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Selbst-Emancipation · 1886-05-17 · Heft 8 (17.5.1886) · p. Seite 5

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1886
Issue
Heft 8 (17.5.1886)
Date
1886-05-17
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 8 S el b st - E m anciv atio n? Seit' 5 Coloniengründung ein eitler Gedanke ist" — in sehr richtiger Weise, daß es zwiefache Leiden gebe, Todesschmerzen und Geburtswehen. Den "-steren seien die europäischen Judenverfolgungen, den letzteren die Leiden der Colonisten zu vergleichen. Der« Vorfall in Pethach Thikwah sei daher nicht im geringsten beunruhigender Natur, ja im Gegentheile, er werde nur dazu dienen. um die „Zionsfreunde" und Colonisten vorsichtiger und fürsorglicher zu machen. (Die klimatischen Vorzüge Palästiua's.) Das hebräische Tagblatt „Hajom“ thäte bester, wenn es gewiste. in frivoler Ironie gehaltene Feuilletons zurückweisen würde, denn' es steht auf dem Wege, sich dadurch die Sympathien ernstbenkender Männer, welche große Fragen nickt mit einigen wohlfeilen Spöttereien nbgethan wissen wollen, zu verscherzen. So wie das Wort l'urni die ganze Laune des superklugen Herrn Feuilletonisten über sich ergehen lassen muß, ebenso wird dem Projecte der Anlage klimatischer Curorte im heiligem Lande volle spaßmacherische Aufmerksamkeit zugewendet. Dem gegenüber constatirt der in Jerusalem erscheinende „Hazewi“ die notorisch feststehende Thatsache, daß an Krankheiten der- Athmungsorgane Leidende, wenn sie nach Palästina kommen und nur gute Nahrung finden, dort in der Regel vollkommen gesunden. So ist vor fünfzig Jahren ein junger russischer Judc, dem die Aerzte keine Hoffnung mehr gaben, nach dem heiligen Lande gegangen und erfreut sich noch heute )er besten Gesundheit. Erwähnenswcrth ist auch, daß im heiligen Lande Erkrankungsfälle an Lungenschwindsucht fast gar nicht Vorkommen. Gingesendet. Sonntag den 23. d. M., Nachmittags um 3 Uhr, findet bei Frau Bauer, II.;- Siebenbrunngas se 11, 1. Stock, eine ordentliche Plenarversammlung mit der Tagesordnung: 1. Rechenschaftsbericht, 2. Ergänzungswahlen, 3. Eventualia, — statt. Die Leitung des Vereines jüdischer junger Damen „Mirjam.“. ■ . 11. Ijar 5646. SBien, am 16 lg86 Samstag den 22. d. M., Abends um 7—9 Uhr, findet in K h u n e r's L o c a l it ä t e n, I., B ö r s e g a s s e 14. ein C o n c e r t und Tanzkränzchen statt, dessen Reinerträgniß dem Vereine jüdischer jung r Damen „Mirjam“ gewidmet ist. Karten sind um 50 kr. an der Cassa, um 30 kr. im Vorverkaufe in der Redaction der „Selbst-Emancipatiou" zu haben. Wien, im Mai 1886. Das Comitö. Indem die gefertigte Vereinsleitung die Nothwendigkeit einer heilsamen Reform in den Vereinsangelegenheiten eingesehen hat, hat sie alle möglichen Mittel aufgeboten, um den Verein nach Innen zu stärken und ihm nach Außen ein gesteigertes Ansehen zu verleihen. Wir gingen dabei nämlich von dem Principe aus, daß wir nur durch eine rastlose Thätigkeit und Rührigkeit sowohl unsere früheren Mitglieder an den Verein fesseln, als auch neue heranziehen werden. Mit der Eröffnung des hebräischen Sprach- und Sprechclubs, mit der Affigirung der Aufrufe in mehreren Bethäusern und mit der Aufforderung, daß sich einem Jed en, der unsere heilige Sprache erlernen will, gegenwärtig die beste Gelegenheit darbiete, glauben wir unser ernstes Streben bekundet zu haben. Wir hoffen in der Folge eine beträchtliche Anzahl von Schülern zu gewinnen und unser Unternehmen vom besten Erfolge baldigst gekrönt zu sehen. Allwöchentlich am Samstag Abends um ',8 Uhr finden im Vereinslocale Vorträge über jüdische Geschichte und Literatur statt: Samstrg, den 15. Mai, sprach Herr Dr. jur. Leo Verkauf über' „Der Handelsstand im Judenthum" und fand reichlichen Beifall; Samstag, den 22. Mai. wird Herr Dr. jur. Heinrich Wonach über „Mysticismus im Judenthum"; Samstag, den 29. Mai Herr Dr. jur. Jsaac Gabel über „Die Angriffe des modernen Antisemitismus auf das Judenthum" und Samstag, 5. Juni Herr Dr. jur. Leo Verkauf „Zur Frage der Colouisation" sprechen. — Zur Bequemlichkeit, zur Unterhaltung und zur Belehrung der Mitglieder haben wir ein geräumiges Lesezimmer II., Herminengasse Nr. 10 ausgenommen, den Lesetisch um mehrere bedeutende Journale bereichert, und werden wir die Bibliothek um einige Werke, darunter auch Grätz's Geschichte, vermehren. Die durchgeführte Statutenänderung der Aufhebung der Schranken, daß auch Personen, die das 30. Lebensjahr zurückgelegt haben, als ordentliche Mitglieder aufgenommen werden können, hat uns einige ältere und sehr achtbare Personen zugeführt und ein zahlreiches Heranströmen von Mitgliedern steht uns in Folge obgedachter Umstände in Aussicht. Möge unser gerechtes Streben bei Jedermann, der zur Unterstützung desselben sein Schärflein beitragen kann, Anklang finden! Möge man einsehen, daß in einer Consolidirung unserer Gesinnungsgenossen unser Heil zu suchen ist! Für die Leitung: des Vereines jüdischer junger Männer „Zukunft" «braham Salz M oseS H e i lp e tu, dz. Vereinsleiter. dz. Schriftführer. Wien, am HiJ?L?646, Literarisches. (Eine alle Handschrift.) Im Besitze einer Buchhandlung in Mailand befindet sich ein Manuscript vonMaimonidesepochalem Werke „Jad haohasakah,“ d,as später der berühmte Don Jizchak Ab a r b a n e l um 30.000 Dukaten ankaufte. Dieses Manuscript enthält einige Varianten von dem bei uns bekannten Texte und ist daher umso werthvoller. Radmiel. Erzählung aus der Zeit des babylonischen Exils*) von Nehemia Berner. I. In eintönig-süßem Geplätscher rieseln die klaren Bächlein durch die getreidewogenden Felder *) Auf Grund Graetz'fcher Geschichtsansicht. und farbenschillernden Blumengärten, welche Babylon die „Herrscherin des Morgenlandes", umgeben. Freudiges Leben durchweht die paradiesische Lankschaft, nur die düstere Melancholie, in welcher die Weiden an de» Ufern der Wässer ihre Zweige neigen, vermag dieser heiteren Stimmung der Natur eine kleine Beimenqiliig wehmiithigen Ernstes zu geben. Und alle die Bächlein, von zierlichen Stegen überbrückt, haben ein Ziel; sie alle fließen dem großen Strome zu, dessen Brausen und Rauschen tief hineindringt in das gottgesegnete Land, sie alle münden in die gewaltigen Fluthen des Euphrat. Dieser aber wälzt seine Wassermassen der Weltstadt zu und die riesigen, thurmtragenden, hun« dertthorigen Stadtmauern, als empfänden sie ehrfurchtsvolle Scheu vor seiner majestätischen Mächtigkeit, theilen sich, wie sie ihn nur von Ferne erblicken und gewähren ihm, ein Stück noch an den Ufern ihn geleitend, Eingang in Babylon. In den breiten und geraden Straßen der asiatischen Riesenstadt herrschte ein rühriges Treiben. Der auch sonst so rege Menschenverkehr war heute verhundertfacht. Merodach, der König der Götter, der Herr des Him nels und der Erde, wurde heute von den gläubigen Söhnen Babels gefeiert. Weißgekleidete Priester mit spitzen Mützen auf den gradbärtigen Köpfen trugen in feierlicher Pcocession das Bild Merodachs durch die Straßen. Andächtig fiel das Bo lk auf die Kniee, um nach Vorüberzug der heiligen Schaar sich zu zerstreuen und lärmende B ergnügungen aufzusuchen. die dann nach Einbruch der Nacht den Charakter der wildesten Ausgelassenheit annehmen sollten. Ganz andere Gefühle aber mochten es sein, welche zwei Männer beherrschten, die sich von der übrigen Menge durch fremdartige Trachten und den ernsten, fast strengen Gefichtsausdrnck unterschieden. Eben hatten sie die Procession der mit dem Bilde Merodachs ans den Schultern daherschreitenden Priester bemerkt, und sich mit einem halb traurigen, halb spöttischen Lächeln weggewandt. „Diese da, welche Götter von Silber und Gold, von Holz und Stein sich anfertigen, um dann zu ih"er Hände Werk zu beten, sie sind freie Gebieter dieser volkreichen Stadt, und wir, die wir den unsichtbaren Herrn des Himmels und der Erde, den einzigen Gott des Weltalls verehren, find Gefangene, fern von der verwüsteten und verwaisten Stätte unserer Herrlichkeit," sagte der Jüngere der beiden Männer, der zwanzig Jahre zählen mochte, in gepreßtem Tone und blickte vorwurfsvoll gen Himmel. „Wer ist mehr schuld daran, als wir selbst?" fragte mit strenger Stimme der Aeltere, ein Mann in den Fünfzizer-Jahren. „Sind wir denn gar so schlecht, Vater?" „Du bist noch jung, Serubabel, und kennst unser Volk noch nicht genau. Siehe, es hat gesündigt im Vaterlande und verlor dasselbe. Doch glaubst Du etwa, die Verbannung hätte es gebessert? Weit gefehlt! Es ist und bleibt ein hartnäckiges, verstocktes Volk." > „Vater, urtheilst Du nicht zu hart?"

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