang mit 'den- ■ selben, haben am 8. April in den hiesigen Vorhungern, — und im Verlause von 3. bis 4 Jahren hatten sie bereitsso ' viel / erspart,- - daß, sie- : an die Ausführung ihres/ Planes/. schreiten--konnten. Sie' ließen sichnoch chren-Antheil-ander Chalukah für einige- Jahre im-Voraus - bezahlen:- und so hatten-sie:sich eine Ansehnliche-Summe verschafft, welche zum Ankäufe von.Erde. aUsreichen konnte. - Da sie türkische Unterthanensind,- legteihnen die - Regierung bei - Abschließuug von Kaufverttägen . keine Schwierigkeiten inden Weg; . dazuwaren sie noch mit allen Formalitätendesdorttgen Handcls gut vertraut, so daß ihnen-alles märchenhaft billig zu: stehen kam. Die-Araber/:-von: denen sie die. Erde kausten/ mußten bald einfehen, daß sie es mit türki scheu- Juden: zu thun - haben, /von denen sie nicht jene-horrend höhen Preise «zwingen-' könncn,-ipelche sie von den Europäern zubekommen / pflegen/, -undda die. Verkäufer -gewöhnlich-: auch noch .in i: der - größten .Geldnoth sich befinden, /sokonnten - die neuen Kolonisten. .'Grund: und Boden für den spottbilligen Preis vonl ^--Francs' pro Dunam ankaufen. - . .- 5 Die . von - diesen ' i einheimischen - Juden - aus solcher Weise begründete Colonie/Beth-Jehüda": umfaßt einen -Raum von ungefähr > 1000 Deßjattn - orten Ottakring und Neülcrchenfeld Exceffe statt- - gefunden,' über" welche die- Tageszeitungen schön ausführlich berichteten, so daß jeder weitere Bericht überflüssig'wäre.'' Es' ging gegen die Juden; die Polizei und die bewaffnete Macht kämen zu spät. Plünderungen, Brandstiftung und Mißhandlüngen wärenauf der Tagesordnung und einige auf den ' Bettelstab gebrachten jüdische- Familien sind das- Nesultat' der kleinen Judcnhetze. ' Was liegt an einigen jüdischen Familien? Es sind ohnehin seit zwei Jahrtausenden schon-deren genug zu Grunde gerichtet worden; bereits die Hellenen des Älterthüms wüßten - in ihrem - Alexandrien dergleichen-" Privatvergnüguügcn für ihre'arischen Gelüste zu insceniren. Da - sollen es '"ihre gernianischen und ' slavischen Vettern von heute nicht treffen? Wozu wäre denn dann der Fortschritt der Civilisation? Und/ wärmst sollen sich solche' Hetzen nicht jede paar Jahre wiederholen/ wenn die'' Juden - seit achtzehnhundert Jahren in ' der Rolle eines gehetzten Wildes geduldig ausharreü- und nichts besseres zu thun wissen, als vielleicht eine geharnischte Beschwerde über das Verhalten der Behörden loszuläffen? Aber daran/ die Wurzel des Nebelsanszürcißen, will man ja nicht denken. ' n - Wien, 14. April 1890. Soeben erfahre ich, aus . sehr verläßlicher Quelle, daß im Laufeder nächsten Tage ein Secretär des .Baron Hirsch bei HerrnRosner^ dem Vorstände der isr. Cultusgemeinde Hernals. - Ottakring - Neülerchenfcld erscheinen wird, um den bei den Excessen.in"den" jüdischen Geschäften dieser Vororte ängerichtetcn Schaden' sestzuftellcn .sind' ihn im Aufträge des. Baron Hirsch vollständig, zu ersetzen. ' . —k— Wien, am 13. April 1890. Gestern fand im. Restaurant Khüner "eine Vereinsversammlung der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union" statt.' Auf der Tagesordnung ' stand ' ein Vortrag des - Herrn Landes-Adböcaten Dr./ Moriz Frankl:- „Ueber die Ursachen und- Wirkungen . des..Antisemitismus" und Mittel -zur Bescittgung . desselben." Vor einem sehr zahlreichen Auditorium führte Redner aus, daß der Judenhaß nicht, wie Dr. I: Kopp meine, mit -dem Christenthüm, sondern mit" dem Juden- Diese - Colonie dehnt sich am linken- Ufer des - Jordans,, an dein" von ' diesem -Fluße gebildeten Merom-See, ■ aus. Es befinden - sich - dort' viele - Ruinen steinerner-Gebäude — Ueberreste römischer Bauten des-Alterthums, ebenso-einige-verschüttete ' Brünnen, die'-' sich ' sehrleicht - "wieder - Herstellen lastenwürden.'-- Auch':'- sstest scheinbar werthlosen thum ans-die Welt'gekommen sei. Seine Ursachen feiennattonaler, socialer und clericaler Natur. Die nationalen Judenfeinde fürchten das. .Gesetz der. Endosmose, und Exosmose, nach welchem, wie Hume darlcgt, ein schwaches aber begabtes Volk ein starkes, siegreiches Volk in Cultur, Sitte und' Religion unterjoche. Die socialen Judenfeinde hasten -im Juden den gewandten Rechner und fleißigen Geschäftsmann, die Klerikalen, den Freund des Fortschrittes. Die Wirkungen des Antisemitismus seien die Erstickung des Unternehmungsgeistes, und die Verrohung der Masten, die Heilmittel gegen denselben die Solidarität'unter den Juden-und die Wahrung' des Kiddusehhaschem. ■•-.•> .. Der Vortrag wurde mit langanhaltendcm Beifall - belohnt..In demselben verdient .die Klage des Redners, daß die Juden in Oesterreich, einem aus vielen Völkerschaften zusammengesetzten ' Stäate/"tvie ein Stoßball zwischen den verschiedenen' Parteien üiid' Völkerschaften - hin- und hergeschleubcrt werdenbesondere Aufmerksam- - kcit. Er nannte die: Juden ein Volk und bczeichnete den Selbsttnord eines ganzen Volkes als ungeheuerlich. Und doch stimmte so manches in den Äusführungen des Redners" nicht zu diesem Bewußtsein vom „jüdischen Volke".' Er hat auch die' Juden gelobt. Aber von ztvcieu eines! Entweder ist das wundersame Volk der Juden zu einem echt-nattonalen-Leben noch immer-fähig, so. muß diese nationale Wiedergeburt, erfolgen, oder „die Juden müssen dulden und schweigen. / Für den jüdischen Handwerkerstand ergriffen die Herren B r ü h l und A u s p i tz das Wort/"Der Jude ttaue seinem Glaubensgenossen nicht zu, daß er einen guten Tisch oder einen guten Rock, machen könne. -Die Arbeit des - Christen, - auch wenn sie schlecht sei, werde. schweigend bezahlt. ,..... :... ..... / . lieber Antisemitismus, sprachen noch neben. vielen anderen Hof- und Gerichtsadvocat Dr. Landcsberger, der die Größe des Judenthums . in " warmen Worten pries, und' Dr. Hajck/ Letzterer sagte unter Anderem „Ein Buch.von Lombroso: „biomo delinquens“ weist nach, daß ein gewisser Perzentsatz -von Menschen Ber-- brechenbegehen inüffe; für ihre überschäumeilde Lebenskraft finden sie nun häufig dcch. Boden in politischen Strömunge», daher, sind solche und also auch der" Anti-' semitismus Kanäle,' die viel Von der Schlechtigkeit der - Menschheit mit sich reißen. -Man darf-nicht, immer von. der Cultur und Bildung des 19. Jahrhunderts sprechen. - In uns. allen — und hiefür, bitte ich . namentlich die Damen um Entschuldigung — steüt die Bestie. , Cultur und Roheit vertragen sich ganz vorzüglich/ Wenn Edison einen Apparat 'erfindet, der eine " Conversatton 'über in' den Colönieü/zu verrichtendDie Männer aber gehen -nur' partienweisenach einem gewissem Turüüs zur Arbeit hinaus""und - müssen' noch' mit den benachbarten Aräbern " zusammen arbeiten, da - fix auf die Ackerbaugeräthe dieser Letztereü angewiesen sind. Um diesem Uebel wenigstens theilweisc abzuhelfen,- - wollen : die Colonisten einen Theil ihres' Gegenstände könncü den neuen Colonisten sehr zu "Statten kommen/ - denn' äußer /dem -Nutzen,' den sie, wie erwähnt, aus den Brunnen zu - ziehen' im- Stände sind, ' könnten - sie sich "noch/ aus den " genannten Ruinen' das Material zu. den noth- - wendigsten - Wohnhäusern - -' und' Ackerbaügeräth-' schäften - -verschaffen." Leider aber verfügten- .sie über 'ein' allzu geringes' Capital' und hatten" auch - keine Unterstützung" von - anderer -Seite "erhalten/ so daß'sie' nicht' einmal-für "das gekaufte Land: den ganzen Kaufschilling zu'bezahlen vermochten und noch! Schuldner der früheren Grundbesitzer bleiben - mußten; ' siedürften- - also an" 'Erbauüng von - Häusen:' ünd - Anschaffung " von- Ackerbaugeräthschäfien--"gar'-.nicht--beüken. Die Familien -dieserannen Colonisten ^müßteii demzufolge'-'in dembenachbarten Zephat wohnen-: bleiben und sind nicht einmal« ün Stande, die häuslichen Arbeiten Bodens an " die - europäisch-jüdischen Eiüwänderer abtreten, nm sich für den Erlös däs "nothwendigste Zugehör anschaffeüzü-können; " sie -fanden-aber, bis' jetztnöch'keinen Käufer.--—-'Und-iso vermögen diese' Colonisten: trotz ' der! größten' Anstrengungen und Mühe- - - kaum - ihre ' kümmerliche' Existenz - zu erhalten,'wiewohl män ihre' Colonie niit verhältnismäßig "geringem Cäpitale-prächtig gestalten könnte. Allenfalls "aber" ist der" Anfang .- auch -'zu biner' traüsjordanischen - Colonisation - gemacht/ und' wir wollen"' hoffen, daß die Wöhlfeilheil" einerseits und' die-Fruchtbarkeit des Bodens"-andererseits-endlich viele Kauflustige anloLen/'-'und'--jene schönen Wiesen / und 'Weiden der" Stämingebiete -' Gad und Menasse" -- injüdischem Besitze bleibenwerden/ - " '- (Fortsetzung folgt.) " ""/ "