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Selbst-Emancipation · 1886-01-01 · Heft 1 (1.1.1886) · p. Seite 2

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1886
Issue
Heft 1 (1.1.1886)
Date
1886-01-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Selbst-Emancipatio »! Nr. 1_ ohne Len die. beiden anderen nie im Stande gewesen wären, eine Erscheinung von solcher charakteristischer Eigenthümlichkeit in's Leben zu rufen, als es der „Judenhaß" ist. — Dieser dritte und wichtigste Factor ist die — „Wände rschaft" das jüdischen Volk cs. Zur-Scheu vor religiösen Grundsätzen, die man nicht billigt, zur Abneigung gegen eine fremde Nace, deren Denken und Fühlen man nicht begreift, mußten noch andere Umstände hinzutreten, damit der so absonderliche „Judenhaß" entstehe. Erst dadurch, daß die Berührung der gegen, faßlichen Elemente eine fortwährende geworden ist, daher stets der Gegensatz hervortritt, daß ferner der jüdische Stamm auf Gnade und Ungnade den Völkern überliefert ist, was deren Hochniuth reizt und zur gänzlichen Unterdrückung der Wehrlosen treibt, durch alles das erst wurde der „Nationalhaß gegen die Juden" zum „Judenhaß." Der jüdische Stamm, dem die Natur eine unbesiegbare LebenskraftundZähigkeit gegeben hat, dessen AssimilirungsunMöglichkeit eine ausgemachte, durch die Geschichte bewiesene Thatsache ist, war in dem Augenblicke, der unglücklichste des Erdballs geworden, in welchem ihn sein Schicksal von seiner Scholle loslöste und unter die Völker der Erde zerstreute, unfähig, unter ihnen zu verschwinden und daher ihnen ein ewiger Stein des Anstoßes, daher ihnen der Gegenstand eines fürchterlichen Hasses, eines Hasses, der durch die verschiedenartigsten Beimischungen seine Eigenthümlichkeit erhält. Abergläubische Furcht, Neid, Hochmuth, Geringschätzung sind die Würzen dieses Hasses. Und sollte es kein Mittel geben, die drückende Last des „Judenhasses" von den Schultern unseres gejagten Volkes zu nehmen? Sollen wir den» ewig die thatsäch« lichen Parias der europäischen Gesellschaft abgeben müssen, sollen wir denn ewig und nirgends gut gelitten, auf der weiten Welt umherwandern? S o l l d e n n st e t S der Name „Jude" ein Brandmal bleiben, dessen sich derjenige, der eS trägt, schämen muß? Sollte es denn nicht möglich sein, die Bürde dieses phänomenalen Haffes mit einem kräftigen Ruck abzuschütteln, d. h. durch frisches und kühnes Unternehmen unserem.zweitausendjährigen Wandern ein Ende zu bereiten? Einem Stamme von der. Geistesgrwandtheit und Erfahrung, als es der unsrige ist, muß, wenn er nur mrl Muth und Thatkrast darangeht, auch dieses große Werk gelingen; gelingt es aber, furchen einmal von jüdisch enBau er n Händen geführtePflüge allenthalben d i e G e f i l d e K a n a a n s, dann hat das letzt e Stünd le in des s o e ig e n artige n „Judenhasses" geschlagen. Nachum Natlaan Agassi, Die Juden in Böhmen. Nirgends dürfte der das Volksthum selbst tief sch ädigende Nationalitäten streit eine größere Rolle spiele», als im österreichischen Kronlande Böhmen, wo sich zwei Volksstämme in fast gleicher Einwohnerzahl feindlich gegenüberstehen. .Es kann nicht unsere Sache sein, ein Urtheil darüber abzugeben, welcher von diesen beiden. Volksstämmen die Fackel der Zwietracht angezündet; ebensowenig wollen wir über einige gewissenlose Führer der Deutschen und Czechen richten, welche sich in dem Bestreben, die feindlichen nationalen Gegensätze in unerhörter Weise zu verschärfen, gegenseitig mit einem Eifer überbieten, der wohl einer besseren Sache würdig wäre. Vielmehr wollen wir uns.heute (auf Wunsch vieler Leser) mit der Stellung unserer , in Böhmen ansäßigen Stammesgenossen den nationalen Kämpfen gegenüber beschäftigen. Daß dieses Thema kein dankbares Feld bietet, wird wohl. Jedem einleuchtend der die Gelegenheit hatte, zu beobachten, welch' beklagenswerthe, traurige Rolle die böhmischen Juden in den letzten zwei Decennien gespielt. Und — dieser Vorwurf muß ihnen vor Allem entgegengehalten werden: sie waren und sind gegenwärtig noch Werkzeuge der obenerwähnten arischen Bolksstämme, welche die Juden Böhmens jederzeit zu ihren nationalen Sondcrzwecken ausbeutet«'». Wie Blinde leistete» die Juden den Deutsch- und Czechisch-Nationalen Heerfolge, nicht bedenkend, daß, indem sie diesen Sirenengesängen nachliefen, in eine Sackgasse gelangen müssen, aus der heraüszufinden fast ein Ding der Unmöglichkeit ist. Die Folgen dieser unwürdigen Stellung aber zeigen sich bereits. Czechen und Deutsche sind antisemitisch gesinnt und wenn auch nicht Alle diese ihre Gesinnung zum Ausdrucke bringen, so geschieht dies wieder nur aus egoistischen Motiven. Wissen ja doch die Führer dieser Nationalitäten, daß die Juden der großen Mehrzahl nach im Besitze des active» Wahlrechtes sind; bei den Wablen in den Reichsrath, in den Landtag, in die Handelskammern, in den Gemeinderath rc. beginnt ein edler Wettstreit um die Stimmen der Juden. Daß dann jene Nationalität, zu deren Ungunsien sich die Inden entschieden haben, gegen die Inden auftritt, ist eine Thatsache, die unseren Stammesgenoffen in Böhmen nicht nur in materieller, sondern auch in moralischer Beziehung zum Nachthcile gereicht. Man begebe sich nur einmal in den überwiegend deutschen Egerer Kreis und lausche dort den keineswegs ehrenhaften Bemerkungen, die über die Juden gemacht werden. Muß nicht jedem wahren Juden das Herz bluten, wenn er Vorgänge, wie z. B. bei der letzten Reichsrathswahl im Städtewahlbezirk Budweis mitansieht, wenn er beobachtet, daß Söhne des eigene» Stammes anderer Nationalitäten wegen sich befehden? Oder ist es nicht eine Selbstschändung der eigenen Nationalität, wenn die Juden Prags oder Budweis in den Wirthshäusern rufen: „Wir Deutsche sind von den Czechen bedroht, sie wollen Böhmen czechisiren l" oder wenn ein anderer Jude mit den czeckischen Lauten Schimpfworts gegen die Deutschen ausstoßt und sich als Urczeche grberdet? Aber nicht genug an Diesem. Die „daitschen" Juden Böhmens widmen jährlich tausende Gulden dem Deutschen Schulderem. Wäre es nicht viel edler, viel mehr Selbstachtung, wenn diese Herren dieses Geld jenen Talmud-Thora-Schulen widmen würden, welche, der im Judenthuiue herrschenden Indolenz wegen, financiell so schlecht stehen, daß ihre Lebensfähigkeit nur mehr eine Frage von. Tagen ist. Es ist wohl sehr schön,'' Hienn man mit anderen Nationalitäten und deren Institutionen sMr<" pathisirt, aber wir möchten diesen Herren vi^AllsMMin altes Wahrwort in's Gedächtniß rufen: „Das^^^^Wgt mir näher als der Rock". Der Dank, welchen die Juden von den^^^^Wl Böhmens erhofften, wurde ihnen bereits seiir^WW^m Abgeordneten Knotz in Form einer nichts weW^^ als schmeichelhaften Rede abgestattet und auch die Czec^W haben sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, ihne^»iii der „Politik" und den „Aaroäny Listy“ in Münze eine Bezahlung zukommen zu lassen. Auch^^W^n manchen Juden Böhmens hochgeschätzte und l.^^«en Deutschen meistgehaßte Abgeordnete Heinrich hW^ den Inden bereits.in seinem am.l. Juni 1877 ersctMiienen „Quintilian“ einige sehr hart klingende Worte 1» die Ohren gellen lassen. Und die Prager „Politik" faHid am letzten Freitag das Bedürfnis den Juden diese Wrcdigt nochmals wörtlich vorzuführcn. I Aus all'. dem eben Gesagten wird Jeder,, der» noch eine kleine Dosis gesunden Menschenverstandes besitz«, die Ueberzeugung gewinnen, daß die- Juden Böhmens eine schmachvolle, nichtswürdige Rolle spielen und daß^« die

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