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Selbst-Emancipation · 1886-03-17 · Heft 6 (17.3.1886) · p. Seite 7

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1886
Issue
Heft 6 (17.3.1886)
Date
1886-03-17
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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I I I? i i I IBrrfii Nr. 6 Selb st - E mancipatio»! Seite 7 zu widmen. In diesem Entschlüsse konnten ihn, der eine ausgezeichnete Stimme besaß, auch Versuche ihn der Bühne' zuzuführen, nicht wankend machen. Smolensky lebte in Odessa vom Erträgnisse der Lectionen, die er im Hebräischen und Französischen ertheilte, ja letztere Sprache unterrichtete er sogar in einer öffentlichen Schule. Er war überall gesucht und beliebt und in Folge dessen in recht günstigen Vermögensverhältiiiffeii: Während seines Odessaer Aufenthalts begann auch Smolcnsky seine glänzende schriftstellerische Thätigkcit. Er gab die Erzählung „Hagemül“ (Die Vergeltung) aus dem polnischen Aufstande 1861 heraus, weiche eine überarbeitete Uebersetzung einer Herzberg-Fränkel'schen Erzählung war. Auch versuchte er sich hier zum ersten Male auf demjenigen Gebiete der Literatur, das ihm neben der Novellistik das liebste war, auf dem Gebiete der Kritik nämlich. Dr. Letteris' hebräische Faustübersetzung „Elischa ben Awuja“ war es, die er mit dem ganzen Aufwands seines Geistes einer erbarmungslosen Kritik unterzog. Seitdem suchte er mit Vorliebe den literarischen Kampfplatz auf, und dem Kritiker in ihm haben wir ja auch die späteren Arbeiten gegen den Psalmen-Commentar des berühmten Prof. Dr. G r ä tz und gegen das Buch „Der jüdische Stamm" des Wiener Predigers Dr. I e l l i n e k zu verdanken. Im Jahre 1867 verließ er Odessa, um nach dem Westen zu gehen und aus der Quelle des modernen Wissens Vervollkommnung zu schöpfen. Er begleitete zuerst seinen Bruder Leon nach dem Curorte Teplitz in Böhmen, bereiste nach mehrwöchentlichem Aufenthalte daselbst Deutschland und kam schließlich nach Prag. In Prag blieb er einige Monate, machte dort die Bekanntschaft des alten Rappaport, des Professors Wessely und besonders des Professors Heller. Von Prag ging Smolensky nach Wien, wo sein Bruder Anstellung in einer Druckerei gesunden hatte und auch er solche fand. Damals ließ nämlich Rabbiner Horowitz eine Ausgabe des Talmud drucken. Als aber diese Arbeit bald sistirt wurde, blieb Perez zwar Corrector in dieser Druckerei, doch sein Verdienst war ein kümmerlicher. Nichtsdestoweniger brachte er es zur Realisirung seiner Lieblingsidee, zur Herausgabe einer hebräischen Zeitschrift, für die sein Bruder Leon in Paris von der „Albane« Israelite“ eine jährliche Subvention erlangte. Er sah nun seinen heißesten Herzenswunsch erfüllt. Den Rath, den ihm rin Millionenmann der Wiener Börse ertheilt hatte, nämlich Börseaner zu werden, denn sein scharfer Blick und sein durchdringender Verstand müßten ihn unfehlbar binnen Kurzem zum Financier ersten Ranges machen, hatte er mit Entschiedenheit zurückgewiesen; er, der später der erste Verkünder des Zionsgedankens werden sollte, konnte natürlich nicht anders entscheiden. Im Tischri 5629 (September 1868) erschien das erste Monatsheft des „Haschachar“ (Die Morgenröthe), der Zeitschrift, die dadurch ein ewiges, unzerstörbares Denkmal ihres Herausgebers geworden ist, daß in ihren Blättern die Geschichte der Wiedergeburt Israels deutlich zu lesen ist, daß jedes Wort dieses herrlichen Hebräisch, jeder Gedanke, der in diesen Worten weht, die Vorboten sind einer besseren, würdigeren Zukunft unseres unglücklichen Volkes. Man glaube aber nicht, daß Perez Smolensky erst in den letzten Jahren, veranlaßt durch den hervorbrechenden Antisemitismus, auf den Gedanken der nationalen Wiedergeburt Israels gekommen sei. Rein! Dieser Gedanke lebte schon längst in seiner Seele, man kann sagen, er war ein Theil seiner selbst und Smolensky wartete nur mit der vollständigen Proclamirung desselben auf den geeigneten Zeitpunkt. Daß Smolensky aber von jeher «in ebensolcher Gegner der Assimilation als des Chassidismus war, daß ferner von jeher in seiner Seele die Sehnsucht nach nationaler Erlösung des jüdischen Volkes wohnte, zeigen folgende Worte, die er in dem Vorworte zum ersten Hefte des „Haschachar“ (also schon im Jahre 1868) niederschrieb und welche wir. ihres bezeichnenden Inhaltes wegen, hier in deutscher Uebersetzung wiedergeben zu inüssen glauben: „Was gibt uns die hebräische Sprache? fragen sie (die Verächter derselben). Ich will ihnen verkünden, was sie uns gibt. Sie gibt uns Ehre und Macht, sie verbindet uns, so daß wir den Namen Israel noch führen können. Alle Völker errichten sich steinerne Denkmale, bauen sich Thürme, vergießen ihr Blut wie Wasser, damit nur nicht der Name ihres Volkes und ihrer Sprache von der Erde verschwinde; sie alle harren sehnsüchtig auf den Tag des Heiles, an dem sie wieder die Selbstständigkeit erringen werden, und wenn dieser Tag auch noch so ferne ist, sie hören nichtsdestoweniger nicht auf, zu hoffen. Und wir. denen kein Denkmal und kein Land, kein Name und kein Andenken find, außer dem einen Denkmal, der einen Erinnerung, die uns blieb aus den Trümmern unseres Heiligthums, —die hebräischeSprache nämlich, — wir zähle» solche, die sich dieser schämen oder sie verachten! Darum sind die Verächter der hebräischen Sprache, Verächter des ganzen Volkes, sie zäblen nicht zum Volke Israel, sie find Verräther an ihrem Volk und ihrem Glauben. Sie rufen uns zu: „Laßt uns sein, wie alle Völker!" Ich stimme ihnen bei: „Laßt uns sein, wie alle Völker — im Streben nach Erkennt» iß, im Verlasse» eines Weges voll frevelhafter Verstocktheit, in Unterthanentreue gegen die Länder unserer Zerstreuung. Aber laßt uns auch darin gleichen allen Völkern, daß wir uns unseres Ursprunges nicht schämen, daß wir hochschätzen unsere Sprache und die Ehre unseres Volkes. Es ist keine Schande und Schmach für uns der Glaube, daß das Ende unserer Verbannung, daß der Tag kommen werde, wo das Haus Israel wieder seine Selbstständigkeit erlangt, gerade so wie sich alle anderen Völker nicht schämen, die da hoffen auf Erlösung aus den Händen der Fremden. Unser Antlitz braucht nicht zu erlöthen, wenn wir treu halten zu der alten Sprache, die mit uns wandelte von Volk zu Volk, in der die Sänger und Seher unseres Volkes sangen, als sie noch in Ruhe und Frieden in ihrem Lande wellten, in der tausende unserer Väter ihre Herzen ausgoffen, zur Zeit als ihr Blut stromweise floß — gerade so wie die übrigen Völker nicht erröthen, die mit allen Kräften festhalten an ihrer Sprache, denn die Sprache faßt in sich die Festigkeit einer Nation (ha-l’om) und wenn die Sprache in Vergessenheit geräth, dann verschwindet das Andenken des Volkes selbst von der Erde. Diejenigen also, die uns von der hebräischen Sprache wegstoßen, sinnen böses wider unser Volk und seine Ehre. Darum mögen Alle im Vorhinein wissen: Gerade so wie ich meine Hand ausgestreckt habe gegen die sich heilig dünkenden Heuchler, die unter dem Mantel der Heiligkeit darnach trachten, die Erkenntniß auszurotten aus dem Hause Jacob, ebenso werde ich meine Hand erheben gegen die sich weise dünkcnden Heuchler, welche mit glatter Zunge die Söhne Israel vom väterlichen Erbe zurückdrängen. So habe ich es denn bei den Worten nicht beruhen lassen, die ich im Prospecte sprach, sondern habe sie hiemit noch ergänzt. Auf diesem Wege aber werde ich mich halten und nicht abweichen und ich hoffe, daß Alle, die so denken wie ich, mir die Hände reichen und mich unterstützen werden, damit ich meinen Wunsch realisiren könne. Die Liebe zu unserem Volke sei die Leuchte unserer Schritte und unter dem Banner unserer Sprache mögen wir wachsen!" So sprach Smolensky, zu einer Zeit, wo noch Alles in dem Freiheitsdusel der Verbrüderungs- und Assimilationsepoche eingelullt, wo das Wort „Antisemit" noch nicht einmal geboren war. Doch Smolensky sollte bald die traurige Erfahrung machen, daß man mit nichts schwerer durchdringen könne,

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