Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1886
- Issue
- Heft 4 (16.2.1886)
- Date
- 1886-02-16
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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gezwungen sein, aber sich dennoch in seiner Racrnsond rhe t erhalten, so wird es deutsch bleiben, weil seine Sinnesart Ine deutsche geblieben sein wird. Uedertragen wir das in diesem Beispiel zum Ausdruck Gebrachte auf die Juden, so erhalten wir: Die Inden sind Inden geblieben, obwohl sie durch Einwirkung äußerer Gewalten das Hebräische'und den Jargon verlernten und an andere Sprachen sich gewöhnten — aus dem einfachen Grunde, weil ihre Race über die Kraft verfügte, ihre Besonderheit bis auf den heutigen Tag zu bewahren. Mögen d i e Juden das reinste und flüssigste Deutsch sprechen, die Th attacheläßt sich nicht aus der Welt schaffen, da ß j ü d i > ch e r Geist und jüdisches G e m ü t h diese deutschen Laute dictirt. Wenn aber d e Dinge so stehen, würde so Mancher sagen, dann ist ja eine zärtliche Pflege der nationalen Sprviche ganz und gär unnöthig. Es brauchte dann keinem Bclleä viel daran gelegen zu sem, ob es seine Sprache bewahr« oder nicht; daher auch dem jüdischen nicht, ob das Hebr ische wieder zur größeren Geltung gelangt oder weite, vernachläßigt wird. Das wäre eine falsche Folgerung. Wenn auch die eigenthümliche Sprache nur eine Schöpfung der nationalen Eigenart ist, also nicht zum Wesen der Nationalität gehört, so ist sie dennoch als Schätzerin der Volksexistenz und Förderin der Volksentwicklung von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Die Sprache hat eine rückwirkende Kraft, welche sich ober nicht etwa so weit erstreckt, daß sie die Nationalität bestimmt, sondern sich nur schützend und unte-stützend äußert. Die schützende Macht der Sprache liegt darin, daß sie, durch ihr Nachäußentreten den Unterschied der Nationalität markirend, die Vermischung verhütet, die unterstützende darin, daß sie eben durch ihre Oeffentlichkeit das nationale Gefühl zum nationalen Bewußtsein steigert und so das Volk versittlicht.. Das jüdische Volk ist nun freilich, wie wir schon ins Oeftern hervorhoben, noch durch andere Umstände vor dnn düngen geben kann, welche trotz der iiuiereii Wechselbeziehung zwilchen Religion und Nation, rein nationaler oder rein religiöser Natur sind. So habe» denn die modernen Natioiialjadcn keiner der' bei den \ Parteien unbedingt zu folgen, sondern von jeder das der Nation dienliche zu nehmen — mit denjenigen Modificirungen, welche die geänderten Zeitverhällniffe beanspruchen. Soviel ist aber, um der distorischen Ehre der beiden Parteien noch Genüge zu thun, schinßlich zu erwähnen, daß das Bild der Sadducäer von den Asti» milanlen, denen der Pharisäismus zu ihrem deutschen, slavischcn n. s. w. Mosaismus verhallen muß, millionenmal schwärzer gezeichnet ist, als fie eS verdienen, während andererseits die christliche Welt auS Glaubensgegensatz sich gewöhnt hat, den Pharisäismus bis zur Unkeuntlichk-it zu entstellen und diese ideale Richtung in den Augen der Nachwelt herabzusctze». . Briefe aus Serbien, n. Noch ist es Zeit, in dem edlen Reste jener spanischjüdischen Heroen, welche ohne Scheu den Scheiterbaufen bestiegen, um ihr Dasein für ihren Glauben und ihr VolkSthum zu opfern, das alle Selbstbewußtsein zu wecken und ihm neues geistiges Licht zuzuführe». Es sprechen hiefür mehrere gewichtige Thatfachen, die wir hier ansühren wollen. Die spagnolischen Juden Belgrads wie auf der ganzen Balkanhalbiusel frier» ihre Sabbate und Feiertage in altehrwürdiger Weise — wie man es nur noch im galizischen und russischen Jndenthum zu finden gewöhnt ist-> In den Häusern regen sich geschäftig die Mädchen,die/ Frauen und selbst an jedem Rüsttage die verfügbaren - männlichen Genossen, um das Haus so rein und so zierlich als möglich zu präsentsten; auch bessere Speisen dürfen nicht fehlen. Die Kinderchen werden entsprechend der finanziellen Lage festlich zum Synagogengansttz gekleidet. Die Aufgkhen in andernr Völker» geschützt, braucht also dazu nicht nothwendig die »alionale Sp ache. Desto mehr aber bedarf es ihrer zur Hebung des nationalen Bewußtfti is, zu seiner sittlichm Wiedergeburt. Ja, mit der Kenntniß des Hebräischen ausgestattet, wäre Israel tausendfach beneidenswerther, wäre es seiner Erlösung näher, aber daraus folgt nicht, daß das deutsch oder slavisch sprechende jüdische Volk auigehört hätte, jüdisch zu sein und deutsch oder slavisch geworden wäre. Ghronik. (Antisemitisches). Durch die Verurtheilung des Herrn Franz Stejskal-Lazausky, Herausgeber des „I»sv", wegen Betrugs zu fünf Jahren schw eren Kerle r S haben die Leopoldstädter Antisemiten einen harten Schlag erlitten. Herr Lazansky war ein enger Gesinnungsgenosse des internationalen Antisemiten Ernst Schneider und hat. auch bei der letzten Reichs rathswahl die stimmberechtigten Czechm der Leopoldstadt dem antisemitischen Candidaten zugeführt. — Herr Ernest Schneider, der bekannte . Wiener Antisemitenführer wird sich dieser Tage vor dem Bezirksgerichte Leopoldstadt wegen Uebertretung des Bersammlungsgesetzes zu verantworten haben. Sein Vertheidiger ist Dr. Pattai— Das königl. ungarische Ministerium. des Innern hat die Preßbui ger Stadtrepräsentanz aufgefordert, die gelegentlich der im Jahre 1881 stattgefuudenen Antisemitenkrowalle aufgelaufenen Kosten zur Unterdrückung derselben im Betrage von fl. 4500 bezahlen. Es mußte damals nämlich Militär requirirt werden. Die Preßburger Stadtvertretuug sucht nun beim Ministerium des In dern um gnadenweise Ertassung dieser Bezahlung an. (Zum Procetz Rohliug-Bloch). Wie einige hiesige Tagesjournale wifieil wolle», sollen die gesammten Proceßkosten. d. h. die Kosten der Voruntersuchung mehr als gesammte Gemeinde feiert eben das geistige Fest in dem Gotteshause, das leibliche daheim — in reizend patriarchalischer Weise. Die Schulkinder der hiesigen Gemeinde verbleiben während des Gottesdienstes unter Aufsicht ihrer Lehrer im Gotteshause. Die bei den Aschkenasim eingerissene Unsitte, beim Vorlesen der Torah, beim „Leinen", aus den Tempeln athemlos herauszunürzcn, als ob ein Glühregen auf die Häupter der Flüchtigen niederströmen wistde, kennt man hier nicht. Was den sephardischen Juden fremd ist, ja, und noch >nehr, was ihn anwidert, ist die Namensverdrehnng. W»e bereits bemerkt, gibt es hier eine stattliche Anzahl großer Firmen, welche selbst mit Wiener Firmen gleichen Schritt in Solidität und Reichhaltigkeit ihrer Lager zu halten vermögen — von einer Namenstaufe aber, wie sie bei deutschen Juden gang und gebe, ist hier nichts zu merken. Echt biblische Namen prangen auf den Schildern der Geschäftslocale, ganz ebenbürtig mit denen serbischer Kanfleute, denen ebenfalls nicht im Mindesten beifällt, ihre College» zu höhnen, noch sich selbst andere als serb.sche Namen beizulegen. Alle diese Lichtseiten werden noch überdies von jener innern Flamme 'erhellt, welche in d.'r großen Seele Jehuda Halewi's so mächtig loderte — jener Liebesflamme zur nie alternden Zion. Wie viele von ihnen legten bereits eine Pilgerfahrt nach dem ewigen Heim Juda's zurück! Mit gespannter Aufmerksamkeit lauschen fie einer Berichterstattung über die Civilisation des heil. Landes und dringen der ganzen Action überhaupt mehr Verständniß entgegen wie die verknöcherten, Aistmilations-Orthodoxen des Nordens! Wie leicht würde sich ans. der Balkanhalbinsel die Idee