Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1886
- Issue
- Heft 6 (17.3.1886)
- Date
- 1886-03-17
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 6 Seite 8 S e l b st - E m a n c i p a t i o u! als mit dem wahrhaft Edlen. Denn obwohl sein „Hasch» achar" das Gediegenste enthielt, darunter seine allerglänzendste Arbeit, seinen „Hatoe“, der wegen der lebhaften Darstellung der Scenen wegen der lebenswahren Schilderung der Verhältnisse und Personen, wegen der gedankentiefen Philosophie, die der Autor letzteren in den Mund legt, selbst die Aufmerksamkeit der Tagespresse in den verschiedenen Ländern auf sich lenkte und dieselbe zu den ehrendsten Kritiken veranlaßte — konnte sich' dennoch die die neue Zeitschrift nicht halten und mußte nach halbjährigem Bestände eingestellt werden. Smolensky unternahm bald darauf, 1870, eine größere Reise, auf der er Rußland, Schweden und Norwegen. Frankreich, England und Deutschland besuchte. In der Nähe der schwedischen Insel Malmö erlitt er Schiffbruch und brachte stundenlange aus den Meereswellen umhertreibend in der höchsten Todesgefahr zu, bis er endlich gerettet wurde. Als er von seiner Reise zurückkrhrte, war es ihm wieder möglich geworden, die Herausgabe des „Hascliacliar“ foitzusetzm, der von nun an regelmäßig erschien. Sein Bruder bestellte in Warschau die Agentie für das Blatt, welches einen raschen Aufschwung zu nehmen begann, so daß es im sechsten Jahrgang, in seiner materiellen Blüthezeit, 1800 Abonnenten hatte und einen jährlichen Reingewinn von 5000 Rubel abwarf. Im Jahre 1871 erhielt Smolensky die ehrenhafte Mission von Seiten der „Milanos lorasÜts', Rumänien zu bereisen und sein Gutachten darüber abzugeben, was zur Verbesserung der Lage der dortigen Juden nothwendig sei. Diesem Aufträge kam Smolensky nach und winden ihm auf dieser Reise überall die größten Ehren zu Theil. Das Mittel, das Smolensky angab, war die Errichtung von Schulen. Es verdient hier erzählt zu werden, daß es später ein gewisser Frisch mann gewagt hat, in einer Schmähbrochüre, in welcher er überhaupt gegen Smolensky lokzog, die Tbatsache abziistreiten, daß der Herausgeber des ,,Hascliacliar“ im Aufträge der Allianz in Rumänien gewesen sei. Diese Behauptung ist einfach eine Unwahrheit, dazu erfunden» um die fleckenlose Eh>e des großen Schriftstellers zu besudeln. Ueberhaupt hatte Smolensky viel Verdächtigungen und Verleumdungen von Seiten .kleinlicher oder böser Menschen, die seine Größe entweder gar nicht begriffen oder sie ihm neideten, zu erdulden. Doch veracht-te er solche Schmähungen und diejenigen, di> sie aussiießen. „Sie finden mich", äußerte er sich gelegeiu-i > gesprächsweise, „völlig erhaben über die kleinlichen, tiut eher Mitleid als Aerger einflößenden Anfechtungen meiner geistigen Neider; andere kann ich überhaupt, da ich niemals weder nach Rang noch pecuniären Vortheil gestrebt, unmöglich besitzen." Im Jahre 1873 hatte Smolensky eine gefährliche Krankheit zu überstehen, welche er aber, da er von Natur eine eiserne Constitution besaß, glücklich überwand. Smolensky hatte schon das dreißigste Lebensjahr überschritten. Immer mehr ergriff ihn die Sehnsucht nach Begründung eines eigenen Hauswesens. Diese Sehnsucht wai in dieser reinen und echtjüdischen Seele mit der . Zeit so staik geworden, daß er sich zuweilen förmlich darüber unglücklich fühlte, sie noch nicht gestillt zu sehen. Smolensky war i» seinem Urtheile über das weibliche Geschlecht Idealist; er liebte den Umgang mit demselben und war auch andererseits in Damenkreijen beliebt und gerne gesehen, ja logar verehrt. Das, was leider den hebräischen und jüdischen Literalen zumeist, abgeht, nämlich das freie, chevaleroske Benevmen des Europäers, besaß Smolensky, in seiner mehr nationalen Auffassung des Jildenthnms, in hervorragender Weile. Wenn auch kein Saloninanu, was er seiner geraden Natur wegen unmöglich sein konnte, war Smolensky doch Weltmann im .europäischestenSinne des Wortes. Dies im Vereine mit seiner geistreichen Untrrhaltungsmcise, seiner herrlichen Stimme und . seinem einnehmenden Aeußern machten ihn eben zum Liebling der Gesellschaft und besonders der weiblichen Hälfte derselben. Endlich sollte er finde», wonach er sich so lange gesehnt. Er lernte in Wien die Warschauerin Leonore Temkin zufällig kennen und bald auch lieben. Am 21. November 1875 führte er das Mädchen seiner Wahl heim. Im Familienleben entfaltete Smolensky erst so recht alle lichtvollen Seilen, seines liebenswürdigen Naturells, seines großen Charakters, feines edlen Herzens. Der denkbar zärtlichste Gatte, der unvergleichlich zärtliche Vater, hielt der Manu, der dem Judenlhnm eine neue Richtung gab, der mitten im Wirbel des öffentlichen Lebens stand, es nicht mit seiner Stellung für unvereinbar, wie es soviel kleine Geister gewöhnt sind, ein gut bürgerlicher Hauswirth zu sein, der für die kleineii Aufgaben des Hauses Sinn und Herz und Zeit hat. Inzwischen schuf Smolensky unermüdlich. Es erschien sein „Hvsn Jisrael“, hervorgerufen durch Dr. Jellineks „Der jüdische Stamm," ks erschienen seine trefflichen Romane „Gemul jescharim1', „kewurath chamor“, „simchath chonef“ und ferner gediegene Arbeiten literarisch-kritischen oder social-nationalen Inhaltes. In allen seinen Werken aber, selbst in den Romanen und Novellen, erscheint eine Tendenz und diese Tendenz ist der Kampf gegen die „haskalah. berlinith“, die „Berliner Aufklärung" gegen die Mendelssohn'jche Schule, gegen diejenige Richtung, die dem Judenthume als Volk Vernichtung geschworen hat. Mil dem Auftreten des Antisemitismus in Deutschland und den blutigen Judenverfolgungen in Rußland begann eine neue Epoche für die Thätigkeit Smolensky's. Das, was seine warnende Profetenstimme ein Jahrzehnt früher vorausgesagt hatte, was er den alles Jüdische über Bord werfenden „Berlinern" zugerufen hatte, gieng buchstäblich in Erfüllung. Der. Sturm des Antisemitismus erhob sich in den Gauen des aufgeklärten Deutchland und mit der ganzen eingebildeten Verbrüdernngsherrlichkeit war es vorbei. Dieser Sturm, obwohl voll ihm vorausgesehcn, wirkte dennoch erschütternd auf das Herz des großen Schriftstellers ein, der mit inniger und aufrichtiger Liebe an feinen, Volke hieng, aber er machte ihn nicht rathlos. Sein Seherauge sah auch voraus, wie dieser Sturm die deutschen Grenzen überschreiten und zum Orkane anwachsend, schreckliche Verheerungen im Czarenreiche an richten werde, wo er vier Millionen jüdischer Brüder wußte. Die ersten Jiidknhetzen in Rußland brachen los. Smolensky gieng nach Rußland, um seine Landsleute zu warnen und zu Piävcntivmaßregeln anzusporneii, um dort für die Jvee Piopaganva zu machen, mit der er in seinem „Haschachar“ (X. Jahrg. 2. Heft u. f.). in dem trefflichen Leitartikel „Scaaalath. hajehudim—sctaalath hachajim“ (Die Judenfrage — eine Lebensfrage) zum ersten Male in klarer und ausgesprochener Weise aufgetreten war, für die Idee der Colonllation Palästinas. Er erlebte zwar überall die glänzendsten Ovationen, aber seinen Ausführungen verschloß mau daS Ohr. Die jüdische Finanz- und Bildungsaristokratie beugte sich vor seiner Autorität, gab Bauquette zu seinen Ehren, aber seinem Emigrationsplaue gegenüber nahm man eine abwehrende Haltung an. Nur in der national-jüdisch gesinmen Jugend fand er unbedingte Anhänger und glühende Verehrer. Bei dem in Petersburg ihm zu Ehren gegebenen Feildiner, an dem Baron D. H» Günzburg, Professor N. I. Bakst, Dr. Kantor und andere Persönlichkeiten der Fn-anz- und Gelehrtenkreise, sowie viele Studirende theiluahuie», wurden verschiedene glänzende Toaste auf den gefeierten Gast gehalten, aber nur einer wagte es, den unbedingt nationalen Standpunkt zu betonen, und das war ein simpler Student, der Hörer der Ingenieurschule, S. Lurie, der seine Rede schließend auf „Smolensky, als den Führer der neuen, echt nationalen Richtung, als den Maiin, der erstanden sei,'um nachdrück-