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Selbst-Emancipation · 1890-05-02 · Heft 3 (2.5.1890) · p. Seite 2

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1890
Issue
Heft 3 (2.5.1890)
Date
1890-05-02
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2. Selbst - Emancipation. Nr. 3. jüdischen Maffenelend in Osteuropa, welches auch nach dem Westen verschleppt wird, stehen weiter Thür und Thor sperrangelweit offen. Diesem Elend kann nur dadurch geholsen werden, daß der jüdischen Auswanderung aus dem Osten Europa's ein Weg gebahnt werde, welcher die Auswanderer zu wahrer dauernder Rettung führt, statt, daß ste wie bisher einem neuem womöglich noch größerem Unheil entgegengehen und noch überdies ihren Jammer,auf die noch etwas besser gestMen Brüder übertragen. Dieser Weg ist aber einzig und allein der Weg nach dem Lande unserer Ahnen, nach Palästina, wo ein neues, starkes, jüdisches Bauerngeschlccht entstehen soll! Man wird uns wohl vor Allem entgegenhalten, daß nach unserem eigenen Geständniffe die Zahl der armen im Osten lebenden Juden drei Millionen betrage und daß doch nicht für diese drei Millionen aus eine rasche Hilfe innerhalb des kleinen und durch Jahrtausende hindurch verödeten Palästina gerechnet werden könne. So ist auch die Sache nicht gemeint. Schelm, wer etwas über die Grenzen der Möglichkeit zu leisten verspricht! Die unseren bedauernswerten Stammesbrüdern zu leistende Hilfe kann überhaupt nie eine rasche, aber sie kann und muß eine gründliche sein. Man bedenke doch, daß mit geringen Summen alljährlich eine beträchtliche, wenn auch an sich geringe Anzahl jüdischer Familien ins heilige Land geführt und dort dem Ackerbau zugeführt werden kann; man bedenke, daß die Aufnahmsfähigkeit des Landes mit jedem Jahre wegen der wachsenden Cultur desselben sich steigern würde, und daher nach etlichen Jahrzehnten ein ganz ansehnlicher, vielleicht nach Hunderttausenden zählender jüdischer Stamm auf dem claffischen Boden Israels vorhanden wäre; man bedenke schließlich, daß dann das Problem, die überstarke Verdichtung jüdischer Bevölkerung in einem Lande human Rurze Aebersicht der Fortschritte der jüdischen Kolonisation in Palästina während der letzten 7 Zahre. Vortrag, gehalten bei der feierlichen Versammlung des Vereines „Bnej-Zion" in Moskau am Chanuka-Feste 1889 von M. Uffifchki«, Ingenieur.*) (Fortsetzung.) Betrachten wir nun die galiläischen Colonien und zwar in der Ordnung ihrer Entfernung vom Hafen Chaifa. Wiewohl Chaifa der einzige Hafen im nördlichen Palästina ist, so ist es doch ein kleines Städtchen mit einer sehr geringen Anzahl europäischer Einwohner; Juden gab es dort bis vor Kurzem fast gar keine. Allein seit dem Beginne der jüdischen Immigration nach Palästina ließen sich in Chaifa immer mehr und mchr jüdische Familien nieder, welche besonders der gewerbetreibenden Claffe angehörten. Dortselbst wohnt jetzt unter Andern der bekannte Herr Franc, welcher durch seine ausgezeichnete Verwaltung der unter dem Schutze des Barons stehenden Colonien sich berühmt gemacht hat. Wir müffen sogleich bemerken, daß es weder in Chaifa noch in Jaffa einen geregelt gebauten Hafen gibt, so, daß die Schiffe zur Zeit eines Sturmes hier *) Aus dem Russischen übersetzt von A. Diamant. und wirksam zu bekämpfen, zum Theilc gelöst wäre und imnier mchr sich lösen ivürde, während anderseits die Zunahme der Juden im heiligen Lande nicht unter dem Gesichtspunkt einer verderblichen Anhäufung zu betrachten wäre, nachdem Kanaan, abgesehen von unserer nahen Stammesverwandschaft zu seinen Einwohnern, deren überhaupt so wenige zählt, daß man es nach modernen Begriffen fast leer nennen könnte. Diesen durch die günstigen Resultate der bisherigen Versuche und durch einfache Vernunftsschlüffe begründeten Aussichten halte man gegenüber, was ohne diese Rettungsaction in derselben Zeit zur Behebung jüdischen Elends gethan werden würde. Geschähe nichts als die Verabreichung von wohlthätigen Spenden an die Unglücklichen, dann wehe den Unterstützten! Wir haben den Werth dieser gewöhnlich gut gemeinten Liebesgaben bereits beleuchtet und wollen die Leser nicht mit Wiederholungen ermüden. Würde aber die Auswanderung nach anderen Ländern, wenn auch Amerika, gefördert, auch dann wäre Schaden nicht Nutzen das Resultat der darauf verwendeten Mühe. Auch diesbezüglich haben wir unsere Auffaffung angedeutet, und wollen nur noch hinzufügen, daß uns auch in Amerika das Exil, die europäische Hetze, und nicht die Freiheit ohne Belästigung erwarten würde. Es ist überhaupt eitel Einbildung, an einen jüdischen Bauernstand in Amerika zu glauben — dort, wo der commerciell-speculative Geist seine höchste Entwicklung erlangt hat und gewiß mit magnetischer Kraft die Juden vom Pfluge weg und zurück in die Pureaux, Magazine und Börsen locken würde; und dann würde auch drüben über dem großen Waffer die alte Geschichte anheben, wie sich ja schon Keime zeigen —der Amerikaner brächte auch gegenüber den Juden mit der Zeit zu Stande, worin er sich gegenüber den Chinesen als Meister erwiesen hat. Kurz: Mag auch der durch die Ansiedlung von Juden in Palästina für' ganz Israel zu nicht gedeckt sind, vielmehr im Nothfalle gezwungen sind, in die offene See hinauszufahren. Wenn wir uns von Chaifa nach dem Innern des Landes in der Richtung nach Südostcn begeben, so gelangen wir nach einer fünfstündigen Reise in die Kolonie Samarin oder „ Sichron-Jakob " („Andenken an Jakob", nach dem Namen des sel. Vaters des Barons benannt). Die Colonie ist ihrer Einwohnerzahl nach die größte unter den jüdischen Colonien, obwohl viele judäische Colonien sie an Größe. und in der Art ihrer Einrichtung bei weitem übertreffen. . Die Bevölkerung Samarin's wohnt auf einem Berge unweit des Meeres, der Boden der Colonisten breitet sich an den Abhängen der Berge und in den Thälern aus und erstreckt sich bis hart an dasMecresufer. Die Colonie ist mit Chaifa durch eine Chaussee verbunden, die von den Colonisten selbst angelegt wurde. Diese Colonie wurde im Jahre 1882 von rumänischen Juden gegründet. Diese kauften im Ganzen nicht mehr als 3000 Dunam Landes um den Preis von 50.000 Francs und auf diesem kleinen Stücke Landes ließen sich ungefähr 80 Familien, mehr als 400. Personen, nieder. Den Gründern dieser Colonie erging ' es am Anfänge noch weit schlechter als ihren Brüdern in Betherzielende Erfolg noch so gering geschätzt werden, jedenfalls wird und muß diese A n s i e dlung die Vergrößerung jüdischen Elends und die Verschleppung antisemitischer Brutalitäten in andere Zonen und Länder hintan halten; das allein wäre schon Grund genug, um der Sache mehr Beachtung zu schenken, als dies seitens der Juden des deutsch-slavischen Mitteleuropa geschieht. Und diese mitteleuropäischen Juden s 0 l l t e n u m s 0 m e h r a n d i e s e r R e t t u n g saction sich betheiligen, als sic ja selbst recht nahe daran sind, osteuropäisch behandelt zu werden und auch unter ihnen ein stets wachsendes Proletariat sich befindet, dessen Abnahme e r t r ä g l i ch e r e Z u st ä n d e s ch a f s e n könnte. Wir werden daher nicht ruhen noch rasten, bis wir die Stammesgcnossen. unserer Gegenden der rettenden Idee jüdischer Niederlassungen in Palästina zugänglicher gemacht haben; wir werden bestrebt sein, bereits bestehende aber wenig beachtete Zionsvereine bekannt zu machen und neue Vereine zu gründen und zu fördern und in dieser Hinsicht eine lebhafte Agitation zu entwickeln; wir werden mit allen unseren Kräften dafür eintreten, daß nicht fürderhin die edelherzigabgekargtenKreuzcrdes Mittel st andes und bie freigebig gespendeten Tausender unserer Neichen dem Moloch einer ziel- und zw ecklose nWohlthätigkeitgeopfert werde n, sondern, daß diese Capitalien in wahrhafter, vernünftig sittlicher Wohlthätigkcit zur Bekämpfung jüdischen Elends verwendet werden. -, - , B Lorrespondenzen. Wien, 24. April 1890. Nachdem die Neichshaupt- und Residenzstadt den rühmlichen Anfang gemacht, laufen auch aus den anderen Jehuda. Denn abgesehen davon, daß sie gleich jenen nicht das nöthige Capital zur Herstellung von. Bauten u. s. w. hatten, ereignete sich noch ein furchtbarer Unglücksfall, der das ganze Unternehmen in Frage stellte. Der Banquier Löbl atis Galatz, auf dessen Name der Grund und Boden angekauft war, starb plötzlich, und da derselbe keine Kinder hinterlassen hatte, so sollte die Colonie, dem türkischen Staatsgesetzc gemäß, Eigenthum des Staates werden. Die Colonisten waren selbstverständlich in der größten Verzweiflung und standen rathlos da; dazu begannen noch, wie gewöhnlich in solchen Fällen, Streitigkeiten und Verleumdungen unter ihnen selbst. In dieser furchtbaren Lage erschien ihnen ganz unverhofft ein rettender Engel in der Person des Barons, welcher unterdessen das Protektorat über eine Colonie in Judäa übernommen hatte. Nach und nach trat wieder Einigkeit unter ihnen ein, und die ersten Schritte zur Rettung der Colonie wurden auch bald eingeleitet. Vor Allem betraute der Baron einen Rechtskundigen mit der Vertretung der Colonisten in dem in Constantinopel anhängigen Processe. Es wurden keine Ausgaben geschont und der Proceß war . auch bald gewonnen. Die Colonie wurde. aus den

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