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Selbst-Emancipation · 1886-01-01 · Heft 1 (1.1.1886) · p. Seite 3

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1886
Issue
Heft 1 (1.1.1886)
Date
1886-01-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 1 Seid st-Emancipalion! höchste Zeit ist, von diesem Treiben abznlassen, da sie sonst von der "Weltgeschichte — und dies mit Recht — als Berräther, alsParias ihres Volkes behandelt werde» müßten. Darum köilueu -wir «ur vom Herzen wünschen, daß unsere verblendeten- Slammesgenossen in Böhmen sich lossagen mögen von ihrem veravscheuungSwürdigen Treiben, baß sie sich wieder zuwenden mögen der jüdisch-nationalen Fahne, daß sie sich anschließe» jenen Männern, welche die Belebung des jüdischen Vvtksthums mit der ganzen Lebenskraft anstreben. Denit nur van» können sic den Anspruch erheben, von den anderen Nationen geachtet zu werden! R. F—m. Assimilatorische j)inselstriche. Unwahrheit sagen ist gewiß keine jüdische Eigenschaft und ebensowenig eine polnische. Aber eine Eigenschaft jener in ihrer Kcckh.it g-wisse» bekannten Jnsecten gleichenden Poleuthnm-Schmarvtzer ist sie sicherlich; das beweijen die Erdichtungen und Entstellungen der Jordanpolen anläßlich der am 9. Decembcr in Stanislau siatigehabten Makkabäer- Feier. Die Beranftaltuiig dieses Festes weist unvei kciinvar auf das Fortschreiten der national-jüdischen Idee hin und diese Erfahrung venu sachte den guten „Polen" heftige Kopfschmerzen und rarhlos rieben sich die braven Leutchen ihre Orientnasen. Endlich kam den Herren ein guter Gedanke, zwar kein jüdischer, auch kein polnischer, aber ein polnisch-moiaischer : „As s imil irung der Makkabäer-Feier" war die Parole, die sie auSgabeu. Europa darf nicht zu hören bekommen, daß in Stanislau die Makkabäer als jüdische Nationalhelden gefeiert worden seien und so wurde von den P. T. Assimilanten in ihren Organen die Stanistaucr Makkabäer-Feier, unbekümmert um die Thatsachen, mit Assimilationsfarbe bepinselt, so daß jeden» Leser Thränen der Rührung über die flammende polnisch-nationale Begeisterung, die da auf der Stauislauer Makkabäer-Feier zu Tage trat, die Augen füllen mußten. Die „Oj—czyzna“ (wir greifen blos diese von ihren Collk ginnen heraus) leitet ihren Bericht über die Stanislaner Makkabäer-Feier damit ein, daß sie von „panjudaistischen Fanatikern" spricht, welche nach dem „bekannten Recepte der „Kadimah“ eine Makkabäerfeier veranstalteten, zu der dieselben Einladungen nur „in der heiligen deutschen Sprache" versandten und wo sie sich vollständig versammelten, ui» Reden Beifall zu zollen, deren Hauptgedanke wäre, „daß die Juden an nichts anderes zu denken hätten, als an Palästina und die heilige deutsche Sprache!" Nun sei die Absicht der Panjudaisten nicht gelungen, denn die Feier habe gar keinen national-jüdischen Anstrich gehabt: Der Festleiter. Herr Georg Schloß habe mit einer „rein familienartigen (rodzinns)" polnischen Ansprache den Abend eröffnet, Herr I. Münz habe ganz in polnischem Sinne gesprochen und dafür unermeßlichen Beifall geerntet; nur der Schlußredner, Herr Ingenieur M. Schloß habe „im Anschluß an das aus Wien zugeschickte Telegramm (gewiß von der „Kadimali“)" sich gegen die Assimilation erklärt, freilich vor rinem größtentheils leeren Saale. Die Lemberger Assimilautenpfeife klingt damit aus, daß sie den Paiijudaisten vocwirst, dieselben „wüßten selbst nicht, was sie mit ihren Tendenzen zu thun hätten und wie sie sie verstehen sollen" und eine ausführlichere Besprechung dieses Themas in nächster Nummer verspricht. — Wäre man bereits nicht an dergleichen Leistungen von Seiten unserer Professions-Affimilanten gewöhnt, es könnte einem ein Eckel ankommen vor diesem Sammelsurium von — na, lassen wir lieber die einzelnen Bezeichnungen! Ueber die boshafte, verleumderische Absicht, die in der Wahl des sonst nicht unpassenden Ausdruckes „Pcmjudaismus" liegt, haben wir bereits gesprochen. DaS Wort / „Fanatiker" verzeihen wir dem ehrenwerthen Scribler der »Jungfrau von Lwow"; .eS ist eine leichte Sache, dem. Gegner „Fanatismus" vorzuw-rfen, ba :maii ja bekanntlich in jeder Richtung fanatisch werden kann und der Fanatismus nicht gewissen Rictuungen eigen ist. Aber ein geradezu erbärmlichec Winkelzug der Leinberger jüoischen-Pmeniabrit ist der zweimal wiederholte Vorwurf der „zeitige» deutschen Sprache." Sind die Neupoleii der galizischeu Metropole so dumm, daß sie glauben, ihre Leser werden so albern ieinr zu meinen, man köime zugleich an „Palästina" und die „heilige deutsche Sprache" denken. Diese Dummheit trauen wir ihnen nicht z», oder sollten die Herren haben denunciren wollen? Das köiiiien wir doch beim besten Willen nicht glauben. Sollen etwa durch diese Beine, knng die Po> n gegen die galizischeu Ratio n a l j u den, die dem Polen Volke sicherlich anhänglicher nnd treuer sind als die von individueller Selbstsucht geleiteten Assimilanten. anfgestachelt werden? Wir h a,b e n es ja schon einmal a ns drücklich erklärt, daß uns der Deutschthum - S ch w i n d e l der Inden ebenso a »- widert wie der P o l e n t h u m - H u m b u g derselben und wiederholen das heute. Sollten aber unsere „polnischen Glaubensbrüder" kein Deutsch verstehen, so mögen sie sich's von einem Dolmetsch iu's Polnische, oder, ivas sie besser versteheil dürften, in'S Jüdisch- Deutsch übersetzen lassen und dann hinter die Ohren schreiben. Wen» also die Einladungen zur Makkabäer-Feier in Stanislau in deutscher Sprache adgefaßt waren, so geschah dies nur ans dem einfachen Grunde, damit die Eingeladenen den Inhalt der Einladung verständen. — Also Herr G. Schloß bat „rein familiär" gesprochen? Wie „rein familiär" siuo z. B. folgende Worte: „Nicht eine Geschichte ist es, die unserem Volke mangelt, denn schon zur Zeit der Griechen und Römer konnten die Juden eine erhabene Vergangenheit anfweise», geschweige jetzt. Eines, waS unserem Volke mangelt, ist das „» a t i o n a l e S e l b ft« bewußt sein!" — Noch „reiner familiär" ist es wohl auch, wenn Herr G. S ch l o ß sagt: „Sollen wir mit der Vernachlässigung unserer Stammesidee so lange warten, bis die letzte Spur der Nationalliebe aus unserem Herzen v-rschwunden rst? Nein, das dürfen wir nicht zulasten? Solange bas Fünkchen der Nationalliebe in jüdischen H.rzeu glimmt, soll und wird es unsere Aufgabe sein, ieje» Funken anzufachrn, bis er zur helle» Flamme anflodert und jeder Jude frei und stolz den übrigen Nationen znrufen wird: „Iwri anocM“, ich bin ein Jude Wie nennt man einen Bericht, der so wenig den Thatsachen entspricht, geeyrleste „Ojczyzna“? — — — — Herr M ü n z hat in polnischem Sinne gesprochen; warum? Weil er einen Toast auf Polen ausbrachte, das kann auch tut Nationaljnde und vielleicht auch mit Recht. — Ihre ganze Galle gießt aber di« Assimilationsmutter „Ojczyna“ über Herr» M. Schloß anS, der kühn und enffchiedeu genug ivar, nicht blos das nationale Judenthum als solches zu preisen, sondern die Femdin desselben, die Aisimilation in kräftigen Worten zu verdammen. Herr Schloß wird sich sicherlich auch nicht soriderlich von dem Ergüsse der „Ojczyna“ berührt fühlen, umjomehr, als die „große Leece" im Stanislaner Theatersaale während seiner Rede wohl nur auf Rechnung der Geistes- und Gemüthsleere des „Ojczyna“* Schreibers zu setzen ist. Wir appelliren von der schlecht unterrichteten „Ojczyna“ an die bester unterrichtete, mit folgender Behauptung : Laut Zeugenaussagen ist die Nachricht von der „großen Leere" während der Schlußrede des Herrn Schloß einfach eine grobe Unwahrheit; gerade das Gegenthcil war der Fall und war der Applaus bei vielen Stellen der Rede ein stürmischer. Die ganze Feier war also entschieden national und wenn die Rede des Herrn

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