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Selbst-Emancipation · 1885-11-17 · Heft 20 (17.11.1885) · p. Seite 6

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1885
Issue
Heft 20 (17.11.1885)
Date
1885-11-17
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Nr. 20 Seite 6 S e.16 st - Ent an,cipatio n! tution Glaubt» zu fchenken, wurden Jude» aus Rumänien verjagt. — Weil sie ihre Ideen und Meinungen über die Judenverfolgungen im rumänischen Lande niittheilten und veröffentlichten, darum wurden sie aüsgewies'n!— Aus« gewiesen, kraft eines Gesetzes, welches den Ministerrath ermächtigt, zustandslose V a'g a b u ii d e n, welche im Lande Ruhestörungen-verursachen, über die Grenze zu jagen.-— Die jetzt v er t r i e b e n e n Da gabund e n sind aber: Dr. M. G a st e r, Mitglied des rumänischen Athenäums und der rumänischen Geographischen Gesellschaft, deren Präsident der König von Rumänien ist; Inhaber der rumänischen Medaille „bene merenti“, welche ihm in Folge vorzüglicher literarischer Leistungen gewährt wurde! Dr. Gaster entstammt einer Familie, welche seit undenklichen Zeiten in Rumänieit ansäßig ist. Sein Vater ist Dragoman, sei» Bruder Secretär der holländischen Gesand» schaft in Bukarest. — Dr. Elias Sch warzfeld, Advocat, durfte aber öffentlich als solcher nicht thätig sein, da er die rumänischen Bürgerrechte nicht besaß; Chefredäcteur der „I'rabsruitabsa", in welcher er trotz assimilatorischer Tendenzen, ungescheut die unschuldig verfolgten Juden in Rumänien verthetdigte, und manche an Juden ausgeübte, rohe Unbill publicistisch an's Licht brachte. Dr. Schwarzfeld gehört einer Jaffyer jüdischen Familie an, denn Vorfahren auch nur das Land Rumänien kannten. — M. R o s tu selb; dieser Mann kann manchen grie. chischen oder bulgarisch,« Neu-R'tinänen, welche ihn als Fremden des Landes verwiesen, erzählen, wie es vor 200 Iaht tu, alS die Vorfahren derselben noch nicht einmal wußten, ob es überhaupt ein rumänisches Land gehe, in Rumänten zugegangen sei, denn er hat es von seinen Eltern gehört, denen es wieder ihre Vorfahren mitgelheilt haben. Rosrnfeld, ein wegen seines ehrenhaften und männlich unbeugsamen Chaiakters, von Jedermann hochgeachütrr Jude. hat schon seit ziemlich langer Zeit die Augeir des Treibers' auf sich gezogen/ Sein „Aparatorui“ bezeugte, wie mitfühlend er für sein? Glaubensbrüder war, denn streng und gerecht rügte er die, jede Menschlichkeit höhnenden, Judenverfolgungen in Rumänien. — Juli n s Schein, I. F i o r, I s a c Auerbach, Michel A s i e l, letzteree Herausgeber des nationaljüdisch gesinnten Jargonhlattes. „Lajostri", Männer, welche seit vielen Jahrzehnten nebst thien Familien in Rumänien wohnen, wurden wie Vagabunden behandelt, weil sie sich kraft der Constittttion der freien (?) Presse bedienten, um offen ihr^Leid zu klagen! Muß man nicht dem Recht geben, der vom Urheber all' dieser Rohheiten sagt: „Er begann als Mazzinist und schließt als Kosak!" „V o i n t a N a t i o n a 1 a“, das rumänische Regierungsblatt par excellence, brachte außer den obengenannten eine weitere Liste von Ausgewiesenen, so Dr. Brociner, dessen Ausweisung aber in Folge Einmischung einer ausländische» hochgestellten Persönlichkeit wiederrufen wurde; ferner I. B e t t e l h e i m, der in krankem Zustande das Land vertaffett mußte; nun aber auch Armand L a v y und Joief rsots Marcus Schwarz; was ist's mit diesen? Beide befinden sich noch frank und frei in Bucarest. Ersterer ist in einen dichten Geheimnißschleier gehüllt; was aber Schwarz anbelangt, jo bildete sich der Bucarester Volks» mund eine merkwürdige Combination und ist diese zutreffend, so ist es wahrlich ein plumpes Manöver, welches die Bucarester Polizei mit der Publicirung von Schwarz Namen unter den Ausgewiesenen durchführte! — Der Volksmund sagt nämlich, daß Schwarz schon einige Male wohlverdiente CorrectionSstrafen zu erdulden hatte, sägt, daß er ein grundverdorbener Mensch sei, von dem man unmögliche glauben könne, daß sein für die Judenschaft eintretendes Blatt „Yocea Dreptatii“ ernst zu nehmen sei; vielmehr heißt es im Volksmunde weiter, die in dem geannten Blatte erscheinenden Artikel seien von der Polizei inspirirt, um der judenfeindlichen Presse einerseits und der Regierung andererseits willkommenen Grund zu geben, um aller Welt entrüstet zurufen zu können, daß die Juden die Preßsreihheit dazu benützen, um die so tolerante (?!) rumänische Regierung zu verläumden und zu beschimpfen! Der Name Schwarz habe ein Mal auf der Liste der Aus» gewiesenen figuriren müssen, damit mau glaube, daß^ der Eigenthümer der „Vocea Dreptatii“ ebenso bestraft werde, wie die anderen jüdischen Journalisten, ferner damit ma t ja nicht meine, daß Schwarz als „Spitzel" so häufig auf die Polizei-Direction gehe, sondern seine Ausweisung die Ursache hievon sei; — irrthümlich (?! . /.) aber schrieb man Josef Schwarz; im ersten Rummel achtete man nicht darauf; der richtige Josef Schwarz wurde vou der Liste gestrichen, Marcus Schwarz vergaß aber, sich ausweisen zu laffen und blieb wohl und munter in Bukarest!" — So die Stimme des Volkes, und spricht sie wahr, dann haben die Herren Assimilatoren einen würdigen Vertreter in Herrn Marcus Schwarz! Ein charakteristisches Streiflicht wirft die Ausweisung der obengenannten Inden aus Rumänien auf die Assimilationsfrage. Die hervorragendsten der Expulsirte» gehören leider zu jen.'r Classe von Juven, welche ihr Heil in der Assimilation mit den Völkern, unter denen sie leben, suchen- Bei ihrem Reichthum an Wissen und Talenten suchen sie nicht ihren Ehrgeiz darin, den anderen Völkern eine undiscutirbare Achtu g abzuringe», sondern sie zwingen deit Christen Abscheu vor ihrer Kriecherei auf. Hat ein Mann, dem Wiffenschuft, Geist und Talent Selbstständigkeit verleiht, es nöthig, seinen Charakter zu beugen?! Ist er nicht vielmehr verpflichtet, die ungebildete Classe seiner Glaubensbrüder durch Lehren und Beispiele auf dem rechten Pfade zu erhalten und ihr Muth und Ausdauer einzuflößen?! Was haben Dr. Gäster, Dr. Schwarzfeld und die andereu Juden dadurch gewonnen, daß s i e s i ch w a h r V Rumänen nennen? Nichts als einen gu ßtritt, der sie bis über dieGrenze warf! — Und dort, werden sie wohl als wahre Juden oder scheinbare Rumänen, oder umgekehrt, wirket?! W rden siden jüdischen oder den rumänischen Charakter abstceifen? Werden sie den Rumänen, zürnen, weil si: sie als Jnd.-n von Die heilige Sprache im mcrirrifcherr Spanien. Zion ward zerstört, Jerusalem verwüstet, der Gottestempel cingeäschert und Jehudah aus seinem Lande gejagt/ Nichts ist dem armen Volke von all' seiner eiustigen Macht und Größe, von seinem einstigen Ruhm und Glanz geblieben — nichts, was zeugen soll in späterst Tagen, daß es auch einst geherrscht und eine Ration gleich den andern Nationen der Erde gewesen, nichts -^- als seine Sprache^ die göttliche, heilige Sprache. Diese einzige Zeugin seiner einstigen Herrlichkeit, seiner Nationalität und einstiger hohen politischen Bedeutung, vermochte kein einziger noch so mächtiger Feind auf Erden ihm zu rauben; diese mußte man ihm laffen. Aber auch dieses einzige Ueberbleibsel einer bessern, glänzendern Vergangenheit wäre bald durch die Drangsale des Herumirrens und durch die Verfolgungen' und'Leiden, die Jehudah im Exil auszustehen hatte, vernichtet worden, wenn sich nicht Jehuda'S der Gott seiner Väter erbarmt und es die so lang entbehrte und ersehnte Ruhe im maurischen Spanien nicht hätte finden lassen. Jetzt, da endlich Jehudah nach den, vielen Mühsale» und unsäglichen Leiden unter der Khalifenherrschaft in Spanien einige Ruhe wiederfand,. wandte es sich den damals durch die Araber in Europa, eingeführten und in Schwung gebrachten morgen» ländischen Wissenschaften, insbesondere aber der eigenen bis nunzu vernachlässigten Sprache zu, ,

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