Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1886
- Issue
- Heft 9 (2.6.1886)
- Date
- 1886-06-02
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 7 Nr, 9 S e lbst-E m a n ei p a ti o n! W ei nh eb er (Bicepräses), stud. xhil. Jthanmr E i d e l b e r g (Schriftführer in hebräischer Sprache), stud. techn. Michael Ellman n (Schriftführer in deutscher Sprache), sind, techn. Abraham Sauberberg (kassier), stud. teohn. Joachim Stolzenberg (Bibliothekar), «und. zur. Moses H e i l p e r u (Zeitungsverwesei); in das Schiedsgericht die Herren: vrd. med. Philipp F ischler, cand. jur. Oser Kokesch, stud. jur. Abraham Salz. Für den Ausschuß: vrd. med. Leo Kohan, stud. techn. Mich. Ellman», dj. Pries Wie», den dz. Schriftführer in deutscher Sprache. 11. Ijar 5646. 16. Mai 1886. glmin sür hebräische Wissenschaften, Geselligkeit nab Allterslühunz „Ohawe Israel.“ Ueber Beschluß der Vereinsleitnng wurde die Zeitschrift „Selbst-Emaneipation!" zum Verein sorgane ernannt und erhalte» sämmtliche Vereinsmitglieder dieselbe aus Kosten des Vereines zugesendet. Ferner veranstaltet der Verein am 2. Juni 1386 einen Ausflug ans den Heuberg in Dornbach, verbunden mit Vorträgen, Wiesenspielen und Tanzkränzchen. Betheiligungskarlen & 25 kr. stud im Vereinslocale II., Schiffamtsgasse Nr. 20, in Fischer's Restaurant zu haben. Zusammenkunst präcise 2 Uhr am Praterstern. Gäste sind willkommen. Bei »iigünstiger Witterung wird der Ausflug auf den 6. Juni verschoben. im Inner» herbeizusühcen drohten. Indem wir daher behufs Verbrüderung einen Verein im angeführten Sinne gegründet haben, haben wir uns, unserer Idee entsprechend, folgendes Programm vorgezeichnet: Pflege der hebräischen Wissenschaften, sowie der nationalen Geschichte durch Einführung von Unterrichtscursen und Abhaltung von Borliägen; Belebung der Gefühle für einander durch Geselligkeitspflege, Veranstaltung von Zusammenkünften, Einführung einer Biblidthek und sonstiger den persönlichen Verkehr mit einander hebender Bequemlichkeiten, Unterstützung bedürftiger Mitglieder durch Geld oder durch persönliches Wirken für einander. — Entschlossen, ohne vor etwaigen, unS bevorstehen» den Schwierigkeiten znrückzuschrecken, dem »ns gesetzten Ziele zuzustreben, geben wir der Erwartung Raum, daß unser Unternehmen die verdiente und würdige Unterstützung finden wird. Der grrelll sür hebräische Uisseuschasten, Geselligkeit und Nuterstühuag „Ohawe Israel“. Sigmar Werlheimer, A. Sceleufrennd, proo. Schriftführer. Ijar 5646. Wien, im Mai 1886. pro» Obman». Mitglied-beitrag 40 kr. monatlich, Einschreibegebühr 56 kr. Anmeloungen werden von Herrn A. Seelenfceund, II., Theresiengaffe Nr. 1 brieflich entgegengenommen, oder persönlich von den Ausschußmitgliedern allabendlich im Vereinslocale in Fischer's Restaurant, II., Schiffamtsgaffe 20. Wien, denf6 Die Vereinsleitung. Ijar 5646. 31. Mai 1886. Ztamnus- und Glaubensgenossen! . Schon lange hat sich bei uns das Bedürfniß fühlbar geinacht, eine Vereinigung unter Gefinnungsgenossen herbeizuführen,. um nicht nur die Stammesgenösse» sür ihre Sprache und Geschichte zu begisteru, sondern auch zu verbrüdern und sich gegenseitig mit Rath und That an die Hand zu gehen. Dieses Bedürfniß steigerte sich aber, als in der letzten Zeit die allgemein bckaunten, sehr bedauerlichen Thatsachen zu Tage getreten sind, daß sich Stamniesangehörige solche» Kreisen anzuschließeu suchten und in solchen Gruppen ihr Heil zu finden glaubten, wo sie mit Fug und Recht als Eindringlinge behandelt wurden, dem Judenthum aber nicht nur von Außen Haß und Verachtung zu zeigen, sondern auch eine Spaltnng Literarisches. („Hamelitz") wird vom 1. Juli russischen Styls angefangen, täglich erscheinen. Somit wird es von nun an 3 hebräische Tageszeitungen („Hajom", „Hazefirah.", „Hamelitz“) geben. Wenn wir uns auch nicht der Ansicht entschlagern können, daß diese Zahl für den Anfang zu groß ist und die Fttrcht hegen, ein Nebeneinauderbestehen aller drei werde vorläufig kaum möglich sein. — so begrüßen wir dennoch die Umwandlung des „Hamelitz“ in eine Tageszeitung mit dem Gefühle der größten Freude, lvir begrüßen das hebräische, politische Tagesblatt „Hamelitz“ als die e r st e e i g e n t l i ch e heit. Es wäre dieser jungen Jnstitlttion von autonomen Richtern, welche uns die schönsten Hoffnungen gibt, guter Erfolg zu wünschen. HI. Sabbath, fünfter Peßachtag. Die Sonne neigt fich dem Untergange zu. Die Heerde kehrt nach Hause zurück, Kinder und Erwachsene gehen ihr entgegen. Betrachtet doch die festlich gekleideten, rothwangigen Knaben, eS sind zukünftige Bauern der heiligen Erde. In leichteren Arbeiten find sie den Eltern schon behilflich. Die Eltern wollen sie nicht der Schule, der Bildung, die jedem jüdischen Herzen theuer ist, entziehen; umsomehr, als sie fleißig lernen. Sie sind schon ein wenig mit Miaclmah. und Thalmud vertraut und sprechen schon recht viel französisch. Wachset heran,, prächtige Kin» der, zum Ruhme Israels! Werdet stark, lernet und arbeitet auf der Erde unserer Ahnen, auf der Ihr jetzt auferzogen werdet, die Euch nicht mehr fremd ist und die Ihr mit vollem Recht nennen könnet: „B a t e r l a n d“. — Und auf ) dem Hauptwege, der die Colonie mit einem ihrer Theile vereinigt, der den Namen Samar in führt, dort geht eben die erwachsene Jugend der Colonie, Arm in Arm, ut einer breiten Colonne marschirend, zur Colonie. Bei dieser Gelegenheit macht sich der Mangel der jüdischen Nation au Arbeitsliedern und die Nichtkenntniß der etwa bestehenden fühlbar. Es wird also was immer gesungen. Froh tritt die jugendliche Schaar in die Colonie ein, die ganze Breite der Straße einnehmend. Sie heißen jeden Colonisten brüderlich willkommen, dem sie während des Ganges durch die Straße begegnen. Alle Thürcn sind geöffnet und freudig schauen die Einwohner drc Häuser auf die fröhlichen Gesichter der jungen Leute. Schauet nur gut hin und Ihr werdet sehen, wie diese glänzen und die Augen funkeln. Höheres Glück erfüllt jetzt ihr ganzes Wesen; ihre Augen drücken eine dankbare, erhabene Freude aus. Während die Herzen von solche» Gefühlen durchdrungen find, murmeln die Lippen unwillkürlich die Worte des Segensspruches: „scheheehijaira, -Weidmann -wehigjanu la-sman haseh — daß wir erlebten und erreichte» diese Zeit.“ Jizchak ben Nachum Epatein. Colonie Sichren Jacob, l. Ijar 5646. Realis irung der Anforderungen, die wir an ein hebräisches TageS- Journal stellen, wir begrüßen es als das einzige unter den drei Tagesblättern, welches voraussichtlich der Sprache, in der es geschrieben ist, entsprechend, den ausgesprochen national-zionsfreundlichen Stand- Punkt wahren wird, wie es denn auch ausdrücklich die E r w e ck u n g der Liebe zum heiligen Lande und die Stellungnahme gegen die Assi* milation in das in seiner letzten Nummer veröffentlichte Programm a u f n i m m t. Wir begrüßen in dem Tagesblatte „Hamelitz“ ein großartiges nationales Unternehmen, das wegen der erwiesenen Fortschritte der nationalen Idee noch am meiste,! in seinem Bestände gesichert ist. Und deshalb fordern wir alle unsere Gesinnungsgenossen, die im Stande und gewillt sind, sich ein hebräisches Tages-Journal zu halten, auf, gerade auf dieses sich zu abonniren, weil es, wie wir noch einmal betonen, das einzig wahrhaft national gesinnte ist. — Der Preis beträgt für Rußland 10 Rubel jährlich, o Rubel halbjährig und 3 Rubel vierteljährig. Für das Ausland ist die Preisangabe im Prospekte vergessen; die Adresse der Redaction ist: St. Petersburg, New-ki Prospect, Haus Nr. 71, Quart. 27. Aadrniel. Erzählungaus der Zeit des babylonischen Exils*) von Nehemia Berner. (Fortsetzung.) „Hört, hört die Worte seines Mundes, denn er beginnt zu sp echen!“ tönte es plötzlich durch die Menge; dann wurde es feierlich stille im Waide. — Es war eine Stimme, die das Ohr der Hörer gerade so seltsam und hinreißend berührte, als die Gestalt des Sprechers das Auge dessen, der sie betrachtete. Diese Stimme war stark und durchdringend, gemüthvoll und weich, bezaubernd und verführerisch. „Der Geist Gottes ruht auf mir, weil er mich salbte, damit ich frohe Botschaft bringe den Gedrückten; weil er. mich sandte, daß ich heile gebrochene Herzen, Freiheit rufe den Gefangenen, und den Gefesselten Oeffnung des Kerkers; — daß ich verkünde ein Gnadenjahr des Ewigen und einen Rachetag unseres Gottes, zu trösten alle Trauernden, zu geben den Klagenden um Zion Pracht statt Asche, Freudenöl statt Trauer, Prachtgewand statt deS düsteren Sinnes-“**) Der Redner machte eine Pause im Sprechen. Die ersten Worte hatten die Zuhörer in lebhafte Spannung lind Aufregung versetzt, die sich in mancherlei Ausrufen äußerte. „Wahrlich, Kadmiel hat die Sprache des Jesajah, man könnte ihn den zweiten I e s aj a h nennen“, sagte ein Mann. „Ja, so ist eS!“ erwiderten die Anderere Im nächsten Augenblicke war aber jedes Geräusch ') J-s. 6i. i. **) Auf Grund Graetz'scher Geschichtsansicht.