Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1886
- Issue
- Heft 7 (3.5.1886)
- Date
- 1886-05-03
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Selbst - Em an cipa ti o n! Nr. 7 ..-, Cölonisten nach Palästina zu gehen und haben zu diesem Zwecke eine Gesellschaft mit folgenden Bestimmungen gegründet: Jedes Mitglied zahlt 25 Dollar jährlich durch 16 Jahre. Im vierten Jahre werden 100 Dunam Boden im heiligen Lande auf den Namen der Gesellschaft gekauft. Sodann wird eines der Mitglieder nach Palästina geschickt, um den Boden zu bearbeiten und den Häuserbau zu betreiben. Es wird nämlich in jedem Jahre eine gewisse Anzahl von Häusern aufgeführt, so daß am Ende des süuszrhnten Jahres alle Mitglieder in der Colonie euitreffen können und sich jeder im Besitze von hundert Dunam befindet, die danir auf seine» eigenen Namen unigeschricben werden. (Beth Jehudah.) Wir haben in Nr. 18 und 20 des 1. Jahrganges von der Gründung einer neuen Colonie durch palästinensische (Saffedrr) Juden berichtet. Dieselbe befindet sich im Districte Golan, siedeu Stunde» von Saffed und führt den Narnen Beth Jehudah (Haus Jehudahs). In derselben wohnen 35 Familien mit 60 Seelen. Der Grund und Boden wurde in 26 Theile getheilt und je einer oder je zweien Familien ein Theil gegeben. Die Colonie hat ein herrliches und gesundes Kliina, zwei Quellen, welche die Pflanzung von vielen und schönen Gärten ermögliche» und verfügt über ein riesiges Materiale von Steinen zum Häuserbau, welche .nämlich die dort befindlichen römischen Ruinen liefern. Es wurde, in der verflossenen . Regenszeit von 10 Colonistcu Verschiedenes gesäet und ist davon , eine treffliche Ernte zu erwarten. Aber vorläufig fehlen noch die nöthigen Geldmittel für den Häuserbau und für den Ankauf von Pflügen, und zwar. 75 Napoleons auf je einen Theil. Ohne> die Beschaffung derselben ist an keinen Erfolg zu Lenken. D>e Kolonisten suchen daher Jemanden, der ihnen die Summe auf zehn Jahre vorstlecken könnte, wofür sie die Kaufbriefe verpfänden wollen. Der . „Montefiore-Verband" sollte dieser neuen Colonie, die bis jetzt ohne frenrde Unterstützung sich forlhalf, sein Augenmerk zuwenden. . . (Jüdische Ackcrbaucolouie in Amerika.) Wein» wir über diesen-Gegenstand in der Rubrik „Erez Israel" berichten, so geschieht es nur, um die erbärmlichen Resultate der „amerikanischen Expedition" den im Allgemeinen so befriedigenden Erfolgen der Palästma-Colonisation gegenüberzustellen. Die Nachrichten, welche aus der. von russischen . Flüchtlingen besiedelten Colonie „Alliance" einlaufen, sind leider sehr trübe. Der ungewöhnlich lange Winter? hat die armen Colönisten sehr hart mitgenommen, und sie vermögen kaum, sich gegen Hunger und Kälte (l) zu schützen. Der. Nothschrei dringt aus ihrer Ansiedelung zu ihren Brüdern in den großen Städten; Philadelphia ist die zunächst zur Hilfe berufene. Der daselbst erscheinende „Jewish Record“ führt das Wort für die Bedrängten und jchägt in höchst praktischer Weise vor, daß man eine Commission dorthin entsenden möge, um den Nothschrei durch Autopsie zu constatiren. Auch wir würden im Interesse unserer leidenden Connationalen wünschen, daß -dieser Vorschlag bald zur Ausführung gelangen möge und der wirklichen Noth rasche und gründliche Hilfe werde, welche doppelt nothwendig ist; einmal um dem augenblicklichen Elende ein Ende zu machen, dann aber auch um Fürsorge für das Frühjahr zu treffen, daß es den Colonisten nicht au Mitteln fehle,, die Felder zu bestellen. (Oelfabrik in Palästina.) Wie allgemein bekannt ist, bezieht Fraiikreich eine Menge Oeles aus dem heiligen Lande,' um es dann zu destillireu und als das feinste Provencer und Aixer Tafelöl auf den Markt zu bringen. Jedenfalls steht die Qualität des palästinensischen Oeles der des südfranzösischen nicht nach, nur kennt man dort die Zubereitung desselben nicht. Herr Israel Niemcowitz *), ein begeisterter Zionsfreund und Besitzer eines größeren Vennögens, der an der Wiener technischen Hochschule Chemie studirte und hier durch seinen eisernen Fleiß, sowie durch sein Talent auffiel, hat ein Jahr lang in einer südfranzösischen Oelfabrik prakticirt und ist nnn nach dem heiligen Lande, das er schon vor zwei Jahren besucht hatte, gekoinmeii, um hier eine Oelfabrik zu errichten. Er wählte die Stadt Lud zu seinem Domicile, wo er bereits die nöthigen Räumlichkeiten mirthete und nur ans die französischen Maschinen, die er bestellte, wartet, um an's heilige Werk zu gehe». (Aus der Colonie Pethach Thikwah) kommt eine schlechte Nachricht. Die benachbarten arabischen Bauern . gerietheu nämlich - wegen ihres auf die jüdischen Aecker weidenden Viehes, das die Juden in Beschlag genommen hatten ttnd nur gegen eine Entschädigung herausgeben wollten, die den Arabern zu hoch schien, in Streit. Am 22. Adar, als die meisten Colonisten gerade m Jaffa waren, überfielen nun 300 Araber die Colonie und warfen den jüdischen Bauern die Fenster ein, zerbrachen, die Werkzeuge, Illeben das Vieh davon isnd verwundeten mehrere Personen. — Am Tage nach dem Uebeisall schickte der Gouverneur von Jaffa auf Intervention des Direktor H i r j ch uud der Vice- Iconsulen von Oesterreich, Deutschland und England Militär nach Jaffa, welches die Ruhe ' wieder herstellte, dreißig Rädelsführer gefangen nahm und in Ketten nach Jaffa abstthrte. — Anmerkung b e r R e d a c t i o n: Dieser bedauerliche Vorfall wird von den Feinden der Colonisalion i» unverschämter Weise übertrieben. So wurde z. B. ein Colonist todt erklärt, der ganz gesund ist und selbst öffentlich in Abiede stellt, daß der Schlägerei irgend welche Bedeutung beizumessen sei. Der unbedeutende Krawall unterscheidet sich von den Judenhetzen in Europa dadurch, daß er nicht in einem tief eingewurzelten Hasse der Bevölkerung seinen Grund hat, sondern in einer' momentanen Reibung. Auch wird es kaum einen europäischen Staat geben, der so energisch bei solchen Vorfällen Vorgehen würde, als die osmanifchen Behörden, die binnen w e n i g e n S tu nden d i e Bestrafung der Schuldigen und die Entschädigung derBetroffenrndurch« gesetzt haben. (Die Colonien.) Einem vielfach geäußerten Wunsche'unserer geehrten Leser nachkommend, geben wir im Nachfolgenden eine Aufzählung der Colonien im heiligen Lande sammt kurzer und übersichtlicher Angabe ihrer bezüglichen Verhältnisse: 1.) Rischon le Zijon bei Jaffa, gegründet 1882, mit 200 Einwoh" *) Mitbegründer und Mitglied des Wiener nat.- jüd. StudciitenvereineL „Kadimah“. nern, hauptsächlich südrussischer Herkunft. Flächenraum : 3340 Dunam (gegen 300 Hektar). Wein- und Olivenbau. Der Boden ist für Erdäpfelpflanzungen besonders geeignet, ungeeignet dagegen für Gerste und Weizen. Brunnen mit Pumpwerk. 22 Häuser, worunter Gemeindehaus, Badchaus und Apotheke. Arzt Dr. Stein aus Bialystock, von der Universität Leipzig. — 2.) Ekron bei Jaffa, gegründet 1883, mit 100 Einwohnern aus Rostnoj in Rußland. Flächenraum 3000 Dunam (gegen 300 Hektar) Brunne» mit Pumpwerk. 6 schöne, zweistöckige Gebäude u. zw. 4 Privathäuser (für je 4 Familien), eine Synagoge und ein Badehaus. Arzt Dr. Stein. — 3.) Sichrem Jacob (früher Samarin) aus dem Karmelgebirge b ei Chaifa gegründet 1883 mit 450 Seelen (85 Familien) rumänischer Herkunft. Flächenraum 6000 Dunam (gegen 600 Hektar). 70 schöne und gesunde Häuser, worunter Synagoge, Badehaus. Apotheke, Wohnhaus für den Arzt und die Hebamme. Genieindehans. Drei Kaufläden, Handwerker verschiedener Arten. — 4.) Rosch Pinah, bei Saffed, am Jordan, gegründet 1883. Die Colonisten sind rumänischer Herkunft. Flächenraum 4300 Dunam (gegen 400 Hektar). — Die vier genannten Colonien unterstützt der anonyme Wohlthäter, der bereits mehr als 2 Millionen Francs für sie ausgab und bereit ist, sie bis zum Zeitpunkte ihres Selbstständigwerdens weiter zu unterstützen. — 5.) Pethach thikwah, bei Jaffa, gegründet 1880 und neu gegründet 1884, mit 45 Familien, thcils russi« icher theils jerusatemisch-ungarischer Herkunft. Ausgezeichneter Boden. Flächenraum. 15.000 Dunam (gegen 1500 Hektar).. Brunnen und Wasserreservoir mit Pumpwerk. 45 Häuser, worunter Badchaus. Gegründet vom Verbände der „Zionsf, eunde" (Montefiore-Verband), der bis heute mehr als 100,Hol) Francs für diese Colonie verausgabte. — 6.) Gradrah, bei Jaffa, gegründet im Jahre 1885 mit 9 Biluisten (rnssisch-jüd. Studenten) und noch fünf Familien russischer Herkunft..'Flächenraum 3000 Dunam (gegen 300 Hektar). Die Hälfte des Bodens für Getreidebau, die andere für Weinbau und Baumpflanzunge». Die „Zionsfreunde" unterstützen die Colonie. — 7.) Jesrnd Hamaaleh, bei Jaffa, mit 7 Familien (die Colonie wurde von 15 FamilitUvätern aus Meseritsch in Russ.-Polen und einem spagnolischen Juden in Frankreich angekauft. 8 Grundeigenthümer sind noch in Meseritsch). Flächenraum 2400 Dunam (gegen 250 Hektar). — Außer diesen sieben Colonien neueren Datums, die der nationalen Bewegung ihren Ursprung verdanken, ist noch die Ackerbauschule „Mikweh Jisrael“ der „All. Israel, ,un.“ bei Jaffa zu erwähne». Von der achten Colonie „Beth Jehudah" und der bevorstehenden Gründung einer neunten Colonie durch Jaffyer Juden ist in der heutigen Nummer die Rede. Der „Hameliz“ feiert die Erfolge der Palästina-Bewegung, die Colonien, die Colonijations- und nationalen Vereine in seiner Nummer vom II. (23.) März d. I. in einem prachtvoll geschriebenen Leitartikel, der von dem Beispiel einer kleinen Wolke, die zu einer den befruchtenden Regen spendenden dichten Wolkenschichte anwächst, ausgeht nnd an die berühmteJecheskel'sche Vision anknüpfend, die zerstreut liegenden Colonien mit den zerstreuten Gebeinen vergleicht, welche durch die colonisato« rischen und zionsfreundlichen Vereine als den