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Selbst-Emancipation · 1886-06-02 · Heft 9 (2.6.1886) · p. Seite 6

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1886
Issue
Heft 9 (2.6.1886)
Date
1886-06-02
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Nr. 9 am Balkan dem Beispiele ihrer assimilatorischen Brüder folgen und das lichte Judenthum in das dunkle Grab assimilatorischer Gedankenleere betten? Wo find die hellsehenden Augen der Alliance lsraelite Universelle in Paris? Warum übersieht fie in ihrem Fernblicke nach Afrika und Asien den größten Theil des Balkans? R. Benzion. Erez Israel. (AuS den Kolonien.) In Ekron ist der Saatenstand ein schöner. Der Weizen steht schon in Garben. Gerste ist sehr gut gerathen. Die Colonisten werden hoffentlich bereits in diesem Jahre keiner Unterstützung mehr bedürfen. — In Petbacb-Tbikwab ist Weizen nicht gut gerathen; Gerste ist größtentheils sehr gut gediehen, zum kleineren Theile von Rost zerfressen. — In Gadrab ist der Saatenstand im Allgemeinen kein befriedigender, dagegen haben die Baumpfianzungen sehr schöne Resultate geliefert. —• In Risehon-Lezion, wo Wein gebaut wird, sind die Aussichten die günstigsten. Daselbst sind eine halbe Million Weinstöcke gepflanzt. (Herr E. SLeid), Secretär des bekannten Wohlthäters in Paris, ist in Palästina eingetroffen, um die Colonien zu besichtigen und uothwendige Anordnungen zu treffen. (Aus Jassy) wandern von Tag zu Tag mehr jüdische Familien nach Amerika aus. Kein Wunder bei den Verhältnissen in Rumänien. Aber sollten die Emigranten nicht'gehört haben, wie elend eS den flüchtigen Jude» in Amerika ergeht?. Könnten nicht die Paiästina-Colonisationsoereine in Rumänien wieder iu's Leben gerufen werden? — Der in Bukarest erscheinende „Hajoetz“ wirst dieselbe Frage auf und plaidirt ebenfalls für Emigration nach Palästina. Bilder aus dem jüdischen Bauernleben in Palästina?) t Erster Peßachtag, Morgens. Das Wetter ist sehr schön. Der Himmel ist von einer grauen, durchscheinenden Nebelmaffe leicht bedeckt,. welche uns vor den heißen Strahlen der Sonne schützt. Dazu weht ein leiser Wind, der die Annehmlichkeit der Witterung noch erhöht. In der langen ni d schöngebauten Straße der Colonie herrscht vollständige Stille, nur die Kinder stolziren in ihren neuen Anzügen einher. Alle Einwohner der Colonie sind eben in der Synagoge (die: provisorisch im Schulgebäude untergebracht ist). Dieselbe umfaßt kaum die Betenden. Alle sind nett gekleidet und auf den Gesichtern aller sind Freude, Zufriedenheit und Hoffnung zu lesen. — Es ist das erste Peßachfest, welches die Colonisten vereint mit ihrer Familie in der Colonie zubringen. Jeder ist' bereits in seinem Hause eingerichtet und heimisch. Welche Veränderung zum Guten nach den verlebten Tagen voll Mühseligkeit *) Ans dem Russischen übersetzt. . Selbst -- Emancipation! (In Sofia), Bulgarien, haben zwanzig Familien den Beschluß gefaßt, nach Palästina auf eigene Kosten auszuwandern und dort sich dem Ackerbau zu widmen.' — Zwei Personen sind bereits abgesandt worden, um Grund und Boden aiizukaufen. (Dieser Faulpelz!) Herr Dr. G. S e l i k ow i tz ist wegen seiner interessanten Reiseberichte, zuerst vom Kriegsschauplätze des Mahdi, jetzt aus dem europäischen Orien'. ein sehr beliebter Mitarbeiter des „Hamagid“. Schön und beherzigenswcrth sind seine Worte in einer Corr, spondenz aus Athen, die wir in wörtlicher Uebersetzung deS Hebräischen wiedergeben: „Auch der glänzende Stern der Griechen sank vom Himmel zur Eroe, auch sie irrten viele hunderte Jahre in der langen, finsteren Nacht ihres Salntd herum; auch die Griechen sahen de» Rui» ihres Landes, den Sturz ihrer Nationalität und jetzt sind erst an fünfzig Jahre vergangen, daß ihnen die Sonne des Glückes von Neuem erstrahlte. Jetzt stehen sie da, unabhängig, unter einem selbstgewählten Könige, in den Bollgenuß ihrer Ehre wieder eingesetzte, nicht mehr den niedrige», gehetzten und gedrücklen Zigeunern gleichgestellt - und ihr Ansehen wächst von Tag zu Tag. Mit einem Wort: In ihnen sehen wir ein Volk, daS wiedergeboren wurde trotz seiner riesige» Leiden und seines entsetzlichen furchtbaren Galuth. Warum sollte es also u»möglich sein, daß auch das ewige Volk. daS Volk Israel, von einem langen und sürchterlichen tiefen Schlafe erwache, um freudig wiederzusehen sein herrliches Land? . Aber was ist zn thun mit diesem Faulpelz, der da liegt und nicht ausstchen will zn neuem Leben? Wehe - Du Fauler, wann wirst Du Dich aufrichten aus. Deinem Schlafe?" (Lingesendet. Odessa, 1. (12.) Mai 1886. Geehrter Herr Redacteirr! Als Anhänger der jüdisch-nativnalen Idee uild^Mitglikd des^„Montefiore-Verbaildes" bin ich ei», eifriger Leser Ihres geschätzten Blattes. — Zweck meines heutigen Schreibens ist, Ihnen iilitzutheileil, daß die Reden der hochgeschätzten Töchter Zions aus dem Vereine „Mirjam“ auf mich, wie auch auf alle Damen und Herren meines Bekanntenkreises einen und Leiden! In gehobenster Stimiilung wird hier „Hallel“ gelesen und bald darauf feierlich jenem Wohltthäter ein „M-scbeberacb“ gemacht, welcher allein die Colonie schuf und unermüdlich um ihre Zukunft besorgt ist. Ehrfurchtsvoll hören Alle dieses Gebet und das laute, von der Tiefe dcs Herzens kommende „Amen!" bezeugt die treue, uueimüdliche Dankbarkeit Aller für den Verursacher dieses Gebetes. Das Gebet ist. zu Ende und die Beter eiitferiien sich. Leute, Kleider und Häuser sehen ganz europäisch aus, nur die umgebende Natur, die reifen Felder, die abfallenden Blumen, welche bunt durcheinander jedes vom Pfluge vergessene Stückchen ° Erde bedecken, erinnern uns daran, daß wir in Palästina sind, — Immer kleiner werden die Gruppen, noch eine Weile und auf der Straße herrscht wieder idyllische Ruhe, vollständige, ununterbrochene, süße Stille. . . . Wir sehen umher und können uns freuen. An der Seite der wilden Asia lagert sich europäische Cultur, europäisches Leben, Rechte und Sitten, und nicht ohne Erfolg. Kommt her, Ihr Herren, die Ihr von einer jüdischen- Mission faselt: Hier ist ein weites Feld der Wirksamkeit für Euch; vertiefen Eindruck machten. Nicht nur Geld bedürfen wir zur Erreichung unserer Sache; wir haben auch die patriotische Begeisterung unseres Volkes nöthig. Geschichtlich ist erwiesen, daß. jedes begeisterte Volk sein Ziel erreicht hat. So lange nun auch Israel solche Töchter hat, sind wir nicht verloren. Unsere. Rabbiner solltcu die patriotische Rede des hochgeschätzten Fräulein Anna Wolf lesen und sollten sich ein Beispiel daran nehmen, denn es ist ihre heilige Mission,, das gebeugte jüdische Volk auszurichten und dem ewigen Wanderer seine Heimat zu zeigen. Ich will hoffen, daß das patriotische Feuer der Damen des Mirjam-Vereines unaufhörlich glühen wild und sie den Brüdern wacker beistchen werden, dos verlassene Vaterland „Erez- Israel“ neu zu beleben. Besonders in Öesteireich, Frankreich und England könnte viel gethau werden, dort schmachtet noch nicht der Jude unter dem Joche, das seine Stammcsgenosse» im Osten tragen. Helfen wir unS selbst und Gott wird uns helfen! Ad. "W.. z. gerem Mischer junger Damen „Hirjam" in Mira. Sonntag, d e n 6. I u n i, um 3 Uhr Nachmittags, findet die (aus verschiedenen Gründen am 23. Mai abgesagte) dritte ordentliche Plena r. Versammlung des Vereines bei Frau Bauer, II. L i l i e n b r u n n g a s s e 11. I. Stock, statt. Tagesordnung: Rechenschaftsbericht, Ergänzungswahlen, Anträge und Interpellationen. Wien, am Die BereinSleitung. 24. Ijar 5646. 29. Mai 1886. Akadrmischrr 0ttfin„Kadiiall" in Men. Bei der heute stattg^habten 7. ordentlichen Plenarversammlung des Vereines' wurde dem abtretenden Ausschuß daS Absolntorium ertheilt, und die Neuwahl der Functionäre vorgenomme». Es erscheinen gewählt: In den Ausschuß die Herren Drd. med. Leo Kohan (Präses), sind, tsoün. Nathan breitet bic Civilisation dor t, w o sie noch nicht hin gelaugt ist! H. Zweiter Peßachtag — bei uns schon Cbol bamoed. Der Himmel ist klar, die Sonne läßt uns ihre Macht fühlen. Mehrere Colonisten sind mit Erlaubniß des Rabbiners ackern und säen gegangen, aber im Ganzen hat die Colonie ein feiertägiges Aussehen. — Mittag: In der Synagoge ist ein zahlreiches Publicum versammelt, man steht um den Tisch herum, an dem neun Personen, das Comitä „benej iscb ecbad“, sitzen. Dasselbe beräth über Streitfälle als Richtercollegium. Im Saale ist's still. Alles horcht gespannt. Der Vorsitzende liest ein Gesuch vor, die Zeugen werden befragt und die Debatten begiunen. Herr K. spricht mit Eifer (es handelt sich um eine Ehrenbeleidigung), er fordert eine große Strafe für den Beschuldigten, denn unter solchen Thaten leide die Ehre der Colonie, für welche sich die ganze jüdische Welt interessire. Seine Rede machte einen tiefen, Eindruck auf die Anwesenden und die vorgeschlagene Strafe wird angenommen. Das Urtheil wird vorgelesen und man übergeht zur Verhandlung einer anderen Angelegen«

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