Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 1 (1.4.1890)
- Date
- 1890-04-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3092672-3092764-3092765--0423-3093374- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
außerdem noch nachträglicher. Haß auf den. jüdischen Namen gehäuft wird. Der Antisemitismus, welcher sich in dieser ruhmreichen Republik bereits bedeutend fühlbar gemacht hat, wird dadurch neues Brennmaterial erhalten und die Unzufriedenheit der Volksmaffcn in einer Weise anfachen und irreleiten, welche für die amerikanischen Juden unglückbringcnd werden kann. 6) Es wäre eine höchst bcdauernswerthe Verschwendung an Energie, Wohlthätigkeit und Geld,, große Fonds und Arbeitskräfte für einen Plan oder ein Unternehmen in Anwendung zu bringen, welches sich schon in seinen Anfängen so klar als uncinträglich' und nichtig erweist. 7) Anstatt einen solchen Plan auszuführen, wäre es rathsamer, soviel Geld in Form von Almosen den üe-, treffenden Aspiranten zuzuwcisen, da letzteres Verfahren nicht von so verderblichen Folgen begleitet sein würde, alS Elfteres. — B) Die Gesellschaft, welche wir vertreten, bezweckt die Colonisation von Palästina durch Juden und steht in diesem Zweck die einzige wahre Lösung und den korrekten Plan zur Verwirklichung der Ziele, wie sie in dem Ihnen vorliegenden Plan angestrebt werden,, weil' Palästina allein alle Vortheile in sich vereinigt, die . Erfolg versvrechen und die in allen anderen Gegenden nicht vorhanden sind, währeud es keinen der überall. sonst herrschenden Nachtheile aufzuweisen hat. Hochachtungsvoll und ergebenst H. Pereira MendeS, Dr. L. Zinser, Adam Rosenberg, H. B. Schulmann und 9 Direktoren."- (as) Tarnow, am 27. März 1890. Vor einigen Tagen haben bei uns Neuwahlen in den Gemeinderath stattgefunden. Das Bild, daS sich in den Mauern Tarnows darbot, stellte Szenen vor, die sich bei solchen Anläßen hier und anderorts in Galizien seit Jahren abzuspielen pflegen. Selbstsucht und Rückschritt, Unkenntniß und Mangel an politischem Gemeinsinn feiern ihre Orgien und sind eifrigst bemüht, jede fortschrittliche und auSsöhnende Bestrebung zu Hintertreiben. In die Reihen der Stadtväter werden jeder Selbstständigkeit üaare und der Landessprache unkundige Repräsentanten des Judenthums von heute berufen, weil ihre Wankclmüthigkeit und Unwiffenheit das selbstsüchtige Ich und die rücksichtslose Ehrsucht gewisser kleinstädtischer Politiker am erfolgreichsten zu unterstützen versprechen. Ich nenne keine Namen, nomina sunt odiosa, jeder Schuldige hat doch sein eigenes Gewissen. Mein Zweck ist nur der, die . Betreffenden auf die traurigen Folgen solcher bedauernSwerthcr Vorgänge aufmerksam zu machen, darauf, daß sie Entzweiung und Zersplitterung, gegenseitige Anfeindung und Ankämpfung unter diejenigen ausstreucn, welche zur brüderlichen und stammesgenößischen Einheit berufen sind. Denn die geschichtlich-vererbliche Völkcrkrankheft, der Antisemitismus, ist auch hier zu Lande heimatsbercchtigt und weist jeden gerechten Anspruch unsererseits auf die uns in Folge , des zwischen , den Juden und Ariern hier vorherrschenden- Zahlenvcrhältnisses gebührende Gleichstellung in der Ausübung der. städtischen Autonomie mit Hohn und Spott als. jüdische Anmaßung zurück. Nur diesen ehrsüchtigen und unverzeihlichen Parteikämpfen ist. die alleinige. Schuld zuzuschrüben, daß die halbe Million Juden Galiziens, die nur. in den Städten vertheilt ist, in^der. Politik, dieser Städte und des ganzen Landes gar nicht berücksichtigt, ja sogar aus allen-Aeuitern und öffentlichen Behörden verdrängt wird, und daß die Tarnower Judenhetzer die Stirne haben, die Mischen-Wähler unseres Weichbildes, des Verraths, Abfalls und Vertragsbruchs , zu zeihen und ihnen daraus einen Vorwurf zu machen,-daß .sie in den Stadtcath 15 Vertreter aus. ihrer Mitte zu. entsenden wagten--während.sie-doch den -faktischen Zuständen gemäß infolge-ihrer ausgesprochenen . Majorität.'in der II. und III. .Wählerkurie 24 zuberufen berechtigt sind. . Leider ist nicht einmal die uns gemeinsam bcdrohende Gefahr im Stande, die.-einmal angefachte Leideuschast zu ersticken und - der auf.die äußerste Spitze getriebene-Parteihaß unterließ es sogar nicht-eine solche gemeinnützige Jnsütution, wie die vor- Monaten .hier gegründete Filiale der Miance Jsraelite in Men^-zu persönlichen Agitationszwecken, zu - mißbrauchen. - Freilich wird Hiedurch die.Aussicht auf Gründung, .einer Schule «üt; Berücksichtigung unserer nationalen Geschichte und Sprache, in deren völligen Unkenntnis die jetzige Jugend Tarnows heranwächst und auf die endliche Beseitigung der unsere Kinder verwildernden und verkrüppelnden „Chejdnrim", immer mehr in die. Ferne gerückt. Sogar über die Art und Weise der Verwendung der auf das Tarnower Gebiet entfallenen und jüngstens zur Vcrthcilung gelangten Summe der Baron Hirsch'schcn Zwölfmillionenspcnde haben sich manch' hartnäckige Gerüchte in die öffentliche Meinung eingcschlichcn, die aus der Welt zu schaffen nur ein publicirter Rechenschaftsbericht im Stande wäre. Wir wollen hoffen, durch denselben eines Besseren belehrt werden zu dürfen, Sofia, 2. Nissan 5650. Ich will mich heute nicht mit allen Angelegenheiten dieser Hauptgemeindc des geeinigten Bulgarien befassen und. nur von zwei Anstalten berichten, welche würdig sind, überall Nachahmung zu finden. In der einen erhält eine Anzahl von armen Mädchen Unterricht im Kleider- und Wcißwäschenähcn unter der Leitung einer bezahlten Zuschneiderin. Die Kunden wenden sich mit Bestellungen direct an die Anstalt. .Die andere Anstalt, ebenfalls für arme Mädchen gegründet, fördert die Hausindustrie und erzeugt Gewebe in Baum- und Schafwolle von guter und brauchbarer. Qualität, welche unter den Gemcindcmitgliedern Absatz finden. — Es ist ein schönes Ziel, das sich diese beiden Anstalten gesteckt haben: jüdische arme Mädchen vor sittlicher Verwahrlosung, vor proletarischer Verrohung und Abfall vom Judenthum zu bewahren, und sollte in allen größeren. Städten, wo diese Gefahren naturgemäß besonders groß sind, Nachahmung finden. Die Gründung der erwähnten Anstalten hat übrigens .eine ihre Wichtigkeit in dem angedeutcten Sinne, grell illustrircnde Vorgeschichte: Noch vor zwei Jahren schickten ncmlich viele spancolische Jüdinnen ihre Töchter in bulgarische Fabriken (Tabakarbcit), wo dieselben die Bekanntschaft bulgarischer, macccdonischer und griechischer Burschen machten, mit denen sie sich nach Ucbertritt znm Christenthum verheirateten; ein Theil dieser Fabriksmädchen wurde noch rechtzeitig am Abfall gehindert. Dt. R B. Colonie Rischon le- Ziön. (Palästina) 15. Adar 5650. *) Seit einigen Wochen weilt hier der Obergärtner des Barons, Herr Ermes. Seine Hauptaufgabe besteht darin, die bis jetzt in den Weingärten der Colonie gemachten Fehler zu verbessern. In diesem Sominer hoffen wir hier schon selbst Wein zu bereiten, aber, ihn nicht mehr an die benachbarten deutschen Ansiedler'zu verkaufen, wie dies bis jetzt" geschehen ist. Die sehr wichtigen Arbeiten zur Vollendung des Bethauses und des großen Vcrwaltungshauscs nebst zwei Wohnhäusern für. das Dienstpersonal, sind in Angriff genommen morden. — Die Winterarbeiten sind überall schon zu Ende. —^ Vorigen Monat find aus Rußland cin Fcldschcr und eine' Hebamme , zur Unterstützung des Arztes Dr. Mafia, welcher in fünf - unter dem Protektorate des Barons stehenden Colonicen (Rischon - lc-Zion, Maskereth-Bathia, Kastinia, Jehudiah,' Pethach- Thikwah) thätig ist, angekommen.. . Obwohl es in Jerusalem Äerzte verschiedener Nattonalitäten giebt, so . hat der -Pascha von Jerusalem dennoch die Behandlung seiner'Gattin dem erwähnten Dr. Mafia'übertragen, und den- .. *) ■ Aus dem Russischen übersetzt. selben nach gelungener Behandlung mit einem schönen Geschenke entlohnt. Die Mitglieder der Colonie Pcthach- Thikwah wurden gemäß Auftrages des Barons in Ackerbauer und Gärtner cingcthcilt. Die Erstercn haben bereits die Sommersaat beendet; die Letzteren bearbeiten ein Stück Landes : behufs Pflanzung von Obst- und Holzbäumen. In K a t r a ist die Wintcrsaatzcit schon zu Ende, jetzt beginnt die Sommersaatzeit. In Jaffa ist von Bebkin Vater und Sohn eine Mustcrschule für hebräische, französische und arabische Sprache eröffnet worden. — Unlängst wurden hier von einigen Stammesgeuossen ungefähr 10000 Dunam (über 1000 Hectar) Landes, das unter dem Namen Duran bekannt ist, und auf halbem Wege zwischen Rischon lc-Zion und Ekron liegt, angetanst. Der Zweck dieses Kaufes ist, Ansicdlungslüstigen Theilc des gekauften Bodens abzntrctcn. Dem Unternehmen ist viel Erfolg zu wünschen. * * * Chronik. (Die Orthodoxe» Budapest's). haben eine eigene „Ehcwra Kadischa" gegründet und wandten sich um Zwvcisung eines besonderen Bcgräbnisortes bittlich an den Magistrat, der dieses Gesuch auch aufrecht erledigte, lieber einen Recnrs der alten „Ehcwra Kadischa" gegen diese Entscheidung wies der Minister des Innern die Angelegenheit an den Gemcindcrath, welcher in einer seiner Sitzungen die Entscheidung des Magistratcs aufhob und den Orthodoxen den separaten Friedhof abschlug. — Bis zur Uneinigkeit selbst nach dem Tode sind die Verhältnisse in Ungarn gediehen, in einem Lande, wo der Magyarisirungstaumel reißende Fortschritte macht, und Orthodoxen und Reformer.im Jndcnthum nur den Streit unff nicht die Einheit finden. (Dr. Sigmund Simouyi) in Budapest hat sich vor zwei Jahren taufen lassen und bald darauf die ordentliche Professur an der Pcsicr Universität erlangt. So geschehen im „liberalen" Ungarn, und einem Manne gegenüber, welcher nicht nur der bedeutendste Kenner des Ungarischen ist, sondern dessen Ruhm auf diesem Gebiete so anerkannt ist, daß der Jnstizministcr alle Erlässe auf Styl und Sprache von dem Judensprößling Simonyi prüfenlaßt. Die „Prawda“ betlagt sich darüber, daß die. polnische Nation, die vor 25 Jahren, also zu einer Zeit, ivo die Zahl der modern erzogenen Juden noch sehr gering war, dieselben mit warmer Freundschaft behandelte — jetzt, da ein großer Theil von ihnen unter die Besten der. Nation aufgcgangen ist,. (?) in der Liebe zu den Juden erkaltet und den Lockrufen antisemitischer Zeitungen immer mehr Gehör gibt. Der »6los« erwidert daraus, daß die Liebe am Platze war,, so lange es wenig, Semiten, unter den Polen gab, die Sache stehe aber jetzt, wo die Zahl der Juden, welche die., Annäherung. an. die Polen suchen,, stets wachse, wesentlich. anders; es, sei nemlich die Vcrjudüng der .Gebildeten zu befürchten. -- Fürwahr, diese Debatte zwischen den zwei erwähnten, polni-