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Selbst-Emancipation · 1886-07-06 · Heft 11 (6.7.1886) · p. Seite 4

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1886
Issue
Heft 11 (6.7.1886)
Date
1886-07-06
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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worden, nachdem man deren Häuser dcmolirt Hatte. Die darüber geführte Beschwerde hat keinen Erfolg gehabt. — Die.Auswanderung der Jude» .nimmt immer grö Herr Dimensionen an. (Das rrand der Freiheit.) Im „Petit Pari» »ion« liest man: .Li» Matrose jüdischer Religio», hat 15 Tage Arrest e. halten, weil er - a», Charfrcitag sich -erlaubic, Fleijch, das.er sich aus der Stadl geholt, an Bord zu effen. Dieser Unglückliche mustlc auch vor Antritt der Strafe der Abendmesse belwohnen. (Die Juden für die Iren.) Der „Wiener Allgemeinen Zeitung" wird unterm 30. Juni aus London telegraphirt: „Ein gestern abge. hälteneS Mieling von 2000 jüdischen Wählern Ost-Londons erklärte sich f ü r d i e Römer nie. Wegen Raummangels wurde beschlossen, die jüdischen Volksversammlungen unler freiem Himmel abzuhalten. Die erste findet morgen statt und werden dabei 15000 Theilnehmer erwartet.' Der Candidat ist Richard Eve." Bekanntlich bringt Gladstone einen Gesetzesantrag ein, welcher dem irischen Volke auf seiner grünen Insel eine Art Parlament und überhaupt an Selbstständigkeit streifende Rechte geben will. Es ist schön von diesen Loiidvner Juden, — und kann uns Natioiialgcsinnte nur freuen— daß sie den ihnen sonst nicht besonders gewogenen Minister Gladstone in seinem Slreben, in warmherziger, zugleich aber politisch kluger Weise einen unterdrückten Volks stamm aufzurichten, untelstützen — besonders, wenn man bedenkt, daß auch die Iren sich eher durch Judenfeindlichken, als Judcnfreundlichkeit aus- . zeichne». Dieses Vorgehen unserer Londoner Stammesgenosien kann eine unwillkürliche Bethätigung des in ihnen schluminernden Nationalgefühls genannt werden. Jedesmal, wenn ein . Volk, das ein ähnliches Schicksal mit dem unsrigen aufweist, den Kampf für seine Wiederherstellung aufnimmt oder diesen Kampf glücklich beendet, findet es in den Juden die wärmsten Freunde, respective die neidlosesten Gratulanten. Dieses zeigte sich bei den Polenanfständen. dies trat auch im Kampfe des Arabers Arabi Paschah vor eiuigen Jahren zu Tage, wo freilich die Neigung eine bloS platonische bleiben mußte, und dies, erfährt eine neuerliche Bestätigung durch die obenerwähnte Action zu Gunsten der Rornsruls. Bedauerlich bleibt abcr nur, daß in de» warmfühlenden Herzen unserer Juden, nicht mindestens .dasselbe I nt er e s s e für ihr eigenes nationales Unglück e n t st e h.1, als f ü r d a S f r e m d e > ja daß sogar die an und für sich so edle und nicht ' genug zu lobende Sympathie für ähnlich leidende Völker o f t z.u r V e r n a ch l ä s s i g u n g, ..Verachtung u n d V e r u r i n u n g des .eigenen Volksthums und seiner Erfordernisse führt, wie dies. z. B. in den polnische.» Gebieten der Fall ist. Korrespondenzen. Wien. Es war ein heißer Angusttag des Jahres 1883. Die Sonne brannte mit sommerlicher. Glnth auf die Köpfe der Menschen herab, schwere Schweißtropfen perlten auf ihren Stirnen; aber was kümmerte man sich heute um die drückende,Hitze, — heute, wo über das Leben einiger mit 'einer fürchterlichen Anklage belasteten Menschen,- zugleich aber auch über die Ehre eines Volkes""von acht Millionen abgenr-' theilt wurde.-Alle Einwohner der großen Weltstadt schienen ihre Gedanken nur in einer Richtung zu beschäitigen, die ganze Resibenz lauschte gespannt auf die Enlscheiduiigskunde aus der kirinen nugarischell Geiichisstadl. — — Di» Botschaft teaf ein. sie' war eine freudige für das ve> bächugte Volk und die Verteidig.! seiner Mensch-nwülde. Die papierenen Zungen der Presse jubelten den erlösenden Richlerspruch hinaus in alle Weltgeg enden, nnd die Juden — an diesem Tage waren sie wahrhaft eine geeinigte Nation, an diesem Tage schlugen die Herze» selbst der Entfremdet steu für ihren Stamm und für die armen Gemarterten aus dem Lande der Magyaren.- Aber die lohende Begeisterung jenes Tages sollte wieder verflackern, — denn die Assimilation hat bereits jh sehr Besitz genommen von den Söhnen unseres Volkes. — - Es ist der Frühsommer 1886. In den Slraßen derselben Weltitadi, deren Juden jenen Augnstt»g vor drei Jahren mit banger, fitbklhafter Angst begonnen und mir reiner, edler Freude beschlosien hatten, wandelt.der Mann, ans den sicy damals die Hanptthellnahme evncentriite, den man doppelt beklagte, als unschuldigen Märtyrer und hartgcprüften Bat er. Aus einer großen Seestadt, in die mau ihn geschickt hatte nnd wo es Hunderte von Juden gibt, die m ihrem „diamantanen" Reichthum schwelge», mußte ec, einer der Märtyrer Israels, scheiden, weit er kein Brot.-für seine Familie hatte finden können und er kam von.dort zurück. — — Da steht er nun in der breiten palastumsänmten Straße und sieht auf die Prachtgeväude, von denen so manche unseren Stammes, genossen gehören. >,Dort ist Hilfe!? denkt er sich. Armer Mann, Du weißt eben nicht, daß wir im neunzehnten Jahrhunderte leben und wie seine bisher verflossenen 8'/, Jahrzehnte in unserem Volke gehaust haben! Der Märtyrer, für den'ei »st die ganze civllisirte Menschheit sich lnteresiirle, vetlctt;nuu bei den Geldgroße» — nicht etwa um ein Almosen,.»ein »m A r b e j t, um B e s ch ä s t i g u n g. Urrd die Antwort? Achselzucken oder retöurnirte Gesuche! Jst's möglich?—--- Verhülle Dem Gesicht, ' Genius unseres Volkes! Leget Euch schlafen, Nationaljuden, denn alle Eure Mühe ist umsonst! — — Ha, Ihr fürchtet wohl für Eure Sicher, heit, für Euer theures Leben, Ihr Geldprotzen, Ihr Mammonssclaven?! Der arme Mann hat ja ein Kainszeichen, wie Ihr .glaubt, auf seiner Stirne und das könnte auch Euch verderben? Nicht wahr, so calculirt Ihr? Darum schön aus dem Wege gegangen!-Ja, es ist eine verkehrte Welt, da beschwören ein paar selbstsüchtige Goldkälber durch ihren lächerlichen, barocken Adelsfirlefanz, durch ihren widrigen und. geschmacklosen Luxus, durch ihre .neue „Religion des Geldes" einen bösen -Geist gegen eur ganzes Volk heraus, — und, wenn dann dieses Blutgespenst, in den Mitteln nicht wählerisch, einen SensationSproceß fabricirtj derdenMördermackel auf Unschuldige wirft, dann wagt eS. noch diese pseut-o-arrstokratische..Clique, ihre eigenen Prngelkiiabe», ihre Sündenböcke ■ von der Schwelle zu weisen. — — Z» schauerlich! Erez Israel. (Solotlie Ciederah, 8. (20.) 3uui 1886.*) Der aus Paris hergekommene Herr Scheid hat unsere Colonie besucht. Er sah. wie wir uns ohne Wasser und ohne Häuser plagen und besichiigte auch unsere Felder. Ueber Alles hat er nach Paris geschrieben. — Dieser Tage kam aus Paris eine Verordnung, daß man für uns einen Brunnen mit allen dazu nöthigen Nebenbanten baue. Ihr Einwohner Europas könnt euch gar nicht vorstellen, was es heißt, in Palästina eine» Brunnen zu baden! Nicht umsonst nennt die Bibel das Wasser „lebendig". Es belebt und befruchtet den Bode», der im Laufe von sieben Monaten von keinem einzigen Tropien Re ge n erfrischt wurde. Vor Kurzem ivarea wie noch in Verzweiflung; wir glaubten, daß wir noch lange Zeit das faule, stinkende Wasser ans dem Waad (einem zeitweise» Bache) trinken werden müssen, aber jetzt, — jetzt ist an Stelle unserer Verzweiflllng eine unendliche Freude getreten, eine Hoffnung auf bessere Tage. Und wissen Sie, Wer der Urheber »»serer Freude ist? Derjenige, auf de» die ganze jüdische Nation mit Ehrfurcht schaut, dessen Name jeden Augenblick gesegnet wird auf allen Winkeln des Erdballes, wo nur die Worte „u-wo le-Zijon goel“ „(Und kommen wird, der - Erlöser für Zion") ausgesprochen werden. Sei stolz, jüdisches Volk! Da bist no ch nicht zu alt, wenn du solche Söhne hast. P. S. Ueber die Dritte in unserer nnd in anderen Colonieu werde ich Ihnen im nächsten Briefe Mitteilungen machen. Abraham Solomiak. Odessa. l6(28.)Juni. Die in der letzte». Nummer Ihres gesch. Blattes erwähnten Rabbi rer Chaim Elasar Wachs und Rabbi Josna aus Kutno besuchten aus ihrer Reise nach-Palästina auch Odeffa. Von hier aus sind sie -am 10.(22.) Juni zu Schiff zuerst nach Constantiiiopel abgereist, w» sie auch Manches zu besorgen haben. H- . (AuS den Colonien.) In? s t Ir a c h- Thikwah hat - die Weizenernte aufgehört und -das Dreschen begonnen. Die. Gesellschaft der „Zionsfreunde" unterstützt die Familien der Colonisten. — In Ekron mar die Ernte eine übel aus gesegnete. — Aus Ri schon-, Lezion wird gemeldet, daß jcinaub bei dem bekännlen Wohlthäter 800 Dunam Boden neben Rischon-IlSLion gekauft Hat, doch mußte er sich verpflichten. nur j ü d i.i ch e Arbeiter zu beschäftigen. — In Sictron 'Ja c o b mußte die für daS Schewuoth-gfe|t i» Aussicht genommene EinweiHuilg der Synagoge verschoben werden, weil ,man. von dem ursprünglichen Plane» .den Fußboden des Gotteshauses aus Portland-Eement zu machen, abging ' und, Marmor vorzog, welcher aber eine längere Bearbeitung. beansprucht. Seit einigen - Tagen *) AuS dem Russischen übersetzt.

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