Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1886
- Issue
- Heft 6 (17.3.1886)
- Date
- 1886-03-17
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Selbst-E mancipatio ii! Nr. 6 nunaszinszeit, 1225'/, P. momentane Almosen. 21.977'/, P. für den Bau von Häusern für die südarabischen Jude», 2674'/^ P für verschiedene Zwecke. Im Ganzen 3>.444 P. (über 3000 fl.) Die Einkünfte betrugen 29.977 P. (gegen 2900 fl.) (Für die Colonisation.) Während der Monate, da der selige Mnyal der Geschäftsführer der Zionsfreunde war, betrugen die Einkünfte 85.049 Frcs. 50 Ctins., die Ausgaben 77.650 Frcs. 88 Ctms. (Der Cölonisations-Verein itt New-Uork) erwacht aus dem Schlafe, in den er verfallen war. Die Zahl der Mitglieder beträgt 250, das Vereinsvermögen 200 Dollar. Die Vorsteher des Vereines hoffen, daß die Mitgliederzahl des Vei eines im Laufe dieses Jahres bis auf 1000 anwachsen weide. (Adraath Jescliuriiu). Im Vereine mit dein Leopoldstädter K>ankrn-Unterstützungsvereine „Nächstenliebe" gibt „Admabbckssobrrrwa" Samstag den 27. März 1886, im Hotel „Weißes Roß" ein Tanzkränzchen. Entr se-Karten ä 1 ft. find in der Weinhandluiig Alexander Floch I., Gonzagagaffe; im Cafs Löwy, ll., Glockengaffe 23; im Caf« Schaudh, H., Ecke der Glockengaffe und große Stadtgutgaffe, sowie in der Redactio.i der „Selbst-Emancipation!" zu haben. Das Reinerträgniß wird zwischen beiden Vereinen getheilt. (Warnung.) Wir lesen in den „Spenden-Verzeichnissen" des Dr. Salvendi: Ein gewisser Marcus kam jüngst nach Berlin, um dort für eine Ackerbaugesellschaft in Jerusalem Gaben zu sammeln und legte dabei Zengnissvon de» Herren Montag» & Erlanger vor. Nach näher eingezogener Erkundigung pellte sich heraus, daß Herr Erlanger einem Marcus niemals ein derartiges Zeugniß ansgestellt hat, dieser somit ein Betrüger ist. Wir warnen dah'r var diesem Subject und ersuchen um Fahndung auf Marcus. Solche Menschen bringen die hohe Idee der Colonisation in Mißkredit und schädigen dieselbe auf's Höchste. Wir warnen überhaupt, irgend einem Unbekannten Gaben für Colonisation des heil. Landes zu verabreichen. (Büchermangel.) In den Colonien befinden sich bekanntlich eine Anzahl russisch-jüdischer Studenten, die auf Kosten des bekannten Wohllhäters hier weilen, um sich zu illtellectuellen Leitern des Colonisationsunternehmens heranzubilden. Wie wir nun aus Briefe» derselben entnehmen, leiden dieselben besonders unter dem Mangel an Fachschristen behufs theoretischer Ausbildung, sowie von Bildüngswerken übe> Haupt. Es wäre eine schöne That von Seiten aller Freunde der Colonisation, durch Bücherspenden ihren nationalen Sinn zu bekunden. Die R-daction nimmt solche an und weist fie auf Verlangen aus. Irrez jljtuilwtslüf. tf m 'Scku 5!hii .Schuschan-Puriiri des Jahres 5602 (1842) kurz vor Anbruch des Sabbalhs, wurde in einem Städtchen des Czarerneiches in Monastyrscine (Gouvernement Mohilew), ein Knabe geboren, der, zum Manne herangereift, durch seine schriftstellerische Begabung, seine meisterhafte Beherrschung der neuhebräischen Sprache und als Schöpfer des jüdischen Nationalgrdankens in seiner modernen Auffassung eine Bedeutung erlangt hat, die in ihrer ganzen Höhe erst von einer künftigen, vorurtheilsloseren Generation, gewürdigt, werden wird. Perez (Peter) Smolenskh war noch ein kleines Kind, als sein Vater Moses, ein Kaufmann, der einst bessere Tage gesehen hatte, mit Hinterlassung einer Witwe und zweier Söhne, deren jüngerer Perez war, starb. Es ging den Hinterbliebenen immer schlechter und kaum hatte der kleine Perez das zehnte Lebensjahr erreicht, als er sich aufmachte, seinen Geburtsort und die ihm theuere Mutter verließ und mit einem Stück trockenen Brodes in den Händen den Weg in die weite Welt antrat. Zunächst kam er nicht weit über die Umgebung seiner Heimat heraus. In der Jeschrwah von Schklow blieb er drei Jahre. Von dort wandte er sich nach dem benachbarten Ljubawitsch, das die Residenz des chaffidischen Zaddik's, Rabbi Mendel war. Hier, wo er nur einige Monate verblieb, holte er sich seinen glühenden Haß gegen den Chassidismus, den er, deffen ganze.Gemeingefährlichkeit und Schädliasteit erkennend, nachmals mit der ihm eigenthümlichen schneidigen Schärfe und in seiner bekannten edlen Rücksichtslosigkeit angriff. Von Ljubawitsch wandte sich Smolenskh nach der benachbarten Gouvernementsstadt Witebsk, wo er im Hause eines Anverwandten. des angesehenen Kaufmannes Wilenkin, der auch ein Onkel des Zaddik R. Mendel war, Aufnahme fand. In die Zeit leinrs Aufenthaltes in Witebsk fiel ein merkwürdiger Proceß, der viel von sich reden machte und der Smolenskh als unmittelbarem Beobachter wittere Einblicke in das Treiben der Chassidim und ihrer Jrrcsührer gewährte: Der bereits erwähnte R. Me„d"l von Ljubawitsch hatte sich eine böse Geschichte zugezogen. Er war nämlich förmlich der Verbrechen angeklagt worden, daß er einen Staat im Staate bilde, indem er thatsächlich 80.000 Chassidim als Unterthanen beherrsche und bestenre, und daß er die von Kaiser N i c o l a u s gewünschte Bolksaufklärung hemme. Nur durch die Vermittlung des erwähnten Wilenkin, der rin intimer Fi euiid des General-Gouverneurs I g n a r i e w i (Vaters des bekannten judenstindlicheii Ministers) war, und didiir.v. daß er die Rathschläge des jetzt in Petersburg lebenden jüdischen Publicisten Mos-s Berlin, damaligen Secretärs des General-Gouverneurs Jgnatiew befolgte, entging der Rabbi der Verbannung nach den sibirischen Bergwerken. Die von Moses Berlin gegebenen Rathschläge aber bestanden darin, daß der Zaddik eine jüdische Ackerbau-Coionie gründen, ei e Schule in seinem Orte errichten und die- Landestracht anlegen solle, wozu sich derselbe auch wirklich vollinhaltlich verstand. Smolenskh nahm an der ganzen Vermittlungs-Angel-genheit auch activen Antheil, wie er sich denn immer auch später, als er d.e Feder führte, entgegen der allgemein bei den Inden vorwaltenden Ansicht, als Verehrer des Kaisers Nicolaus declarirte und die diesem zugeschriebene Härte gegen die Juden blos auf Rechnung der Beamten setzte. Smolenskh stand im 17. Lebensjahre, als dieser seltsame Proceß zu Ende ging. Man wollte ihn, der als tüchtiger Kopf hochgeschätzt wurde, schon damals eine Frau und viel Geld obendrein geben; aber es zeigte sich bereits, daß Smolensky nicht war wie die Anderen, denn er sagte Nein und verließ, der chaffidischen Athmosphäre überhaupt müde, Witebsk, um seine Wanderschaft fortzusetzen. Er kam nach Schklow, wo er nur einige Wochen verweilte; von da ging er nach Mohilew, wo er ein Jahr blieb, und zog dann nach Krementschug am Dniepr. Auf dem elenden Schiffe eines russischen Fährmannes fuhr er bei Wasser und Brod den Dniepr herab, gelangte in die Krim und kam nach mancherlei Fährlichkeiten nach Odessa. Als achtzehnjähriger Jüngling betrat er die große Seehandelsstadt, die in seiner berühmtesten Erzählung „Hatoe bedarche hachajim“ unter dem Pseudonym Ascheduth erscheint und deren jüdische Bevölkerung er in eben diesem Werke so meisterhaft charakterisirt. In Odessa blieb er einige Jahre, eignete sich hier durch Selbststudium das allgemeine Wissen, die europäische Bildung an und zeigte namentlich für Sprachen ein außerordentliches Talent. Man bewunderte seinen russischen Stil und wollte ihn für die russische Literatur gewinnen, aber bereits damals war der Entschluß in ihm gereift, seine I Fever der Sprache des Jesajas und des Jehuda Halevh