Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1886
- Issue
- Heft 4 (16.2.1886)
- Date
- 1886-02-16
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3092672-3092783-3092787--0341-3093285- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
.Nr. 4 Selbst-Ern an cipa tion! Seite 9 Hadassa. (Ballade.) Sie ziehen herbei, jene gräulichen Horden; Ihr Gdem ist Würgen, ihr Anblick ist Morden, Sie naht, der Kosaken gefürchtete Schaar. Wild spornet Lhmielnicki sein Roß an der Spitze. Des schreckliche» Auges versengende Blitze verkünden Verheerung, verkünden Gefahr. Schon rauchen die Hütten sainmt Ställen und Scheunen, Schon hört ihr des Landmannes Klagen und Weinen, ®, seht nur sein schmerzlich verzerrtes Gesicht > Doch tröste dich, Pflüger; es wird von dir wenden Den Schaden dein König durch reichliche Spenden, Dich rächen am Räuber mit strengem Gericht. Nur du, mein bekümmertes Volk aus dem Dsten, Bist schutzlos verfallen dem Feind, dem erbost;,,; Ls fließt ungeahndet dein unschuldig Blut. Sie wiegen, die Winde, auf düsteren Zweigen Die schaurige Anzahl verstümmelter Leichen, Gewürgt von Lhmielnicki's entfesselter Wuth. Still sitzt in der Kammer der Rabbi voll Bangen, Ls hält ihn die bebende Tochter umfangen, Die schöne Hadaffa mit goldigem Haar... Da wogt es heran in entsetzlichen Mengen, Indem sie die Pfosten sammt Riegel zersprengen Und trennen gewaltig das friedliche Paar. Lin Keuleuschlag schmettert den Alten zur Erde. Schon sitzen.die wüsten Gesellen zu Pferde, In eisernen Fäusten die blühende Maid. Wie wird sie dem Hauptmann die Weile verkürzen. Wie wird sie durch Liede das Leben ihm würze»? D'rum sei ihm die schöne Hadaffa geweiht! „Gefällt dir, Lhmielnicki, die köstliche Beute?" — „Lin herrlicher Lngel l Habt Dank, meine Leute Und nehmt zur Vergeltung die Hand da voll Gold!" Dann wimmert er knieend — zum Mädchen gewendet — vom göttlichen Strahl ihres Auges geblendet: „V, Liebste des Herzens! D, bist du mir hold? Ach, kehre dem Glauben der Väter de» Rücken Und laß' an den schmachtenden Buse» dich drücken Als fürstliche Gattin und zärtliche Braut; Ich werde in Perlen und Seide dich hüllen. Aus gold'nen Gefäßen den Hunger dir stillen, Marmor'ne Paläste, die sind dir erbaut!" — „Du hast mir die Freuden des Lebens verwüstet", Lntgegnet die weinende Jungfrau entrüstet, „Du schlugst meinen Vater mit mordendem Lrzl Und nunmehr, Du Scheusal, willst Du mir noch rauben Den einzigen Anker, den trostreichen Glauben, Willst kaufe» mit irdischem Güte mein Herzl? „Gesetzt ist ein Ziel Seinem höllischen Wüthen; Du kannst nicht dem Herzen, der Seele gebieten; Du darfst nur vernichten de» sterblichen Leib. Wohlan denn, zerreiße in thierischer Tücke De» traurigen Busen in gräßliche Stücke, Denn nimmer wohl werd' ich dein liebendes Weib l" „Ha, freche Semitin und giftige Natter! Du trotzige Brut von dem jüdischen Vater l" Lrdonnert Lhmielnicki in schäumender wuth, „Du wagst meine Wünsche beiseite zu rücken? Du willst mich als fürstliche Braut nicht beglücken? Nun sollst du als Dirne mir kühlen das Blut!" — Und wild, wie ein Löwe mit fliegender Mähne, So zerrt er die ohnmachtbezwungene Schöne Durch Staub und durch Kiesel hinein in das Zelt.- Doch kaum sind erwacht ihre schlummernden Sinne, Da ändert das Mädchen die haßende Miene, Indem an den Hals sie mit Schluchzen ihm fällt: „Ich liebe dich innig, ich liebe dich mächtig. Du tapferer Ritter, so muthig und prächtig; vergiß, was ich sagte, und sieh' meine Reu' l" — Der Hauptmann ist glücklich, er finkt vor ihr nieder, Lr küßt ihre Tritte, er küßt ihre Glieder Und schwöret ihr ewige, ewige Treu'. Das Haar von der Stirne ihm liebevoll streichelnd. Erhebt sie die Stimme und sagt zu ihm schnieichelnd: „Du bist ja beständig in grausamer Schlacht; Dein liebendes Mädchen, es müßt' für dein Leben In ununterbrochener Bangigkeit schweben Und weinend durchwachen die einsame Nacht. D'rum werd' ich ein machtvolles Sprüchlein dich lehren, Ls wird von dir Noth und Gefahren abwehren Und macht dich gefeit gegen Hiebe und Stich'. Und magst du die Kraft dieses Mittels erkennen, So will ich sofort diesen Wundersxruch nennen. Nu» schieße die grimmigste Waffe auf mich!" — Ls spannet Lhmielnicki de» riesigen Bogen; Der giftige Pfeil ist der Sehne entflogen Und bohret sich blutig in's Herze so dicht. Die kräftigste Sehne war klirrend zersprungen- Hadassa ist leblos zu Boden gesunken, Lin heiteres Lächeln iin blaffe» Gesicht.- Nun stürmen sie weiter, die schrecklichen Horden, Ihr Ddem ist Würgen, ihr Anblick ist Morden, Die grausamen Tiger, sie lechzen nach Blut. Ls wiegen die Winde auf Aesten und Zweigen Die gräßliche Unzahl der düsteren Leichen, Gemäht von Lhmielnicki's entfesselter Wuth.