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Selbst-Emancipation · 1885-10-16 · Heft 18 (16.10.1885) · p. Seite 5

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1885
Issue
Heft 18 (16.10.1885)
Date
1885-10-16
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Sir. 18 Tel b st- Emancipation! Seite 5 unseres Wiener Freundes, des Herrn N. B—m., „Rachels Klage*)" vor. Wir übergehen es, den mächtigen Eindruck zu schildern, welchen diese herrlichen Strophen ans sämmtliche Anwesenden machten; beinahe unaufhaltsam ertönten die lebhaftesten Beifallsrufe.n Hierauf schallten die herrlichen Weisen des Mozärt'schenBnndesliedes durch den Saal. Es war ein .Männer-Quartrtt,' aus Mitgliedern des „Chorvereines"' bestehend/^ die in unübertrefflicher Weise das wunderbare Lied vortrugen. ' Kaum wären die letzten Töne verklungen, so betrat der Vereins-Archivars Herr Solomon Gvldschmidt, als Festredner die Tribüne. Derselbe sprach in fast ^stündiger Rede ungefähr Folgendes: In allen Synagogen seien s. z.'heiße Gebete für Moses Montefiore emporgestiegen, jeder Jude sei stolz darauf gewesen,, der Glaubensgenosse eines solchen Mannes zu sein. Man sei dann des Weges an sein Geschäft gegangen und habe vergessen, daß es nicht genügend sei, den Mann zu bewundern, daß mau sich auch bestreben , müsse/ seine Ziele nach Kräften zu fördern. Redner setzte sodann die Bestrebungen'des Montefiore-Verbandes betreffs Colonisülion auseinander und betonte, daß es Pflicht eines jeden Judeii sei, die gute Sache im Interesse des heiligen Landes sowohl, als auch in dem der eine Zufluchtsstätte suchenden bedrängten Brüder zu unterstützen. Redner geißelt sodann mit nachdrucksvollen Worten, wie das Studium der hebr. Wissenschaft', insbesondere das der Geschichte vernachlässigt werde. Man wisse wohl, wenn man die Schule verlasse, von den Tyrannen Chinas,' der Hunnen und Hinterindiens, von deren Werken nichts geblieben, als ein blutiges Blatt in der Geschichte, die ihren sogenannten Ruhm mit dem Blute' anderer sich errungen, kelme jedoch nicht die eigenen Heroen, tue ihre Ueberzeugung mit ihrem eigenen Blute glorificinen. kenne nicht die eigenen Geistcsfürsten, deren Werke die Jahrhlinderte überdauern. (Beifall). Redner wendet sich sodann an die Lehrer,, sie ausfordernd,' dem Wissensdurstder dem' Vereine angehörenden Jugend Nahrung zu geben und nicht wie die Brüder Josefs zu sprechen: „^nireb, mah jii’ju chalomottaw“ — „Wir wollen erst sehen, was aus den Träumen dieser Träumer wird";. sodann an die Jugend, sie auffordernd, die beiden Ziele des Vereines, Colonisation und Studium 'zu fördern. Das Alter müsse man ausschließen, jedoch nicht das Alter mit dem grauen Haupte und dem gebeugten Rücken, sondern das, dessen Herz erstorben und keiner glühenden Gefühle für die gute Sache fähig sei. — Schließlich wendet sich Redner an die Damen, deren Liebenswürdigkeit er ' zu schätzen wisse, bereu gesteigerte» Jndifferentismus jüdischen Wesen gegenüber er jedoch scharf tadeln müsse. Er stelle ihnen das Bestreben ihrer Wiener Schwestern zum Vorbild und was die Wienerinnen könnten, müßte den Hamburgerinnen nicht schwer werden. (Lebhafte Bravorufe). Redner schließt mit froher Zuversicht auf das Gedeihen des Vereines „Abavaso Zijon“ und hofft, daß seine Bestrebungen von Erfolg begleitet sein werde». (Nichteudenwollender Beifall.) Hierauf verlas Herr Moriz S. Wolss als Vorsitzender des Fest-Comitäs die eingelaufenen Telegramme, von denen wir folgende hervorheben: Wien. ZionsbrüderEin donnerndes Hoch und jüdisch-na» tionalen'Gruß vom Vereine „Zukunft." St. Petersburg...Gründungsfeier brüderliche Glückwünsche. „A chwathZijo n.“ Wien« Achenuh . bath Zijon.ahawathohem bath Zijon ahawathenn : am olam' chibathchem - ' J ' am olam chibathenn ’' -al ken aimcbathchem — simcha thenu. ■r.'.. Cbewratb Stadeniith „Kadima.h“ **) *j Siehe Nr--12 der .Selbst-Emancipation". Anm. d. Red. **) Brüder 1 Die Tochter Zions.ist Eure Liebe, die Tochter Welchen Eindruck besonders diese letzte Depesche auf das Publicum machte, ist unsere Feder zu schildern nicht im Stande; dies Eine aber steht fest, daß das Band der Einigkeit zwischen allen Obovaive-Zijon-Vereinen uner- - schütterlich ist, al ken simcbatbenu. Nach einer Pause, inscenirte die Musik ein Potpourri ans Don Cesar, worauf . Herr Ignaz Mandel das herrliche. Lied „Behüt' Dich Gott!" aus dem« „Trompeter von Säkkingen" vortrug. Wie schon hälifig, bewies Herr Mandl auch mit diesem Vortrage, daß er bei einem wohltönenden Tenor im Stande , ist» sich seiner Aufgabe ourch richtige, taktvolle Formation, auf's glänzendste zu erledigen. Das bereits erwähnte Männer-Quartclt trug sodann ein im jüdisch-nationalen Sinne gehaltenes Lied vor, welches zu rauschenden Beifallsbezeugungcn Anlaß gab. Wiederum erschien Herr Salomon Goldschnüdt auf dem Podium, und das voll ihin vorgetragene Gedicht, „Ein Baal Teschuwah" von Chamisso, bewies, daß Herr Golvschaiiv! nicht nur ein vorzüglicher. Festredner, sondern auch ein ausgezeichneter Declamator sei. Wie von einem Zauber ergriffen war das Publicum jedoch, als dann die Musik die herzerhebendeMelodie des „le-Dawid barucb“ anstimmte. Waren es vordem Applaus». stürme gewesen, so war es nunmehr ein wahrer BeifallSorkan, der dieser' Musikaüfführnng folgte. Nach' lebhafteil Vaoaxo-Rufen erschallten noch einmal die herrlichen Psalm- Der Schriftführer, Herr Hermann. Wolfsberg lud alsdann die Anwesenden zum Besuche der regelmäßigen Versammlungen des Vereins ein, welche jeden Montag Abend um 9 Uhr in Berling's Restaurant, Neuerwall 101, stattfinden. Damit war das Programm erledigt, doch hielt ein Tanzkrävzchen die fröhliche Jugend noch vis in vre frühe Morgenstunde zusammen. Daß man im Allgemeinen immer mehr, auch in Hamburg, der mächtigen Hansestadt, nuferes echt jüdischen Sache sich zuwendet, beweist der Umstand, daß an diesem Festabende nicht nur eine große Äibzahl Herren dem „A-bavaso Zijon„-Bereine als active Mitglieder beitraten, sonder», daß aüch eine nennenswerthe Zahl von Verbandskarten abgesetzt wurde. Wir sind dir Hoffnung, daß die demnächst zu veranstalteirde Makkabäer-. Feier einen noch größeren Erfolg aufwei'en wird, als dieses im wahren Sinne des Wortes jüdisch-nationale Fest, die Gründungsfeier des Vereines „Abavass Zijon“ in Hamburg. — Korrespondenzen. . Lemberg, 5. Oktober. Die vom jüdisch-nationalen. Vereine Nißra Xoässob einbernfene Versammlung zum Zwecke der Berathung über die Art eine: möglich raschen Hilfeleistung unserer aus dem deutschen Staate ausgewiescnen unglücklichen Stammesbrüder ist vorläufig nicht nach Wunsch des Vereines ausgefallen.' Zur Berathung fand sich das hiesige Häuflein Assimilanten mit ihrem Kalchas an der Spitze, ein, die ein Comite wählten, welches das zu gleichen Zwecken bereits bestehende christliche Comitö um Aufnahme in chren Verband zum gemeinsamen Handeln anzugeheii, und über das Resultat der nächsten Versammlung zu rcfcciren habe. So arten rein-nationale Unternehmungen in A s s im il a n t e n k u iff e aus! Diese Herren jüdischen Polen scheinen durch bas letzte Vorgehen unserer hiesigen christlichen Mitbürger, die bei den Juden' zum Zwecke der Feri'eneolonien e i n Zions ist unsere Liebe; — das ewige Volk ist Eure Leidenschaft, d-S ewige Volk ist nnsere Leivenschaft; — darum ist Eur e j Freude — unsere Freude.— Akademischer Verein „Kadimah“.

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