Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1885
- Issue
- Heft 22 (17.12.1885)
- Date
- 1885-12-17
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Nr. 22 Selbst - E mancipatio«! Begrüßungsrede. Hierauf declasnirte das Ausschußmitglied, Herr Stand unter stürmischem Beifalle das Gedicht „Makkabi's Geist!" aus Nr. 21 der „Selbst-Emancipation!" Viele Stellen dieses überaus zündenden Gedichtes wurden vom Publicum mit oft minutenlang anhalteud-n Bravo-Rufen begrüßt, so daß der Deklamator öfters innehalten mußte. Den dritten Punkt des Programmes füllte die erste Festrede des Vereinspräses Sr. Ehrw. Herrn Rabb. Dr. Kodak aus, in welcher mit historischer Genauigkeit und treffender Kritik das Verhältniß der Assimilatoren von Einst — und Jetzt und deren verderbliches Wirken auf die Entwicklung des jüdischen.Geistes geschildert, sowie auch die Verharrung in diesem Corruptionssystem als einem dem Selbstmorde nicht unähnlichen mit aufrichtiger Entrüstung gegeißelt wurde. Die Rede des Dr. Kodak übte einen mächtigen Eindruck auf die Festgäste aus! Nach Schluß der Rede folgte das Auzünden der Chanukahlichter. In der nun eingetrelenen Zwischenpause verlas Herr Stand unter den lebhaften Beifallsbezeugungen der Zuhörer die eingelaufenen Beglückwünschungs-Zuschriften und -Telegramme, namentlich von Sr, Ehrw. Herrn Samuel Mohiliwer, Ober-Rabbiner von Bialystok und Alterspräsidenten des Montefiore-Verbandes (hebr.); Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner Dr. Rülf in Memel; vom Ehreumitgliede Herrn Dr. Rüben Vierer, kgl. serb. Stadtarzt in Belgrad (nichtenbeuwollendc Hochrufe); vo.n Schriftsteller Herrn Dr. K. Lippe in Jassy, vom Herausgeber der „Selbst- Emancipalivn!", Herrn Nathan Birnbaum (frenetischer Beifall; Rufe: „Hoch LackimastZ"), vom Vereine jüdischer junger Damen „Mrjgur" in Wien (begeisterte Hochrufe), vom Vereine jüdischer junger Männer „Zukunft" in Wien, vom Vereine „^rrsl" in Bottuschan (hebr.), vom Colonisations-Vereinc ckssolmrrm" Ul Wien (Znm heutigen Feste unsere herzlichsten Glückwünsche. Slämmesgenossen! Kämpfet muthig für die nationale Sache, denn Makkabäergeist und Liebe zum heiligen Laude müssen siegen!) vom Vereine „^Lavass 2ijorr" in Hamburg (dem Bruderverein herzlichen Glückwtmich); vom Coinnüs- und Buch- Halter-Verrine in Stanislau (Zur stattfindenden Makkabäer- Feier senden Ihnen unseren Brudergruß! Hoch dem jüdi-. scheu Nationalgeist!). — Lssbrurr langten noch Zuschriften von den jüdischnationalen Vereinen „Lackiinslr" in Wien (hebr.) mrd „Lijoir" in Heidelberg an. Nachdem sich die. enthusiastischen Beifallsbezeugungeil ein wenig gelegt Hatten, brachte der hebräische Schriftführer, Herr Rohatiner ein humoristisches Chanukah-Gcdicht (hebr. und Jargon) zum Vorträge, das große Heiterkeit unter dem Publicum hervorrief! Die zweite Festrede hielt der Herausgeber der hebräischen Zeitschrift „8s.jk»,1ia,ärlbli", Herr Brandes, die ihrer packevden Gleichnisse wegen mit stürmischem Beifalle ausgenommen wurde. Namentlich betonte Redner, daß die Juden ihren Nationalhelden keine Denkmäler aus Erz und Steine errichten, . die dem Zahne der Zeit früher oder später erliegen, müssen; die Juden widme» ihren Heroen. Chanukah-Lichtlein, die aber Jahrtausende brennen und die Thaten jener großen Männer stets im frischen Andenken bewahre». Große Sensation verursachte die von Herrn stuck, jur. Feld im Vereine mit Herrn Brau des ve»faßte und vom Elfteren mit Wärme., uird Gefühl vor getragene Ballade: „D ieErschei n u n g." Das Schlußwort sprach Herr 8tmä. gär. Ä u e r b a ch; derselbe forderte in kräftigen Worten zur Ausdauer im Kampfe für die nanvnale Sache auf, wies auf das unerschrockene und selbstbewußte Wirken der Wiener Jugend hin und schloß mit der Versicherung, daß dieser dornenvolle Pfad endlich za einem glänzenden Ziele.führen werde. Die Versammlung ging in gehobener Stimmung auseinander und wird sich noch lange des genußreichen Abends erinnern können! Eines möge noch erwähnt werden! Die renommirte jüdische Civil-Capeile Bogen unterließ eS nicht, während der Feier mit einem höchst gelungenen Ständchen die Anwesenden ganz unerwarteter Weise zu überraschen. Es braucht wohl nicht erst erwähnt zu werden, daß diese schöne Aufmerksamkeit sehr.günstig ausgenommen wurde. ' —x.— Makkabäer-Feier des Commis- und Buchhalter-Vereines in Stanislau. Loik Okanukati 5646. (d. Jecember 1885). (Driginalbericht der „Selbst-Linancixationl") Das Fest eröffnete Herr Ingenieur G. Schloß um 8 Uhr Abends. Er betonte, daß die Festreden eigentlich in hebräischer Sprache gehalten werden sollten. Da jedoch Wenige dieses treffen würden, so sollte es die polnische Sprache sein, derer man sich zu bedienen hätte. Da aber das geehrte Publicum nur zu kleinem Thcile die Landessprache verstünde, sehe er sich bemüssigt, dasselbe in deutscher Sprache auf's freundlichste zu begrüßen. Redner versuchte nun mit seinen Worten das S-lbstbewußtsein in der Brust der Zuhörer anzufachen, indem ec sie auffordert, streng an der nationalen Tradition festzuhalten und begeistert auSrief: Ivri unoovi (Ich bin ein Hebräer!) Der Rede folgte das schöne Lied „Am Meer", gesungen von ' Herrn H. Schorr mit Clavierbegleitung seines Frl. Tochter, Rosa Schorr. Vom Comitä eingeladen betrat hierauf Herr Isidor M ü n z die Tribüne, mit donnerndem Applause vom Publicum begrüßt. Seine Festrede basirte auf den Worten: „Nicht mit Macht und nicht mit Stärke, sondern mit meinem Geiste, spricht der Herr." Der Rede, die einen mächtigen Eindruck hervorrief, folgte ein Violinsolo des berühmten-Künstlers, Herrn Professor Wölfsthal aus Lemberg. Die Clavierbe« gleitung besorgte ebenfalls Frl. Rosa Schorr. Nach dieser Musiknummcr hielt Herr Alexander Wittels zufolge Coniit6-Einladung eine Rede, m der mit beredte» Worten die Grundzüge der Feier und der Beruf des Judenthums überhaupt geschildert wurden unö unserer antisemitischen und assimilationssüchtigen Zeit das heldenmüthige, todesverachtende Wirken des Juda Makkabi und seiner Schaaren als Muster hingcstellt wurde. Der packenden Rede folgte das Lied „Wohin" von'' Schubert, gesungen vom Herrn H. Schorr. Herr Ingenieur M. Schloß wird hierauf zur Schlußrede eingeladen. Derselbe hebt hervor, daß wir die Erinnerung an die Makkabäer schon aus dem Grunde feierlich begehen, müssen, weil wir nur dem Muthe des Helden Juda Makkabi unsere Fortexistenz zu verdanken haben, während wir sonst hellenisirt worden wären. Mit Nstaxsockis IronZroisv von Hausner, Violinsolo^ des Herrn Professor Wolfsthal, schloß die schöne Feier, die auf das den großen Theatersaal dicht füllende Publicum ' einen unwiedergeblichen Eindruck hervorgebracht hat. (Die Strengfrvmmen und der-ZionSgedauke.) Die Partei der Nationaljuven recrutirte sich bisher meist ans Männern, die in religiöser Beziehung zu den.Aufgeklärteren . und Anfgeklärtesteu gehören. Die Strenggläubigen hielten sich trotz aller Bemühungen der Zionsfreunde von dem. großen Befreiungswcrke ferne und man kann sich die schwierige Stellung der Nationalgesinnten denken, die gleich«^ zeitig gegen die orthodoxen und . die. asfimilatyrisch-auf-, geklärten Gegner ankämpfen müssen. Desto erfreulicher ist