Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1886
- Issue
- Heft 7 (3.5.1886)
- Date
- 1886-05-03
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr 7 S e l b st - E ui a n c i p a l i o u; und -Telegramme langte» unter anderen an von dem Präsidenten des Montefiore - Verband es, Herrn Dr. L. Pinsker in Odessa, von den Vereinen „Ahawass Zijon" inHamburg, „Z i o n" in Heid elb e r g, ,Mik r a K o 6. es o K" in L em b e r g, Rabb. Dr. I. R ü l f in Me mel, Jacob M. A l k a l a y in Belgrad, Dr. R n b e n Bi e r e r in B elg rad, Dr. R. Lippe in Jassy. Korrespondenzen. St. Petersburg. (Federzeichnungen eines Petersburger Beobachters.) Unter allen den Leiden, welche die gesammte jüdische Nation in letzter Zeit heimsuchte, um sie so indirect aus dem überaus langen Schlaf zum Selbstbewnßtsein und zur Selbstthätigkeit zu erwecken, nimmt bekanntlich ihre kritische ökonomische Lage eine wichtige Stelle ein. Diese ökonomische Krisis wurde .größtrntheils durch die Indolenz von Seiten der arischen Bevölkerung hei vorge rufen. — Im Czarenreich hat sie aber noch einen ganz eigenthümlichen Grund, — nämlich die Übervölkerung der Städte Lithanens und Polens an Juden, welche theils durch die berüchtigten Mai-Regeln deS Jahres 1882, wonach die auf dem flachen Lande ansäßigen Inden sich nach den Städten und Flecken zurückziehen mußten, theils durch die Unüberschreitbarkeit des bekannten Grenzstriches hervvrgerufen wurde. Durch die Uebervölkerung dieses Gebietes entstand selbstverständlich ein großer Mangel an Arbeit und mithin vermehrte sich das Proletariat in enormer Weise. Für diese Lage der Dinge kann folgendem Vorfall Zeugniß ablegen. Am 23. Februar (7. März) stieß ein Haufen von, die Straßen von Witebsk durchziehenden arbeitslosen Juden, Rufe nach Brod aus. Schon befürchtete man ernste Ausschreitungen, als Jemand den Vorschlag machte, in den Bethäusern Meetings abzuhalten, und unter Hinzuziehung der jüdischen Kaufmannschaft über die Mittel zur Linderung dec Roth der Arbeiter zu berathen. Diese Meetings kamen in der That, wie der „Russky Kurjer“ berichtet, zu Stande und wurde seitens der Kaufmannschaft eine Subscription zur Herbeischaffnng der Subsistenz, mittel für die Arbeiter bis zum Eintritt des Frühjahres beschlossen und in's Werk gesetzt. Aehnliches wiederholte sich bald in Dünaburg, Polozk, und mehreren anderen Städten und ist jetzt sozusagen an der Tagesordnung. — Durch diesen Mangel an Erwerbsquellen erklärt sich auch der ausgesprochene Hang der russischen Juden zum Branntwcinhandel; wie die jetzt vom kaiserlichen Ministerium im „Reich-- anzeiger" veröffentlichte Statistik ausweist, sind über die Hälfte der Branntweinhändler Juden.. Diese unsere Ansicht theilt auch ein unparteiisches Residenzorgan, das „donrnal de 8k Pelersbourg“. „Die Lage der Israeliten in unseren westlichen Provinzen", schreibt dieses Blatt, „steht im engen Zusammenhänge mit den ihnen vorgeworfeneu Fehlern und daß bei einer rationelleren Vertheilung der jüdischen Bevölkerung, diese Fehler von selbst sich abschwächen werden. Da die Juden bei Concentrirung der jüdischen Elemente auf einzelne Provinzen nicht genügend Broderwerb finden, so ist. ganz natürlich, daß sie bei ihrem ausgesprochenen Hang zum Handel Alles versuchen, um sich einen, zudem noch kärglichen Gewinn zu .sichern. Wenn einmal die Juden überall im Reiche frei sein und dieselben Rechte genießen werden, so wird diese intelig e n t e und arbeitsame Race sich in Rußland ebenso nützlich machen, wie sie z. B. in Frankreich ist und wird sicherlich die ihr bei uns stets gemachten Vorwürfe zu Schande machen. Die von der Elite der Provinzadministratoren vorgeschlageneu Maßregeln zur Juden- Emancipation m diesem Sinne sind daher weise und vernünftig." — Die „Peterburgska-Gazeta“ versichert, daß die Pahlen'sche.Comin isfion ihre Arbeit der Durchsicht des großen Materials über die Judenfrage bereits beendet hat und jetzt darangehen wird, ein Project vcn neuen Gesetzen für die Juden in Rußland ausznaibeiten. — Am 28. Feber (12 März) fand in Moskau die feierliche Einweihung der ersten ständigen Synagoge statt, da bis dahin dort nur Gottesdienst in gedungenen Localen abgehalten wurde. Der Erbauer derselben auf eigene Kosten ist Herr Lasar Poljakoff. — Am Sclmscban - Purim veranstaltete der Verein „Aokvrasb Zion." in Petersburg einen musikalisch-declamatorischeu Abend, an dem auch einige Virtuosen der hiesigen Oper Theil nahmen. Dieser gesellige Abend trug einen echt natioiiase» Charakter. Unter den Gästen wurde als erwünschtes Mischloach. manoth der Text eines ausgezeichneten Gedichtes, von Herrn Frug - „Auf den Weg" (soll. Palästina) vertheilt. Der Reinertrag des Abends beträgt 210 Rbl. Gelegentlich möge hier erwähnt werde», daß der Verein „Admath. Zion" einer der ältesten nationalen Vereine ist und daß er während seiner fünfjährigen Thätigkeit bereits eine Summe von 3000 Rbl. zusammengebracht hat, theils aus den monatlichen Beiträgen» der Mitglieder, theils aus privaten Spenden und den Ergebnissen der geselligen Abende. Von dieser Summe befinden sich blos 600 Rbl. in der Cassa, während das klebrige bereits für die nationale Sache verwendet wurde. Besondere Verdienste um den Vereiil haben sich die Herren W. L. Behrman» (Rechtsanwalt) und M. Margolin (8tud. jut.) erworben. — Wie die Warschauer Zeitungen melden, soll unter den dortige» Juden ei» Pivj-ct über die Gründung eines Vereines für Sparsamkeit und Enthaltsamkeit von übermäßigem Luxus ausgearbeitet werden. Die zukünftigen Mitglieder des Vereines beabsichtigen das Feiern der jüd. Feiertage ans ein Minimum herabzusetzen, d. h. an denselben die geringste Anzahl von Gästen einzuladen und denselben nicht mehr als 3—4 der bescheidenste» Speisen aufzutischen. Das Tragen von seidenen Kleidern, Brillanten, Goldsachen und anderen Luxusgegenständen soll ganz abgeschafft werden. Für die nicht pünctliche Ausführung des prvjectirten Programmes wird eine Geldstrafe anferlegt werden. — Das Gerücht, das in Rußland cursirte. als ob der Hauptsitz der „Alliance Iaradlite Universelle“, dieses Symbols der entstehende» Solidarität der. Inden, von Paris »ach Berlin verlegt würde, hat nichts wahres an sich. — Zu unserem größten Bedauern müssen wir nun mittheile», daß Mehrere unserer Stammesgenoffen in Rußland in letzterer Zeit auch auf der Anklagebank als grwaltthätige Verbrecher figuriren. Die Odcssaer Äbtheilung des Militär-Bezirksgerichts verurtheilte von sechs des Raubes angeklagten Personen drei derselben. welche Inden sind zum Tode dnrch den Strang. Der Berufung der Vernrt heilten wurde keine Folge gegeben, und das Todes, urtheil wurde am 25. Februar (9. März) vom Odeffaer Generalgouveneur bestätigt, und am 28. Februar (13. März) vollzogen. — Einen enormen Fortschritt haben wir wieder in den Annalen der neuhebräiichen Literatur zu verzeichnen. Die in Warschau in hebräischer Sprache von de» Herren Slonimsky und Soko» low bisher als Wochenblatt redigirte „Hazefirah" erweitert vom 1. (l3.) April d. I. ihr Programm und erscheint täglich, natürlich mit Ausnahme der jüdischen Feiertage. — Nach dem Berichte des „Swiet“ soll der Gewinn des große» Prämienloses letzter Emission im Betrage von 200.000 Rbl. auf das?Billet eines jüdischen Regimentssch »eiders. der seine Werkstätte in der Hauptadmiralität zu St. Petersburg hat, gefallen sein. Dieser glückliche Schneider soll nun unter dem erste» Eindruck dieser frohen Uebcrraschung, seinen ärmeren Kunden alle kleinen Schulden erlassen haben. — Wie der „Warach. Dniewnik“ mitzntheilen weiß, sollen im Lause des verflossenen Jahres 1885 aus dem Weichselgebiet und ans den westlichen Provinzen 20.150 Juden ansgewandert sein, itnb zwar vorzugsweise nach den vereinigten Staaten Nordamerikas, 'wo sich bereits über eine halbe Million Juden befinden. Diese Zahl dürfte viel zu niedrig angenommen sein und sie läßt sich überhaupt nicht so genau bestimmen. Wenn ich an unser unanfhörlich herumziehendes Volk denke, so fällt mir stets unwillkürlich der so richtige Vergleich desselben mit einem Vogel ein. Wann wird unser ewiges Wandern endlich aufhören?! — Ben Alexander. Erez Israel. Odessa. Eine beständige Verbindung mit Palästina beabsichtigt die russische Dampfschiff« fahrtsgesellschaft zu errichten und ist dieserhalb bereits mit dem Geueralconsiil Bncharow in Jerusalem in Unterhandlung getreten. (Aus den Kolonien.) Von Seite des bekannten Wohlthäters wurde für Rösch Pinali rin Arzt, Dr. S. Bliden (Jude), sowie ein Apotheker engagirt. — In den letzten Zeiten durchwanderten zwei preußische Handwerker das Land; schließlich erfuhr man, daß dieselben das Grundstück „Arad al Dabi", welches an dasjenige des russischen Juden Mordechei Lnbawsky grenzt, vier Stunden von Saffed angekauft haben, um darauf eine Calonie von 50 deutschen Familien anzulegen (!) — Nach den Peßachfeiertagen gehen aus Jassy in Rumänien eine größere Anzahl wohlhabender Familien (bisher find es dreißig) nach Palästina, um dort eine Colome zu grün» den. Dieselben habe» sich bereits durch Vermittlung des Herrn Dr. K. Lippe in I a s s y mit den betreffende» Persönlichkeiten des türkischen Reiches in Verbindung gesetzt. In einer uns vorliegende» Kundmachung fordern die Emigranten zu weiterem Anschluß von Familien auf. ES genügt ein Vermögen von 2 bis 3000 Francs. (Ans Chicago) in Amerika kommt dem „Hamagid“ eine erfreuliche Nachricht. Daselbst haben sich 3l) Stammesgenossen entschlossen, als