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Selbst-Emancipation · 1885-11-17 · Heft 20 (17.11.1885) · p. Seite 7

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1885
Issue
Heft 20 (17.11.1885)
Date
1885-11-17
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 20 Selbst - Em aneipation! Seite 7 sich stießen, oder werde» sie ihren Eltern grollen, die sie als Juden zur Welt brachten?! Oder werden sie es gar versuchen, als mosaische Rumänen dem Auslande ein Bild restgnirten Martyriums zu geben?! Von den Juden bedauert, von den Rumänen verhöhnt; — bedauert, weil sie nicht wahre Juden sein wollen, verhöhnt, weil sie Juden find, — wahrlich, ein schöneres Martyrium gibt es nicht, und die Nichtjuden haben wieder Grund, zu lachen!!! . . Und verlacht wird der Jude immer werden, so lange er eS vorziehen wird Slave, Germane oder Römer zu heißen, anstatt das, was er ist. Semit, zu bleiben! Wo liegt die Schande in diesem Namen? Hätte der Jude sich dieses Namens nicht geschämt, er wäre nicht ein dem Spotte geweihter geworden! Der Germane, Slave oder Römer hätte es nicht nöthig gehabt, den Juden immer höhnisch daran zu erinnern, daß er Semit sei! Selbstbewußt und stolz sollte der Jude nie vergessen haben, daß er als Semit den Monotheismus so begründete, wie er heute von unser» Verfolgern anerkannt ist, — sollte nie vergessen haben, daß er als Semit der erste war, welcher die Basis menschlicher und göttlicher Gesetze erkannte; sollte nie vergessen, daß Iseine Vergangenheit ihm die bestbegründete Hoffnung auf die Zukunft gebe, weil, während die Juden den Scheiterhaufen bestiegen, unzählige jüngere Völker untergingen, mit anderen stärkeren Völkern sich assimilirten, der Jude aber unversehrt den Scheiterhaufen verließ und noch heute lebt! Kein anderes Volk wird uns vernichten können, wir selber aber durch einen Selbstmord und dieser Selbstmord heißt „Assimilation!" Moses ben Sew. Lrez Israel. („Admath Jeschnrun“). Die erste ordentliche Generalversammlung dieses Wiener Colonisationsvereines, welche Montag den 2. November stattfand, konnte sich über die Person des Präsidenten nicht einige», weswegen in nächster Zeit eine zweite Generalversammlung einberufen werden wird. Bis dahin leitet ein provisorisches Comite die Geschäfte. — Die Mitgliederzahl vermehrt sich stetig. (Verein „Nehemia“). Unter diesem Namen be- Ein neues Zeitalter, eine neue glanzvolle Epoche erwachte für die fast in Verfall gerathene hebräische Sprache, sie wurde gehegt und gepflegt, so, daß sie nach und nach den alten Glanz, ihre einstige ästhetische Reinheit und Herrlichkeit zurückgewinneu konnte. Wie die zarte Knospe in der lieblich schönen Blüthenzcit, entfaltete sich auch die h ilige Sprache allmälig zu einer wunderhübsche» himmlisch Lüftenden Rose. Namen berühmter Männer aus jenem Zeitalter wie Samuel Hänagid, ben Gabirol, Halewi, Abraham und Moses, Jbn Esra und Alcharisi, ohne nur der andern kleineren Dichter zu gedenken, legen zur Genüge Zeugniß für das glanzvolle Gedeihen der heiligen Sprache ab. Mit Samuel Hanagiv (geb. 993 gest. 1055) erwachte das erst^ goldene Morgenroth für die hebräische Sprache jn Spanien. Selbst Dichter, trug auch seine Mildthätigkeit gegen junge und arme Dichter, wie gegen andere Gelehrten, nicht wenig zrir Hebung der Sprache bei. Diesem goldenen Morgenroth folgte ein schöner sonnenheller Morgen.. Salomon ben Gabirol (geb. 1021 gest. 1070). dieser große, unübertroffene Dichter, mit dem sich höchstens ' nur ein Halewi messen kann. , Auf den Zenith ihrer Herrlichkeit und ihres Glanzes ist die Sprache mit Jehuda Halewi (geb. etwa, 1085 gest. etwa 1145) angelangt. Jehuda Halewi ist der größte und erhabenste Dichter auf dem dichterischen Gebiete der hebräischen Literatur, dem bis nun noch keiner gleichkam und von dem Heine in seinem Romanzero sagte: I fleht in Odessa ein Colonisationsverein, dem bewährte ZionSfreunde, wie z. B. Dr. Michael Lion angehören, und der als einen seiner Hauptzwecke auch die Errichtung von Schulen in den Colonien angibt. Ueber diesen Verein werden wir ausführlich in der nächste» Nnmmer berichten. (Das ßentrak-Komite des Montestore-Aervandes) hat wieder dieser Tage die Summe von 60000 Francs zur Unterstützung der palästinensischen Colonisten nach dem heiligen Lande geschickt. (Aus Hdeffa) wird der „Frankfurter Zeitung" berichtet, daß dieser Tage viele Jude» und darunter eine größere Anzahl absolvirtec Gymnasiasten in Odessa sich eingeschifft haben, um über Alexandrien nach den palästinischen Colonien „Rischon le-Zion“ und , Gederah.“ zu gehen und sich dort dauernd niederzulaffen. (Jn der Colonie Pethach Thilcwah) wurde Herr Dr. Stein vom „Montefiore-Verbande" mit fixem Jahresgehalt als Arzt angestellt. Der bekannte Wohlthäter hat außerdem eine jährliche Spende von 1000 Frcs. der Apotheke dieser Colonie gewidmet. (Dfe neue Colonie), von deren Gründung wir in Nr. 18 unseres Blattes berichteten, wurde durch Einwohner Saffads ins Lebe» gerufen, nachdem sie einige Monate zuvor eine Vereinigung zum Zwecke der Ausforschung des geeigneten Bodens gebildet hatten. Die Colonie besind'et sich im Gebiete Golan, an sieben Stunden von Saffea entfernt, auf dem Wege nach Damascas. Der Boden ist waffer- und waldreich. . (Ter Bereiu „Esrath Nidachim“) in Jerusalem hat seinen letzten Dritteljahrsbericht veröffentlicht, dem Wir Folgendes entnehmen: Der durch sein national-humanes Wirken so vortheilhaft bekannte Verein hat in den Monaten Tammus, Aw, Elol, Tischri verausgabt : Für die Ausbildung jüdischer Handwerker 171l*/t, für Seelenrettung vor Missionäre» 22303/4, als momentane Hilfeleistungen 32101/*, als Vorschüsse 333s/4, zum Bau der Häuser für die Juden aus Südarabien 8488*/,» für diverse Zwecke 2754*/i, zusammen 16.498V8 Piaster (circa. 1600 Gulden). Dagegen belaufen sich die Einnahmen des Vereines in dem benannten Zeiträume auf 13.782 Piaster (circa 1300 Gulden). Im ganzen verflossenen Jahre hat der Verein 80.419'/. Piaster (an 8000 fl.) ansgegeben und Als der Schöpfer sie geschaffen, Diele Seele, jelbstzufrtede» Küßte er die schöne Seele Und des Kuffes holder-Nachklaug Lebt in jedem Lied des Dichters, Das geweiht, durch diese Gnade. Halewi ist der Verfasser der berühmten geschmack- und gefühlvollen wie auch tiefergreifenden „Zionide" und kein Mensch, dem ein warmfühlendes Herz im Busen schlägt, vermag dieselbe zu lesen, ohne Thränen der Rührung dabei zu vergießen. > Abraham und Moses Jbn Esra (1088—1167 und (1070—1139) waren ebenfalls Dichter von großer Bedeutung, die sehr viel zur Verschönerung der Sprache beitrugen. Mit Alcharisi (1170—1230), dem berühmtesten Kritiker und Dichter-Kenner der damaligen Zeit, neigte sich schon der so schöne und herrliche Tag seinem Ende zu. Mit seinem Hinscheideu begann die Abenddämmerung. Es dämmerte nur, aber keine Nacht trat ein; eine totale Finsterniß kann und wird auch nie die hebräische Sprache umgeben. Und droht ihr auch die Nacht mit all' ihren Schrecknissen, immer neu wird sie erwache», sich emporraffen, um wie einst sonnenhell zu glänzen! Denn ewig bleibt Jehuda und mit ihm ewig auch seine Sprache! Jaspis.

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