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Selbst-Emancipation · 1886-07-06 · Heft 11 (6.7.1886) · p. Seite 5

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1886
Issue
Heft 11 (6.7.1886)
Date
1886-07-06
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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N>. ,1 'S e l b ft - E mancipatio n! prangen aurinigeit Gebäuden der Kolonie Schilder mit hebräische» Bezeichiingen, io an der Synagoge, der Schule, dein Hanse des Leiters und dem des Gärtners. Die Kolonie erhielt jiingft von der Regierung die Erlanviuß, Scheide münzen für die Umgebung zu sivlagen, was auch bereits geschehen ist: Es sind Stücke zu 1, Vs und Piaster geprägt norden. Die -Münzen zeigen ans der einen Seite die hebräische Inschriftnpy» jY'O*, ans der anderen „Sicht on Jakob“ nvd die Werthavgabe in französischer Sprache. — Die C 0 lonien bereiten sich auf den in Auss i ch t gestellt e n B e such des Paschas von Jerusalem vor, der festliche Empfang desselben soll sich z u einer d e in o n st r a t i P e n Loyalitätskundg e b u n g f n r d i e o s m a n i s ch e R e- ,g i e r u n g g e fl a l t e n. (Der rnssifchc Konsul) in Jrrusal m li.ß in den dortigen Synagogen durch hebräische Anschläge bekannt machen, daß jeder, der im Besitze eines nicht über 5 Iahte alten russischen Passes sei, im Coiisiilate ei scheinen und bot t feint n Anspruch auf den Schutz der russischen Äicgieinng geltend machen könne. Dieser Erlass ist eine Neuerung, denn bis jetzt war es den rnssifchen Consnlrn nicht eingefallen. die russischen Inden zu beschützen. Verein „Admath Jeschurun.)“ .Sonntag den 27. Juni hielt dieser Wiener. ColonisationSverein eine ordeniliche Geiiernlversaiiimluilg. ab. Der Caffier des . Vereines, Herr Dr. Herz Fi s ch I e r gab zuerst Caffnbericht während der verfloflenen Monate.. Es wurde hieraus der Bereliisleituug zur Pflicht gemacht, i» den. Änfrnfeii.und Berlantbarnngen d s Vereines die nationale, ökonomische, hniiiaiiitäre un/> religiöse Seite der Eolonisationssache in gleiche r Weise zu betone». Sodann fanden ErgäiizniigSwahlcii statt. An die Stelle des sei» Amt wegen Ueberbürdnug niederlegenden deinschen Schriftführers, HerrüNaihan Birnbaum, der jedoch auf allgemeinen Wuusch im Vorstände als blvS berathendes Mitglied verblieb, wurde Herr Dr. Maurice @ Untrer gewählt; ferner traten statt der ansscheidenden Mitglieder Dr. Davioovlcz, Wilhelm Feldbanm und Nathan Löivenbach, in den Vorstand die Herren Jacob Knopf m ach er und Meyer Brunner ein. Herr B n sp a un wurde statt des letzteren Herrn zum Gasierevijor ernannt. — Mit Statutenänderung wurde begonnen, doch wird dieselbe erst in einer nächsten Genei alversammluiig zu Ende geführt werde». (Ju Tatar-Bazardzik)Ostinnielie», haben sich, w-e dem „Eamagid“, berichtet wird, zehn Familien entschlossen, in gewissen Intervallen nach Palästina zu gehen und sich dort dem Landbau zu widmen. Die Wackeren haben 23.000 Francs zur Verfügung, benöthigen aber, um ihrem Unternehmen eine seste Basis zu geben, •35.0U0 Francs. Deshalb wenden sie sich an alle .Zionsfreunde um eine diesbezügliche Anleihe. — Auch aus Sophia, der bnlgarischen Residenz, -werden deninächst 10 Familien in die Colonien abgehen. Literarisches. B'chi ewel Mosclieh. Herr M. I. Bretthöl.z in Stanislgu macht durch seine gute, hebräische Ueb.ersetzung der von Rev. Dr. L. Loewe, Secretär' des seligen Montesiore, 'nach Ablauf der dreißig Trauer tage demselben gewidmeten englische Trauerre e, dieses nationalwirksame oratorische. Mei sterstück weiteren-jüdische» Kreisen zugänglich und verdient schon deswegen alles Lob. Noch mehr aber gebührt ihm solches dafür, daß er einen Theil des Erträgnisses dem „Verbände der Zionstreunde" widmet. Mit Rücksicht auf dem letzteren Umstand ist kein Preis aiigeaeben, sondern wird die Höhe der Bezahlung de», Ermessen und der Wohlthätigkeit der Käufer überlassen. Slaskereth Jloscheh. Der Verein „Ariel“in Bottuschan legt unter obigem Titel dem Lesepnblicnm den Inhalt der bei »er von ihm verait'talteteii Montefivre-Tranerseiec gehaltenen, gedankenvoll'n und sormschönen R den in deutscher und hebräischer Sprache vor. Diesem Berichte geht ei» Vorwort des Vereines voran und sind auch demselben kurze Vereinsmittheilniigen sowie die Statuten d-s Vereines beigefügt. W r gratulireu dem „Arisl" zu dieser seiner Publicatio». Der „Hamagid." Bei der so geringe.i Verbreiunig der hebräischen Zeitungen in Deutschland dürfte es nicht sehr wunderbar ersch.inen, daß selbst die älteste und angesehenste, der „Eamagid,“ welche seit 30 Jahre» in Lyck lOst-P>evße») erscheint und vom jüngst verstorbenen David Gordon redigirt wurde, ihrer Bedeutung und Tendenz nach wenig bekannt ist. Ich erlaube mir daher, Ihren geehrten Lesern im Folgenden eine kurze Charakteristik des „Eamagid" zu geben. Hervorgernsen durch die mißliche Lage der Inden in Rußland, Polen und andeien Ländern, wo die Inden die Landessprache sich noch nicht zu eigen gemacht hatten »nd daher auch von jeder modernen Bildung ausgeschlossen waren, stellte sich der von Doctor Silbermann begründete. und später von David Gordon redigirte „Eamagid," die hohe Aufgabe, einerseits durch die hebräische Sprache, welche den meisten Juden der genannten Länder mehr oört weniger bekannt war. die weltliche Bildung den Inden zugänglich zu machen, andererseits die damals noch verlassene und selbst in gelehrten Kreisen wenig beachtete hebräische Sprache wieder zu Eh>e» zu bringen und zu einer nationalen Sprache zu machen. Und weil mehr als vorauszusehen war, hat der „Eamagid" schon in seinem ersten Decenium seines Bestandes das erwünschte. Ziel erreicht. Durch den „Eamagid" angeregt, fing ei» großer Theil des russischen Jndenthums a», alle Interessen der Menschheit mit Theilnahme zu verfolgen und gewann Sinn mid Gefühl für Politik, Kunst inid Wissenschaft. David Gordon, die Seele des „Eamagid," wurde bald als ein würdiger Vertreter des Jndenthums bei allen Parteien geachtet und als eine maßgebende Autorität in wichtigen Fragen, die das jüdische Leben betrafen, anerkannt. Ihm schloffen sich im Laufe der Z it eine große Anzahl bedeutender Männer, welche in seinem Sinne für das Wohl des jüdischen Volkes wirkten, an. Auf diese Weise ist der „Eamagid" gewissermaßen ein Organ des gesammten Jndenthums geworden. Es dauerte aber nicht tanze, so folgten Viele dem gegebenen Vorbilds und begründeten neue Zeitungen in hebräischer Sprache. Zn diesem gehören in erster Linie der „Eaibri,“ der „Eameijtz,“ der „Ealebanon“ und die „Earsürab.". Aber alle diese Zeitungen vermochten nicht die Bedeutung des „Eamagid" zu schmälern. Er behauptete sich noch immer a.f seiner Höhe und zeichnete sich vor allen ander,, durch seine Unparteilichkeit und wahrhafte Begeisterung für die Interessen der jüdischen Nalioa aus. „Liebet Wahrheit und Frieden!" war seine Losung. In welchem Maße die Liebe zur hebräischen Sprache durch den „Eamagid" geweckt wurde, kann sich am besteil derjenige eine Vorstellung machen, der schon als Kind den „Eamagid" gelesen hat. Nie wird dem Schreiber dieser Zeilen der Eindruck aus dem Gedächtnisse schwinden, den die Lektüre des „Eamagid" in seiner früheste» Jngei-d auf ihn gemacht hat. Wie ein langersehnter Gast wurde jede Nummer empfangen, die schnell von Hand zu Hand ging. Man fühlte sich auf einmal aus dem alltäglichen Leben heransgeriffen und in enge Beziehung zur ganzen Welt, besonders zum gesammten Jlidenthum gestellt. Die Jugend fing an. eifrig hebräisch zu lerne» und übte sich mit besonderer Vorliebe in schriftliche» Arbeiten. Aus d u Mitarbeitern des „Eamagid" gingen viele selbstständige Literaten und Publiciste» hervor, welche durch zahlreiche Werke in hebräischer Sprache dieser eine »ene Jugend »nd Frische verliehen. Auch auf die Erhaltung und Förderung des strengen, religiösin Geistes übte der „Eamagid" einen Einfluß ans. Ec kämpfte stets für die wahre gesetzestreue Richtung im Judeuthum, ohne jedoch als Parteiorgan zu ei scheine». Als in den letzte» Jahren durch den Antisemitismus und die Judenverfolgungen die alle Länder durchlaufende sogenannte nationaljüdische Bewegung entstand, so befürwortete der „Eamagid" die reinen und edlen Bestrebungen der Zioiisfreunde und kämpfte mit aller Macht gegen die von Assimilationssucht befangenen principielleu Gegner der Colonisation Palästinas. Aber auch hierin gebührt dem „Eamagid'' vor manchen anderen Zeitungen der Vorzug, daß er nicht in de» Fehler der Einseitigkeit verfiel und übergroße Schwärmerei vermied. Mit großer Besonnenheit, mit voller Berücksichtigung der bestehenden Zeitverhältnisse, der jüdischen Geschichte und der religiösen Lehren de- JudenthumS wirkte David Gordon in der Loloni» sationsangelegenheit mehr durch Thaten als durch Worte. Nun ist David Gordon, der große Held des Jndenthums in ei» besseres Jenseits gegangen, geblieben sind aber gottlob eine große Schaar Anhänger und aufopfernngsfähiger Kämpfer für das hohe Ziel, das er seinem Volke gezeigt hat, und ist eS eine heilige Pflicht aller Freunde der hebräischen Sprache und der ZionSidee, für die Erhaltung deS „Eamagid," dessen Redaction der Sohn des Verblichenen übernommen hat, nach Kräften zu wirken. Besonders ist der „Eamagid" den geehrten Lesern dieses,, Blattes in Oesterreich und Deutschland ausS Wärmste zit empfehlen.*) Berlin den 88. Juni 1888. S. Fuchs. *) (AiW. d. Red.) Wir können diesen Ausführungen nichts hinzusetzen, als daß sie durchaus richtig sind, ja vielleicht die große Bedeutung des „Hamagid? für den WlederbelebmigSproceß der jüdischen Nation un» ihrer Sprache noch immer nicht hinreichend hervorheben. Auch wir empfehlen daher diese Wochenschrift und machen darauf, aufmerksam, daß sie schon wegen ihres billigen Preises leicht zugänglich ist. Der „Hamagid* kostet pro Jahr 12 Mark resp. 8 fl. res», e Rubel rejp. 20 Franc» und ist auch halb- und vierteljährig bestellbar.

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