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Selbst-Emancipation · 1885-12-02 · Heft 21 (2.12.1885) · p. Seite 4

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1885
Issue
Heft 21 (2.12.1885)
Date
1885-12-02
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 S el b st - Ein a n c i pa.t i o »! Nr. 21 Korrespondenzen. Odessa, im November.*) Geehrter Herr R-dactenr! In Nr. 19 Ihres gesch. Blattes spreche» Sie von Herrn Rabb. Dr. Schwabacher unter der Ueberschrist: „Ein Abfall." Dieses Wort hat, ohne Ihnen nahetreten zu wollen, vielen unserer hiestgen Intelligenten niißsallen. Denn wiewohl es uns kränkt, in ihm einen Freund unserer erhabenen Idee verloren zu haben, einen Hervorragenden und Thatenreichen, und Jeder von uns es laut tadelt, daß er plötzlich die Fahne der Zionsfreunde verließ; wiewohl er in unseren Augen einem Krieger gleicht, der die Reihen seiner Nation verläßt und in die feindlichen Übertritt, wo er gegen-die eigenen Brüder sein scharfes Schwert zückt und den Bogen spannt, — trotz alledem sollte er nicht als Abtrünniger (porssoh min hazibur) bezeichnet werden. Ferne sei eS von uns, ihn an seiner Ehre anzugreifen, denn abgesehen von seinem letzten Vorgehen ist er als treuer Die. ner seines Götter und seines Volkes bekannt und ist der Erste bei jedem mildthätigen Werke. Warum sollen wir also nicht lieber das Gute für ihn sprechen lassen? In dieser Angelegenheit ist er nämlich gedrängt, das ihm theure Lager zu verlassen, denn alles thut er (al pi hadibur....) nach Vorschrift. Warum wollen Sie also, sehr geehrter Herr Redacteur, eine irrige Bezeichnung wählen und eine Verirrung zum Frevel stempeln? Schließlich bitte ich Sie, über meine Worte nicht im Geringsten ungehalten zu sein, denn meine Absicht ist gut und wer Verstand hat, w i r d m i ch verstehe n. Für heute habe ich Ihnen nichts weiteres mitzutheilen und verharre Ihr treuer Freund Abraham Konstantinowsky. A n m. d Red.: Die Aeußerungeu des Herrn Konstantinowsky stimmen vollkonimcn mit unseren Ansichten über die Schwenkuug des Herrn Rabb. Dr. Schwabacher überein. Das Wort ^Abfall" war ja übrigens, wie ganz deutlich zu ersehen war, nur als „Abfall vom Zionsgedanken" gemeint. Odessa, den 23. November 1885. Die Lage der Juden in unserem Lande wird mit jedem Tage unerträg, licher. Das einzige, was uns aufrecht hält, ist die Hoffnung auf eine durch die Palästina-Colonisation herbeigeführte bessere Zukunft. Bei einer jüngst stattgefundenen Gerichts- Verhandlung gegen einen Juden, der von russischen Bauern angeklagt war, erlaubte sich der Piocnror (Staatsanwalt) die Bemerkung: „Juden sind zu allem fähig, wenil es nur ihre» Beutel stopfen hilft." Der Angeklagte wurde trotz des Plaidoyers des Vertheidigers, der völlig von der Unschuld seines Clienten überzeugt war, zu einem Jahre Arrest und Verlust sämmtlicher Bürgerrechte (besaß ec denn je welche?) verurtheilt; er ist der Ernährer seiner alten Eltern und seiner Geschwister. Die Aeußerung des öffentlichen Anklägers, sowie das Urtheil überhaupt riefen unter hiesigen Stammesgenossen große Sensation hervor. Wie gesagt, nur der Zionsgedanke kann uns über solche Vorfälle trösten. Welteulenker, Vater Israels, hilf uns! Friedrich Hoppen. Erez Israel. (Ans Hamburg) wird unS berichtet, daß die Gründung eines großen ColonisationSvereineS der drei Nachbarstädte Hamburg, Altona, Wandsbeck im Zuge ist. Die diesbezüglich bereits gepflogenen Berathungen dürften hoffentlich bald znm Ziele führen. (Rach Cypern!) Vor Kurzem haben 166 Juden Rumänien verlaffen, um sich iu Cypern niederzulassen und *) AuS dem Hebräischen übersetzt. dort den Ackerbau zu betreiben. Bon einem Orte des Gallith in den andern! Als vor vier Jahren die nationaljüdiscbe Bewegung in Rußland entstand, gab rs eine' Spaltung unter den Jüdisch-Nationalen. Die Einen waren für Colonisation in Amerika, die Anderen für Colonisation in Palästina. Die letztere Partei, obwohl anfangs die schwächere, sah mit der Zeit die erstere ganz verschwinden, weil die Erfahrungen, welche die „Amerikaner" machen niußtrn, sehr unangenehmer Natur waren; das „Erez Israel" in Dakota oder sonst auf einem Territorium der Vereinigten Staaten oder in Canada wollte nicht zur Wahrheit werden. So iü denn der „Amerikanismus" innerhalb des nationalen Judenthums glücklich beseitigt und schon scheint in RumSiiieii ein „CyprianiSmus" entstehen zu wollen. Und wenn der Correspondent des „Nafostz" schreibt: „Wir sorgen nicht für die Colonisation von Erez Israel, - sondern für Israel überhaupt; wir wollen das Volk beleben und suchen Land für daS Volk," dann verräth er einen Mangel an historischer und volkswirthschaftlicher Einsicht und an Gefühl für das wahrhaft nationale Interesse des Volkes. Die Belebung Israels in einem andern Lande als Palästina ist ein uoussiis; in anderen Ländern als Canaan kann höchstens der Wohlstand Einzelner begründet werde», nicht aber das Heil der ganzen Nation. Der erwähnte Correspondent irrt, wenn er die Wiederbelebung Israels nur in der Umkehr zum Ackerbau sieht. Diesem Momente steht ganz gleichwertig u n d v o n i h m u nt r e n n b a r das zweite zur Seite, Rückkehr in die Volksheimat! (Dr. Wahrmund,) Professor der orientalischen Akademie in Wien, ein bekannter Antisemit, hat neuestenS eine Brochüre unter dem Titel „Die christliche Schule und das Judenthum" veröffentlicht, worin er die Gefahr der Vcrjudung der christlichen Schule schildert und nach heftigen Ausfällen auf die Jndei^an^schließt^daß-er.dläen selbst einen Rath gibt. „Er heißt: ein eigenes Vaterland. D o r t a l l e i n i m K a m p f e mir d e r N a t u r und indem sie i in S ch w ei ß e, i h r e 8 An gesichtes den h e i l i ge n N ä h r b o d e n s e l b st be- Aus den Berichten des amerikanischen (Lonsuls, Herrn 5 da Meril, über das heilige Land.*) Hkiven. Es gibt vier Sorten Olivenbäume im heiligen Lande, und die Einwohner nennen sie: weiße, schwarze, große und kleine. Der Unterschied der Bäume ist nicht beträchtlich und wird von dem unkundigen Auge ganz ü bersehen. Unter 1000 Olivenbäumen ist nur ein einziger mit den sogenannten großen Oliven; nur wenig Bäume tragen die kleine Sorte, die ineiste» die schwarze und die weiße; letztere ist eigentlich grün, die sogenannte schwarze ist blaßgrün und die bessere Sorte. Der Olivenbaum wird sehr alt und trägt eine lange Reihe von Jahren Früchte; nur ist es schwer zu bestimmen, wann er seine Fruchtbarkeit einstellt. In der Umgegend von Jerusalem gibt eS Olivenbäume, die noch aus der Römerzeit stammen sollen. Der Olivenbaum liefert abwechselnd ein Jahr eine gute und das andere Jahr eine schlechte Ernte. Dieser Umstand hängt nicht mit den Eigenschaften des BaumeS zusammen, sondern rührt davon her, daß man bei der Olivcnernte die Frucht und leichtsinniger Weise auch die fungen Zweige abschlägt, die von Natur dazu bestimmt sind, im folgenden Jahre die Früchte hervorzubringen. Bei *) AuS „Spenden-Berzeichnlffe" des Dr. Adolf Salveudt Nr. 144. ' tBfi&gBaiiiTi ii'rTi

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