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Selbst-Emancipation · 1885-11-17 · Heft 20 (17.11.1885) · p. Seite 4

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1885
Issue
Heft 20 (17.11.1885)
Date
1885-11-17
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Redner bafirtc seine Rede auf die Worte des Rabbi Chia: „Sowie die Morgenstrahlen anfangs wenige sind und erst später.sich allmählig ansbreiten, so sind auch.die Anfänge der Erlösung unscheinbar, aber schließlich wird fr dennoch gan z fein." Seine Worte, die die Unnatürlichkeit der „eingebildeten uub gekünstelten Selbstmordssehnsucht" im Gegensatz zur „natürlichen, berechtigten und unbewußt waltenden Liebe zum Leben" geißelten und zum Schlüße den „glänzenden, glücklichen Anfang der jüdisch-nationale» Bewegung" feierten, fanden stürmische» Beifall. — Die hebräische Festrede, gesprochen von Herrn I. K o p e l o w i tz, die in gedrängter Kürze, aber in kerniger Weise die jüdische Rativnalidee pries und den Verein „Zukunft" als einen der Verfechter derselben feierte, wurde sehr beifällig aufgenommen. — Der Schlußredner, Herr Abraham Salz, legte auch diesmal eine Probe seiner , rhetorischen Begabung ab. Er betonte in seiner Rede die welthistorische Bedeutung des „bescheidenen" Israel, das „vielen und mächtigen Nationen an der Wiege gestanden, um sie nach einem sturmbewcgten Leben zu Grabe zu geleiten", und verurlheiltc Jene, die sich der Zugehörigkeit zu einem solchen Volke schämen. Redner schloß unter rauschendem Beifall damit, daß er es als den Zweck des Vereines erklärte, für eine Zukunft zu sorgen, „wo ein einiges, selbstbewußtes, von Allen geachtetes Israel bestehen wird".*) Eine unerwartete Bereicherung erfuhr aber das oratorische Programm des Abends durch die Rede einer Ver- - treterin des Vereines „Mirjam“, welche nach Einholung der zu einer Jmprovisio» nöchigen Erlaubniß beim Regierungscowmifsär das Wort erhielt. Es ist wohl nicht gut.möglich, vermittels der Feder die anmuthige Art und Weise zu schildern, mit der Fräulein Amalie Oeste r» reicher ihre Rede vortrug, ebensowenig, als sich der begeisterte Beifall der Gäste beschreibe» läßt. Der Ungewöhnlichkeit Und der hinreißende» Wirkung dieser Rede Rechnung' trageich, bringen wir hier dieselbe zum Abdruck. Ihr Wortlaut ist : Hochgeehrte Versammlung! Stammes-und Glaubensgenossinneil! . Wenn ich mir mik folgenden Worten eine». Appell an die. Versammelten und inSbesonders an die Damen zu richten erlaube, wenn ich mit Beseitigung aller kleinlichen Bedenke», die sich wohl. bei dem Umstande einstellen werden, daß ich als Dame hier an dieser' Stelle und bei dieser Gelegenheit öffentlich auftrete und spreche, dies doch ldue, so geschieht es. um in erster Linie im Namen des GründungS-Comilös des „Vereines jüdischer junger Dame» „Mirjam“ für 'beii herzlichen Empfang und die sympathische Begrüßung zu danke», welche »nS heute in so reichlichem Maße zu Theil geworden. (Bravo!) In zweiter Linie aber thue ich es, um zu Ihnen, meine Stammes- und Glaubensgenoffinnen von jener heiligen Sache zu sprechen, deren Bedeutung nur am heutigen Abend erfüllt, die uns Alle zu solcher Begeisterung hingeriffen. (Lebhafter Beifall.) Wenn auch schon in beredteren Worten, als ich ste zu sprechen vermag, und von berufener Seite, als wir es sind, von den Mitgliedern dieses Vereines die nationale Idee besprochen wurde, so kann ich dennoch nicht umhin, an Sie, meine Damen, einige Worte zu richten. — Es ist eine große und erhabene Idee, die uns am heutigen Abend beschäftigt, «in Gedanke, an dem jedes jüdische Herz theilnehmen wird und theilnchinen muß. wenn es nicht seinen ganzen Sinn für das Judeiilhum, für das jüdische Wesen, für das jüdische Volk verloren hat. (Erneuerter lebhaster^Bclfall.) Und jedes Herz wird, es berühren »rüsicn, wen» «S ersähn, daß im Osten Mitglieder seines Stammes, Theile seiner Nation seinen, ihren Feinden wehr- und machtlos gegenüberstehe», ivenn es die immer mehr und mehr au trauriger Wahrheit zunehiiienden Berichte von den Leiden vernimmt, die dieselben dort zu erdulden haben. Ich will Sie nur an die unglücklichen Frauen und »cinder erinnern, die vertrieben von der Stätte, wo sie geboren, und: erzogen, sonst ihrem Garten und ihrer Familie ein angenehmes Heim bereitet, jetzt mitleidslos dem Elend preisgegeben werden. (Bewegung.) Woher soll jenen unglücklichen Geschöpfe» ein Lichtstrahl *)?Wir sind wegen Raummangel auß:r Stande, die bei der Gründungsfeier gehaltenen Reden wörtlich zum Abdruck zu bringen,' werden aver möglicherweise in der nächsten Nummer in der Lage sein, i» einer eigenen Beilage unser», geehrten Lesern den Wortlaut derselben mitzutheilen. kommen? An wen sollte» sie sich wilden, wenn nicht än »»-? Bon wo sollte» sie Hilfe'erwarten, wenn nicht.vo i ibre.l Siam »es- und Glaube»Sgenossi»nen,' ait die si: nicht nur die Brnde der Religion, sondern auch die Bande der Geschichte knüpft!-Ihre einsige Hoffnung bestehr darin, daß ihnen Gelegenheit geboten werden soll, sich durch Ihrer Hände Arbeit, ein wenn auch bescheidenes, so doch ruhiges und friedliches Daiein verschaffen zu können. Ist es nicht unsere Pflicht, diese Hoffnungen zu erfüllen, ihnen durch unsere Handlungen zu beweisen, daß das Flehen der Matter, die sich an uns um Brod für ihre Kinder Wendel, nicht vergebens sei,(Srncinisver Beifall). — daß auch wir mit Kräften bestrebt sein wollen, ih re» zur Seite zu stehen? (Erneuerter Beifall.) Wenn vor 7a Jahren Frauen und Mädchen einer anderen Naiionalilät all' ihr Srreben und Trachte» und all' ihre Gedanken a»f die R ttung oes Barerlandes verwendeten., laßt uns zeigen, daß wir nicht nur dieser edlen Regung fähig sind, sondern, daß wir sie zu übertreffen vermözen, weil wir si: übertreffen müffen. (Anhaltender Beifall und Händeklatschen). Nur selbstoekftändlich ist es daher, daß sich die natlo.iale Idee immer mehr und mehr ausbreiter. daß der Zionsgedanke imin r mehc und mehr Anhänger findet/, und daß d r große, in de, e h.ebenste» Absichten gegründete Verein, deffen Verbaaoe ly.ttiächirch auch wir angevöre», immer mehr. Mitglieoer zählt. Wo gäbe es wohl eine wohlthätigere, wo eine schönere Aasiht, als die. unseren armen, unglücklichen GlanbenSgenossinnen eine sichere Rnhestälte zu verschaffen, die jetzt verödete» Fluren deS heiliqen Lande; mieüec fruchtbar zu mache», durch die Nachkommen Dere- — die einst daraus vertrieben wurden? (L-bhcrske Bravorufe.) Welch' bcseeligendeS Bewußtsein, welch' schöne Gennngthnuilq für uns, sagen zu können, durch unsere Mühe und durch unsere Bestrebung ist soviel Geld gesammelt worden, alS dieses oder jenes Dorf mir seine» Hänschen gekostet. (Langanhaltender Beifall.) Wir haben auf diese W rse die Existenz von Familien geretter, die unglücklich waren, wir haben so Frauen ihren Gatte». Kinder ihren Eltern wiedergegeben. (Bravo!) Und deshalb darf ich wohl im Namen des Grünvungs<Comit6r des „Vereines jüdischer junger Damen „Llirjam“ die frohe Hoffnung aus» sprechen, daß diesem unserem Vereine eine solche Anzahl Mitglieder beitreten wird, die eS uns möglich machen wird, dieses Unternehmen, welche« ebenso wohlthätig als volkslhiunlich ist, in mächtiger Einigung zu fördern, und uns jenes beseligend- Gesühl zu verschaffen, das Jeden erfüllt, der im Stande gewesen, einem armen Unglücklichen zu helfen, und das bei uns noch dadurch erhöht-wird, daß es unsere Stammesgenoffinnen, daß es jüdische Fermen sind, denen wir so einen Herd, gründen, und . die wir so in den. Stand setzen, gleich unS im häuslichen Kreise ihrer Familie, rahig und glücklich zu leben. lNlchiendcnwollender Beifall und Händeklaischen. — Redner!» w rd vor allen Seilen beglückwünscht.) Unter den zahlreichen Corporationen nnd Privaten, die Begrüßungs-Telegramme und Briese sandten, sind hervorzuheben: Sr. Ehrwürden Herr Samuel Mohitiwer, Oberrabbiner von Bialystock nnd Alterspräsident deS „Montefiore-Berbalides"; Dr. Rubel» Vierer, kgl. Stadtarzt in Belgrad; Verein „Mikra Kqdesch“ in Lemberg und Verein „Zion“ in Heidelberg. Die Depesche des Letzteren lautete: Obisku we-nithchaskah bead amenn uwead arej elohenm Zion. (Seid stark und auch lvir wollen stark sein sür uiiser Volk und für die Städte unseres Gottes. Zion.) , Das Fest schloß mit einem äußerst animirten Tanzkränzchen, welches das junge Volk noch einige Stunden in muilterster Laune zusammciihielt. . Korrespondenzen. Lemberg. Am 31. October d. I. fand die IN. ordentliche Generalversammlung des jüdisch-nationalen Vereines „Mikra Kodescb“ statt. Nach Ertheilung des Absolutorinms an den abtretenden Ausschuß, wurde dem, Präses Herrn Rabb. Dr. Kobak spccirll für seine bedeutenden Verdienste um den Verein durch Erheben von den Sitzen der Dank votirt. Hierauf wurde zur Nemvahl des Ausschuffes geschrilteil,. wobei die Herren R ä b b.' D r. K ob ak, S t ro h," R o h aty n e r., D r am and, Fe^d. Stand wieder und Herr Ä w e r ba ch neu g'wählt wurden. Eine Ergänzüngswahl, wie auch eine Statüleiu evision wird bei der am 15. d. M. stattfindenden anßerorventlichell Generalversammlung vorgeliommen werden. Die Generalversalnmlung hat ferner aus Antrag des Herrn "Feld d e r Z eitschrif t „Se.lb st-Eman cipätion!" fürihr

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