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Selbst-Emancipation · 1885-12-17 · Heft 22 (17.12.1885) · p. Seite 5

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1885
Issue
Heft 22 (17.12.1885)
Date
1885-12-17
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 22 Srlbst- Emanc i pat i o»! Srite 5 sucht, gedankenlosen VorurtheilS und falscher, S ch a m. Nichts kann uuS geschehen, denn der Panzer der Bolksliebe ist stärker alS die giftigen Pfeile unserer gegnerischen Stammesgenossen und wir werden, — das erwiedere ich heute öffentlich bei dieser festlichen Gelegenheit als Obmann dieses Vereines auf verschiedene Drohungen. — w i r werden nicht wanken, nicht weichen, auch wenn eine wahre Sturmfluth von GiftLeschosse» auf uns Hera »brausen sollte. (Bravo!) Im Kampfe um die heiligsten Jntereffen unseres Stammes werden wir vor keinem Feinde erbeben, wer auch sei» mag. (Beifall.) Wir werde» in unseren Bestrebungen sortfahren, und mit jedem jüdischen Herzen, das wir dem characterlosen Taumel der Affimilation entreißen werden, wird im Bewußtsein, eine gute That verübt zu habe», unser Wiederstanoswille sich stärken. (Stürmischer (Beifall.) Aber wir werden nicht blos kämpfen, wir werden auch siegen! Wenn wir nur mit voller nationaler Hingebung, mit glühender patriotischer Begeisterung, mit einer alle Schwierigkeiten überwindenden Zähigkeit in den Kampf ziehen werden, dann wird er und muß er so glorreich enden, als der unvergleichliche Makkabärrkampf vor zwei Jahrtausenden. Unausbleiblich muß dann das mannesstolze Selbstbewußtsein triumphiren über'die sclavische Kriecherei, die wahre BolkSfreiheit über einen trügerischen Freiheitsschimmer, der Drangnach gesicherter nationaler Existenz über das Haschen nach weiterwendischen Glücksgütern. Oder ist unser Volk nicht mehr im Stande, sich zu dem Grade von Hingebung, Patriotismus und Zähigkeit emporzuschwinge». der für einen solchen Erfolg nothwendig ist? Ich glaube, daß selbst der verstockteste Affimilant nicht die Behauptung wagen werde, das jüdische Volk stehe in dieser Beziehung tiefer a>s die kleinsten und rühmlosesten Nationen. (Sehr richtig!) Ja, die nationale Wiederausrichtung Israels wird zur Wirklichkrit werden. Sie wird es werden, trotzdem sie von der belhörten Affimilationsheerde und ihren bethöreuden Leithammeln eine Utopie, eine Schwämerci genannt wird. (Lebhafter Beifall.) Wenn die jüdisch-nationale Idee wirklich eine Schwärmerei fein f o 111 r, daun sind auch überhaupt männliche Characterstärke und männlicherMuth, p r a c t i s ch e Unt e r» e h mung s l n st und entschiedenes Vorgehen — Verirrungen der menschlichen Phantasie, während alle die sauberen Bestandtheileder A s s i in i l a t i o n S s u ch t, nämlich veriverfliche Feigheit und verächtliche Charakterlosigkeit . Aus einer Ecke des Saales, wo etwa 20 oder 30 assimilatorische Studenten sich gesammelt haben, dringt ein schüchterner Oho-Rnf. Die Versammlung, erhebt sich überrascht; im nächsten Augenblicke aber folgt als Gegendemonstration gegen den Störenfried ein ungeheurer Beisallsorkan auf allen Seiten des großen Raunies, den jedoch der Redner in höchster Erregung überschreit, indem er, mit dem Finger nach der Gruppe zeigend, aus deren Mitte das „Oho!“ gekommen war, seine letzten Worte mit starker Betonung wiederholt: .nämlich verwerfliche Feigheit und verächtliche Charakterlosigkeit, t h e or e t i s ch e s P h r a s e » g e f l u n k e r und u n e n t s ch irden er Wan kelmurh zu den Kennzeichen eines kühl denkenden Verstandes gehören müßten. (Franetischer. minutenlanger Applaus.) Es ist zu komisch, Leute.; die trotz gegentheiligcr Erfahrungen von Jahrtausenden noch immer im Wahne lebe», ihre Stammeseig-nart zu Gunsten Anderer aufgeben zu können, von „Utopie" reden zu hören. (Richtig!) Doch kehren wir uns nicht an diese falschen Pcofeten, bleiben wir treu unserem Vorsatze, daran mitzuärbeiteii, daß das jüdische Volk aus seiner lächerlichen Rolle, in die eS seine Verführer gebracht, zu jener würdigen, geartete» Stellung unter den Nationen wieder zurückgeleitet werde, die es einst in»e gehabt und die es vermöge seiner culturellen Leistungen und seiner Begabung verdient! (Lebhafte Bravorufe.) Bleiben wir treu diesem Vorsatze und wir können hoffen, daß nicht mehr tausende Jahre unser Volt von den herrlichen Zukunststagen nationalen Glückes trennen und daß in nicht allzuserner Zeit nicht mehrhunderte^Meilen zwischen ihm und den gesegneten Fluren des Landes liegen werden, in dem der große Makkabäer und seine Heldenschaaren gewandelte.. (Langhanhaltender, rauschender Beifall und Händeklatschen; Redner wird allseits beglückwünscht.) Mit dieser Rede war der erste Thcil des Programmes erledigt und wurde nun mit dem zweiten — musikalisch-deklamatorische Soiree — begonnen. Gleich die erste Nummer: Vortrag der Pianistin, Frl. Louise Bodenstein (Concert itade la CampaneUa von Liszt), fand ungetheilten. wohlverdienten Beifall. Wie immer bei den nationalen Festen waren auch dieses Mal die Gesangsleistungen der Opernsängerin. Frl. Anna R o s n o w a (Große Arie der Agathe aus „Freischütz" und Kerkerarie aus „Troubadour"), eine Zierde der Feier. Die Leistungen des Violinvirtuosen. Herr» Wilh. N e u m a » n (Faust, Phantasie von D. Alart und Militär-Concert von Liprnski), verriethen den Künstler und wurden mit stürmischem Applaus aufgeiiomme». Die Gesangsnummer des Herrn Adolf Schwarz („Der Postilloil von Lonjumean" von Adam) fand reichlichen Beifall. Die Declamationen des Herrn sdnä. jur. Arnold Ascher („Die Hochzeitsfackel" aus Nr. 11 der „Selbst-Emancipation!"). sowie des Herrn stud. phil. Jacob Kopelowitz (Malach. hamaschchifch Vjehudi hanizchi, verfaßt vom Declamator) wurden beifällig ausgenommen. Eine der Glanznummern der Soirse war aber unstreitig der humoristische Vortrag des Herrn Prof. N a s ch s r: „Sprachlogik im Dienste des Humors", der die Lachmuskeln der Zuhörer in einemfort in Bewegung setzte und der mit einer gelungen improvisirten Verherrlichung des Vereines „Kadimah“ schloß. Um Mitternacht war auch der zweite Theil der Feier erledigt und es folgte als dritter Punkt ein animirtes Tanzkränzche», das bis nach 3 Uhr Morgens währte. * ’ * Von den zahlreich ringelaufene» Zuschriften und Telegrammen, die auch während des Commerses vorgelesen wurden, seien heivorgehoben diejenigen von: Verein „Ariel" in Bottuschan; Verein „Llikra Kodesch“ in Lemberg; jüdische» Polytechniker-Vereine in Riga (Brüderlichen Gruß unseren Brüdern in Israel — noch die ewige Nation. Unser Verein »nd seine Gäste trinken auf's Wohl der BKadimah“ und wünschen ihr Leben und Gedeihen); Warschauer „Zionsfreunden" (Grüßen Sie, schließen uns der Feier an); Verein „Ahavass Zijon“ in Hamburg (Nafachenu benafachecham, achej Zijon, nikscboroh —• kömauchem komaunu lijeruscholojim enenu — liwnaus hanaohamoh borem hoatoroh — bijmeohem ubejomenu tibone atzena *); Commis- und Buchhalter-Verein in Stanislau (Der jüdischnationale Commis- und Bnchhalter-Berein in Stanislau feiert mit 11 1 Euch vereint unsere glorreichen Makkabäer); Lemberc.ier Kadimah» >1 iier-Club;,Gesiniulngsge»öffische Akademikern in Tarnower;. > „Drohobyczer Zeitung"; Ehrw. Herrn Samuel M o hil i w e r, Ober-Rabbiner von Bialystok und Alters-Prästdent des Montefiore-Verbundes; Ehrwürden Herrn Dr. I. Rn l f, Rabbiner in Memel; den Herrei« Dr. Rüben Vierer, Jacob M. A l k a l a h, Lazar F r i e d m a n n in Belgrad; Herrn Dr. Carl L i p p e in Jasih. — Vom akademischen Vereine für jüdische Geschichte und Literatur zu Dorpat langte post festum eine Zuschrift ein. N/rkkabäer - Feier des Wereirres „Mikra Kodesch“ irr Lerrrbsvg am Uusgange des SchabbathChanukah 5646 (5.Iecemöer1885). - (Driginal-Bericht der „Selbst-Lmancixation l") Bereits eine Stunde vor Beginn der Feier waren die Säle derart von Festgäste» gefüllt, daß es nur Wenigen der später Ankommenden gelang, sich mit großer Mühe ein bescheidenes Plätzchen zu erstürmen. Eine beträchtliche Anzahl von Gästen mußte den Heimweg antrcten. — Nach 7 Uhr begann die Feier mit einer vom Vereinscassier, Herr» L e w i n in hebräischer Sprache gehaltene» *) Unsere Seelen sind an Eure geknüpft, Zionsbrüder — Eure sowie unsere Augen sind gerichtet nach Jerusalem — anszubauen die Trümmer, zu erheben die Krone; — in Euren Tagen und in unser» erblühe unser Land. /

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