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Selbst-Emancipation · 1886-02-16 · Heft 4 (16.2.1886) · p. Seite 10

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1886
Issue
Heft 4 (16.2.1886)
Date
1886-02-16
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Nr. 4 Seite 10 S el b st - E ma » c i p a t i o »! Gffitikllk MiiihkilunKkn jüdisch-nationaler Dereine. Verein jüdischer junger Damen „Miriam" in Wien. Das Comitö zur Veranstaltung der Gründungsfeier hat die nöthigen Vorbereitungen bereits begonnen. Die Feier wird am Vorabende des PurimfesteS, d. i. Samstag den 20. Mäcz 1886, im großen Saale des Hotels „Weißes Roß" staitfinden und aus einer oratorisch»musikalisch«deklamatorischen Soiröe und einem Tanzkränzchen unter Mitwirkung einer Militärkapelle bestellen. Einzelkarten ä 1 fl. uud Familienkarten L 3 fl. sind in der Redaction der. „Selbst-Emancipation!", II., Große Pfarrgasie Nr. 22, in den NachmtttagSstnnden, bei der Vice-Präsideotin, II., Custozzagasie 9, i. St., sowie bei den Comitä-Mitgliedern, Mitgliedskarten L 60 kr. bei der Schriftführerin der Vereines, II., CircuSgaffe 47, Parterre, Thür 13, zu erhalten. Für die Vere inSleiiu ng: Ernestine Bretholz, Amalie Oesterreicher, dz. BiceprSsidentin. dz. Schriftführerin. m,. . 7. Adar 5646. . W.-n, den 12,-get)ru-c-1886r Akademischer verein „Kadimäh” in Wien. Der am 6. d. M. stattgehabte BereinSabend nahm ein.» recht animirten Verlauf. Der Vortrag des Herrn S. AuSübel: „Ueber die Secten im Judenthum" wurde mit Beifall ausgenommen. Samstag, den 20. d. M. Abends um 6 Uhr, finoet eine außerordentliche Plenarversammlung mit der Tagesordnung: ErgänzungSwahlen, Fortsetzung der Statuteiiäiidernng, Evenrualia, statt, zu welcher die P. T. Mitglieder dringend st eingeladen werde». Für den Ausschuß: 8tuS. zur. Nathan Birnbaum, stad. pdii. Zthamar EiSelberg, dz. Präses. f. d. Schriftführer In deutscher Sprache. Wien, den 7. Adar 5646. 12. Februar 1686. Verein jüdischer junger Männer „Zukunft" in Wien. Der Verein bezog am 14. d. M. sein neues Vereinslocale, II., Rothe Stcrngaffe Nr. 4. — Nächste Woche beginnen wieder die seit einiger Zeit unterbrochenen GeschichtSvorträge. -Für die Bereinsleitun> Samuel Schwarz, Präses. g. Aäar S646. Wien, den 14. Februar 1886.. MofeS Hcilpern, Schriftführer. Novelle von Vehernia Meiner. (Schluß.) Erschreckt eilten die Elter» und Geschwister der Ohn- ,nächtigen zu Hilfe und erst »ach viertelstündiger Anstrengung waren ihre Bemühungen insofern von Erfolg begleitet, als Rösele die Augen aufschlng. Aber es waren irre Blicke, die das Mädchen umherwarf, die Blicke einer Fieberkranken. Man war um den Doctor geeilt, der auch bald das Zimmer betrat. Der alte Landarzt schüttelte bedenklich mit dem Kopfe, als er das Mädchen sah und untersuchte. „Sie ist plötzlich mit einem Aufschrei ohnmächtig niedergesunken und eine Viertelstunde hat es gedauert, bis wir sie wieder ins Leben riefen," erzählte die weinende Mutter. „Ihr Rösele muß einen plötzlichen Schrecken ausgestanden haben. Alle Anzeichen sprechen dafür", sagte der Arzt, nachdem er die ersten Anordnungen getroffen hatte. „Einen Schrecken? Ich wüßte nicht, welcher Art. Sie befmid sich in der Küche, wir im' Zimmer-Da hörten wir plötzlich den Hilferuf aus ihrem Munde. Doch — jetzt entsinne ich mich, mir ist, als ob ich kurz vorher eine Stimme ein Adieu hätte sagen hören; ich dachte im Augenblicke, eS müsse ein Bettler sein." „Ah. das ist schon etwas", sagte der Arzt in eifrigem Tone und ging in die Küche, die Hansleute natürlich ihm nach. Dort sah er sich mit dem Blicke eines spürenoe» Criminalbeamten um. „Was ist das dort" rief er plötzlich, „Ein Brief und unweit daneben das Couvert dazu". Der alte Mann nahm das Papier zur Hand und ohne, daß jemand daran dachte, es ihm zu wehren, machte er sich mit leinein Inhalte bekannt. „Nun, jetzt ist die Sache aufgeklärt". sagte er nicht ohne eitle Befriedigung, Es war der Briefträger, gute Frau Kerner, dessen Abschiedsgruß Sie vom Zimmer aus hörten und das hier ist das Schreiben, welches er brachte. Le>en Sie es doch!" x Blümele Kerner und ihr Mann flogen die Zeilen durch; Leichenbläffe überzog ihre Gesichter: „Gott, wenn ich diesen Wicht, der sich hinter gefühlvollen Phrasen verbirgt, jetzt hier hätte — ich würde ihn niederschmettern," schrie der unglückliche Vater, die Fäuste ballend. „Was ist zu machen, Herr Doctor?" jammerte die schluchzende Mutter, die Hände ringend. „Beruhige» Sie sich vor Allem, meine Lieben, das Schlimmste steht nicht zu befürchten; doch bin ich der Meinung, daß unbedingt ein Wiener Kliniker beigezogen werden muß. Ihr Rösele ist an einem heftigen Nervenfieber erkrankt". „Ich fahre sofort nach Wien", rief Kerner. „Thun Sie das, und wenn Sie mir folgen wollen, so sehe» Sie sich bei dieser Gelegenheit nach dem Schreiber dieses Briefes um." „Aber, Herr Doktor?" brauste Kerner auf. „Ich gebe Ihnen diesen Rath nicht, weil ich mich in Ihre Familienverhältnisse etwa eimnengen will, sondern blos von meinem Standpunkte als Arzt. Wenn sich auch Ihre Tochter von der hitzigen Krankheit erholen wird, was zu erwarten ist, so ist immerhin auf die Dauer für ihre Gesundheit zn fürchten, so lange nicht der Grund ihres Unglückes behoben wird." „Aber das ist ja gar nicht möglich," sagte Kerner. „Und vielleicht doch, der Ton -dieses Briefes läßt mich vermuthcn, daß wir es hier keineswegs mit einer Schurkerei, sondern thatsächlich mit einer unglückseligen Verwicklung zu'thun haben. Ich bin alt genug, um solche Dinge zu verstehen." „Meinen Sie, Herr Doctor? Nun, ich werde es ver- M'“-"--- . . Josef Salzer saß in seiner Stube. Ec war bleich und abgehärmt; der Glanz seiner dunklen Augen war erloschen und von Zeit zn Zeit fuhr er sich mit den mageren Fingern unruhig durch die wirren Kopfhaare. Draußen im Getriebe des Lebens wußte er sich aufrecht zu halten, so daß niemand seinem Unglücke auf die Spur kommen konnte; ma» schrieb sein schlechtes Aussehen blos auf Rechnung eines Unwohlseins. Wenn er aber heimkam und innerhalb seiner vier Pfähle war. wo ihn niemand sah, da brach er ermattet unter seiner Leidenslast zusammen. Nicht genug, daß er um sein verlorenes Lebensglöck zu klagen hatte, plagten ihn noch obendrein der Vorwurf, möglicherweise doch voreilig gehandelt zu haben, sowie die Ungewißheit darüber, wie Rösele das Schreiben ausgenommen habe. Auch heute hing der junge Mann solch' trüben Gedanken und Gefühlen nach, wurde aber durch ein Klopfen an der Thüre darin unterbrochen. „Herein!" rief er'schwachen, aber ärgerlichen Tones. Sowie er jedoch den Eintretenden erblickte, wurde er noch bleicher, als er ohnehin war; er streckte die Arme vor sich

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