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Selbst-Emancipation · 1885-11-02 · Heft 19 (2.11.1885) · p. Seite 4

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1885
Issue
Heft 19 (2.11.1885)
Date
1885-11-02
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Zeit that der Advokaturs-Concipient, Dr. Karl Kraus, ein Hebräer reinsten Kalibers, den Mahn- und Weckruf: „Landgemeinden -bleibt . deutsch!" Er vertheilte den gedruckten Hader selbst auf der Eisenbahn: „Mein Herr, Sie sind gewiß auch ein guter Deutscher, also bitte . . - ." Neben dem Fanatismus ist in diesem Machwerke besonders das auffallend, daß er, der Jude, sich den Anschein gibt, als sei er Christ — von einem christlichen Priester (nicht von einem Rabbi) getraut .... „Die Sprache", sagte er, „in der der Priester uns getraut . . ." So ist es eben die Manier deS Juden. Sie geben sich auch für Christen aus, wenn sie dieselben dupiren wollen. — I." —- Mahnt und weckt Euch selbst, Ihr „daitschen" Narren und lasset die wahren Deutschen in Ruhe! (Ki«e wahre Jüdin.) Wir entnehmen dem „Wiener Israelit": In Proßnitz (Mähren) ist am 13. October d. I. der dortige jüdische Arzt Dr. Bobek mit seinem Söhnchen zum Christenthum übertreten. Seine Gattin wollte die Taufe durchaus nicht annehmen, sie nahm den älteren Sohn mit sich und verließ den Arzt mit den Worten: „W i r beide bleiben treu dem angeborenen Stamme!" (Die Answeifungen aus Arenßen.) Ueber die Ausweisungen der „Polen" aus Preußen verbreitet eine Notiz der antisemitischen „Deutschen Reform" ein ganz eigenthümliches Licht. Es wurden bisher auSgewiesen 987 polnische (christliche) Gewerbetreibende,' die keinen ständigen Erwerb haben, ferner 216 Emigranten, sowie russische und österreichische Deserteure und 9300 Inden. — Was sagen unsere Tagesblätter mit ihrer Vertuschungspolitik dazu? (Kofprediger Stöcker) sorgt dafür, daß man an ihn nicht vergesse. Das in Kiel erscheinende periodische Witzblatt „Eulenspikgel" brachte ein Gedicht unter dem Titel: „Die modernisirten Zehngebote", worin Herrn Stöcker's in keineswegs sympathischer Weise gedacht wurde. Die Staatsanwaltschaft in Kiel erblickte in der Veröffentlichung dieses Gedichtes eine schwere Beleidigung des antisemitischen Hofpredigers, und zwar den Vorwurf . deS Meineides und fand am 20. October in Kiel die Verhandlung gegen den Redacteur des „Eulenspiegrl" statt. Die Verhandlung endete mit einem Freispruche des Angeklagten, da der Gerichtshof die Ueberzeugung von der Schuld desselben nicht gewinnen konnte. — Vorige Woche brachten die deutschen Journale die Mittheilung, daß Herr Stöcker den Rechtsanwalt Wolff aus Fürstenwalde beauftragt habe, gegen Herrn Prof. Strack wegen dessen Aeußerungen im Proceffe Simon May die Anklage wegen öffentlicher Beleidigung zu erheben. Die „Dresdener Nachrichten" veröffentlichten nun die Erklärung, daß Herr Stöcker nicht gesonnen sei, gegen Herrn Prof. Strack die Anklage zu erheben. — Er thut wohl daran! -- (Nüruänisch.) Große Aufregung verursacht in Rumänien die gewaltsame Austreibung von 40 jüdischen Familien aus Brusturosa (Moldau) auf Anstiftung des Popen des Ortes, der rin Sägewerk besitzt und so manche unbequeme Concurrenz los werden wollte. Militär brachte die Vertriebenen zurück. Die Gerichtsbehörden. leiten kein Strafverfahren ein, um nicht „neue Aufregungen" hervor, zurufen". — Ein österreichischer Jude aus Tarnopol, Leib Rosenkranz,/wurde gelegentlich einer Geschäftsreise nach der Moldau und, als er die Paßvidirung 'in dem Orte Herca verlangte, vom dortigen Polizeimeister nach eintägiger Jnternirung im Gefangenhausc, zu Fuß und in Kelten nach Dorodoi eskortirt. in Dorohoi drei Tage zurückgrhatteü, täglich geprügelt und ihm unter Anwendung von Martern das Kopf- und Barthaar rasirt, worauf er an die österreichische Grenze geschafft wurde. — Schöne Zustände! ' . (Hegen das Keöräifche.) In Nr. 5 unseres Blattes berichteten wir aus Buenos-Ayres (Süd-Amerika), daß daselbst eine Agitation im Züge sei, welche die Entfernung deS Hebräischen und Einführung der deutschen Sprache in' der Synagoge zum Gegenstand habe. Diese Agitation nahm so überhand, daß der Cultusrath für den 15. August eine Versammlung zur Berathung dieser Angelegenheit einberief. Bei derselben ging cs äußerst stürmisch her. Während eine große Partei dafür eintrat, das Hebräische durch das Deutsche zu ersetzen, beantragten zwei kleinere Parteien, daS Spanische, beziehungsweise dar Englische statt des' Hebräische» einzuführen. Diese drei Parteien boten ihre ganze Beredsamkeit auf, um ihren diversen Meinungen zum Siege zu verhelfen; jede derselben hatte einen dreifachen Kamps zu bestehen, gegen die anderen zwei Assimilationsparteien und gegen die hebräische Partei. Die letztere vertrat ihren Standpunkt mit einem solchen Feuereifer und mit einer solchen Ueberzeugungskraft, daß die Vorhalle deS Gotteshauses — in derselben fand nämlich die Versammlung statt — von mächtigen Beifallsstürmen erzitterte und ein Antrag darauf hingehend, über die drei antihebräischen Vorschläge zur Tagesordnung überzugehen, mit überwiegender Majorität angenommen wurde. So bleibt denn die hebräische Sprache nach wie vor die Sprache der Synagoge in Buenos-Ayres. — Wohl kein Fall könnte beffer die Folge der Hinausweisung des Hebräischen aus der Synagoge illustriren und diese wäre: Spaltung der einheitliche» mosaischen Glaubensgenossenschaft in verschiedene Nationalsynagogen, die dann, durch die Zerstörung der Einheit geschwächt, bald ihre Angehörigen zu Gunsten der verschiedenen Nationalkirchen verlieren würden. (Druckfehler-Berichtigung.) I» der vorigen Numnier unserer Blattes soll eS im Berichte über die Gründungsfeier deS Vereines „ÄhavBBi Zijon“ in Hamburg Chewrah Studentith statt „Chewrath 8t.“ heißen. Korrespondenzen. Von unserem Bukarester Correspondenten erhielten . wir kurz vor Schluß des Blattes (Freitag Mittag) folgendes Telegramm: Wuccrrest, 29. October 1885. Laut soeben bekannt geworbener Verordnung der Aegierung wurden 12 Inden ausgewieseu, unter denen sich Ir- Haster, bekannter rumänischer Ahilologe,^Ar. Schwarzfeld; Kerausgeber der assimilatorischen Zeitschrift „Fraternitatea“, Ar oziner, Ahef-Aedactenr der Aukarester „Dreien Presse" und noch mehrere Journalisten befinden. Auch derfränzöfische Aublicist, Armand L evy, der Arojectant eines rumänischisraelitischen Konsistoriums, ausgewiesen ist. — „Etoile Roumaine“ sagt, die Israeliten hätten sich durch Angriffe auf Anmanien bemerkbar gemacht. Krakau, den 21. October 1885- Soeben ist der zweite Jahresbericht des hiesigen Lesevereines der jüdischen — pardon „alttestamentarischen *)" —Handelsangchörigen zur Veröffentlichung gelangt. Ich würde desselben gewiß gar nicht Erwähnung thun, denn der ganze Verein ist herzlich unbedeutend, wenn nicht der ipeichelleckerische Ton, in dem der Bericht gehalten ist und die Bestrebungen dieses Vereines überhaupt bezeichnend wären für die Denkart derartiger polnisch-mosaiischer Assimilationsvereine, C’est le ton, qui fait la musiqus. Im ganzen Berichte findet sich kein Mort, jüdischen Selbstbewußtseins, dagegen in jeder Zeile Heuchelei und Kriecherei gegen die Andersgläubigen. Assimilation um jeden Preis ist eben das sehnsüchtige Ziel des Vereines. Um die Nachäffung auf jedem Gebiete perfect zu machen, wurde sogar unter großen Anstrengungen ein Billard, angeschafft *) „8tarOMkonnej“.2lnm. b. SReb*

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