Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1886
- Issue
- Heft 7 (3.5.1886)
- Date
- 1886-05-03
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3092672-3092783-3092790--0378-3093325- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
belebenden Sturm aneinandergefügt werden und zur Auferstehung führen. Lingesendet. Von einem Freunde unseres Blattes in Stryj erhalten wir folgende Zuschrift. Mögen unsere geehrten Leser die Bitte des armen Mannes berücksichtigen und entweder an ihn direct, oder an die Redaction die Spenden einsenden. Löbliche Redactio n! Sie haben gewiß gehört, wie unsere Stadt in kurzer Zeit von den Flammen verzehrt wurde; jetzt liegen ganze Familien brodlos auf der Gasse. Auch mich hat dieses Los getroffen; samint Frau und fünf Kindern campire ich auf der Straße ohne die nöthige Nahrrmg und Kleidung, und ich weiß mir nicht zu helfen. So bitte ich Sie um Erbarmen mit sieben Personen, welche zu Grunde gehen. Haben Sie die Güte, für mich bei allen nationalen Juden ein Almosen zu sammeln. Schreiben ja unsere Weisen,'daß wer eine jüdische Seele beim Leben erhält, gerade so viel thlit, als ob er die ganze Welt erhalten hätte, um wievielmehr bei mehreren Personen. In der Erwartung, daß Sie meine Bitte erfüllen werden, zeichne hochachtend S. A r n o l d Stryj, den 29. April 1886. Wir machen hiemit bekannt, daß Dienstag den 4. Mai 1886, Abends um 8 Uhr in Fischer's Restauration, 2. Bez., Schiffamtsgasse 20, dieersteordentlicheGeneralversa in m l u n g mit der . Tagesordnung : 1.. Bericht der tzrov. Leitung. 2. Wahl der Vereinsfunctionäre. 3. Anträge und Jnterpellationen, stattfinden wird. Gäste sind willkommen! Das Gründungs - Comite des Vereines für hebräische Wissenschaften. Geselligkeit und Unterstützung „Ohawe Israel“. Wien, den 2. Mai 1886. An meine Aiuse. Du leichtbeschwingter, frohbelebter Und sonnverwandter, lichtdurchwebter. Du Zensentstaminter Musenkranz, Der um Apollons Silberleier Beschirmet mit der «linste Feuer Des Lrdenwallens Zauberglanz l Wohl bist Du reizend, lebenbringend, Wohl herzerhebend, allverjiingend Und wirst im Wirken nimmer müd'; Doch meines Busens stilles Leide», Ls stimmet nicht zu Deinen Freuden, Und ferne steht Dir mein Geinüth. Das Fliigelpferd, die Dichterquelle Begehrte nie die bange Seele, Arkadien ist mir unbekannt; Denn all' mein Denke», all' mein Fühlen Ruht dort, wo Iordauswellen spülen An's schwervermißte Ahnenland. Und eine Frau im Witwenschleier, Sie preßt mir in die Hand die Leier Und küßt der Stirne Fieberglut: Die feuchten Saiten wimmern traurig, . Sie wimmern düster, trübe, schaurig von Hohn und Schimpf und Rachewuth. Die heh're Frau mit milden Mienen, Die bleich in Geistespracht erschienen And gnädig mich erkoren hat, Daß ihrem «ummer, ihrer Sorge Ich meine schlichten «länge borge, Heißt Zion, meine Vaterstadt l F.. d. Literarisches. (Eruest Rena») legt eben eine „Geschichte der Juden bis zur Zeit der Entstehung des Christenthums" in Druck. („National".) In Bottuschan (Rumänien) erscheint seit Ende März ein Jargonblatt unter obigem Titel. Herausgeber und Redactenr ist ein russischer Jude, Herr L i n i e c k y, den wir als Mitkämpfer für unsere heilige Sache auf das herzlichste begrüßen. Der „National" vertritt die national-jüdische Idee in ihrer reinsten und ausgesprochensten Gestalt. In derb-drastisch-n Ausdrücken, zu welchen der jüdisch-deutsche Dialect eine besondere Eignung besitzt, ironisirt der „National" das hohle und einfältige Treiben der gedankenlosen Affimilanten und den sittlichen Tiefstand ihrer zielbewußtm Verführer. Nicht minder geschickt weiß er das Sdralchan- ^nielr - paragraphenreitende „Nnr-Orthodoxenthum" zu packen, wie er sich denn auch bemüht, seinen Lesern den Begriff der jüdischen Nationalität als einen mit dem der jüdischen Religion nicht identischen, wenn auch mit ihm historisch zusammenhängenden, klar zu machen. (Zion) Hebräisches Organ zur Beförderung der hebräischen Sprache und Literatur, heransgegeben von A. H. Z u p n i k, Nedacteur der „Drohobyczer Zeitung" Das erste April Heft der neuen Zeitschrift liegt uns vor und finden wir darin eine reichliche Auswahl von wissenschaftlichen und lyrischen Arbeiten; das Hebräisch ist gut und empfehleu wir Jedermann das neue Monatsblatt ans das Beste. (Zweites hebräisches Tagcsblatt.) Seit 1. (13. April) erscheint die bisher als Wochenblatt herausgegebene „Hazefirah“ in Warschau als politische Tageszeitung. So existiren nun bereits zwei tägliche' Journale in Hebräischer Sprache, die «den erwähnte „Hazefirab“ in Warschau und der ror zwei Monaten gegründete „Hajom“ in St. Petersburg. Mischuatk olam katon, naasseclietii nathuacli. Die descriptive und topographische Anatomie des Menschen von Dr. Benjamin Scherschewsky. Jerusalem 1886.) Unsere Affimilanten pflegen gerne auf die hebräische Sprache als todte hinzuweisen und wissen dadurch das Volk im Westen, daS die wahren Verhältnisse nicht kennt, zu täuschen. Ganz im Gegensätze zum Lateinischen und Griechischen dient die hebräische Sprache Hunderttausenden unserer Stammesgenossen als Verkehrs- und Handelssprache. Und gerade so wie.es hebräisch geführter Geschäftsbücher und hebräisch geschriebener Geschäftsbriefe eine Menge gibt, ebenso erscheinen zahlreiche Zeitschriften (in letzter Zeit ja auch schon zwei Tagblätter), welche die Ereignisse der Politik, sowie alle Erscheinungen des öffentlichen Lebens besprechen. Täglich erscheinen Werke wissenschaftlichen und historischen Inhalts, kurz es herrscht ein so reges Leben auf dem Gebiete der hebräischen Literatur, daß es als das beste Vorzeichen der nahenden nationalen Erlösung unseres Volkes betrachtet werden kann. — So ist auch mit der Herausgabe des oben genannten WerkchenS ein weiterer Fortschritt in dieser Richtung geschehen. Es ist das erste Handbuch der Anatomie in hebräischer Sprache und auch deswegen, wie Herr Michael Pines in der von ihm verfaßten Vorrede anführt, interessannt, weil es ein helles Licht auf die Talmudtractate.0bnlrn und Hidab Acharith Jerusehalajira. (Die Zerstörung Jerusalems), Drama in 5 Acte» von I. L. Landau. Der Verfasser ist uns schon aus seinem ersten dramatischen Werke „Lar Cochba" vorteilhaft bekannt. Er ha auch diesmal Treffliches geleistet. Namentlich kann das leichte, flüssige, so schön in poetische Form gebrachte Hebräisch, das hervorstechende Scenirungstalent des Verfassers nicht genug gelobt werden. Die meiste Anerkennung aber verdient die mächtige Liebe des Verfassers zu seinem Volke und dessen Heimat, die aus jeder Verszeile des Dramas hervorleuchtet. Auch von dieser Seite ist Herr I. L. Landau allgemein bekannt, eben durch sein erstes Drama „Lar Cocbba", sowie durch einen vor einigen Jahren im Lemberger Vereine „Mikra Kodesch" gehaltenen hebräischen Vortrag über resp. gegen die Assimilation. Tanz- und Pentateuchkritik in Wechselbeziehung von Franz Delitzsch, vorgetragen in der Abendgesellschaft des Leipziger Professor riums am 13. Jänner 1886. — Man ist gewohnt, das jüdische Volk als ein der Lebensfreude abgeneigtes zu betrachten und datirt diese seine Eigenschaft vom babylonischen Exile her. Dementsprechend behaupten auch namhafte Gelehrte, daß das jüdische Volk aus seinem ersten Exile nicht als Nation, sondern als religiöse Secte nach der Heimat zurückkehrte. Diese Behauptung ist natürlich den heutigen Assimilauten sehr erwünscht, weil sie ja ihre Ansicht nicht nur wissenschaftlich bekräftigt, sondern sie geradezu übertrumpft, denn wenn es schon vor zweitausend Jahren auf jüdischem Boden keine jüdische Nation gab, um wie viel weniger läßt sich heute von de» zerstreuten Juden als einer Nation sprechen. In dein erwähnten Vortrag nun tritt Delitzsch gegen jene wissenschaftliche Ansicht aus; er svricht freilich, wie er selbst gesteht, nicht vom Judenthum des Talmud und der Ghetti, sondern blo« von dem Volke der nachexilisch en Restaurationszeit — wir aber haben auch noch nie behauptet, daß das heutige Israel alle Kennzeichen einer lebend e » Nation in sich vereinige. Unser System gipfelt ja nur in der durch die Unmöglichkeit einer Assiinilirung nothwendig werdenden Wiederbelebung und in der Behauptung, daß es vielleicht kein Volk der Welt gibt, das geeigneter und fähiger ist, ein nationales Leben zu führen. Und namentlich dieser letztere Punkt ist eS, der durch Delitzsch' Vortrag unwiderleglich bewiesen wird. „Religionseiuheit und Cultusgleichheit sind doch nicht Dinge, welche das Wesen eines Volkes zerstören. Die Araberstäinme und die Völkerschaften, welche allesaminl in der Richtung auf die Kaba in Mekka beten und nichts Beseligenderes kennen, als wenigstens einmal im Leben dorthin zu wallfahrten, sind deshalb doch keine Sccten." sagt Delitzsch a:tt Anfänge seines Vortrages und mau kann diese Worte mit geringer Aenderung auch für unsere Zeit verwende». Im Laufe seines. Vortrages weist der berühmte Orientalist nach, daß die nachexilische Praxis die Feste ihres früheren heidnischen Charakters entkleidete und sie zu Nationalsesten eines monotheistischen Volkes rchob, ohne die festliche Freude zu schmälern. Er spricht von den Natioilaltänzeir der Inden und den Tanzfesten derselben. Als riues derselben nennt er das wahre Volksfest des,- letzten