Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1885
- Issue
- Heft 22 (17.12.1885)
- Date
- 1885-12-17
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 22 S e l b st- E m a n c i p a t i o n! Seite 3 sich in fremde Völker hineinzulügen, denen sie nicht angehören und die sie von sich stoßen, aber dennoch zu kurzsichtig, um dar eigene Volk zu finden, vielleicht auch zu pessimistisch, um an seiner Wiedergeburt Mitarbeiten zu wollen — schütten das Kind mit dem Bade aus und werden Kosmopoliten. Das Elend der nationalen Vaterlandslosigkeit treibt unsere Brüder schaarenweise in das Labyrinth des Weltbürgerthums, worin sie noch unwiederbringlicher sich verlieren, als auf dem Pfade der Assimilation. Der Heranwachsenden Generation muß daher die Zionshoffnnng so sehr eingeimpft werden, daß sie nicht in dem Dickicht des Kosmopolitismus den Weg zu ihrem Volke verliert. Nachum Nathan Agassi. Khronik. . (Christliudcheu! Christbaum!) sind Worte, die vielleicht — wir wissen es nicht, denn wir können und wollen nicht in die innersten Gefühle einer fremden Glaubens- und Volksgemeinschaft eiudringen — auf ein christliches, arisches Kind einen zauberhaften Eindruck hervorbringen, seinen kindlichen Sinn mit edlen, schönen Vorstellungen erfüllen, — edel und schön, weil sie im harmonischen Einklang mit seinen Religions- und Volksidealen und seinem späteren praktischen Leben stehen. Wenn man aber diese Worte einem mosaischen und jüdischen Kinde vorsagt, wenn man es daran gewöhnt, die Geschenke des Christkindleins sehnsüchtig zu erwarten, den Lichterglanz des Weihnachtsbaumesanzustaunen, so begeht man dadurch nicht nur einen häßlichen Verrath am angestammten Volksthume, sondern man vergiftet dadurch die Seele des eigenen Sprößlings, der nicht wie das christliche Kind im späteren Leben die Gelegenheit hat, die innere Bedeutung dieses größten christlichen und arischen Festes kennen zu lernen und daher blos in diesen christlichen Gebräuchen eine Unterhaltung ohne inneren Sinn und Werth zu sehen sich gewöhnt. Das Aufstellen des Christdaumes in de» K i n d e r st u b e n j ü d i s ch e r F a m i l i e n i st eine Schändung d e s j ü d i s ch e n V o l k s t h n m s, i st eine Besudelung der reinen Kindesseele, ist endlich ein e frivole Beleidigung des Ehristenthums und der dasselbe bekennenden. Völker. In Wien ist diese Jammergeburt eines kranken Volksgehirns leider auf der Tagesordnung und wir würden wünschen, daß diese mahnenden Worte zur Einschränkung dieses Unfugs beitragen mögen. (Justus H.) Die „Oesterreichische Wochenschrift" bracht; einen länger« Artikel über die aus dem Proceß Rohling-Bloch bekannte oder vielmehr unbekannte Person, die Rohling in seinen Briefen R. nennt, und die als sein zweiter Lehrer neben Justus-Briemann fungirte. Der betreffende Artikel läßt den Verdacht auf eine Persönlichkeit fallen, die auf dem Gebiete der hebräischen Literatur bekannt ist und gegenwärtig in Wien ein hebräisches Blatt redigirt. Die „jüdische Presse" nennt diese Person bei ihrem vollen Namen. Es ist eine skandalöse Enthüllung, die da gemacht wurde; wir wollen sehen, ob es dem Verdächtigten gelingen wird, sich von diesem Verdachte zu reinigen. Derselbe, M. L. Ro d k i n s o h n, fordert die „Oesterleichische Wochenschrift" öffentlich in einem Tagesblatte auf, ihre Äkußerungen, die er (Robinsohn) falsch und erlogen nennt, zu beweisen oder zurückzunehinen. (Bulgare» und Jude«,) Der Telegraph berichtete aus Serbien, daß die Bulgaren bei der Einnahme von Pirot die Judenhäuser plünderten und die jüdischen Frauen und Mädchen in unerhörter Weise, mißhandelten und nothzüchteten. Es ist dieser Nachricht nicht ganz zu trauen, da sie aus serbischer Quelle stammt. Sollte sie aber der Wahrheit entsprechen, was ebenfalls möglich ist, so würde sie in grellem Gegensätze zu dem Benehmen der bulgarischen Juden stehen. Diese bildeten nämlich ein jüdisches Bataillon, welches sich so tapfer schlug, daß der Fürst dem Führer desselben, Lieutenant M i s r a ch i, die TapferkeitSmedaille eigenhändig anheftete und zu dem kleinen Reste des Bataillons die Worte sprach: „Eure gefallenen Heldenkameraden haben gezeigt, daß sie würdige Nachkommen der Makkabäer waren und Ihr selbst habt in den Schlachten von Slivnitza, Dragoman und Pirot bewiesen, daß Ihr an Tapferkeit und Liebe zum Vater lande der ruhmreichen bulgarischen Armee nicht nachsteht!" — Und da plappern noch die Antisemiten von „jüdischer Feigheit" und da unterfangen sich noch die P. T. Herren Assimilauten zu sagen, „das Judenthum sei bereits zur Auflösung bestimmt." III. Makkabäer-Feier des crkcrö ernischen Wereines „Kadimah“ irrWierr am Vorabende des Zy. Kislev 5646 (7. Aec. 1885). (Vriginal-Bericht der „Selbst-Emancipationl") Wie im Vorjahre, so fand auch diesmal die Feier im großen Saale des Hotels „Weißes Roß" (H. Taborstraße 8) statt. Der Besuch war ein so zahlreicher, daß der Saal, wiewohl fast alle erschienenen Studenten standen und den Familien die Sitze überließen, bis auf das kleinste Plätzchen gefüllt war. Im Ganzen mögen es 500 Personen gewesen sein, die das Fest besuchten. Um 9 Uhr eröffnete der Festleiter, Herr stuck, sur. Oser K o k e s ch den ersten Theil der Feier, den studentischen Cammers, mit einer kurzen Ansprache, in der er ans die nationale Bedeutung der Feier hinwies und schließlich den k. k. Regierungs - Commiffär, den Chacham der türkischisraelitische» Gemeinde, Herrn Moses ben Dawid Alkalay, die Vertretungen der Vereine „Nirjain", „Admath Jeschttran“ und „Zukunft", die Vertreter der jüdischen Presse, sowie das übrige Publicum begrüßte. Darauf folgte die Absingung des Studcnten-Chorliedes „Oancksarnns"; sodann betrat der Vicepräses des Vereines, Herr vrck. msck. Philipp Fisch ler, die Tribüne und hielt die erste Festrede, welche folgenden Wortlaut hatte: Hochverehrte Festgäste! Einem historischen Ereignisse, einem Ereignisse von höchster Bedeutung für daS jüdische Volk gilt die heutige Feier; sie gilt einem Manne, der stets mit Recht als die Zierde unseres Stammes geachtet worden; sie gilt einer Familie, welche sich nicht scheute, der Freiheit ihres geliebten Volkes sich zu opfern; sie gilt der Helden» müthigen, ruhmreichen Vertheidlgung der jüdischen Nation (Bravo!) Nur eine Ehrenpflicht erfüllen wir somit, wenn wir zu Ehren dieses, mit unauslöschlichen Lettern in die Annalen des jüdischen Volkes eingezeichneten Ereignisses uns hier znsammengefnnden haben. Hochverehrte Festgäste! Dichte Wolken hatten sich über Judäa gesammelt, als Antiochus Epiphanes den syrischen Thron bestieg und sich das Ziel setzte, alle seine Völker zu Hellenen zu machen. DaS letzte Stündleiu schien dem Judenthnme geschlagen zu haben, als Antiochus Epiphanes zur Erreichung seines Zieles aller unmenschlichen Mittel sich bediente. Die Gefahr für das Judenthum ward nmso drohender, als der größte Theil des Volkes vom griechischen Wollustleben entzückt dem Irrwahn der Assimilation sich hingab, als der Hellenismus tiefe Wurzeln unter de» Juden gefaßt hatte. In diesen so gefahrvollen Augenblicken war es eine auS 8 Personen bestehende Familie, die es unternahm, das bedrängte, verzweifelte Judenthum dem sicheren Tode zu entreißen. Jehudah Malkabi» ein Glied dieser tapfere» Familie erhob d ie Fahne der nation n l e » V e r t h e i d i g u n g, spornte mit der ihm zu Gebote stehenden Beredsamkeit oie Stammesgenoffen zu einem Befreiungskriege an, und an der Spitze eine» begeisterten von der Liebe zu seinem Volke durchdrungenen Häufleins organisirte er de» Krieg mit seltener Willenskraft. Mit einem ruhmvollen Siege einer Handvoll begeisterter Kämpfer über einen überlegenen Feind beginnt Jehudah den schweren Krieg, mit Geschick, Mnth und Ausdauer bestegi er die fetnollche Macht und befreit endlich nach schweren -ruhmvollen Känlpsen Jeru«