Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 1 (1.4.1890)
- Date
- 1890-04-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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at: .r Seite 2. @cl(j ft @ mancipatio g/'' 1 T* •- iJ--' , sNr. 1. frcies/Vplk traf. undWifsLMlsHvjr opft eigürcuil Bodm saßen: und mehr - oder minder der -Guaöej fremder Möller entrathen .konntey, da konnten mir- .auc^ die lÄnErathie^ Herselben,, welche? unscre-iernst-: sittUche Lcbcnsanschanüngin ihrer dichten'/ seichten Lebenslust nicht begriffen, mit ziemlicher Gleichgiltigkeit ertragen. Aber die Situation änderte sich init einem Schlage, -als -unck ein tückisches Schicksals in alle Lande trieb und uns der Laune von Völkern preisgab,' deren Natur der unsrigen diametral entgegengesetzt mar. Wie konnte jetzt arische Hcrzcnshärte ihr Müthchcn an den fremdartigen'Men-' schcnkindcrn kühlen, die sich erlaubten, anders zu denken, anders zu fühlen und anders — auszuschen, als das auscrivählte Geschlecht Japhcts! lind. jetzt begann erst das -große -gräßliche Wehe unseres Stmumesst das seines Gleichen nicht hat in der Geschichte der "Völker. . DicsesLeidJsraelsstirbtnicht, f o lange zum Bedrücktwerden hinreichend kleine, zum Reizen j ud enfein d l i chen Gr ol l es genügend große 's u di s ch e Gruppen u n ie r ' a r i sch er Me h r h e i t.w.o h.p e,u -ohne.andere Hilfe vor ihren Peinigern, als deren Mitleid und das eigene^ Geld.' Wche'taber dem Volkes -das keine besseren Helscr .hat l Verläßt cs sich auf das Mitleid,' so ist es verlassen,' und sucht es 'irn Geldc seine Rettung, so mird der goldene Passirpaß mit der Zeit zn einem häßlichen gelben Flecken auf feiner. Ehre. -' Verfolgt und geächtet)- wird - ein - solches, Volk mit jedem Tage mchr wert, verfolgt und geächtet, zu'sein/'Ursache"und Wirkung.,vcrivirrcn sich unerkennbar ineinander und an dieser Verworrcichcit scheitert oft^die ^gesundeste- Logik und die festeste Humanität.' Was"'W i r'k'uUg des greulichen Haffes war, wird z u r U r s.a ch c desselben, und das Facit ist ein Jmmerticfcrsinken in den Pfuhl der Verachtung/ der Selbstverachtung ürrd der Verachtungswürdigkeit. ' Mit nichtcn aber ist unscrc unleidliche Lage in der neuesten Zeit hoffnungsvoller geworden. Man. hört so oft, der Jüdeichäß. habe sin der modernen Gesellschaft keinen Boden mehr und der Antisemitismus sei eine Zciüvidrigkcitj die sich nicht' lange halten könne)' Gegenüber' dieser oberflächlichen Ansicht ist wieder auf die Geschichte zu verweisen, die uns innerhalb eines jeden .der letzten ' 18 traurigen Jahrhunderte längere oder kür- * cre Erhölüngspaüsen des jüdischen Volkes ^cigt. Eine solche Erholungspause war auch'um die Mitte unseres' Jahrhurdcrtes hcrangebrochensie ist bereits v.ürüber und kein Förtschritt der "Welt wird'uns vor einer'neuen Äerä' 'der 'Bidrüiknng schützen.— es sei denn, daß " dieser Fortschritt seinem Programmpunkte der nattönalen' 'Völkerbcfreiüng' auch uns gegenüber' gerecht wird, ' was wohl zu erwarten steht. Doch wir wollen ja vorläufig davon nichts 'wiffen und nichts dazu thuU, hoffen vielmeht auf das Ende des Antisemitisnius. Es ist dies wic'dasHoffcn des Wüstenrciscnden auf eine Oase — der dann doch wieder iveitcr'in die Wüste hinaus muß. "Offenbar iüird auch'der Äntisemittsmus" seinen "Höh ep'uu kt ' erreichen und dann 'sirrken," Ober aus dem leichten 'Schlummer, in welchen die jeder lebhafteren Thätigkcit folgende' Ermattung, maamgfache ''Mgen- ■V blicksopportunjtätz^ffm besten^ Falle- MteDleine'ff ÄnwandluirUarischer^Dcinüthsichkeit, deir Juden-- haß versetzt chabcnß wird, swird,. ciMH erivachenJ und'uns, - die unt ihm geschläfen/-Haben,. .wichei" ans' holden Träiuücn' eiupörrüttelm Wir werden uns dann wieder die Augen reiben und wieder die Köpfe darüber schütteln, daß Alles nur Traum i siewcscn.l,Er wird'/däinu vielleicht nicht.mehr Zlntt-. semitismus heißen,...wie..er ja auch ehedem nicht so geheißen hat; denn der Judenhaß wechselt cha- . mälconarttg. seine. Farbe. Den Christnsmörder gab das Mittelalter und der Anfang der Neuzeit zu verfolgen vor, die Großcapitalistcn sucht die Jctzt- . zeit--in uns' zu treffen;-, was .steckt aber anderes hinter all' dieser rvcchselnden Begründung, als -der-ei-n e-unverwüstliche Judenhaß, der darnach - trachtet, sich'jedem-^Zeitalter in dessen Färbung zu präscutiren.' Und so wird "auch der' Epigone unseres heutigen-Antisemitismus um eine zeitgerechte Begründung nicht verlegen sein, -er wird auch wieder einen schönen Namen finden und eine Fahne, um die sich seine Schaareu saunneln. -'Oder will' man die Geschichte nicht gelten lassen/will man zu ,denen, gehören,- für ,die. cs keine historischen Erfahrungssätze gibt, so sehe -man-sich' die Menschen 5er-iGegenwaA a». Der Antisemitismus soll auf einen kleinen Kreis von Anhängern beschränkt scisi? Wohl wahr, dic'Änti-' semitcn sind eine kleine und rührige Partei, nicht mehr und nicht minder. Es ist eben nicht Jcdcr- ' "manns Sache,' Polittk! zu' treiben, oder wenn .eres schon thut, Gift. und Galle. zu speien. Aber, die Gegnci; des jüdischen Volkes, 'vom erbitterten Hasser bis zum harmlos scheinenden Spötter und zu dem mit einigen Vorurthcilcn behafteten, sonst ganz judenfreurrdlichen Mann, sind keine Partei sic sind eine ganze Welt. Das wäre Gespenster) sehcrei? Bei weitem nicht. Man mache sich nur kein X für'ein Ü vor, man rede sich nur nicht den Bestand eines herzlichen Verhältnisses zwischen 'Jude und Nichtjudc ein, und man wird erkennen, woran man' ist. ' W'o u n s n i ch t w i l d e r brutal c t' H a ß 0 d e r b r ü s k c "Vi> ra ch t n n g c n t g eg cnq n illt, w e h t''n n s d' e r 'Hanchj c n e r g e r i n g s ch a tz i g c n 'V o r'n ehmh ei t ent geg e n, d ie s i ch s o gerne in der Rolle herablassender G üt M üthig kei t' g cfä lltt ' In - jed ein F älle'a ber treffe n w ir a uflei se s Mi'ß t r'aü cn,'-' und' -d'or'tj wo"-- uns s el bst m i t'g ein t nn cird e r H kr zl i ch k eit e n t ge g e nch ek o m men w i r d'ft' stoßen' wi r 'cku f -'eiw'-ei g e n t hüin l i'ch e s", f ü r' di e g eübte S elö stv erleu gn ü'n g d änkh e isch end es'Ben ehm e'n. ' "' Mi't "einem Worte: Wir sind "u n d " b l e i b e n g e feil s ch a f t l i ch G e-, ä ch. t e t e:' Dieser Umstand'hat NÄ' selbstverständlich den verderblichsten' Einfluß auf' unsere politische und materielle Lage; " wir haben' jetzt weniger' dcnit'je Grund, über eilte' nachhaltige Verbesserung derselben zu triumphireil." Als klug verschrieen, sind' wir nicht, so klug einznsehcns wie augenblicklicher Vortheil uns Leute heute" zu Freunden macht,' die morgen ' ihre wahre Natur wieder "hervorkehren,'sia "sie Züch' heute schon zeigen,' roeiiiV sie sich jüdischerfeits unbeobachtet glauben. Und; solcher-Leute Phraseil sind für inls Klänge der)- MessiäsposanneH Oder----geben uns ettva die Negierungen Anlaß zu unserem Trinniphgeschrei?- Wiemanche'- -Regiernng, die uns mit kühler Vornehinhcit vor unseren Widersachern cjuasi schützt, drängt nils selbst nach Herzenslust in den Hintergrund, sie ivill ein Monopol 'für den Judenhaß,' wie - sie vielleichteines für den Tabak hat quod licet Jovi, non licet bovi. Wir täuschen uns auch über unsere eigenen - Empfiildullgen, indem rvir die sociale Freiheit, die wir zu genießen uns. einbilden, als-etwas ganz Selbstverständliches hinzunchmen uns bclvnßt sind, während ivir in Wahrheit ein Gefühl unruhiger Seligkeit verspüren, sobald wir..in - nichtjüdischcr Gesellschaft verkehren und annchmcn zu dürfe,: glauben, man bewundere unser 'nichtjüdisches' Gehaben.' Wenn" Eiiler der Unscrigen ein Titelchcn kriegt,, oder einen Orden, oder gar — das-Ende kr-önt das Werk — unter Geleite angesehener Christen beerdigt wird, dann verkündcii wir es jubelnd der Welt und ftihlen uns so kindischglücklich "^über die angethanc Ehre. ,Wix. übersehen..dabei,r:bajj,, all' - dieser Firlefanz unser Elend nicht ändert. Unsere Armen sind w.iglncklicher .demr .jc, denn, sic verlieren mit dem <Sinkcn.. jüdischen Geistes auch ihre jüdische Würdigkeit und nähern sich'dem erbärmlichen arischen Prolctariate, unser Mittelstand hat eine, unsichere Existenz, unsere spärlichen und desto mehr be- - neideten- Neichen sind "mir mit Widerwillen von der. Gesellschaft geduldet, wofür sie.freilich keine ' EnchfiNdu'ng haben," unsere' Jugend ist "auf allen Seiten im Fortt'omiucu,. gehindert, —: wir - alle sind eingepfercht in die engen Grenzen des Handels und verwandter Berufe nnd^verkommcn in dieser Einseitigkeit. — Verk r ft pp c l t in u n sere m V o l k sn n d i n d i v i d tise.ll'l--c-,w)Tl aff e-Hn"srh r-e-ift-e n-ipir^durch d i c Geschichte. So w a r c s i n den v e r g a.n-'g eitteui Jnh-r.h.u n.d e r t c n, s o i st c s h e u t e. Es, ist min natürlich, daß diese Jämmerlichkeit unserer Existenz mannigfache Hilfsprojecte verursacht hat. Das scheinbar einfachste ist die Ä s s i tit i latio n. Sie besagt: „Wir Juden werden verfolgt Und gepeinigt; hören wir auf, Juden ' zu sein und" alle Pein hat ein' Ende." Fürwahr, ein verblüffend richtiger Schluß! Aber scheu wir uns' doch die Erfolge an, welche die ‘ assimilatorische Theorie, die nicht von' heute ist, änfzui'veisen. hat. Etwas Erfolg wäre ihr eigentlich zu gönnen gewesen, "'nachdem' zngestandcn werden muß, daß viele ihrer Begründer edle, warmherzige Menschen waren, welche auf ihre Weise Gutes zu'thun gedachten. , ' 'I Wir hätten in die Nationen, unter denen wir wohnen,' änfgchen sollen; mit den.'Naccn- . cigenthümlichkeiten würden wir, — so calculiric man — 'äüch die Von 'den "Ariern".'so gehaßten Unschönheiteuffin Umgänge und in' der" Gesinnung vet-lieten. Uilser'jStteben' müßte uns.''die' Gc- Äögenheit' aller Völker erringen, unsere" Feffeln würden dann gelockert werden und das trüge wieder zu unserer sittlichen Hebunsi und zu unserer 'nätionalen ' Anpaffung' au' die' Völker' bei. Zum Schlüße müßte sich jede Spur. unseres in .1 ..n ... - '.. - ■>-:.