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Selbst-Emancipation · 1886-03-02 · Heft 5 (2.3.1886) · p. Seite 4

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1886
Issue
Heft 5 (2.3.1886)
Date
1886-03-02
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite. 4 Selbst - E m a n c i v a t io»! Nr 5 Schlüsse des Jom kippur brausend durchhallt, denkt.der Herr Vorleser nicht? (Antisemitisches.) Durch die Berliner Presse macht folgende Notiz die Runde: „Der Vorwurf, ein „christlicher Jude" zu sein, ist, »ach einem vom Berliner Schöffengericht in der Privatklagejache eines Möbelhändlers gegen einen Tischler-, meister gefällten Urtheil, beleidigender Natur, indem damit unter den heuligen Zeitverhältniffen dem Betroffenen Unreellität imputirt wird." — Die ärztliche Gesellschaft in Wien will fernerhin keine Juden mehr aufnehmcn. — Der Wiener Antisemitenführer Schneider soll eine lebhafte Agitation in Galizien begonnen haben. — Die in Wien bevorstehenden Gemeinderathswahle» lassen ein hetzerisches Auftreten der Antisemiten, wie schon gelegentlich der im Vorjahre stattgefundenen Reichsrathswahlen, erwarten. — Zn Prerau (Mähren) fand ein Judenkrawall statt, der mit einer Blutbeschuldigung zusammenhängt. —: Der berüchtigte »Wiener Antisemit, Ritter v. Z e r b o n i, ein bereits wegen Erpirssung abgestraftes Individuum mit einer überhaupt dunklen Vergangenheit, Begründer d.s „Oesterreichischen Volksfreund", in der letzten Zeit, von seinen eigenen Gesinnungsgenossen im Stich gelaffen, deren Literatur er aber trotzdem durch ein neugegründetes Journal „Gradaus" bereicherte, ist nach Zurücklassung vieler Schulden aus Wien flüchtig geworden und wird polizeilich verfolgt. — >M bekannte russische Patriot. Panslavist und m der letzten auch Antisemit, JwanAksakow, ist in Moskau ^^^ben. ^WUAssimilations-Teutschthum.) Wie wir schon anhat ein großer Kampf , zwischen den Fortschrittlern ^WMithodoxen Deutschlands darüber begonnen, ob es mit ^^^»ichen Gesetze vereinbar sei, die Errichtung eiüer Menzu betreiben.' .Wir. wollen uns aüf die Entscheidung dieser Fr ge vom religiösen Standpunktenicht Hinlassen, da wir ja religiöse Debatten in unserem Blatte ein für alle Male ausgeschloffen haben; dagegen müssen wir betonen, daß auch dem der Aeußerlichkeit entfernten jüdischen Volks geiste diese Art der Ehrung nicht entspricht. Es. ließe sich der Standpunkt' der Fortschrittler eben nur dann rechtfertigen, wenn man ihre Prämisse, Mendelssohn müsse als „Deutscher", nicht als Jude gefeiert werden, richtig finden würde, ebeuio wie der Stand- - Punkt der Orthodoxen auch nur dann Berechtigung hätte, wenn diese nicht nebenbei auf deutsch-nationale Gesinnung aspiriren würden. Was wir aber von dem sogenannten Drutschthum der Juden halten, haben wir schon oft in unserem Blatte des Weiteren auseinandergesetzt. Uns kann daher folgender Satz, der wörtlich in der „Israelitischen Wochenschrift" in Magdeburg zu lesen ist, nur ein bedauerndes Lächeln über eine solche Selbstfopperer entlocke» : „Das deutsche Volk hat seinen eigenen „8eknlckanAxuch". Nur insofern ein deutscher Rabbiner auch em deutscher Rabbiner ist, der auch für die deutsche Natwnal-Literatur Begeisterung empfindet, an der Entwickelung des d e u t s ch e n G e i st e s Antheil nimmt und msofern er auch für das deutsche Element des deutsch e n I u d e n t h u m s als Vertreter sich betrachtet, konnten., auch Rabbiner Deutschlands ihren Namen, unter den Aufruf zur Errichtung eines- Menoelssohn-Denkinals letzen." (Beuierkt wird, daß dir m durchschossenen Lettern .gedruckten Wörter auch im Originale durchschossen sind!) . (Ein Streich der ungarischen Antisemiten.) In fallen Tabak-Trafiken Budapests wurde eine Zeitung aufgelegt, welche de» Titel „Die Mitgift" führt und eine große .Namenliste von Töchtern angesehener jüdischer Familien Pcsls unter Angabe des Alters und der Höhe der Mitgift enthält. Andererseits werden wieder junge Männer nach „der Höhe ihres Geldwerthes taxirt. Die Schmähschrift, welche'selbstverständlich von den Antisemiten,ausgeht, fand reißenden Absatz. Welches Wort kann die Rohheit dieser Menschen zur Genüge ausdrücken, welche nicht davor zurückscheuen, die Pnvatverhältnisse so vieler Familien in die Oeffentlichkeit zu zerren und denen sogar das dem Wilden innewohneiide Zart- und Tactgefühl gegen das weibliche Geschlecht gänzlich abgeht. Für unsere Juden aber kann dieses Blatt eine Waruung sein, das durch seine Reinheit und Würde beruh,nie jüdische Familienleben von jedem Schatten eines schnöden Materialismus frei zu halten, eines Materialismus, der. ja schon so oft zu den bekannten Mischehen in jüdischen Finaiizkrelsen geführt hat. (In Dresden) besteht ein „Brüderverein." Nachdem vor Kurzem der Rabbiner der Dresdener Synagoge, Dr. Landau, in demselben einen Vortrag gehalten hatte, sprach einige Zeit später in Gegenwart desselben und eines anderen Synagogenbeamten, der jüdische Advocat Dr. Emil Lehmann über „Die Juden einst und jetzt." Er verlangte zunächst die Verlegung des Sitzes der „^llianoe Israslits Universelle“ nach Berlin mit der Begründung, daß ihre Mitglieder meist „Deutsche" sind, (damit wohl jede Spur eines alljüdischen Gefühles in dem traditionellen Juden-„Daitschthum" untergehe. Die Red.). Sonst stellte der Redner nur einige wenige Anforderungen: Nebst der Beseitigung der Beschueidung verlangt er blos die Verdrängung der hebräischen Sprache aus dem jüdischen Gottesdienste, die Einrichtung eines deutsche u Gottesdienstes, die „Zusammenlegung" des Sabbaths und der jüdischen Feste mit dem S o'n »tag und den ch ri stli ch eu.Fe st e n. Der Herr Doctor hat stch, wie man sieht, den Gvethe'schen Satz gemerkt: „Rur Lumpe sind bescheiden." (Assimilatorischer Servilismus.) Der jüdische Banqnier Bleichröder sin Berlin ist eine,, wie die Antisemiten sagen würden „groiße" Perstznlichkeit,. und hat die höchsten Verbindniigen. Warum er sic wohl, hat? Das überlegt der Mann nicht; wir zweifeln sehr, ob er diese Persönlichkeit auch ohne seine Millionen wäre^ Run, besagter Herr Bleichröder-^- nebenbei bemerkt, ein wohlthätiger Mann — zeichnet sich durch, eine Bismarck Anbetung aus. die schon an die Eäiaren-Vergötternilg, der römischen Kais erzeit erinnert. Diese seine Verehrung har sich schon gelegen^ lich des 70jährigen Gebnrtsfestes des deutschen Reichskanzlers geäußert, erprobte sich aber jetzt neuerlich, indem der erwähnte jüdische Banquier eigens ein Grundstück ankaufte, ivelches an den Garten Bismarck's grenzt — in der Befürchtung, es könne ihm ein anderer zuvorkommen und dann dem Fürsten Bismarck die Luft verbaut werden. — Welche Zärtlichkeit! Ob aber in dem Gehirne dieses Geldgroßen eine Ahnung der Verachtung aufdämuiert, die der für die Idee des Volksthirms begeisterte, große und geniale Bismarck einer solchen Speichelleckerei gegenüb er bestimmt empfinden muß? Wir glauben nicht, denn wir wisse» leider, wie das Börseilthum in dem seiner Natur nach so zartfühlenden jüdischen Volke gewüthet hat. — Demjenigen, der unserem Volke nie hold war, der o ffen bekannt hat, wie sehr er es verachte, zu schineicheln und' dadurch seine stolze Verachtung noch zu erhöhen — das ist eine Unthat, für die es keine passende Bezeichnung gibt. (Missionäre in Hamburg.) Wir lesen in der „Israel. Wochenschrift" : Seit mehreren Jahren befindet sich im Hamburger Vororte Bar mb eck ein Haus, welches die Bezeichnung „Irlands Proselyten-Heim" trägt. Dasselbe hat die Mission, jungen Leuten jüdischer Confessio», welche von auswärts hieher koinmen, um Arbeit zn suchen, diese zu ertheilen, sie überhaupt in der liebevollsten Weise auszunehmen, ihnen Wohnung und' Beköstung zu gewähren, .sie gleichzeitig mit den Lehren 8er christlichen Religion, bekannt zu machen, um sie endlich, dein Schöoße der Kirche zuzuführeii. -Es ist der Anstalt dies mehrfach gelnngey,.wen'n

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