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Selbst-Emancipation · 1885-12-17 · Heft 22 (17.12.1885) · p. Seite 4

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1885
Issue
Heft 22 (17.12.1885)
Date
1885-12-17
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 S eb st - E m au c i p a t i o »! Nr. 22 alem vom syrischen Joche. Den iviederholtcn Kämpfen deS in der Kriegskunst ergrauten syrischen Heeres vermochte Jehudah Makkabi auf die Dauer Stand zu Hallen. Die erlittenen Niederlagen lehrten den Feind in den Juden eine w i e d e r st a n d S s ä h i g e, muth ig c, freiheitslieb c.n de Nation erkennen (BravoI); auch ein Theil der dem Hellenismus ergebenen StamineSgenossen erblickte in Jehudah den Erlöser, den Erretter des jüdischen Volkes undv.rließ den bis nun gewandelten und in's Verderben führenden Weg.. Während Jehudah Makkabi an die Wiedereinweihung des geschändete» Tempels gieng, drang der fürchterliche BakchldeS mit einer starken Heeresmacht in Judäa ein, plünderte und verwüstete, war er nur betrat und erfüllte die Hebräer mit Furcht und Berzweifliulg. — Da war eS wiederum Jehudah Makkabi, welcher mit einem Häuflein treuer, todesmuthiger Anhänger gegen den mächtigen Feind zog. Das eigene Leben in die Schanze setzend, kämpfte er für Freiheit, Unabhängigkeit, für das heilige Land; er kämpfie, bis er auf dem Schlachtfelde von Eleasa seine Heldcnseele aushauchie. Als Held hatJehuda gelebt, als Held ist Jehudah gestorben, als Held, welcher Großes gewollt. Großes vollbracht und dessen Gei st selb st die physische Gewalt bezwang! Auch noch größere Männer hat daS Jndenthum aufzuweisen, äberkeine», demseinLand, sein Volk thenerer war! Jehudah Makkvbi darf es für sich in Anspruch nehmen, der Erste gewesen zu sein, der dem im Hellenismus verfallenen Judenthnme die jüdische Volksseele wieder Vorgefühl t h e t, zu einer Zeit, da die höchsten Güter der jüdischen Nation aus dem Spiele standen. (Richtig!) Wir feiern daher heute nicht nur jenen Feldherrn Jehudah, wir feiern heute vielmehr jenen jüdischen Patrioten, je nenn »verfälschten Ratio naljuden Makkabi, der selbst in Zeiten tiefsten Niederganges an dem Gestirn seines Vaterlandes, seiner geliebten Nation nicht verzweifelte. (Bravo!) Die Bedeuinng des heutigen Festes wird nur derjenige ganz erfassen, welcher historisch zu denke» vermag, nicht aber die große Masse, der die Kenntniß der jüdischen Geschichte fehlt und der auch daher das Bewußtsein des Zusammenhanges - jenes historischen Ereignisses mit der Gegenwart mangelt. (Richtig!) Damals war es der Hellenismus, der das Jndenthum zu verschlingen drohte, jetzt ist es die moderne Assimilation, die den Selbstmord anstrebt. (Lebhafter Beifall.) Damalswaren er die Makkabäer, d i e d aS Jndenthum dem f ich e reu T o d e e » t r i s s e », j e tz t f i n d r s d i e jüdischnationalenVereine, die im Sinne der Makkabäer oasJudenthum vor dem Selb st morde warne ».- (Stürmischer Beifall.) Damals waren es die Syrier, die das jüdische Bock zu vernichten sich bemühten, jetzt sind es die Antisemiten, die die Jude» wie eine hergelaufene Horde behandeln. (Sehr richtig.) Und diesem schändlichen Treibe» unserer Feinde, den selbst-. . mörderische» Bestrebungen unserer StamineSgenossen sollen wir mit Gleichgiltigkeit zusehe»? (Nein.) Hat der moderne Antisemitismus, der nur der Assimilationssucht entstammt, noch wenig Unheil gestiftet? (Zu viel schon! Bravo!) Sollen wir thatlos so lange warten, bis auch diejenigen Ortschasten, wo, die Juden sich weniger über Unterdrückung zu beklagen haben, von der Giftjaat heimgejucht werden? (Bewegung.) Werden denn nie die A s sim ila t o r e u ein sehen, daß in den civilisirten Staaten sie es sind, die durch i h r e Zudringlichkeit das Wohl der Juden schädigen und den Ruf des eigenen Volkes untergraben? (Stürmische Bravorufe.) Sollte die Stimme des Warners ungehört verhallen? Oh nein! Die Fortschritte, die der jüdisch nationale Gedanke und die Zionsidee seit der Zeit des Anstauchens des akademischen Vereines „Kadimafc", gemacht haben, berechtigen uns zur Hoffnung, daß die Zeit nicht mehr ferne sei, woselbst die Affimilaiionshelden offen und frei sich zur jüdischen Nation bekennen und auf den einzigen, erlösenden, heilversprcchenden Weg ihr Augenmerk richten werde», de» Weg, den hervorragende, vielerfahrene für daS Jndcnthnin sich aufopfernde Männer eingeschlagea, den Weg auf welchem sich Schaareu begeisterter Stammesgenoffen aus allen Länder» die Hände reichen, d.en Weg zur Selb st e mancipatio n, zur Gründung eines Zufluchtsortes für das bedrängte Israel, de »Weg zur Wieder b e leb ung Palästinas. (Brausender Beifall und miiimeiilairges Händeklaischen.) Bis dahin werden wir Nationaljuden rastlos wirken im guten Glauben an die gerechte Sache, die wir verfechten, im guten Glauben daran, daß wir aus dem nie versiegenden Born, der Liebe zu unserem Volke Kraft für den Kämpf schöpfen werden. In der festen Ucberzeugnng, daß der Genius des Judenthums ihm eine erhabene Lösung seiner tausendjährigen Wanderschaft Vorbehalten, wollen -wir kämpfend für dar' Jndenthum, für die Ehre und Würde unseres Volkes, für dessen ge i.stig e Entwicklung zuve rsichtlich ausharren und auch hoffen, den Tag des Sieges zu erleben! (Nichtendenwollender, begeisterter Beifall und Händeklatschen; Redner wird von allen Seilen beglückwünscht.) Nachdem sich der dieser Rede folgende Beifallssturm gelegt hatte, wurde daS Chorlied: „Wißt Ihr, woher die Einheit stammt?" gesuugeu. Hierauf ergriff Herr stud. phil. Jthamar Eidelbe rg das Wort' zur hebräischen Festrede. Diese, durch Formvollendung und Gedankenschärfe sowie nationalen Gehalt sich auszeichnend, wurde an vielen Stellen durch Beifallsrllfe unterbrochen. Der hebräischen Festrede folgte der Chorgesang: „Wohl war einst unser Zion..." und hierauf die Schlußrededie vom Vereins- Präses, Herrn ssud. jur. Nathan Birnbaum gesprochen wurde. Sie lautete: H o ch a n s e h n l i ch e V e r s a in m l n u g! SehrgeehrteFestgäste! C o m m i l i t o n e n! Tausende Jahre trenne» uns von jenen herrlichen Tagen nationaler Selbstständiqkeit,. deren einstige Erinnerung mir heute feiern, Hunderte Meilen'von de» gesegneten Flure» des Landes, in dem wir dieselbe gcnoßen. Wir sind einstweilen zum Volke geworden, das ruhelos Jahrtaus.»de und Welttheile durchwandert und auf seiner ewigen Wanderung nicht Zeit hat, dem Schmerze über das Verlorene, oder der Hoffnung am das Wiederzuerlaugende Raum zu geben. Nur dann, wenn im Kreislaui der Jahre di- Tage wiederkehrcn, an denen uns einst Lust oder Leid zu Theil geworden — nur dann raffen wir uns aus gegen die gewaltige Kraft, die uns durch weile Zeiträume und Länderstrecken sch euderi und erzwingen unS Halt, damit wir forschend um n»S blicken können. Heil nun demjenigen, dessen Blick dann nicht blos das Nächstliegende streift, sondern secnsichtig die liestge Reihe der Jahre und Meilen durcheilt t Heil demjenigen, dem an solchen Erittilerungstagen unsere glänzende Vergangenheit und unsere einstige Heimat vor Augen schwebt, der dann . durch eine» raschen Blick den Weg zu erspähe» sucht, welcher zurück uns führe» soll in glückliche Zeiten und in's h eilige Vaterland. (Stürmischer Beifall.) Bedauernswertst aber diejenigen, die auch an solchen Rasttagen deS Jahres nicht über die Schranken zu sehen vermögen, welche ihnen ihre Bequemlichkeit und ihr Eigennutz, ihre Beschränktheit und ihr Borurtheil gesetzt haben. Bedaueruswerth diejenigen, die auch an den Channkahtagen keine Ahnung unserer einstigen naliollalen Herrlichkeit durchzittert, die auch am Makkabäerseste nicht der Wunsch nach deren Wiedererlangung beseelt. Lassen Sie nns, hochansehnliche Versammlung, mcht zu jenen Bedauernswertsten gevören I Wie niis der neunte Tag des Monates Aw iu das erinnern soll, was wir verloren haben, so sollen unS die letzten Tage des Monates Kialew die Mittel zeige», durch die wir es wieder finden können, (sehr richtig!) Schauen wir zurück in die Makkabäerzeit. Wir sehe» da, . einer taiisendköpfigen, lückisch cu Schlange gleich, die Assimilation ihre zischenden Zungen nach dem jüdischen Bolkslhuine ausstrecke», um das tödtllche Gifc aus tausenden Quellen ihm emzuträuseln; wir sehen eine kleine Schaar.ünter der Führung eines gottbegnadeten Helden gegen das scheußliche Ungetbüm sich erheben; wir sehen, wie dieses Häuflein na h muthigem Kampfe den edleir Wurm unbarmherzig zertritt, so daß er elend im Staube seiner GefinnüngsNiedrigkeit verendet. (Bravo.) Und wenn wir das alles sehen, können wir noch einen Augenblick darüber im Unklaren sein, was wir heute zn thun haben? Dürfen wir noch eine S-cunde schwanken, de» Makkabäern »achzustreben? Nimmermehr! Man glaube aber nicht, daß das Häuflein der Kadimahuer sich erkühne, an die Riesengröße der Makkabäer hiiiaiizureichen. Ferne sei solche Selbstüberhebung von uns; aber die stolze Hoffnung schwillt unsere Brust, daß wir, vom makkabäischen Geiste geleitet, von flammeilder, unauslöschlicher Liebe zu unserem Volke, seinem Lande, seiner Sprache und seine» Ideen beseelt, auch unsererseits beitragen werden zur Zermalmung des jetzigen Affimilatioiisdrachens und zu Israels nationaler Aiifcrstehllilg. (Lebhafter Beifall.) Als wir heute vor zwei Jahren die erste nationale Makkabäerfeier i» Wien veranstalteten, standen wir so ziemlich vereinsamt da in dieser Stadt, aber die HoffnniigSfreudigkeit verließ unS nicht und unsere Standhaftigkeit, sollte belohnt werde», denn heute stehen, durch den Zioilsgevanken mit uns verbunden, drei jüngere Geschioister uns zur Seite, „Zukunft", „Admath Jeschurim“ und die liebliche „blirjam". (Stürmische Bravorufe.) Bor zwei Jahren waren es nur vereinzelte Männer im AaSlande, die uns ihre Ueberzeugang eingeimpft hatten und sie allein mit uns theilten, heute fühlen Hunderttausende in ollen.Ländern Europas wie wir, heute sind bereits die ersten Schritte gemacht vom Gesanken zur That und sind glücklich gelmige». Sollte sich also jetzt unser kadimahnischer Muth nicht verooppeln? Sollten wir bei fo günstigen Aussichten nicht alle unsere Kräfte anspannen für den modernen Makkabäerkampf? „Ja!" ruft es in uns mit Donnerstärke und muthig stürzen wir wieder in den heißen K a mp f m it d e n d ü »k e l n Elementen kleinlicher Eitelkeit, niedriger Selbst-

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