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Selbst-Emancipation · 1886-03-17 · Heft 6 (17.3.1886) · p. Seite 5

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1886
Issue
Heft 6 (17.3.1886)
Date
1886-03-17
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 6 Srlbst * Emancipation! ©fite 5 führten zumeist zu einem negativen Resultate. Den „Amerikanern" gegenüber stand damals vor Jahren das winzige Hüuflein der „Palästinenser" und diese brachten es, fast ganz auf sich selbst angewiesen, zu namhaften Erfolgen, denn nach dem heutigen Stand der Dinge ist die Lage der jüdische »Bauer n -Colonie nPalä st ina's eine vielversprechende und ihre Zukunft bei weiterer Arbeitslust der ZionSfreunde eine gesicherte. Das haben sich freilich die Herren „Amerikaner" damals - nicht vorgestellt, als sie noch höhnisch auf die Palästina- „Phantasten" blickten, daß ihre eigene „Amerika^Expedition" ein Ende mit Schrecken nehmen werde, während die „unpraktischen Palästina-Fexe,, gar praktische Erfolge aufzuweisen habe» würde». Doch dos Unglaubliche ist geschehen und die früheren „Amerikaner" beugen sich vor der Macht des nationalen Triebes, der das Richtige getroffen hat, obwohl die Spitzen der jüdischen Gesellschaft nicht Ja und Amen dazu sagten: Aus London kommt die erfreuliche Nachricht, daß der ei wähnte Verein „Agudath Achim“ in seiner letzten Generalversammlung für die Ansiedl u n g der jüdischen Emigranten aus Rußland, Rumänien und Marocco in Syrien und Palästina sich ausgesprochen und zugleich den Beschluß gefaßt habe, Schritte zu thltn, damit demSultau eine diesbezügliche Petition überreicht werde. Hoffen wir, daß dieser Beschluß des durch sein verdienstvolles Wirken sonst so berühmten Vereines eine gar starke Bewegung hervorbringen und den Zionsgedanken mächtig fördern wild. Wie weit wären wir heute schon mit der Palästina-Colonisation, wenn ein solcher Beschluß gefaßt worden wäre! Colouie Sichren Jacob, 28. Schewat 5646*). Der verflossene Monat zeichnete sich hier dadurch aus, daß zwei Comitös gebildet wurden, welche für die allgemeine Leitung der Colouie von großer Bedeutung sind. Eines von ihnen, aus neun Personen bestehend, welches den Namen!„bnej isch echad“ führt, leitet alles, was für das Gemeinwohl nöthig ist. Seiner Obsorge unterliegt: die Chewrah kadischah, das Badehaus, Pflege der Schwerkranken und Versorgung armer Durchreisender. Es bestrebt sich auch, daß die Colonisten von einander Nutzen ziehen können z. B. durch Ausleihen von Arbeitsvieh und anderen zum Landbaue gehörigen Dingen. Das zweite Comits, 10 Mitglieder zählend, hat den Schutz der Colonie, ihrer Theile, Felder und Wälder, zur Aufgabe. Die Colonie wird nämlich von Colonisten selbst bewacht, welchen das Comits in alphabetischer Ordnung dieses Amt zuweist. Diese Pflicht erfüllen aber nicht die Colonisten allein, sondern überhaupt alle großjährigen Männer, die in der Co lonie wohnen. An einen Jeden kommt zweimal wöchentlich die Reihe zur Wache, und zwar für eine halbe Nacht. Die Bewachung der Felder speciell wird vier Colonisten gegen Lohn vergeben, die von jedem Colonisten einen dem Grundbesitze entsprechenden Entgelt in Getreide erhalten werden. Obmann beider Coniitös als Ehrenpräsident ist der Administrator der Colonie, Herr Wormser. In der letzten Zeit wurden unter die Colonisten je einige Citronen-, Ethrog-, Granatäpfel- und Nußbäume vertheilt, letztere find aus Frankreich gebracht. In der ganzen Colonie und ebenso auf den Wegen, die alle Theile derselben vereinigen, wird man bald darangehen, Maulbeerbäume zu pflanzen und zwar von 4 zu 4 Metern. Zu diesem Zwecke sind bereits mehr als tausend Gruben von den Colonisten gegraben worden. Jizch&k ben Nacbnm Epstein. (Daukfchreibeu.) Die Colonisten in Gradiah (Gederah) haben folgenden Brief an die „Zionsfreunde" gerichtet:**) Col onie Gadr&h, JLdar 5646. An unsere Brüder, die , *) Au» dem Russischen übersetzt. Zionsfreunde I Wenn wir Alles das betrachten. waS um uns geschehen ist, wenn wir auf unsere Felder schauen, die ollmälig gedeihen und uns ermuthige», die de» jüdischen Bauern allmällg verkünden, daß die Erfüllung ihrer Hoffnungen nahe ist; wenn wir unsere Augen erheben, um unS zu freuen an dem Grün, das nach und nach unfern Boden bedeckt — dann gestehen wir ei», daß wir, je größer unsere Freude bei diesem Anblicke ist, um so mehr dieBerpflich'ung empfinden, unsere ans der Tiefe des Herzens kommenden Dankgefühle gegenüber unseren Brüder», den ZionSfreunde», die fest an dem heiligen Gedanken festhalten und ihn so weit gebracht haben, znm Ansdruck zu bringen. Bor JahreSfiist noch gieng die Sache der Colonie» einen schwerkälligen Gang: Die jüdischen Bauern waren nicht im Stande, ihren Absichten zu entsprechen und das Begonnene zu vollenden; ihr Mulh sank, ihre Hoffnung schwand, sie fürchteten daß sie die Vorhut der Nachkommenden nicht werden bilden können, ja daß sie noch den Gegnern der Colonisation das Material zu Einwändeu liefern.würden. Ihre Sorge nahm zu und sie rechneten ans keine Hilfe mehr. Da erschien uns wie ein rettender Engel der hochgeehrte Zionsfreund K. S. W i s s o tz k h, der den Niedergedrückte» die guten Absichten unserer Brüder, der ZionSsreunde. und ihre Hilfsbereitschaft verkündete. — Nachdem er mit seiner Arbeit, die Bedürfniffe und Verhältniffe der Colonie» kennen zu lernen, fertig war, bestellte er zum Geschäftsführer der ZionSfreunde den hochgeedrte», für sein Volk und sein Land begeisterte», nun gottseligen. Herrn Abrabam M u y a l. Der Verstorbene hotte stets Augen und Herz bei dieser heiligen Sache und von dem Augenblicke an, wo er das heilige Amt übernahm, bis zu dem schweren Tage, wo er zu unserem Schmerze aus unserer Mitte sch ied, that er unserer Colonie sehr viel Gutes und sorgte väterlich dafür, was uns mangelte, zu beschaffe». Und jetzt, nachdem Ihr, da er in ei» besseres Jenseits gieng — sein Andenken zum Segen! — alle Eure Geschäfte in die Hände des geehrten Herrn Director H irsch und des ihm zur Seite stehenden Comiies legtet; jetzt, nachdem wir durch Eure Unterstützung und durch die Hilfe der erwähnten Herren, die mit aller Macht dem heiligen Ziele, unserem Herzenswünsche, zustenern versehen sind mlt unserem Unterhalte und allen Bedürfnisse »unseres Berufes; — jetzt, da wir auf unsere Feldarbeit blicken, wo wir mit der Wintersaat, Weizen und Gerste, zu Ende sind; da wir sehe», daß unser Beginnen nicht trügerisch sei», und das. was wir in die Furchen unserer F.lder gesäet, auch reichlichen Ertrag liefern werde; jetzt, da unsere Freude ohne Grenzen ist, da unser Besitzthnm in ein Paradies umgewandelt ist,"da unsere sowie aller ZionSfreunde Herzen Freude und Frohlocken erfüllt — da dachten wir, es sei >»icht an der Zeit zu schweigen. Hiemit danken wir Euch, unseren Brüdern und Helfern. Ihr habt viel für unsere Colouie gethan und durch Eure Unterstützung und unsere thäligen Hände wurde längst unser Wirken zu Gunsten der Idee und ihrer Anhänger offenbar. Ihr habt Großes gethan, indem Ihr unS unseren Lebensunterhalt und Sämereien, die Rosse, Pflüge, Geräthe und augenblickliche Bedürjniffe gewährtet, damit wir unfern Zweck erreiche» können. Und nachdem Ihr dies Alles thatet, habt Ihr uns die Opscrwilligkeir Eures Herzens für den heiligen Gedanken gezeigt, daß Ihr noch bereit seid, uns zu helfe», das. was unserer Colonie fehlt, um vollends nuf einer sicheren Grundlage zu ruhen, zu beschaffen, z. B. Häuser, Brunnen n. s. w. Wir vertrauen auf Eure Güte, daß Ihr nach wie vor für den heiligen Gedanken arbeiten und nicht nachlaffen werdet; dann wird der Segen der Bauern auf heiliger Erde über Euch kommen, wir werden zusammen sehen, wie sich der Gedanke ausbreitet und der Ewige wird unser Händewerk segnen, aus dem wir Gutes erstehen sehen werde» für den heilige» Gedanke» durch EureUnterstützung und durch fleißige Hände, Gutes für die Bauern Juda's, unter dei.en auch mir. Eure Brüder, uns befinden, die Euer Wirken hochschätzen, wir die Bauern von Oaürad: Chaim Chischin, Salomo Zuckermann, Elias S w e r d j ch o w , Israel . S-tm.il d , B e n j a m i n F U ch s, Josef Sinlonowltz, Jacob Magilrnsky, Joses Leb Maus, Israel Fein der g, JacobSalomo bsnSaloM Ehasanow, Jacob Chankin, David dsnJecheskel Leibowitz, Zwi ben Jacob Horowitz, Abraham I izchak don R. Samuel Salomiak. (Verein Esratb Nidachim.) Dem uns vorliegend-» Dritteljahrbericht dieses lobenswerthen Vereine-, der sich nachgerade zu einem nationalen Unterstützungsinstitute in Jerusalem entwickelt, entnehmen wir: Die Ausgaben betrugen: 572*, Piaster zur Unterstützung von Juden, die ein Handwerk erlernen wollen, 1446*/, P. für Befreiung von Personen aus den Händen der Missionäre, 1249^/. P. für durchreisende und ansäßige Unterstützungsbedürftige, 1054*/4 P. Unterstützungen während der Woh- **) AuS dem Hebräische« übersetzt.

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