Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1886
- Issue
- Heft 6 (17.3.1886)
- Date
- 1886-03-17
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
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Selbst-Ema,, ci pa tion! Seile 9 Nr. 6 lich auf die Ingrid za wirken," soastirte. Wie diese Ovationen erfreuten Smolensky nicht sp sehr, als nian hätte erwarten sollen, denn die Zurückhaltung der Eirfflußreichen, die den Antisemitismus nur für eine vorübergehende Erscheinung hielten und daher Smolensky nicht begriffen, erfüllte seine große, edle Sexte mit Bangigkeit. Nur einmal während dieser Reise erhellte ein lichter Sonnenstrahl seine düstere Stimmung. Die Moskauer Studenten überreichten - ihm nämlich eine goldene Feder mit der hebräischen Inschrift: „Unserem theurru Perez Smolensky von den jüdisch-national gesinnten Studenten zum Andenken liebevoll gewidmet." Da konnte freilich seine gesunkene Zuversicht wieder aufleben, den» er mochte in diesem Momente sich dessen ganz bewußt werden, daß die Zukunft nicht den traditionellen Opportunitätsmenschen, sondern der Jugend gehöre. Offen und ungescheut donnerte Smolensky auch der Allianz die Wahrheit ins Gesicht. Wieder erhob er seine Warnerstimme und mahnte ab von der Verschickung der ruffischen Juden nach Amerika; er sagte das klägliche Ende dieses mit so viel Lärm in die Welt gesetzten Unternehmens voraus. In einem eigene», nur im Manuskript vorhandenen Memorandum in deutscher Sprache forderte er die Allianz dazu auf, die Colonssation Palästinas in die Hände zu nehmen und sparte bei dieser Gelegenheit nicht mit den . schärfsten Ausdrücken. Die Folge davon war, daß ihm die Jahres-Subventiou entzogen wurde. Doch was lag ihm, der mit der alten selbstverrätherischen Schlendrianwirthschaft im Judenthuwe aufräumen wollte, daran? Aber, wenn sich ihm auch die Mächtigen nicht zuwandten, und seine Warnrufe, welche ihre Berechtigung hinterdrein ausnahmslos offenbarten, in selbst gefälligem Klugheitsdünkel überhören zu müssen glaubten, im Volke und in der Jugend fanden die von ihm gepredigten Ideen Eingang. Perez Smolensky, der Urheber der jüdischen Nationalbeweguug, war auch ihr erster Märtyrer. Seine schon gegen Ende der Siebziger-Jahre in's Wanken gerathene, früher so kernige Gesundheit wurde durch die Aufregungen der Epoche nach Ausbrechen des Antisemitismus, durch dech aufreibenden Kampf gegen Indolenz und verleumderische Bosheit, durch seine immense Thätigkeit noch mehr untergraben; der Todeskeim war in seine Brust gelegt und die letzten Jahre seines Lebens verbrachte Smolensky in stets wachsenden, fürchterlichen Leiden. Nichtsdestoweniger büßte er nichts von seinem Feuereifer ein. Es schrieb und wirkte fort. Der Schreiber dieser Zeilen erinnert sich noch, wie der große Schriftsteller eben von einem der ersten stärkeren Anfälle seines Leidens scheinbar genesen, im Spätherbste,1882 bei einer Zusammenkunft einer Anzahl Wiener jüdischer Akademiker, die über die Gründung eines national-jüdischen Studentenvereines an den Wiener Hochschulen beratheten, zugegen war, sich eifrig ^an den Debatten bctheiligte, und für den zu gründenden Verein den Namen „Kadimah“ vorschlug, der auch wirklich aeceptirt wurde und heute in Oesterreich beinahe zum Losungsworte junger und alter Gesinnungsgenoffen geworden ist. Zusehends verschlimmerte sich der Zustand Smolensky's. j Im Winter 1884 besuchte er zum erstenmal Me-an, iiy Sommer desselben Jahres Gleichenberg. Es gieng bergab mit ihm. Unglücklicherweise waren auch seine Vermögensver- . hyltniffe durch seine mehr den äußeren Ereignissen zugewendete Thätigkeit, durch seine Krankheit und durch den aus seinem Auftreten als nationaler Führer sich erklärenden Ausfall von pecuniären Hilfsquellen zerrüttet worden. Doch Smolensky hatte in Wien zärtliche Freunde, die seinen Geist bewunderten und . seinen Charakter verehrten, wie wohl sie seine Ansichten nicht thcilten. Unter denselben ragen hervor : der deutsche Schriftsteller Professor Heller und der bekannte jetzt bereits verstorbene Reichsrathsabgeorduete Dr. Ignatz; Kn randa. Letzterer war es, der es bei der Allianz durch- : Metzen sich vornahm, daß Smolensky, wie eiust nach Rumänien. so jetzt «ach Palästina als Experte gesandt werde, in dessen Klima er noch vielleicht Verlängerung seines Lebens finden könnte. Aber K u r a n d a starb, bevor er seinen Plan in Ausführung brachte, und das Projekt wurde natürlich zu Wasser. Im Herbste 1884 gieng Smolensky zum zweiten Male zur Cur nach Meray. Kurz vorher hatte ihn Schreiber dieser Zeilen noch auf der Straße getroffen und war beinahe eine Stunde lang in lebhafter Conversation mit ihm gegangen. Smolensky sprach, wiewohl der Tod bereits auf seinen Zügen lag upd aus seiner Stimme hrrausklang, in der alten Lebhaftigkeit vou dem nationalen Gedanken, von den russische» Zionsfreunden, von der Wiener Jsraelitischev Allianz und den Wiener Juden; dabei erzählte er die gewiß nicht uninteressante Thatsache, daß Dr. K u r a n d a, den er als edlen Manu hochgeschätzt und mit dem er in Freundschaft gelebt. lange die Ansichten Smotensky's bekämpft habe, schließlich aber doch halb überzeugt worden sei und dem Andrängen Smolensky's nur mehr die Worte entgegengesetzt habe, er sehe die Fehler der Assimilation ein, sei aber bereits zu alt, um hier etwas zu leisten, und er könne nicht mehr aus der Reihe derjenigen Männer treten, an die ihn das Leben und die Politik mit tausenden Banden geknüpft habe. In Meran nahm das Kehlkopf- und Brustleiden Smolensky's immer mehr an Macht und Ausdehnung zu, doch schriev er dis in die letzte Zeit seines Lebens und recht unglücklich fühlte er sich erst, als er nicht mehr schreiben konnte. Am 1. Februar 1885 verschied Perez Smolensky, nach dem er noch nicht das 43. Jahr seines Lebens vollendet hatte. Er starb zu frühe, dieser seltene Mensch und Jllde, zu frühe für seine Witwe und seine fünf Waisen, zu Frühe für die von ihm inaugurirte Nationalbewegnug, deren genialster, treuester und selbstloseser Führer er gewesen; zu Frühe für die Heuchler und Gefärbten in unserem Volke, die die Schärfe seiner Feder gekannt und gefürchtet. Hätte er gelebt, die „nationalen Antinationalen" Wik sie die jüngste Zeit in Rußland gebar, die „nationalen Anti- Palästinenser", eine andere gar merkwürdige Mißgeburt von Partei, und alle die „Hatben", welche gleichzeitig auf zwei Rossen reiten wollen, würden seine niederschmetternden Hiebe in einer Werse zu fühlen bekominen haben, welche sie wieder gelehrt hätte, Männer zu sein. Doch er ist nicht da und daher bleibt den echten Nationalen nur die Hoffnung, daß das edle Princip, welches er vertrat, vermöge der demselben innewohnenden Kraft der 'Wahrheit und durch die vereinten Bemühungen Aller, die Smolenskys Ideen m sich ausgenommen, zum Siege, gelangen werde. Ehre und Bewunderung dem Andenken des vielge» schmähten, vielveclästerten, doch in Wahrheit gottbegnadeten Perez Smolensky! N. B-m. Mise et len. (ÄnS Indien.) Einer Correspondenz des Mainzer „Jsr." entnehmen wir: Indien, dieses schöne und au Völkern, Sprachen und Culten so reiche Land, kann sich auch rühmen, daß es eine Colonie schwarzer Juden besitzt. Diese schwarzen Juden finden sich in der südlich von hier an der Malabarküste gelegenen Stadt Cocin und in einige» benachbarten Orten. Dieselben sind insgesammt etliche hundert Köpfe stark. Woher mag es nun kommen, daß diese Inden schwarz sind? Die Meinungen darüber sind getheilt. Unter diesen Juden selbst, die fest behaupten, daß ihre Vorfahren ans Palästina nach Indien gekommen sind und die sich daher ihre alte Bezeichnung ,,Lsni-i-Isras1 (Söhne Israels)" nicht wegdisputiren lassen wollen, herrschen zwei Ansichten darüber vor. Nach der einen Ansicht sollen ihre Vorfahren zu jenen {. 7*3 'sssks