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Selbst-Emancipation · 1886-03-02 · Heft 5 (2.3.1886) · p. Seite 2

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1886
Issue
Heft 5 (2.3.1886)
Date
1886-03-02
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Gefolge von Verkehrtheiten und Lächerlichkeiten, mit ihrenarisch heraus st affirten Semiten, mit ihrer Vermählung jüdischer und arischer Mängel und Gebrechen, verschuldete den Antisemitismus. Die Assimilanten hauen mit Schimpfworten gegen die Antisemiten und mit Ausgleichsbetheuerungen um sich herum, kommen aber dabei im jüdischen Interesse um keinen Schritt weiter. Die Nationaljuden dagegen wolle» keinen in imaginäre Ferne gerückten Ausgleich der Gegensätze, sondern praktische Versöhnung der Gegensätze durch eine in beiderseitigem Interesse betriebene Verhütung von Reibungen. Die Assimilation rackert und plagt sich mit ihrer „Beschwichtigungshofrathsrolle" vergeblich ab, das Rationaljudenthum beschwichtigt und klügelt nicht, gibt zu, was wahr ist, und wird auf diesem Wege hoffentlich das Elend des jüdischen Volkes beseitigen. Das Nationaljudenthum, die Zionsidee ist kein Zugeständniß an den Antisemitis>nus, keine diesem geleistete Hilfe, sondern rin in edler Wahrhaftigkeit gegen die arischen Völker dem jüdischen Stamme geleisteter, heiliger Dienst. Nachum Nathan Agassi. GhroniK. (Israelitischer Wähler - Verein Wieu's.) Dieser neue Verein, über dessen voraussichtliche Wege jetzt blos Vermuthungen angesteül werden könne», hielt bereits Samstag, den 27. Februar 1886, Abends in Robitschek'S Restauration seine constituirende Versammlung. Zum Präsidenten wurde der Handelskammerrath Adolf §uin; poletz gewählt. Aus den Statuten des Vereines theilen wir folgendes mit: §. l. Der Israelitische Wählerverein Wien's hat seinen Sitz in Wien und den Zweck, die geistigen und socialen Interessen seiner Mitglieder zu fördern' und zu wahren. — Als, Mittel zur Erreichung dieses Zweckes dienen: a) die Abhaltung von Vereinsversammlungen zur Besprechung politischer, völkswirthschaftlicher und religiöser, sowie das moderne Judenthum hebender Angelegenheiten; h) die Veranstaltung wissenschaftlicher und populärer Vorträge, welche entweder von Mitgliedern oder geladetlkii Personen gehalten werden könne»; c) tue Abfassung und Veröffentlichung von Petitionen, Resulutionen, Adressen, Denkschriften und anderen Eingaben; d) die Berheiligung an den Wahlen für den israelitischen Cultusvorstand der inner» Stadt Wien, sowie überhaupt an allen Wahlen in die verschiedenen Vertretungskörper und. Wahlämter durch die Aufstellung und Unterstützung gesinnungslüchtiger Candidaten für dieselben; e) die Anregung und Förderung gemeinnütziger Unternehmungen und Leistungen. (Der Deutsche Schulderem in Wien und die Juden.) In Ergänzung der von uns . in der vorigen Nummer unter dem Titel „Aufgeschoben ist nicht aufgehoben," gebrachten Notiz über die Auflösung der? akademischen Ortsgruppe in Wien durch die Centralleitungdes Vereines, wegen: Weigerung, den Beschluß in-Betreff der Nichtaufnahme von Juden zurückzuziehen, tragen wir nun Folgendes, nach : Der Vertreter der .Centralleitung. ReichsrathS-Abgeordneter Prof. Dr. Ritter von Kraus, ein Mitglied des „Deutschen.Clubs" („schärfere Tonart") versuchte er, die studentischen Antisemiten dadurch willfährig zu mache», daß er ihnen begreiflich machen wollte, man müsse zwei Meinungen haben, eine für sich und eine für die Außenwelt, konnte aber mit dieser wunderbaren Theorie, durch deren Verkündigung er seinen „privaten". Antisemitismus durchblicken zu lassen beabsichtigte, nicht reussiren. — Nicht uninteressant dürfte es auch für unsere Leser sein, den. Wortlaut der Resolution zu hören, welche von der Vollversammlung der akademischen Ortsgruppe e i n st i m m i g b eschlossen wurde: „In Erwägung, daß es für das erste Kulturvolk der Welt, für unsere deutsche Nation, völlig unwürdig ist, sich von einem fremden Volke in Zeiten nationaler Bedrängniß durch Geldmittel unterstützen zu lassen, zumal es von Mitgliedern einer Race geschieht, die in wirthschaftlicher und moralischer Hinsicht unfern deutschen Stammesgenossen nur Verderben bringen, — in w eitei er Erwägung, daß unser deutsches Volk in Oesterreich, so es ohne eine fremde Unterstützung seine nationale Existenz nicht aufrecht erhalten könnte, eher würdig und rechtschaffen unterzugehen hat, als Almosen von zugewandcrten Fremden anzunehmen, die nur geben wollen, um sich Raum zur Duldung in unserer Mitte zu erkaufen, und dann nach Jahrzehnten sagen würden': Wir haben Euch Euer Deutschthum gerettet. — und in der endlichen Erwägung, daß es ausschließlich nur der Vollversammlung der akademischen Ortsgruppe znkommt, aus welchen Rations- und Gesellschaftskreisen sie ihre Mitglieder anwerben will — aus allen diesen ernsten, hochwichtigen Gründe» behacrt die Vollversammlung vom 11. Februar 1886 der akademischen Ortsgruppe Wie» unerscyütterlich auf den gefaßten Beschlüßen vom 27. Juni 1885, die die Aufnahme von Juden in die Ortsgruppe verweigern, und erweist dadurch unserer großen, edle», deutschen Nation in den Augen aller wirklich national gesinnten Deutschen nur geziemende Ehre und schuldige Achtung." — Sind die Worte des Ritter von Kraus und dieser Resolution kein Beweis für die Richtigkeit dessen, was wir in der vorigen Nummer in der Notiz „Auigeschoben ist nicht aufgehoben" sagten, daß nämlich die heutigen „Judenfreunde" größtentheils nichts anderes sind als aus practischen Gründen vorläufig noch verkappte Antisemiten, während anderseits die Ausbreitung des offenen Antisemitismus unter der Jugend schöne Aussichten für die Zukunft uns. gibt? (Die Jude» als politische Pa tteiC) In einem Artikel des hier erscheinenden antisemitischen Blattes „Oesterreichischer Volksfreund", der sich „Juden heraus!" betitelt, spricht diese Zeitschrift von der angeblichen Kampfbereitschaft der Juden gegen den nnnmer zu ignorirenden Antisemitismus. Nach dem „Volksfreund" operirt das Judenthum heute in drei scheinbar getrennt gehenden Cvlonnen. Die erste und größte Gruppe mache noch immer der „halbverkrachte Liberalismus" aus. Die zweite Gruppe sei erst „im E n t st e h e n begriffen", „die e x t r e mnaltonalen Juden", welche eine politische jüdische Partei bilden wollen. Die dritte und gefährlichste Gruppe seien die Juden, welche das demokratische Princip auf ihre Fahne geschrieben haben. Unsere Sache kann eS nicht sein, zu unter» uchen, was das Antisemitenblatt Wahres und Unwahres über die erste una dritte Gruppe zusammenschreibt, wir finden es nur für nothwendig, etwaigen Irrungen vorzubengen. welche der erwähnte Artikel des schlecht unterrichteten „Volksfreund" bezüglich der zweiten Gruppe Hervorrufen könnte. Das Antisemitenblatt spricht davon, daß das Wiener Judenthum sich bereits „mächtig genug fühil, um der einheimischen christlichen Bevölkerung die Zähne weisen zu können." Die Antisemitenblätter nennen nämlich — diesen Fehler machten auch neulich die„Unverfälschten Deutschen Worte", indem sie die „Kadimah" mit dem neugegründeten „Indischen Wählerverein" in Verbindung brachten — alle die Vereine und Persönlichkeiten jüdisch-national, die für ein Zusammengehen der Juden eintreten. Und doch ist noch ein gewaltiger Unterschied zwischen diesen Gründern einer „politischen" jüdischen Partei und den National-Juden. Wohl > ist diese Partei rin anerkennenswerther Fortschritt gegenüber dem bankerott gewordenen Assimilantenthum, über eine eigentlich national-jüdische kann sie nicht genannr werden, denn, auch sie jagt nach einer für uns Inden stets von verderblichen Folgen begleitet en politischen Rolle inner-

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