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Selbst-Emancipation · 1886-03-02 · Heft 5 (2.3.1886) · p. Seite 6

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1886
Issue
Heft 5 (2.3.1886)
Date
1886-03-02
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seile 6 Selbst-Em äncipation! Nr. 5 Nur die fremdstaatlichen Juden dürfen europäische Kleidung anlegen und somit auch beschuht sein. In der letzten Zeit haben die Vertreter einiger europäischer Mächte Unter- Handlungen mit dem Sultan eingeleitet, um das Loos der Juden zu bessern. Wohin diese führen werden? Ja, wenn es sich nicht blos um Juden handelte, dann wäre dem Uebel gewiß rascher abgeholfcn. Korrespondenzen. 2a Lemberg. Unsere verehrten Seelsorger Löwenstein und Orenstein scheinen recht viel Muße zu haben. Anders * 'tut man sich ihr jüngstes Vorgehen gelegentlich der vor eilige» Wochen stattgefundenen Gemeinderathswahlen nicht rklären. Mau höre und staune! Beide Herren entblödeten H nicht, die klägliche Rolle alltäglicher Agitatorei« zu uelen! Sollte man etwa glauben, sie hätten dies im Juccsfe des bedrohten Judenthums gethan? Keine Spur! die Gegenpartei hatte in ihrer Liste eine größere.Anzahl unserer Stammesbrüder aufgenomtnen, unter denen wir einige factisch Würdige finden. Wir wollen blos den einen Namen Jacob Stroh nennen! Unglaublich, aber leider wahr ist es dagegen, daß die „heilige" Rabbi nerli ste einige notorische Judenfeinde aufwies! .Welche, gerechte Entrüstung dieses Vorgehen der Rabbiner unter der hiesigen Judenschaft erregte und wie ihre kopflose Thar allgemein mißbilligt wurde, dafür kann schon der Umstand als Beweis gelten, datz selbst die den Rabbinern überaus gut gesinnten Assimilanteu-Blätter „Der Israelit" und „Ojczyzna" in den schärfsten Worten das unsinnige Treiben der „rabbinischen" Agitatoren geißelten! Auch wir Natioualjudeu müsten unsererseits ein derartiges Eckel erregendes Bei fahren entschieden verurtheilen und protestiren. überhaupt gegen jegliche Einmischung unsererSeelsorger in po^ litische Angelegenheiken l Habe«« dein« diese Herreir schon um nichts Anderes sich zu kümmern? Wäre es nicht ein vrel löblicherer, heiliger er Zweck, «venu sic-i.r Augenmerk, ebenso, wie es der hochstachtbare Ravd. Dr. Kodak thut, der „jsuussss äores", die jedes jüdischen Wissens bäar ist, zuwenden würde»?! Oder wenn sie ihren Einfluß dahin geltend machten, daß unsere Reichen das unter dein Gros der hiesigen jüdischen Bevölkerung herrschende su r ch t b a re E l en d Unbern?! Es wäre hier weitläufig, des vielen Guten, Nützlichen und Ersprießlichen Erwähnung zu thun, das die Herren jüdischen Bischöfe, wollten sie ein klein wenig Mühe nicht scheuen und ihr persönliches Interesse etwas mehr außer Acht lassen, stiften könnten. — . Der hiesige national-jüdische Verein „Mlcra-Loässost" trifft über Anregung des hochverehrten' Dr. Rüben 'Vierer Anstalten, die achthunderljäbrige Gebirrtsseier unseres großen Jehuda Halevy (geb. 1086, siehe Grätz VI, S. 159) in größerem Maßstabe zu begehen. Es ist zu hoffen,, daß die Nationaljuden aller Orten ein Gleiches thun werde««.— Eme edle That darf nicht unerwähnt bleiben? Dein unermüdlichen Streben des mn die^örderung des „Allianzcheders" hochverdienten Herrn Moritz Diamänd gelang es, der« armen Zöglingen des gedachten Institutes tagtäglich eine kräftige Mittagskost unentgeltlich zu bieten, bei deren Vertheilung er nicht müde wi'd. persönlich zu iliter^ venire». —. . —x.— ° Bukarest. Der aus Rumänien „als schädlich.wirkender Vagabund" ausgewiesene Philologe Dr. M. Gaster, wurde in England — nicht blos von seinen Glaubensbrüderu — in der gastfreundlichsten Weise empfangen. Die Engländer erkannten, daß der in Rumänien geborene und erzogene Doctor, welcher die Schranken des wissenschaftlichen Tummelplatzes nie überschreitet, am allerwenigsten, um sich auf politisches Gebiet zu wagen, weder in seinem Lande noch anderswo Schaden bringen könne- Dagegen trachteten in Erwägung des Nutzens,?der durch das tiefe Wissen dieses Mannes entstehen faiiitf oie ebenso hochherzigen als praktischen Briten, ihn für immer an England zu fesseln und ernannten ihn deshalb zum Professor der rumäirischen und slavischen Literatur auf der Oxforder Universität! Dies that ein fremdes Laird an einem aus Rumänien ausgewiesenen Jllden! Ein schwerer drückendes Gege,«gewicht zur plumpen Wichtigthuerei der rumänischen Ausweiser kann wohl nicht gegeben werden. Run aber bringt ein in Bukarest erscheinendes Oppositions-Blatt, „I/Iuäsxsuäsuos Boumaine“, diese Nachricht, wie auch diejenige, daß Dr. Gaster in einem von ihin publicirten Artikel beweist, daß die Lage der Juden in Rumänien viel ärger als die der Zigeuner sei. Sofort wnndert sich die erboste officiöse „Valuta Nationale" darüber, daß ein rumänisches Blatt so etwas überhaupt miltheilc, und, gleichsain rechtfertigend ruft sie aus: „Die Zigeuner haben das Gute, daß sie Ruinäuieu im Auslände nicht discredilireu und keine Unwahrheiten in die Zeitungen schreiben!" Wie soll man da nicht an den officiösen „Telegrafnl“ und an andere besonders regftrungsfreuiidnche Blätter denken, deren Chef-Redacteure der kastanienfarbenen Race angehören. Von uns, Juden, «nuß die Thatsache der Anerkennung der Verdienste des Herrn Dr. M. Gaster als ein freudiges Ereiguiß begrüßt werden. Mizrot. Briese aus Serbien (IH.) Belgrad. In den Kreis unserer Berichterstattung wollen wir auch die Jugend der spamolijchen Gemeinde ziehen und diese mit einigen Zügen kennzeichnen. Was die Heranwachsende Generation vor der gegenwärtigen ' voraus hat, ist, daß erster« schreib- und lesekundiger und vielleicht daher auch unverfrorener ist als letztere. Dein Berufe nach liege» die jungen Männer dem Geschäfte ob, nur ein verschwindend kleiner Bruchtheil den« Studium und dein Handwerke.; So haben , wir es hier mit einer Art geistiger Niederung, zu thlin, «v'-lche de» sonst gut veranlagten wenig zu Gesicht steht. Dieses niedrige Gerstesniveau bringt es mit sich, daß unsere Jugend keinem,Jdeale zustrebt. Nach gethaner sechstägiger Ladenarbeit geht sie Samstag der n«ater«eUeii Erholung nach, und so verrinnt der Moment für Sammlung und Kräftigung des geistige» Jchs im Strome schlüpfiiger Siunenlust. Doch wir wollen auch einiger edleren Regungen erwähnen,. welch' seit kurzer Zeit sich beinerkbar machen. Es ist dieses die Gründung eines jüdischen Mäiluergesang- Vereines in Belgrad, «velcher unter seinem früheren Präsidenten und Chormeistec vorzügliches leistete und die serbischen in Schatten stellte. Bei dem Umstande als hier zw Lande so wenig Gelegenheit für Ausbildung in der Vokalmusik geboten wird,' verdienen die ftrebfaineu;. jungen Sänger alle, Anerkennung. Sulzer's gottesdienstliche Gesänge werden von ihnen mit Vorliebe studirl und bei feier- ' lichcn Anlässen in der Synagoge vom Chor vorgetragen. Ein weit-rer Schritt nach vorwärts versuchten die Zöglingeder „Kadimah“ — sowie deren stille Anhänger m Belgrad mit der Gründung eines jüdischen Lisevereins, an dessen Spitze der durch den Adel seiner Gesinnung und seiner Abstammung ausgezeichnete zweite Präsident der Cultusgemeinde, Herr Jakob M. Alkalei gestellt wurde. Hier soll den Jünglingen ui zwangloser Weife jüdisches Wissen und jüdisches Bewußtsein zugeführt werden, hier soll'den Sabbathen und Festtagen ihre wahre Weihe wiedergegeben und jene schreckliche Leere ausgefüllt werde», welche sich bis heute fühlbar macht. — Leider hat der Krieg, wie schon gemeldet, jede Thätigkeit eingestellt und einer ruhigeren Zeit die Realisirung desbegonnenen Werkes Vorbehalten. — Es gibt also auch hier begeisterte Anhänger des „Xaäiiuall"-gcdankens, welche mit unauslöschlicher Liebe an der nationalen Einheit des Judenthums hängen. — Diese biederen und begeisterten Hebräer

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