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Selbst-Emancipation · 1886-01-15 · Heft 2 (15.1.1886) · p. Seite 3

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1886
Issue
Heft 2 (15.1.1886)
Date
1886-01-15
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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'■ Nr. 2 S e l b st - Em a n c i p a t i o u! Seile 3 thum und Jndenthum, von Treue gegen die Vergangenheit und Achtung vor der Gegenwart ist für alle Zeiten lehrreich." „Er war es auch, der, indem er den Juden ihre Thora in sein geliebtes Deutsch mit hebräischem Commentar übertrug, dem Judenthum den Tempel der deutschen Sprache und damit auch des deutschen Denkens und F ü h l e n 8 entriegelte.,, Populär-wissrnschaftliche Monatsblätter in Frankfurt am Main (reformerisch): „Dem Vorkämpfer für deutsches Geistesleben." Der I s r a e l i t in Mainz (orthodox): „Durch und durch von deutschem Nationalgefühl beseelt." Jeschurun in Hannover (orthodox): „Darum begeht d a s d e u t s ch e B o l k in ernster Feier die Erinnerung an Moses Mendelssohn, und knüpft äußerlich diese Erinnerung sinnig au den Moment, da sein Lebensfaden abgesponuen, damit bekundend, daß über Zeit und Raum hinaus das Leb-n dieses Großen reicht, den es in gerechtem Hochgefühl den Seinen nennt, daß es zu den Unsterblichen ihn zählt, die von ihrem Geiste der Lebensseele ihres Volkes mitgetheilt und Moses Mendelssohns Genius fort und fo-t in der deutschen Volksseele webt." Aus den national-jüdischen Zeitungen: „Hamelitz" in P tersbnrg: Er begann die Thora aus ihrer Umwöikuug zu befreien, das Volk ans dem Labyrinthe der Scholastik und den Phantasien der Kabbala herauszuführen und es die Erklärung nach dem Wortverstande zu lehren." „Hamagid“ in Lyk: „Der einzige I r r t h u in, der voudiesemgro ßeu Geiste sherrschcr in Israel ausgiug, warseine Entscheidung, da ß Js rael kein Volk mehr sei, sondern bloß eine religiöse Gemeinschaft. Aber wir können auch dafür eine Entschuldigung in der damaligen Zeitlage finden, die e i n s o l ch e s P r i n c i p erheischte." — Beachtenswerth ist nur die entschiede» deutsch-nationale Sprache der orthodoxen Blätter. Jedesmal stoßen wir uns an den unvergleichlichen Widersinn, der in einer jüdischorthodoxen, deutsch-nationalen Gesinnung liegt. Die strenge Befolgung der mosaischen Gesetze involvirt die weitg-hendste Achtung den volksthümlichen Geistes, der sie hervorbrachte, und wie weil ist dieser von dem Geiste der deutschen Nation entfernt; ja noch mehr, sie verwirft eine ganze Reihe von Sitten und Gebräuche, die die deutsche Nationale!genthümlichkeit verlangt. So ist ja auch der Streit zwischen den Reformern« und Orthodoxen über ein dem Mendelssohn zu setzendes Denkmal ausgebrochen. Wissen die Orthodoxen daß sie durch ihre negative Ansicht nicht blos zur religiö sen sondern auch zur nationalen Eigenarr ihrer christlichen Mitbürger in Gegensatz sich befinden? (Am. 17. Schewat J>. I.), der diesmal auf den 24. Jänner fällt, wird ein Jahr verflossen sein, seitdem der geniale Schöpfer der modernen jüdischen Nationalbewegung, der geistreiche Schriftsteller, der Meister der hebräischen Sprache, der Mann mit dem unbeugsamen Charakter, seitdem Perez Smolensky in ein besseres Jenseits hinübergegangen ist. Perez Smolensky fiel als Opfer der Liebe zu seinem Volke, die so glühend war, daß sie den edlen Mann verzehrte, der, fern von Gattin und Kindern, in den kräftigsten Mannesjahren einer tückischen Krankheit erlag. Perez Smolensky war es nicht vergönnt gewesen, die Saal reifen zu sehen, die er ausgestreut; seine letzte Stunde mag der Zweifel an dem Gelingen des von ihm begonnenen Werkes verbittert haben. Wir aber, denen jetzt schönere Hoffnungen winken, die wir mitten im Strome des Lebens stehen und fest entschlossen find, die Gedanken dieses seltenen Mannes in die Wirklichkeit umzusetzen, können ihm keine größere Ehre erweisen, als ihn heute, wo ein Jahr seit seinem Tode verflossen ist, vor der ganzen Welt als den Wiedererwecker des jüdischen Nationalbewußtseins, als denjenigen zu preisen, der sicherlich die sogenannten Größen unserer heutigen Assimilationsära an Beist, Gemüth und Cha-akter weitaus überragt, — als denjenigen, der einst, sobald die Erlösung Israels vollzogen sein wird, vom ganzen jüdischen Volke als seiner nationalen Größen Eine anerkannt werden wird. (Wir werden in nächster Nummer die ausführliche Biographie Smolensky's bringen.) (Zur Makkabäer-Feier der „Katliinah“.) Welche» Eindruck die national-jüdische Bewegung auch auf Jnoen nicht deutscher oder slavischer Zunge macht, geht aus dem Berichte des iu Triest erscheinenden „Oorrisrs Israslitivo" hervor, den dieses Blatt über die letzte Makkabäer-Feier des akademischen Vereines „Kadimali“ bringt. Zur Probe einige Stellen aus diesem Berichte: Beim Anhören der Reden, die gestern im großen Saale des Hotels „Weißes Roß", eines der renommirtesten Etablissements der Leopoldstadt, gehalten wurden, glaubte man sich in einer neuen Welt zu befinden. Hebräische Reden! Deutsche Reden! Di? Redner, distinguirte und gebildete Personen, traten für die Solidarität und die Einigung der Hebräer ein. „Vom Orient kommt das Licht" — rief ein Redner — „und dieses müsse» wir rein und leuchtend erhalten. Israel ist die Fackel, die allein für un« leuchten muß." Ein Anderer forderte zur Wiederbelebung des heiligen Landes auf. Und sie sprachen mit einer solchen Gluth, mit einer solchen Leidenschaft, die geeignet sind, die Gleichgiltigsten zum Enthusiasmus hinzu - reißen. Es langten viele Telegramme aus Deutschland. Rußland u. s. w. ein, von Vereinen, die denselben Grundsätzen huldigen. Die großen Säle waren von einem Publicum dicht gefüllt, das den besten Kreisen der jüdischen Gesellschaft angehörte, und die berückende Schönheit des orientalischen Fcauentypus. die glänzenden Toiletten, die brüderlichen Händedrücke, begleitet von hebräischem Worte, alles das wirkte zusammen, um eine neue und originelle Scenerie zu schaffen. ... Es war ein schöner und interessanter Abend, den ich nie vergessen werde." — Die ohorufenden Ruhestörer bei der diesjährigen Makkabäer-Feier des Vereines „Kadimali“ sind laut ihrem eigene», in der „Ojezyzna“ abgelegten Gcständniß die Herren Stad. med. Henryk Boral und stad. msd. Jacob Kiesler, von denen übrigens der erstere am Abend selbst dem ihn zur Rede stellenden Comits-Mitglied gegenüber die Störung leugnete. Mögen hiemit die Namen der beiden Herren, die ihrer Ueberzeugung in so schöner Weise Ausdruck gaben, der Nachwelt für ewige Zeiten überliefert sein. (Czechische Judeufrenndlichkeit) Daß sich der Philosemitismus der Czechen nur nach den Erwartungen richtet, welche sie jeweilig auf die jüdische Hilfe setzen, bewiesen die letzten Prager Gemeinderathswahlen wieder einmal auf's Unwiderleglichste. Vor den Wahlen athmete die czechische Presse die größte Judenfreundlichkeit, weil man die Juden gegen die Deutschen brauchte. Jetzt, da die Wahlen nicht ganz nach czechischem Wunsche ausgefallen sind, speien die czechiichen Blätter Gift und Galle gegen die Juden, denen die Schuld an vem schlechten Wahlresultate zuzeschoben wird und documentiren dadurch die Rassrnverwandschaft ihrer Redacteure mit dem Deutschen, Herrn Schönerer. Wann doch endlich den böhmischen Juden das Licht aufgehen wird, daß sie nichts besseres thun können, als in dem nationalen Kampfe zwischen Deu'schen und Czechen sich völlig neutral zu verhalten. (Die Ercessevon Königinhof,) die vor einigen Monaten der Welt die unleindlicheu Verhältnisse des national zwiespältigen Böhmen zeigten, habe» eine gerichtliche Ver- Handlung gegen die Excedenten zur Folge gehabt, die mit der Berurtheilnng einer ganzen Reihe von Personen endete. Unter den Verurtheilten befindet sich auch der Jude Mandl als „Excedent für die deutsche Sache." Wenn ein Jude so

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