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Selbst-Emancipation · 1886-05-03 · Heft 7 (3.5.1886) · p. Seite 3

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1886
Issue
Heft 7 (3.5.1886)
Date
1886-05-03
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 7 Selbst- Em aneipation! Werke auf dem Gebiete -der jüdischen Literatur und Geschichte, namentlich der Literaturgeschichte der synagogalen Dichtung einen Weltruf. Seine Werke: „Die gottesdienstlichen Vorträge der Juden" (1833), „Die Namen der Jaden" (1837), „Zur Geschichte und Literatur" (1845), „Die synagogale Poesie des Mittelalters" (1855), „Die Ritus des synagogalen Gottesdienstes" (1859), „Literaturgeschichte der synagogalen Poesie" (1865) und Andere gehören zu den glänzendsten Leistungen dieser Art. Wiewohl mehr ein Mann der Wissenschaft, nahm er dennoch an den politischen Ereignissen lebhaften und thätigen Antheil. Er war ein intimer Freund Hkine's und unterhielt mit dem berühmten deutschen Geschichtsforscher Rauke ein intimes Freundschaftsverhciitniß. (Aus Rußland.) Deutschen Juden, welche nach Rußland reisen wollen, ist der Eintritt in das russische Reich erschwert. Entgegen den beschwichtigenden Mittheiluugeu des „Journal de St. Petersbourg“ steht es nämlich nun fest, daß zu einer Reise eines deutschen Juden nach Rußland die vorgängige Einholung der Erlaubiliß seitens der russischen Centralbehörde in St. Petersburg nothweudig ist. Ohne diese Erlaubniß ertheilt das russische General-Consnlat in Berlin dem Passe eines Jude» kein Visum. — Es wird ein kaiserlicher Ukas erwartet, der die Juden vom Militärdienste ansschließt, dafür aber eine Kopfsteuer für jeden militärpflichtigen Juden einsührt. ( Rumänisch.) Der Unterrichtsminister, Herr Stürzas hat ein neues Mittel ersonnen, um de» jüdischen Kinder» die Theilnahme am Uuterichte zu verkümmern. Er hat dem Parlamente einen Antrag vorgelegt, das das Erheben einer besonderen Steuer von fremden (will heißen: israelitischen) Kindern, welche die öffentlichen Schule» besuchen, bezweckt. — Ein Mann, der schon einmal einen Juden in Plojesti er-, mordet hatte und straflos ausgegangen war hat jüngst wieder einen Juden ermordet. Er wurde nicht einmal arretirt. — Ein Senator interpellirte die Regierung über die übergroße Zahl jüdischer Geburten in der Moldau. — Dem „Hamagid“ wird Folgendes berichtet: Am 16. März begegneten einige Studenten einem Juden, Herrn Salomon Biber, auf der Straße. Kaum wurden sie seiner ansichtig, als ein Ucbermüthiger unter ihnen ansries: „Seht wie ich diesen Juden treffe l" Dabei hatte er einen Revolver hervorgezogen und schoß zwei Mal aus den arglos seines Weges Gehenden. Zum Glück traf er nur dessen Kleider, ohne ihn zu verwunden. Eine Menschenmenge hatte sich rasch versammelt und hinderte den Studenten am ferner» Schießen. Er wurde vor den Commissär gebracht und erwiederte auf Befragen, er habe nur nach einem Vogel zielen wollen! Darauf wurde er freigelassen! (Dr. Simon Bernfeld) in Berlin, hervorragender Mitarbeiter hebräischer Zeitschriften und national gesinnter Jude, wurde von der spagnolischcn (!) Gemeinde in Belgrad zum Rabbiner gewählt. Unseres Mffens ist dies der erste Fall, daß sich Sephardim einen Aschkenasi zum Rabbiner .wählen und das Vorzeichen' einer im nationalen Sinne erfolgenden Annäherung der beiden Riten. — Die Wahl dieses, wie wir bereits bemerkten, entschiedenen Gesinnungsgenossen und zugleich sehr aufgeklärten Mannes bedeutet einen großen Schritt zur Verpflanzung der national-jüdischen Idee nach dem Oriente und ist nicht zum kleinsten Theil das Verdienst des Belgrader sephardiichen Cultusvorstehers, Herrn Jacob M. A lk a l a y und des dortigen kgl. Stadtarztes, Herrn Dr. Rübe» Vierer, dessen nationale Gesiunungstüchtigkcit und Unermüdlichkeit unfern Lesern ja bereits hinlänglich bekannt sind. (In Smyrna) wurde von den angesehensten jüdischen jungen Männern ein Verein unter dein Namen „Doraobe Ssefath ewer“ gegründet, der sich mit der Ertheilung hebräischen Unterrichts an arme Kinder beschäftigt. Die Schüler (bis jetzt dreißig) werden daselbst in den Elementen der Sprache, sowie in der Lectüre hebräischer Zeitungen und wissenschaftlicher Blätter angewiesen. Der Verein verdient natürlich allseits die ausgiebigste Unterstützung au Geld und Büchern. Sendungen sind an Herrn Haim Mordhay' Cohen in Smyrna (Kleinasien) zu richten. (Heiteres von der Affimilatiou.) Chinenationale Juden! Welch' großartiger Sieg der Assimilationsideen! Der geehrte Leser glaubt vielleicht, wir machen Scherz und sprechen von einem Zustand, den die Assimilationswuth dereinst noch schaffen könnte. Dieser Vermuthung wollen wir durch die feierliche Erklärung zuvorkommen, daß wir es in allem Ernste mit der Gegenwart und nicht mit der Zukunft zu thun haben. Es sind nämlich in China von der dortigen Regierung viele europäische Juden als Beamte, und zwar hauptsächlich im Steuerfach in Shanghai, Hongkong, Canton und anderen Städten angestellt. Das Wunderbare an der Sache aber ist 'nun, daß diese europäischen Juden „durch und durch Chineseir geworden sind", wie ein jüdisches Blatt sich in naiver Weise ausdrückt und sogar chinesische Namen angenommen haben." — Nur noch wenige Jahre und vor den eiitzückten Augen unserer jüdischen Schulvereinler, Agudianer, Besedamitglieder u. s. w. wird ein gesinnungsverwandtes, stolzes chinesisches Judenthum erstehen und am Jantse- Kiang wird in pagodenähnlichen Synagogen chinesisch gebetet werden! Unsere Affimilanten in Europa brauchen aber über ihre neuen bezopften College» im Reiche der Mitte keineswegs „scbeheohjanu zu machen", denn — wie man sich erzählt, soll sich auch die Assimilation in Europa bereits lange „verzopft", das ist überlebt haben. (Todesfall.) In Przemysl (Galizien) starb neulich einer der bedeutendsten Bibelgelehrten und Hebräisten, ein warmfühlender Jude, Herr Naftali Jacob Weinig, im Alter von 56 Jahren an einer Herzkrankheit. — Sichrono liwrachah, sein Andenken zum Segen. Gründungsfeier Aneiilks jüdischer junger Aumeu „Mirjam*1 in pen am Vorabende deS Purimfestes 5646 (20. März 1886). *) (Driginal-Bericht der „Selbft-Lmancipationl") Das Fest, welches im großen Saale des Hotels „Weißes Roß" stattfand, war stark besucht und ist glänzend gelungen. Das reichhaltige Programm zerfiel in drei Theile: Zuerst *) Durch die einmonatliche Sistirung unseres Blattes um einen Monat verspätet. wurde gesprochen, dann concertirt und' schließlich getanzt. Der erste Theil des Festes, der oratorische, wurde um 9 Uhr mit der Begrüßungsrede der Vicepräsidentin. Frl. Ernestine B r e t h o l z, eröffnet, deren Worte sofort die Festgäste mit Sympathien für den Verein erfüllten. Wer unter den national gesinnten Zuhörern stimmte der jungen Dame nicht aus ganzem Herzen bei, als sie sagte, „daß es nicht der Almosen fremden Geistes und fremder Sitte bedürfe, um Großes zu leisten und unsere ererbte Aufgabe fortzusetzen, Kämpfer für Aufklärung und Fortschritt, Sittlichkeit und Menschlichkeit zu sein." Stürmischer Applaus folgte den Schlußworten der Rednern,: „Der Kampf um das Wiedererstehen unseres Stammes und der Drang nach seiner Heimat sind, wie der Auszug aus Aegypten, ein Auszug aus der Knechtschaft, aus der Knechtung unserer Volkswürde. In diesem Freiheitszuge aber dürfen auch wir, Mädchen und Frauen, wir. Töchter Zions, nicht fehlen, und, daß wir nicht fehlen werden, das zeigt deutlich unser heutiges, so zahlreich besuchtes Gründungsfest, bei dem ich Sie alle, alle nochmals herzlichst willkommen heiße." — Nach Fräulein Bretholz bestieg Fräulein Amalie Oesterreicher, dessen Redetalent uns noch voi« der Gründungsfeier des Vereines „Zukunft" in angenehmer Erinnerung ist, die Tribüne und hielt die Festrede, die, wie z» erwarten stand, von reichlichem Beifall des Oefteren unterbrochen wurde. Geradezu stürmisch wurde die Rednerin applaudirt, als sie ausrief: „Kann es denn etwas Höheres geben, als die Stätten der ruhmreichen Vergangenheit unseres Volkes, als die Heimat der jüdischen Nation, als das Land, das unsere größten Männer und Frauen gesehen, auf dessen Boden uiisere Weisen und unsere Helden gewandelt, wieder zu beleben, an die Stelle verödeter Fluren fruchtbare Aecker und blühende Gärten, an die Stelle vermoderter Ruinen bewohnte Häuser und belebte Plätze, an die Stelle einsamer Verlassenheit den völkerbelebenden Verkehr treten zu lassen." Rednerin betont, daß es, mögen wir auch hier in Oesterreich in besserer Lage uns befinden, unsere Stammes- und Menschenpflicht ist, der bedrückten Brüder zu gedenken, und den Handlungen der Esther und der Mirjam nach Möglichkeit nachzukommen. „Nicht Emancipqtionsmanie. nicht Sucht nach Großthuerei, nicht irgend welch' anderes kleinliches Motiv führte uns zusammen, ruft sie aus; es war die Liebe zu unfern Volke, es war die Theilnahme für unsere Stammesgen offen, es war das Mitleid, dem sich wohl selten ein Franenherz eiitzogeil." — Der Rede des Frl. Oesterreicher folgte eine andere des Herrn Drd. Philipp F i f ch l e r, als des Vertreters des akademischen Vereines „Kadimab“. Herr Fischter dankt zuerst für die dem Vereine „Kadimab“ gewordene ehrende Einladung und bringt dann seine Freude über daS Fest zum Ausdruck. Ec sieht es für ein sehr günstiges Omen an, „wenn unsere Stammesgenoffinnen zu einem Bunde sich die Hände reichen, um mit ihren Stammesbrüdern für die nationalen Güter in de» Kampf gegen die äußeren und inneren Feinde zu ziehen." Redner weist dann nach, wie „zu wiederholten Malen jüdische Frauen eine historische Rolle gespielt und das verzweifelte Volk zu ruhmreichen Thaten angespornt haben." Er weist auf Mirjam und De-

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