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Selbst-Emancipation · 1886-06-02 · Heft 9 (2.6.1886) · p. Seite 4

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1886
Issue
Heft 9 (2.6.1886)
Date
1886-06-02
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 S el fi st-E in aiiciva tioii! der jeden Sohn Israels erfüllen muß, ist, daß wir im Exil, oder, was gleichbedeutend, im Kriegszustände find, und daß wir als Männer fortwährend und bei jeder Gelegenheit unsere nationalen Forderungen geltend zu machen verpflichtet sind. Im Erlösungsmonat 5646- A. Abnon. Herausgeber und Redacteur des „Hamagid“, ist am 16. Ijar (21. Mai) in Lyk (Ostpreußen) verschieden. Das jüdische Volk verliert in ihm einenseinerkenntnißreichsten und charaktervollsten Söhne, die nationale Zionsidee einen ihrer treuesten und rührigsten Verfechter. In Russisch- Polln geboren und dort in den jüdischen Wissenschaften gebildet, kam er später nach London, wo er an der Universität sich ausbildete. Als nun der selige Silbermann vor dreißig Jahren dt» „Hamsgid" gründete, nahm er Gordon in die Redaction auf. Goidon war thatsächlich die Seele des Blatte», dem er durch sein schönes und leichtverständtichcs Hebräisch, seine englischen, französischen, deutschen und slavischen Sprachkenntnisse diente. Unter Silbermann'L Oberleitung, der es sich mit keiner Partei verderbru wollte und den Zorn der Machthaber fürchtete, waren ihm die Hände gebunden; als er aber nach dessen Hingange das Blatt selbst übernahm, wurde der „Hamagid“ zu einem wahrhaft europäischen Organ, das offen, wenn auch gemäßigt und vornehm, auftrat. —' Mit dem Auftreten der notional-jüdischen Idee und des Palästina-Gedankens, wurde Gordon zu einem der feurigsten Vertreter der Selbstbefreiungstheorie und er manifestirte diese seine Gesinnung nicht nur in den trefflichen Leistungen seiner Feder, sondern auch durch Briefe an die jüdischen Großen, sowie durch Reisen, -wie er denn auch unter der Gratulations- Deputation der „Zionsfreunde" beim hundertjährigen Montefiore sich befand. Und der Lohn feiner dreißigjährigen angestrengten ehrenvollen Thätigkeit im Dienste der hebräischen Literatur und des jüdischen Volkes? Ein dürftiges Auskommen, das er sich auch erst dadurch erschwingen konnte, daß er in Lyk nebstbei ein politisches Blatt in deutscher Sprache herausgab. — — Das Andenken dieses edlen Kämpfers für Israel und Zion sei gesegnet! (Lhronik. (David Gordon), dessen Hingang wir bereits oben meldeten, ist einer Lungenentzündung erlegen. Seine Liebe zur Zionsidee war so 'groß, daß sie ihn auch in seinen letzten Tagen nicht verließ, und noch im Todeskampfe murmelten seine Lippen: „Jerusalem" und „Zion". Der Verblichene, der auch die Stelle eines beeideten Dolmetsches bekleidete und Herausgeber der „Lyker Zeitung" war, war.-wegen seiner liebenswürdigen Charakters bei allen Burgern der Stadt ungemein beliebt und daher . erwies ihm, als er am Lag b’Omer bestattet würde, die ganze jüdische Gemeinde von Lyk, und mit ihr auch viele christliche Einwohner der | Stadt, die letzte Ehre. Am Friedhofe hob Herr I Rabbiner Jacob Haase die Verdienste des Verstorbenen hervor und nannte den Tod dieses großen Mannes einen schweren Verlust für die Stadt Lyk speciell, sowie für Gesammt-Jsrael im Allgemeinen. Der Sohn David Gordon's, Dow (Ber) Gordon, hat die Redaction des „Hamagid“ übernommen. (Gewissenszwangs Der Minister für Cultus und Unterricht, Dc. Gautsch, hat einen Erlaß herausgegeben, wonach es jüdischen Schullindern fortan nicht mehr gestattet sein soll, sich vom Schreiben und Zeichnen an Sabbaten und jüdischen Feiertagen zu dispensiren. Ist dieser Erlaß mit dem Principe der Gleichberechtigung zu vereinbaren? (Slntiscniitisches.) Die 1000 Druckseiten enthaltende Brochure „La France juive“ von der mir in voriger Nummer Mittheilung machten, hat Herrn Edouard Drumonl zum Verfasser. Das Werk wurde zu Tausenden von Exemplaren vcrkauit. Hier einige Stellen aus demselben: „Der Semite ist ein Händler, er ist habsüchtig, inlriguant, verschlagen und gewissenlos, der Arier hingegen ist ein Enthusiast, er ist heldenmüthig, chevaleresk, uneigennützig, offen und vertrauensselig bis zur Naivität. Der Semite ist ein Erdensohii. für den nur das Zeitliche Werth besitzt; der Arier hingegen ist ein Kind deS Himmels, stets bereit, unerreichbaren Idealen uachzujage». Der Semit ist Kaufmann aus Naturbelrieb, er hat den Beruf des „SchacherS", das Genie des Verkehrs, sein einziges Streben ist die Verkürzung seines Nebcinnenschen. Er hat die geringste schöpferische Krafe und i» der That hat der Semite auch nicht die geringste Erfindung gemacht; dafür ist er ein Meister der Kunst des Ausbeuttns, er versteht es., de» Arier sür sich arbeite» zu kaffe», um mit dem Ertrage dieser ,Arbeit ein luxuriöses Faulcnzerleben zu führen." — „Eine Gelstesverwondschast existirt zwischen den Orleans (die Orleans werde» in dem Werke als verjudet hnigestelll) und den Jude». Beide beten das Gold an und dieser geinei». jame Cultus nähert sie einander. Die Orleans habe» dem Golde stets eine ganz außerordentliche Bedeutung beigelegt. „Haben" ist für sie eigentlich eine Ergänzung des „Sein". Die Lösung der Judenfrage denkt sich Herr Drumout auf gewaltsame Weise. Er sagt, indeni er: „Cherchez le juif“ zu seinem Grundsätze macht: „ Ganz Frankreich wird mit Jubel dem Führer folgen, der gleichzeitig Rächer sein wird und der statt die französischen Arbeiter, wie die Männer von 1871 es thaleii, zu bedrücken, die von Gold strotzenden Juden überfallen wird, um den rings um ihn herum versammelten Armen, die mit begehrliche» Blicken den Pactolus betrachten, der dem Jnileren des aufgeschlitzten Semiten entquillt, Zurufen zu können: „8i vous-avez besoin, ramaesez!u „Wenn ihr braucht, so greift zu." — In Kempen, Provi u zP o je n haben sechs Schustergesellen im Alter von 20—25 Jahren nächtlicherweile den jüdischen Friedhof dadurch entweiht, daß sie 30 Grabsteine aus der Erde riffen und zertrümmerten, die Gräber, zertraten und zerwühlten und nach vollendetem Zerflörungswerke singend und johlend davonzogen. — Der Abgeordnete, Dr. St einwend er, vom „deutschen Club", hielt kürzlich in Klagenfurt eine antisemitische Rede. Langsam beginnt sich, wie wir vvrausgesagt, der AntifemitiSmus des „Deutschen Club" zu entpuppen. — Der Antisemitismus ist auch nach Sibirien gedrungen. Die „Sibirskaja Oazeta“ schreibt darüber: „Wer hätte geglaubt, daß in Wcrcholenßk (Gouvernement Irkutsk, 5888 Werst. von Petersburg), wo ein einziger Jude wohnt, eine anti-. semitische Bewegung, würde entstehen könne». Und doch wurden in den ersten Tagen des verflossenen November' aus v-rschie denen Punkten der Stadt aufregende Plakate affichirt, dieMr „Vertreibung der Inden" auf. forderte». Die Ankündigungen wies.-n die stadträthliche Erlaub»iß aus. Der- .Gendarmeriehauptmann daselbst Nrl 9 forschte' dem Ursprung des lächerliche» Borfalle s na ch,' aber, wie wir hörten, ist bis jetzt die. Spur. der Schuldigen noch nicht gefunden u. s. w." — Der „8. Peterburgskij Wiedomosti“ verfolgt selbst die nach den palästinensischen Tolonien ausgewanderten Juden mit den gemeinsten und verlogensten Verdächtigungen. (Gegenseitiger Israelitischer HtlfSverein) für Handwerker und Kleingewerbetreibende. In Wien haben eine Anzahl jüdischer Handwerker und Kleingewerbetreibende einen Verein mit obigem Namen gegründet, der die gegenseitige Unterstützung!m Geschäftsbetriebe, namentlich durch unverzinsliche Darlehensgewährung bezweckt. In einem sehr warm gehaltenen Aufrufe, der von dem Grundiatz „Einer sür Alle, Alle sür Einen" äusgeht und, gegen die in gewiffen Kreisen festgewurzelte Ansicht von der verwirkten Existenzberechtigung des jüdischen Stammes sich stemmend, mit de» Dichterlvorte» schließt: „Wir wollen sein ein einig' Volk von Brüdern, nicht trennen uns in Roth und in Gefahr!" — wird zu zahlreichem Beitritte aufgefordert. . — Beitrittserklärungen sind zn richten an: Herrn Julius E h r e n z w ei g, II.. Darwingaffe Nr. 9 oder an Herrn Josef L i ch t e n st e i n, II., Circusgaffe Nr. 41. (Aus Rutzland.) Die kaiserlichen Theater in Moskau erhielten aus Petersberg den Befehl, alle jüdischen Choristen zu entlasten, was auch unverzüglich geschehen ist. — Die in Salanow (nahe der österreichischen Grenze) wohnhaften Juden erhielten die behördliche Verständigung, der Ansiveisung gewärtig zu sein, da fremden Inden der Aufenthalt im Grenzrayon verboten sei. Auf eine bezügliche Anfrage der bedrohten Juden bei der österreichisch-ungarischen Bo tschaft in Petersburg, erhielten sie die Bestätigung des zu Recht-Bestehens eines solchen Verbotes. Gleichzeitig wurde ihnen jedoch bemerkt, daß die russischen Generalgonvernenrc befugt feien, Fristerstreckungen znrgcwährrn.— In Folge der Intervention: der österreichischen Regierung wurde der russische Consul in Brody angewiesen, ausländischen Juden den Reisepaß nach Rußland zu vidiren. (Baron Henry de Worms,) in London, hat leine Stelle als Präsident der Anglo-JewisK-Association (englisch-jüdischer Association) niedergelegt. Zu diesem Schritte sah er sich gezwungen, nachdem sich seine Tochter hatte taufen lassen und einen Christen geheiratet, Baron de Worms aber der Trauung in der Kirche selbst beigewohnt hatte. — Das sind Deine angestauiiten Großen, Israel, die aus eitler Ehrsucht ihre Kinder dem angestammten Volke und Glauben entfremden! Korrespondenzen. Leinberg, im Mai 1888. Die biedere Gattin des allgemein geachteten Herr» Maier Bach, Frau Chaje Bach, ist am 7. Tage des Ueberschreitungsfestes (26. April 1886) dem irdische» Leben entrissen worden. Gerade inmitten redlichen und würdigen Strebens für die Familie, gerade inmitten der frstdlichen und bescheidenen Fürsorge, sowie der uneigennützigen, aufopfernden Wirksamkeit sür die Leidenden und Bedürftigen halte die fromme Stammesschwester ihre irdische Laufbahn vollendet. Nicht nur der Gatte,, mit welchem die Dahingeschiebene in wahrhaft glücklicher Ehe lebte, nicht nur ihre lieben Kinder,/für deren treffliche.Erziehung und'glückliche Zukunft sie stdtS unermüdliche Sorge trug; Nicht nur die Angehörigeu und Freunde ihres Familienkreises, sondern - auch eine bedeutende Anzahl von Bekannten, welche Gelegenheit halten mit.der Heimgegangenen zu verkehren und daher ihr edles Streben und Wirken zu: beobachten und zu würdigen, werden dem Andenken derselben eine wehmu ilLvolle Erininrun

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