Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1886
- Issue
- Heft 1 (1.1.1886)
- Date
- 1886-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Seile 4 Sebst - Em n ii cipatio»! Nr. 1 Münz wirklich schon als polnisch-tendenziös gehalten werden muß» dann verschwände-sie auch unter dem sonst nationalen Programme und könnte dem weitaus überwiegenden nationalen Charakter der Feier keinen Abbruch thun. Von der ausführlicheren Besprechung in nächster Nummer der .„Ojezyzna“ aber erwarten wir natiirlich auch eine Erlüuterung der panjudaistischen Tendenzen, da wir ja sonst weiter „nicht wissen, was wir mit diesen Tendenzen zu thun haben und wie wir sie verstehen sollen". GhroniK. (Wie die Juden gleichgestellt sind!) Die nordamerikanische Union wollte bekanntlich Herrn Kelley zu ihrem Gesandten in Wien ernennen, erhielt aber von der österreichischen Negierung die Verständigung, daß ihr die Persönlichkeit Kelley's nicht genehm sei. Wie nun der Londoner „Standard" meldet, ist dies in der Weise geschehen, daß der österreichische Gesandte in Washington d.n dortigen Staats-Secretär Bahard verständigte, „die Stellung eines auswärtigen Gesandten, der mit einer Jüdin durch bürgerliche Trauung verheiratet sei, würde in Wien unhaltbar und sogar unmöglich sein." (Der „OesterreichischeBolksfreuud"), dieses geradezu lächerliche Antisemitenblatt, kann die Tapferkeit des bulgarischen Juden-Bataillons nicht verdauen und darum erbricht es sich mit einer eckelerregeuden Notiz, in der Bar Coch da „ein edler Räuberhauptmann" genannt wird, „der sich als blutiger Wütherich im belagerten Jerusalem hervorthat." Daß solche Geisteskrüppel, solche verkommene Subjekte es wagen dürfen, Dich, erhabener, herrlicher Volksheld, Bar Cochba, mit ihrem Geifer zu besudeln — welch' bitteres Leid für Deine Bewunderer! Wann wird endlich die Zeit kommen, da Juda frei wird aufathmen können, unbelästigt von diesem antisemitischen Gezücht, das trotz seines vielgepriesenen „Arismus" selbst in seinen Führern nicht würdig ist, dem letzten im Trödelthum verknöcherten Schacherjuden die Schuhriemen zu lösen? (Der 4. Jänner 1886) ist der hundertjährige Sterbetag des Moses Mendelssohn. Seine Geburtsstadt Dessau rüstet sich zur feierlichen Begehung dieses Tages. In einem großen Theile der Judenheit Deutschlands sowie des übrigen Europa macht man gleiche Vorbereitungen. Nur das orthodoxe Judenthum steht zürnend abseits. Und das national-gesinnte, welches in religiöser Beziehung, der Regel nach, wenn auch nicht ausschließlich Aufgeklärte zu seinen Anhängern hat — wie verhält sich dies dem Gedenktage gegenüber? Ziemlich zweifelnd, aufrichtig gestanden. Während die eine Hälfte in Mendelssohn zwar eine Geistesgröße unserer Nation, den Manu des Fortschritts, den berühmten Weltweisen erblickt, andererseits aber in ihm den — gleichgiltig, ob bewußten oder unbewußten — Begründer der assimilatorischen Verirrung sieht, bemüht sich die andere Hälfte diesen großen Sohn unseres Volkes auch von diesem ihm anhaften sollenden Flecken der Autorschaft der Assimilation zu reinigen, damit er auch in den Augen der Nationaljuden so rein dastehe, als Moses der Erste. — Wir wollen in diesem Streite, der übrigens für unsere Partei ganz ungefährlich ist, nicht entscheiden, sondern hier bloS constatiren, daß der große, charakier- und genievolle Mensch, der am 4. Jänner 1786 sür immer die Augen schloß, unserem, dem jüdischen Stamme augehörte, und daß ein Volk, das einen Mendelssohn erzeugen kann, nicht nöthig hat, dem Deutschthum oder irgend einer anderen Nation sich anzuschmiegen. Das bleibt richtig, mag vielleicht auch Mendelssohn selbst diese Anschmiegung gewünscht haben. — Von den jüdisch-nationalen Vereinen ist es der Bereiu „Ariel" in Bottuschan, welcher eine Gedächtnißfeier begeht. (AuS Preutzen.) Das preußische Abgeordnetenhaus zählt gegenwärtig nur einen jüdischen Abgeordneten, den Fabrikanten Ludwig Löwe. Bedeutet das etwa den Rückgang des AntlseinitismuS, von dem unsere sogenannte „Judenpresse" erzählt? — Die „Nordd. AUg. Ztg." theilte officiell mit, daß Seine Majestät der Kaiser der Witwe des verstorbenen Straßmann (jüdischen Stadt-Veroidneten in Berlin) keinen Kranz gesandt habe (entgegen den Berichten einiger Tagesblätter). (Bismarck und die Inden.) Wie Bismarck über die Inden denkt, können einige jüdische Bismarck-Schwärmer aus den Worten entnehmen, welche er einst im preußischen Landtage sprach: „Wenn ich mir als Repräsentant der geheiligten Majestät des Königs einen Juden denke, dem ich gehorchen soll, so muß ich bekennen, daß ich mich tief niedergedrückt uud gebeugt fühlen würde, daß mich die Freudigkeit und das aufrechte Ehrgefühl verlassen würden, mit welchen ich jetzt meine Pflichten gegen den Staat zu erfüllen bemüht bin. Ich theile diese Empsindung mit der Masse der niederen Schichte des Volkes und schäme mich dieser Gesellschaft nicht". Welche U»suinme von Verachtung liegt in diesen Worten! Und verdienten wir sie nicht in vollem Maße, wenn wir uns dem Volke, dessen größter Mann, dessen eiserner Kanzler so gesprochen, aufdringen wollten? (ÄUs Rußland.) Der Gouverneur von Polen, Gluck« hat laut einer Krakauer Meldung" den Antrag gestellt, aus Kamienec Podolsk alle Juden auszutreiben, welche nicht russische Unterthanen sind. (Der russische Schriftsteller) Nemirowitsch Dantschenko veröffentlicht unter dem Titel „Eine Woche bei den Daghistanischen Juden" im 1. Hefte des 17. Jahrganges der illustrirten Zeitschrift „Aus allen Weltiheilen" eine ebenso interessante als lehrreiche Schilderung dieser von ihren Stammesgenossen der ganzen Welt förmlich abgeschlossenen Juden. Der Raummangel unseres Blattes gestattet uns nicht, das Geistesproduct Dantschenkos zum Abdrucke zu bringen, jedoch können wir unseren Lesern die Lectüre dieses Aufsatzes nur wärmstens empfehlen. Dantschenko ist weder Semit, noch Philosemit, sondern ein seiner Wahrheitsliebe wegen in Rußland bekannter Schriftsteller und aus eben diesem Grunde würden wir auch unsere Herren Antisemiten bitten, diese Schilderung zu lesen — sie würden dann einen anderen Begriff von der Feigheit der Juden bekommen, d. h., wenn sie noch nicht mit der extrem-antisemitischen Blindheit geschlagen sind. (Makkabäer-Feier in Bialyitock). In dieser russischen Stadt, die eine ansehnliche Zahl von „Zionsfreunden" aufweist, wurde am 6. Chanukahtage eine Makkabäer-Feier abgehalten. Dieselbe fand im Hause des Arztes, Dr. Josef Chasanowitsch statt und nahm einen glänzenden Verlauf. Alle religiösen Parteien waren vertreten und saßen die Männer des starrsten Glaubens einträchtig und brüderlich zusammen mit den Männern der entschiedensten Aufklärung. Um 8 Uhr begann das Fest: Der Cantor, Herr Menkes, zündete die Chanukahlichter an und sang mit Chorbegleitung die dazu gehörigen lithurgischen Stücke. Dann sprachen Herr M. Markus und Chaim Jakob fiiemer in begeisternder Weise. Inzwischen war auch der Oberrabbiner der Stadt, Ehrwürden Herr Samuel M oh i l i w e r erschienen und von den Anwesenden ehrfurchtsvoll begrüßt worden. Um 11 Uhr ^begann das Banquett, während dessen Herr I. W o l l b e r g und Herr A. B e nt u w i n Reden in deutscher Sprache hielten uno der Cantor nationale Lieder sang (darunter „die Sehnsucht" aus der „Selbst-Emäncipation!", vom Herrn Cantor in Musik gesetzt). Der Oberrabbiner äußerte sich : „Wenn aus der nationalen Bewegung kein anderer Nutzen entstehen würde, als blos der, daß unsere Stammesgenoffen trotz