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Selbst-Emancipation · 1886-01-15 · Heft 2 (15.1.1886) · p. Seite 2

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1886
Issue
Heft 2 (15.1.1886)
Date
1886-01-15
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Se l b st - E in a »c i patio »! Nr. 2 - V dann unserem Vorsatze, über Mendelssohn's Verhältniß zur Entstehung der Aisimilatious-Theorie nicht weiter zu spiechen, getreu geblieben sein. Nachdem aber Assimilations- Israel mit allen K> ästen in seine Posaunen gestoßen und dadurch das Billigkeitsgesühl der National-Gcsinten aus's Gröblichste verletzt hat, wollen auch wir gewisse Rücksichten fahren lasten und die ganze Flausenhastigkeit und Hohlheit der Lärmmacherei der Assimilanten darznlegen versuchen: WaS die assimilatorischen Mendelssohn-Schwärmer zu vergessen scheinen und woran sie das Volk zu erinnern sich hüten, was aber, so man es erkennt, geeignet ist, mit einem Schlage die ganze Ueberlebtheit der Verschmelzungs- Theorie zu beweisen, ist der Umstand, daß unsere Generation Erfahrungen gemacht hat, welche unseren Vorfahren im Anfänge dieses Jahrhunderts mangelten. Es zeigt von einer gewisse» Beschränktheit in der Erfassung geschichtlicher Veränderungen einerseits, von einem gewissen an Despotentrotz erinnernden Starrsinne andererseits, wenn man im politischen Leben hartnäckig Erfahrungen verachtet, die man wider Willin hat machen müssen, wenn man etwas, das sich in seinen Folgen als schädlich erwiesen hat, trotzdem weiter dm chgesetzt wissen will, statt es zu beseitigen. Heute liegen doch die Dinge wesentlich anders als zur Zeit des großen Mendelssohn. Als dieser hervorragende Sohn i.nserrs Volkes, von Ausklärungs- und Bildungsliebe und der ihni inncivohnenden Genialität gedrängt, seinen Beruf, die Lage Israels zu verbessern, erkannt hatte, ging er festen Willens an diese Arbeit und mit richtigem Blicke t egriff er, daß der erste Schritt, der gemacht werden müsse, die Befreiung des jüdischen Volkes aus den Fesseln der Scholastik und des WissenshasseS sein müsse, alles weitere würde sich von selbst ergeben. Freilich verband er — nnd es ist ebenso unnöthig als unmöglich, es zu leugnen, — mit seiner Bibelübersetzung auch den Zweck, die Juden zu Deutschen zu machen; wer sollte nun aber behaupten wollen, daß nicht auch ein Mendelssohn habe irren können? Ja, M en b eissohn hat, soweit er die Vermählung des Dcutschthums mit dem Judenthum erhoffte und anstrebte, t h a t s ä chlichgeirrt; was ihn jedoch von den heutigen Assimilanten wie das Licht von der Finsterniß unterscheidet, ist der Umstand, daß sich die verschiedensten Momente vereinigten, um diesen Irrt hum zu einem beinah e notHweNdigrn zu machen, während heute alle Voraussetzungen vorhanden sind, um vor einem solchen Fehltritt zu warnen. Hätte Mendelssohn heute gelebt, dieAssi milanten würde» sicherlich lange zu warten brauche», bis er Einer der Ihrigen würde. Denn, würde er unter uns wandeln, dann hätte sein durchdringender Verstand und lein gerader' Sinn bereits erkannt, daß das, was im achtzehnten Jahrhundert ein verzeihlicher Jrrthum und mit einem ehrlichen Charakter gar wohl vereinbar war, wenn eS ihm nicht gar entstammte — jetzt am Ausgange des luunzehuten eine verwerfliche, auf sittliche Herabkommenheil schließen lassende Thal sei. Damals, als die größten Geister des deutschen Volkes dem Assimilationsbeginncn wohlwollend begegneten; damals, als die Probe noch nicht gemacht war und man auf einen guten Erfolg noch rechnen durfte; damals, wo die traurige Lage der Juden jede» Gedanken an ein selbstständiges Auftreten derselben unterdrücken mußte; damals, wo bei Verdunklung des nationalen Princips durch die weltbürgerliche Idee der Begriff der Nation überhaupt ein sehr unbestimmter war*),— damals war dieser Jrrthum leicht zu entschuldigen. Heute aber, wo die größten Männer des deutschen Volkes die Assimilation der Juden höhnend zurückweisen; heute, wo *) Mendelssohn . gebrauchte selbst stets den Ausdruck „Nationvon den Juden.; der Versuch als mißglückt zu betrachten ist, und sich die natürliche Uuausgleichbarkeit der Racengegensätze heraus - gestellt hat; heute, wo die von den Juden erklimmte hohe Culturstufe zu den stolzesten Erwartungen berechtigt, heute, wo der Sieg deS nationalen Princips über den phantastischen KosmopolitiSmus den Begriff der Nation zu einem fest begrenzten gemacht hat, — heute ist ein solcher Jrrthum kein Jrrthum mehr, sondern ein Verbrechen. Zu einem solchen Verbrechen hätte nnu Mendelssohn nieseine Hand gegeben; würdenw r das Glück haben, ihn unter unseren Zeitgenossen zu sehe», dann würde er auch sicher in den Reihen der Kämpfer für die Wiedergeburt Israels und die Tröstung Zions zu finden sein. Nachum Nathan Agassi. Ghronik. (Der hundertjährige Sterbetag Moses Meudelssohns.) In den verschiedensten Städten Deutschlands und des Auslands fanden am 4. Jänner Gedenkfeiern statt. I» Dessau, der Gebnrtsstadt des grasten Philosophen, war die Feier eine äußerst würdige und erhielt durch die Anwesenheit der herzoglichen Familie eine besondere Weihe. Der dortige Rabbiner, Dr.Weiße hielt die Gedenkrede. Wenn aber die Tagespresse und die jüdische Assimilantrnpresse mit vielem Geschrei behauptet, g a u z Deutschland habe sich an der Feier betheiligt, so müssen wir das einfach als unwahr bezeichnen, so sehr es auch der große Todte verdient hätte. Die Juden sollen nicht länger gefoppt werden; sie sollen wissen, daß der Antisemitismus kein vorübergehendes Uebel, sondern ein unheilbarer Volksinstinct ist. Wenn sich auch eine große Zahl christlicher Männer von Geist und Ansehen an der Feier betheiligten, so wird doch niemand leugnen können, daß eine ebensogroße, wenn nicht ungleich größere Anzahl ebenso bedeutender Männer den Gedenktag stillschiveigend übergieng, — Die Herren Assimilanten haben überhaupt den armen Mendelssohn für ihre Zwecke hergenommen, daß es ein wahrer Graus ist; wir beleuchten dieses Vorgehen an leitender Stelle, und wollen uns hier nur damit begnügen, einige Zeitungsstellen über Moses Mendelssohn anzuführen: Aus der Tagespresse: Neue Freie Presse: „Durch ihn lernten sie d e u t s ch reden, und wie die Sprache eine Verführerin ist, lernten sie auch deutsch denken und empfindenWiener Allgemeine Zeitung: „Da ist es gerathen, mit einigen Worten eines Mannes zu gedenken, der an der Neubelebung des deutschen Nationalgefühls den regsten Antheil genommen, der obenan steht in der Reihe der Kämpfer, die eine deutsche National-Literatur geschaffen, der endlich den ganzen Rest eines so alten CultnrvolkeS, wie es die Inden sind, in überraschend kurzer Zeit aus Orientalen zuDeuts ch e n, aus haltlosen Kosmopoliten zu treuen Patrioten, aus müßigen Speculanten zu selbstlosen Jüngern der Wissenschaft gemacht." „Sie (die Bibelübersetzung) wurde die Erzieherin der jüdischen Jugend und machte sie empfänglich für deutsche Bildung und deutsche Nationalität.,, Pester Lloyd: „Ein Deutscher vom Wirbel d ir zur Zehe." „Er hat durch sein Beispiel, durch seine Bibelübersetzung, durch seine Streitschriften für und über das Judenthum seine Glaubens- und Stammesgenofleu zu Deutschen gemacht. . . .Aus der jüdischen Assimilantenpresse: Israelitische Wochenschrift in Magdeburg (reformerisch) „Nicht die Juden errichten einem ihrer Glaubensgenossen ein .Monument, sondern deutsch e Männer einem deutschen Schriftsteller und die deutschen Juden, welche sich daran betheilige», thun es als Deuts che und nicht als Juden" „Seine Philosopheme mögen vergehen; aber seine Persönlichkeit, jene innige Vermählung von Religion und Aufklärung, ^vou Deutsch- 'i/

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