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Selbst-Emancipation · 1886-02-16 · Heft 4 (16.2.1886) · p. Seite 5

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1886
Issue
Heft 4 (16.2.1886)
Date
1886-02-16
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 4 Seite 5 Selbst- Emanc i Patio n! 40.000 Gulden betrage». Diese Kosten hat Professor Rohling zu tragen, da sein Gesuch um gnadenweise Erlassung der Bezahlung zuückgewiesen wurde. (Proceß Ritter.) Der dritte Angeklagte im Processe Ritter, der Bauer Marcell Stochlinski ist in der Haft gestorben. (Todesfälle). Nathan Ritter von K a l l i r. Abgeordneter der Brodyer Handelskammer, ist am 4. Februar d. I. gestorben. — In Krakau ist der dortige Banquier und Handelskammerrath A. Holzer, ein sehr geachteter und wohlthätiger jüdischer Bürger dieser Stadt gestorben- (Rumänisch,) Neulich wurden in Jassy zehn arme Juden, Handwerker, Maurer und Zimmerleute, ohne jegliche Veranlassung, von der Straße weg ins Gefängniß geschleppt. Ein Commissär ließ die Unschuldigen vorführin. Drei meldeten sich als österreichische Unterthanen und wurden entlassen. Die anderen als richtige Landes» kinder aber wurden ohne Weiteres auf den Erdboden gelegt und geknutet, daß das Blut in Strömen von ihrem zerfleischten Leibe floß. Dann begann das eigentliche Verhör mit der Aufforderung, ihre Nam-n zu nennen. Einer unter ihnen war zu sehr erschöpft, um zu antworten. Er erhielt deshalb zur Erweckung seiner Lebensgeister einige furchtbare Schläge inS Gesicht, daß ihm Zähne ausfielen. Weiteres wurde nicht verhandelt. Die Gemißhandelten liegen krank .darnieder. Sie haben sich auch beschwert. Was das nützen .wird, haben ja ähnliche Fälle schon gezeigt. (Alls der „vjozyrnu".) Die Beglückerin der polnischen .Juden resp. der jüdischen Polen beichästigt sich in einem zweiten hebräische» -Leitartikel mit den Natioualjuden. Wer Lust hat, die wiffenschaftlichen Schnitzer besagten Artikels kennen zu lernen, der gehe hin, lese ihn und erquicke seine Seele. Wer aber nicht Zeit haben sollte, das anmuthige Geplauder auf sich wirken zu lassen, dem genüge es, zu wissen, daß darin I o f e p h u s Flavins, ein anerkannter Verräther, der jener Classe von Menschen angehört, welche man „talentirte Spitzbuben" nennen könnte, ein Man», über den fast alle Geschichtsschreiber jeder Nation der Cvlonijation in baare Münze umsetzen - können, wenn die Männer da wären, welche in spagnolischer Sprache das große Werk der Regeneration den Betreffenden ans Herz legen und wenn nicht die fortwährenden Erschütterungen am Balkan neue Verwirrungen und neues Unglück über unsere Brüder bringen würden. Mitten in diesen Tugenden haben wir die Schattenseiten .nicht zu übersehen, nämlich die Unwissenheit in den hebräisch-talmudischeu Werken. Wir haben wohl betbefliffene Greise, die aber des Gebetes Inhalt nicht verstehen. WaS aber gilt im Judentbume Ceremonie ohne Wissen? Wohin ist der Geist Maimonides, Abarbanel's und anderer Leuchten unseres Volkes? Das Unglück liegt in der abschließenden Kluft des spagnolischen Idioms. - Hier muß Wandel geschaffen werden. Hier müssen die Besserdenkenden, die Hervorragenden und Gelehrten sich dafür einsetzen, daß eine höhere jüdische Schule in Belgrad errichtet und rabbinische Autoritäten und talmudische Gelehrte aus Deutschland, Rußland und Ungarn berufen werden, damit die Geistesarmuth verscheucht werde und Helles Licht in den jüdischen Balkangemeindeu erstrahle. Die israelitischen Allianzen in Paris und Wien müßten diese Schule mit Geld unterstützen. Mögen sich unsere Brüder das Beispiel an ähnlichen Comites anderer Völker nehmen, wie jene Geld überall hinstreuen, wo nur ihre Connationalen sie anrufen. Und unsere 4000jährige Solidarität soll das Gleiche nicht zu Wege bringen für ihre geistig und physisch bedrängten Brüder, das wäre ein wahrer Chiliul haschem. Benzion. (Wird fortgesetzt.) und jedes Glaubens schon längst den Stab gebrochen haben als Gewährsmann zur Widerlegung der Nationaljuden angeführt wird. Und den Helden Bar-Cochba hat der begabte Leitartikler in der vorigen Nummer zum Betrüger gestempelt! Ja, lieber Mann, halten Sie sich Ihren Patron, Josephus FlaviuS; er macht Ihnen wahrlich alle Ehre. Das Grandioseste aber iu diesem geistsprühenden Artikel ist gewiß die „Assimilirung Moses, unsere« Lehrers." Und worauf stützt sich dieses herrliche Phantasiegebäude? Auf eine Stelle in der Bibel, aus der hervorgeht, daß die Töchter Jethros den flüchtigen Moses als eine» „isch mizri“, als einen „Egypter" bezeichneten, der also ganz egyptisirt gewesen sei» muß. — Wir wollen uns mit der „Ojczyzna“ künftighin nicht mehr iu Tendenzstreitigkeiten einlaffen, weil wir gewillt find, nur solchen Gegner» entgegenzutrcten, welche offen und ehrlich mit uns kämpfe» und nicht zur Entstellung und Verdrehung ihre Zuflucht nehmen. Unsere geehrten Leser aber bitten wir, folgende Erklärung in den weitesten Kreisen bekannt werden zu lassen: „Im Namen aller Gesinnungsgenossen erklären wir, daß wir die Verdrängung des Jargons durch die polnische Sprache nicht nur nicht an fei„den, sondern im Gegentheile gerne sehen; daß wir ferner der „heiligen" deutschen Sprache k e i it e n wie immer geartete» Vorzug vor slavischen Idiomen geben. Daher müssen wir jeden als frechen Lügner oder s innlosen Du mm köpf bezeichnen, der es von heute an noch wagen sollte, solcherlei über uns auszustreuen." Die Redacti-n. (Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.) Die Wiener akademische Ortsgruppe des deutich-n Schulvereines hatte, wie bekannt, seinerzeit den Beschluß gefaßt, kein-- Juden mehr aufznnehmen. Da trotz der Aufforderung des Central- Ausschusses, diese» Beschluß umzustoßen, die Plenarversammlungen dieser Ortsgruppe mit allen gegen vier Stimmen denselben erneuerten, wurde dem Zweigvereine die Auflösung schließlich verkündigt, wenn er nicht binnen vierzehn Tagen den Recurs ergreifen würde. — Wir Jude» hätten allen Grund, über diese Verwerfung des Antisemitismus durch den Central-Ausschuß des deutsche» Schulvereines erfreut zu sein, wenn wir nicht leider wissen würden, wie es mit wenigen Ausnahmen in den Herzen der „Judenfreunde", die noch vorläufig die Juden benöthigen. aussieht — und wenn uns nicht die Erkenntniß ängstigte, daß es die Jugend, die in der Zukunft zur Herrschaft berufene Generation, ist, welche den antisemitischen Grundsätzen huldigt und sich bei der Auflösung ihrer Ortsgruppe mit Recht denkt: „Aufgeschoben ist nicht aufgehoben." (Die „Dentsche Volksschrift" in Bilin.) ei» extremantisemitisches Organ, citirt in der letzten Nummer aus einem von dem berühmten Wiener Chirurgen Professor Dr. Theodor Billroth im Jahre 1875 herausgegebenen Werke dessen Ansichten über die jüdischen Studirenden. Professor Billroth erklärt, er könne nicht gelten lassen, daß man sage, dieser oder jener sei ein Deutscher jüdischer Religion, denn ein Jude könne ebensowenig als ein Perser rc. ein Deutscher sein. Die Juden als solche bilden eine Nation und können nie und «immer Deutsche werden. — Erwähnen wollen wir hier, daß der berühmte Philosoph Schopenhauer sich in demselben Sinne geäußert hat, übrigens aber beide auf den jüdischen Nationalcharakter nicht gut zu sprechen sind. (Katholischer Schalverein) Einige enragirte internati nale Antisemiten sollen im Vereine mit mehreren Geistlichen bei der niederöstrrreichischen Staathalterei die Statuten eines katholischen Schulvereines zur Genehmigung vorgelegt haben. — (Illustration zu den preußischen Ausweisungee.) Es erweckte allseitig einen Sturm von Entrüstung, als man vernahm, daß unter den preußischen Aus gewiesene» auch

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