Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1886
- Issue
- Heft 5 (2.3.1886)
- Date
- 1886-03-02
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 5 S e l b >> - E ", a n c i p a t i o n! Seite 7 bilden eine Art geistiger Elite unter ihren Zeitgenossen, auf welche sie hoffentlich in gutem Sinne Einfluß nehmen werden. Beiizion. Erez Israel. (Mn beachtenswerthes Projekt.) Unter den vielen Plänen, die sich mit der Verbesserung der Lage der palästinensischen Juden und der Hebung der Colonisation des heiligen Landes beschäftigen, verdient besonders ein in einer hebräischen Zeitschrift angeregtes Project die Aufmerksamkeit der berufenen Kreise. Ein Jude, der sich einige Monate in Meran zum Curgebrauche aufgehalten hat, bespricht die Möglichkeit der Benützung palästinensischer Gegenden als Luft-Cnrorte für Brust- und Lungenleidende. An der Hand statistischer Behelfe weist der Projectant nach, welch' unermeßlicher Vortheil dem heilige» Lande und besonders den Juden desselben dadurch erwachsen würde, wenn auch nur ein kleiner Theil der jüdischen Brustkranken statt nach Tirol, Frankreich, Italien und Egypten zu gehen, im heiligen Lande Heilung suchen würden. Er ließ sich auch nicht die Mühe verdrießen und fragte bei Wiener m edizinisch en Casia c itäten an, ob das Klima Palästinas zur Heilung der Brust- und Lungenkranken dienlich sei; ec ei hielt die Antwort, daß es geeigneter wäre, als das aller europäischen Luftcurorte. Dieser Besucher Merans ist in vollem Rechte, wenn er mit Rücksicht auf den zu erwartenen Geldzufluß, der wieder meistens nur den Juden, zu Gute kommen würde, aus der Durch, führung dieses Planes das größte Heil für das heilige .Land erwachsen sieht. Das Wichtigste und vor Allem in Angriff zu nehmende wäre nun, durch ärztliche Autoritäten die Eignung des palästinensischen Klimas für Euren bei Brust- und Lungenkrankheiten ' officiell declarire» zu lassen und allerorts bekannt z» machen. Dann müßte gesorgt werden, daß irgend welcher Comfort von den ersten Kurgästen angetroffen werde. Der Plan ist zwar nicht leicht, aber auch nicht allzuschwer dnrchzuführen; man hat ja Beispiele genug, daß Orte, die noch vor wenigen Jahrzehnten unansehnliche Dörfer waren, um die sich niemand bekümmerte, zu fashionabeln Curplätzerr geworden find. Sollten sich nicht Zionsfrcunde finden, welche die ersten Schritte machen wollten? Jedenfalls bitten wir alle diejenige» unserer P. T. Leser, welche Mittheilungen, Rathschläge u. s. w. in dieser Hinsicht haben sollten, sich an uns zu wenden und wir werden nöthigenfalls unser Blatt solchen Erörterungen zur Verfügung stellen. — Es verdient noch bemerkt zu werden, daß besagter Projectant erzählt, auch der selige Schriftsteller Perez Smolensky sei im Vorjahre in Meran auf diesen Gedanken gekommen und habe sich vorgenommen. bei wiedererlangter Gesundheit für die Realisirung dieser Idee zu wirken; leider habe ihn aber früher der Tod ereilt. (Der Verein „EsratU Hidachim") in Jerusalem feierte am 15. S&hewat die Einweihung der nach füiifzehninonatlichem Baue sertiggestellten 20 Häuser für die aus Südarabien nach der heiligen Stadt gekommenen Juden. (Die Mission in Jerusalem.) Es ist bereits vielfach darauf hingewiesen worden, daß die Missionäre bei Allem, was sie für Juden thun. den Missionszweck im Auge haben, und daß es unverantwortlich ist, wenn man von ihnen auch nur eine» Gefallen sich erweisen läßt, da sie nichts ohne Hintergedanken thun. — In der letzten Zeit mag es vorgekommen sein, daß sich einige Juden, ohne Arg dabei zu haben, durch einen Missionär engtiscke Briefe schreiben ließen. „Auch dies gereicht uns zu großem Nutzen", äußert sich der Missionsvorsteher in deiit Miffionsblatte ^Nachrichten aus Zion." „Durch das, was ich nach ihrer Angabe in den Briefen zu schreiben habe, lerne ich alle chre häuslichen Verhältnisse und alle ihre Bedürfniss: keniten, was wir Alles späterhin sehr gut verwerthcn können; wir erfahren hiedurch, wie wir an jene Leute herankommen und womit wir sie fasse» könne»; auch dies ist ein Weg, den die Vorsehnng wählt, um uns bei unserer Arbeit zu helfen und die Juden unter die Fittige des Heilands zu bringen!" Wie kann man nun das Vorgehen der sepharin scheu Gemeinde begreifen, welche ihre iämmtlichen englischen und italieirischen Briefe durch einen Missionsgeistlichen schreibe» läßt? Es ist das große Verdienst des „Hazewi“, durch sein unermüdliches Bekämpfen der Mission, durch feine milchige und offene, von jeder falsche» Rücksichtnahme vollständig freie Darlegung dieses unerhörten Gebahrens der Sephardim, diesem schließlich doch ein Ende gemacht zu habe». — Auch die Colouisationsbemühuttgen der Missionäre haben keine» Erfolg. Ihre Colonie für Juden „Arfcuf“ soll, wie man hört, ganz eingehen. Die Gesellschaft sieht, daß die Colonie nicht die erhofften Erfolge erzielt und will kein Geld mehr dafür hergeben. Die meisten dort angesiedelren Familie» haben die Colonie verlassen und gehen nach Jerusalem; die Gesellschaft will jeder Familie 5 Napoleonsd'or geben, wofür diese schriftlich zu erklären hat, daß sie freiwillig die Colonie verläßt. Die Lage der Familien ioll eine sehr schlechte sein. Briefkaste»» der Redaetro». Herrn ,W. 3. in L. »Einem Vereine, der den Beschluß faßt, wegen der jüdisch-nationale» Tendenz, die er verfolgt, keine Mendelssohn-Gedenkfeier abzuhalten. bewilligen wir kein Frei-Exemplar mehr" lamete die Antwort, welche die „Israelitische Wochensckrift" in Magdeburg, die Tonangeberin der assimilatorischen Verderbtheit des deutschen Judenthums, in ihrem Briefkasten dem Vereine „Mikro Kodesoll* in Lemberg ertheilte. Nehmen Sie sich dieses Urttzeil nicht zu sehr zu Herzen, denn die deuischthüuiclnden Tiraden und die salbungsvollen „freisinnigen" Kleinstadtberichte dieses Blattes werden Ihnen wohl entbehrlich sein. Trösten Sie sich mit dem Be, wußtsein. daß alle Mitglieder Ihres Vereines würdigere Stammesgenosse» deS großen Mendelssohn sind, wi-wohl sie der jüdisch-nationalen Tendenz zu Liebe keine Mendelssohn-Feier veranstaltete,,, als jene Leute, welche hauvisächlich durch ihre anwidernde tendenziöse Ausbeulung deS Mendelssohu-Tages die meisten Natioualjuden davon abhielte», das Jubiläum in weihevoller Weise zu begehe». UebrigenS kommt es überall auf T a c t g e f ü h l an und dieses mangelt offenbar der Redaction der „Israelitische,, Wochenschrift". Besäße sie solches, dann würde sie so handeln, wie die ebenfalls a i k i m i lat arische Rvaction der „Populär-wissenschaftlichen Monatsblätter" in Frankfurt am Main, welche gelegentlich einer eilige« treteneu Unterbrechung in der Zusendung der Freiexemplare an einen Wiener jüdisch-nationalen Verein auf die ausdrückliche An,rage, ob die Unterbrechung vielleicht wegen der jüdisch-nationalen Tendenz des Vereines erfolgt sei, die Antwort ertheilte, sie achte die Ehrlichkeit der Gesinnung, mag sie welche immer sein, und die Unteibrechung der Zusendung könne nur auf einem Versehen der Administration beruhen. — GesinnungSbrüderlichen Gruß! Herrn H. T. in Lemberg. Sie bemerken ganz richtig, daß dieses jüdisch-polnische Blatt seine Leser dadurch über die national, jüdische Bewegung zu täuschen versucht, daß. sie dieselbe als von nur e inig en'Wien er A kademik ecn ausgehend, hinstellt, mährend ja diese nichts anderes, sind, als ein »ach W e st e n v o r g e. s ch o bien er Posten einer.in Rußland n g ch Hundertta»senden zählenden Partei, an. deren Spitze bejah r t e, erfahre »eMänn er stehen. — Mit Recht kommt Ihnen.auch die „national-judische" Anwandlung seltsam vor, die' dieses sonst ultrapoluische jüdische Blatt durch sein« Parteinahme fü: Mendelssohn den Vorkämpfer der „heiligen deutsche» Sprache" verräth. — Hebräergruß! Herrn I. F. in 8. Herzlichsten Dank für Ihre rege Mitarbeiterschaft-! Ihr schönes Gedicht in nächster Nummer. — Zionsgrnß! — -D. S. in T. Die genaue Adreffe nächstens. — Ihr Vorschlag ist gut gemeint, seine Befolgung würde aver jetzt eher schaden den» nützen. — Sie irren. Die „Indische Preffe" in Berlin brachte eine längere, recht anerkennende Notiz über den Verein. Bon welchem Blatte verlange» Sie eS noch? Etwa von der stockaffimilatorischeu „Jsr. Wochenschr." in Magdeburg? — Was Ihre letzte Frage betrifft. sind wir leider durch verschiedene Umstände gezwungen, die Antwort schuldig zu bleiben. — Gesinnuugsbrnderlichen Gruß!