Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1886
- Issue
- Heft 4 (16.2.1886)
- Date
- 1886-02-16
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 4 . Seite 2 Selbst-Em ancipation! 8ud:rnthüws tzeine nu!tz-> ünd erso i glo s e d o ctir i n är e S p i eler e ü ian nehme der jüdisch- Miioualen Bewegung den Drang nach unserer einstigen Volkshriinat und man hat ihr zugleich die Existenzberechtigung genommen, man hat damit das ernste, männliche Streben nach Rettung zu einem leichtfertigen kindischen Nationspielenwollen herabgewürdigt. Wovor erzittern diejenigen, welche die ZionSliebe nicht in den Bereich der jüdischen Nationalidee gezogen wissen wollen? Vor den hämischen Spöttereien der Gegner, wie es den Anschein? har. Nun, dann bedauern wir diese Tapferen, welche Erlöser ihres Volkes. fein wollen, aber den Muth nicht besitzen, den seinem Wesen nach d u in mstolzen Hohn einer vorurtheilsvollen, in dem Schlamme allergröbster, Alltäglichkeit watende» Majorität zu ertragen. Sollten das auch Nationaljuden sein, die die Worte „Jerusalem" ober nZiön" über ihre Lippen nicht zu bringe« wagen, weil sie dadurch ein „überlegenes" Hohnlächeln eines gernegrößen Gymnasiasten, eines unfehlbaren akademischen Bürgers, eines „allezeit praktischen" Geschäftsmannes oder, gar eines wrishei gesättigten Doctors und anderer derartiger „Europäer" Hervorrufen könnten? Beinahe Jedermann kommt neuen Ideen mit Mißtrauen entgegen;.dem Mißtrauen gesellt sich bei unserem Volke, das sich durch seinen Hang zum Jronisiren auszeichnet, noch gewöhnlich ein unüberlegter, aber desto schärferer Spott hinzu. Dieses höhnische Mißtrauen wird nie durch. memmenhafte Schweigepolitik, sondern kann ganz im Gegentheile nur durch unerschrockenes, über das gegnerische Gelächter mit . verächtlicher Ruhe sich hinwegsetzendes Auftreten und durch, sachliche und gleichmüthige Ueberzeugungsversuche gebannt werden. Sind aber die Spötter einmal so weit gebiacht, daß sie Vernunftgründen ihre Ohren nicht mehr verschließen —und so weil sind Dank dem gesunden Sinn unserer Stammesgenossen dieselben ganz bestimmt zu Pharisäismus, Sadducäismus einerseits und das moderne Nationaljudenthum andererseits, ^Lonrag, geaalte» ton Herrn N. Birnbaum im akodemglhcn Bereit» „Kadimah“ am #. Jauner d. J.> Es war in der zweiten Hälfte des zweite» Jahrhunderts vor Beginn der übliche» Zeitrechnung, als eS nach Jahrhunderte-langer Mause wieder einen unabhäiigigen jüdischen Staat gab. Der kriegerischen Tüchtigkeit und der politischen Klugheit des hasmonäischen Hauses war eS nicht nur gelungen, die ureigenen Ideen' des jüdischen Volkes zu retten, sondern auch denselben eine staatliche Stütze zu bieten. Die Partei der Hellenisten war aus der jüdischen Nation gänzlich verschwunden, der ChaffidäisümS hatte den Sieg davongetragen, aber auf. eine Weise, die nicht ganz seinen Principien entsprach. Dmch die Kraft des Armes, mit dem Schwerte in der Hand! — Das kann man doch, nicht als das Ideal jener Richtnna bezeichne», die das Warten auf die Hilfe Gottes verlangte. Die Chasstdäer iahen auch wirklich diese Diffonanz mit ihren, Principe bald ein und sie, welche nur die äußerste Gefahr zum Anschluß an die Hasmonäer vermocht hatte, nahmen nach der Erlangung der Selbst, pändigkelt, ja schon früher nach den ersten Erfolge., der Hasmonäer, eine reservirte. und kühle Haltung gegenüber dem hasmonäischen Fürstenhause an. Nnr der Lehre Gottes sollte das jüdische Volk leben, nur seiner Hilfe vertrauen; wozu also das Streben der Hasmonäer nach äußerer Macht und Herrlichkeit, wozu ihre fortgesetzten kriegerischen und diplomatischen Unter,ichmungen? Aber dieser Richtung "gegenüber tauchte eine zweite, emg gengesetzte, aus, die über den Werth weltlicher Beziehungen viel Höher vachre und, sobald diese entstanden war, war ein principieller Zwiespalt im jüdischen Volke geschaffen, waren Pharisäismus und SaddncäismuS in's Leben gerufen. Der zum Pharisäisstiils^ gewordene Chassidälsmus der früher» Zeit betrachtete'dleMeiiaion als Lebenszweck des Volkes und des Staates, der ebenfalls streng jüdische Hid von jeder Asiimilatioiissncht^er,,. stehende SadducäiSmus aber hielt den Bestand der Nationalität und des Staatesfür die Lauvtiache. welcher sich die Religion milerzuokLnen hätte. Je schroffer dieser politische Gegensatz der beiden Parteien nun allmälig hervortrat, desto mehr bauten sich auch ihre - beiderseitigen Systeme aus, in desto mehr Puilcten religiöser, rechtbringen dann ist doch nicht daran zu zweifeln. daß..sie eher ein in allen Beziehungen begründetes mtb vollendetes Princip, wie eS das zionsfreuüdlich.nationale ist, acceptiren werden, als die zwecklose Halbheit eines von der Palästina- Idee abstrahierenden jüdisch-nationalen Gedankens. Man erkläre kühn und unermüdlich dem Volke den Plan der Colonisation unseres Ahnenlaiides und es wird sicher von seinen vorgefaßte» Meinungen abkommen, es wird sich abgewöhnen, in diesem Projecte eine sittliche und praktische Ungeheuerlichkeit zu sehen. Das jüdische Volk werde zuerst aus die Nothwendigkeit seiner nationalen und socialen Umgestaltung verwiesen und dann werde ihm die Durchführbarkeit derselben betont! Das jüdische Volk mit seiner eminenten Begabung, mit den ihm zu Gebote stehenden geistigen und materiellen Kräften, mit seiner Regsamkeit und Findigkeit, sollte es nicht fertig bringen, Colonien zu gründen, zu erhalten, zu vermehren irnd zu vergrößern? Der jüdische 'Unternehmungsgeist sollte an einem so praktischen und nüchternen Unternehmen scheitern? Ja, ii fl 41 e r n ist das Unterneh in e n d e r Colo n isatio n Pa l ä st i n a's. Und mögen alle d>e Gefühle und Zukunftshoffnungen des Volkes, welche dir Palästinabewegung mit Recht hervorrief und ruft, den Cvloiiisationsgedaiiken mit einem herrlichen, farbenreichen Glanze umgeben, mag auch das Gemüth des Volkes in edler Begeisterung an diesem Farbenglanze sich weiden. — dir Durchführung der Colonisation ist und bleibt ein praktisches, nüchternes Unte nehmen, fern - von allen p h a n t a st i s ch e n Ue b e rsp a n n t h ei t e n und Träumereien. Das muß jenen mit aller Energie eutgegengehalten werden, welche die „Zionsfreunde" dadurch herabzusetzen versuchen, daß sie dieselben mit den dunklen Scheinmeffias-Gestalten des Mittelalters .in eine Reihe stellen. Die m o d e r n e n „Z i o n s f r e u n d r" arbeiten o f f e n u n d fr e i im Lichte des modernen Fortschritte si niii den p r alt i s ch en Behelfen der Neuzeit. licher und ritueller Ätatur begannen sie sich zu unterscheiden. 'Die beiden Parteien stritten lange, sehr lange, bis endlich in diesem Streite der SadducäiSmus seinem Gegner unterliegt, aber nicht ohne den sonst ganz im Pharisäerthum' wurzelnden Zeloten des römischjüdischen Krieg s seine Thatkraft zu vererben, während gerade andererseits der Pharisäismus den EssäiSmuS, alS das Dorchristenthum, in welchem das religiöse Moment das nationale ganz erstickte, gebar und später der Friedeusparthei der Ränierzeit die fromm-geduldigen Hilleliten zuführie. Niemand wird daran zweifeln wollen, daß die Zerklüftuilg der Nation in Pharisäer und Sadducäer. dadurch daß tu dieselbe das hasmonäische Königshaus vineingezerrt wurde und dadurch, daß sie die Quelle stets neuer Parteibildungen war, mit eine Ursache des Verfalls des jüdischen Staates geworden ist. Und da erhebt sich nun die Frage: Welche der beiden Parteien hatte Rechl? Oder lagen vielleicht in den Systemen beider richtige Gedanken, für die sie nnr keinen Vereinigungspuuct finden konnten? Diese Fragen werde» sich am besten und von selbst dann beantworte», wenn wir das Berhältniß des modernen Nationaljudenthums zu den zwei großen Parteirichtungen des jüdischen Allerthums in's Auge faffen und betrachten. Verdien, der Pharisäismus oder der SadducLismu» inevr die Sym - pathien der heutigen Nationaljuden? Oder, wäre» die Pharisäer oder die Sadducäer mehr national? Eine schwierige Frage: Den» während man den Sadducäern nach agcn muß, daß sie die Nationalität höher.stellten, als die Religio», und daß sie trotzdem oder gerade deswegen'die Gefährlichkeit des Heidenthums für den Bestand der Nation erkennend, der Gotteslehre.treu blieben; während .man nicht vergessen darf, daß die Sadducäer für die Ehre und den Rühm des Vaterlandes nicht nur gefühlt, sondern auch geblutet haben, daß sie die feurigste» Patrioten waren, — kann man sich aber andererseits auch nicht verhehlen, daß es die Pharisäer gewesen sind, welche durch ihre strengere Religiosit t das jüdische Volk vor einer neuerlichen nationalen Entartung schützten, die durch ihr System dem Volke eine ideale Aufgabe und somit Lebenskraft für Jahrtausende hinaus verliehen, dem Volk, mit dessen Bewitßtsein sie sich auch in größerem Einverstäildiiiffe befanden, als die Sadducäer. Die P Harts äer waren die Patriotrn des Gemüthcs, die Sadd ucäer d iejenige n des Ve r stand es. - Soll nun das moderne Rationaljudenthum von denGemüthspatrloten oder den Vcrstandespatrioten lernen? Am besten wohl von t *******'•#» mm