Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1885
- Issue
- Heft 18 (16.10.1885)
- Date
- 1885-10-16
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Nr. 18 Seite 4 selb st-Emailcipation!': und Nichts fürchten'sie so sehr, als auch nur den entferntesten Verdacht, daß auch sie mit ihren Stammesgenossen -solidarisch sind. In'-ihrer Beschränktheit-betrachten sie-diese Solidarität als Sünde und: Verbrechen gegen ihre polnischen Mitbürgern, denen gegenüber sie sich erniedrigen und jedwede .Lakaiendienste verrichten, mit dem Eifer jenesberüchtigten-biblischen Sclaven, -dem nach den Gesetzen Mosis das Ohr an einen Thürpfosten angenagelt wird zum Zeichen der ewigen Sklaverei!. Von den Thaten dieser sich s-?l bstverIeug-. nenden Lakaien wollen wir ein anderes Mal sprechen. Wir wollen hier nur bemerken, daß sie mit dem gesunden Menschenverstände, mit dem natürlichen Gefühle und dem Anstande sich im Widerspruche befinden. Zwar werden diese Thaten nur belächelt, leider aber sind die Urheber derselben- „einige von unsere Leut".- - (Fortsetzung folgt.) GhroniK. (Aus dem österreichischen Abgeordnetenhause.) Von den vier deutsch-nationalen, antisemitischen Abgeordneten haben.S ch ö n.t rer, Fiegl und Türt den „Verband der Deutschnationalen" geschlossen, dem sich auch der vierte Dr. P a t t a i sicherlich, bald anschließen wird. . Ein Punkt des Clubprogrammes lautet: „Beseitigung des jüdischen Einflusses auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens." Dieser Punkt brauchte uns nicht sonderlich zu Herzen zu gehen, wenn wir nicht wüßten, daß er-unausgesprochenes Ziel auch des „Deutschen Clubs" und eines großen Theils des übrige» Parlamentes ist. — In einer der letzten Sitzungen des Polen-Clubs hat sich nach den Meldungen der Tagesblätter der Geistliche Ruczka bei Ge» lege.iheit der Wahle» in den Gewerbeausschuß in -fulminanter Weise gegen .den Antisemitismus ausgesprochen. Dagegen berichtet der antisemitische „Oesterreichische Volksfreund", der bei Kanonikus Ruczka selbst darüber Erkundigungen eingeholt haben will, daß sich der erwähnte Cleriker nur gegen den gewaltsamen Antisemitismus,, nicht aber gegen den gesetzlichen Schutz der Christen vor den Juden ausgesprochen habe. (Proeetz Ritter.) In der zum dritten Male vorgenommenen Schwurgerichts-Verhandlung haben die Geschwornen wieder einstimmig die drei Angeklagten Moses Ritter, Gitel Ritter und Marcin Stochlinski zum Tode, durch den Strang verurtheilt. — Die Einstimmigkeit der Perurtheilung ist ein beachtenswerthcs Zeichen der Zeit...- -- (Wozu die Leute Geld haben.) Daß es in Ungarn überall zwei oder sogar drei israelitische. Gemeinden in einem One gibt, ist eine alte Geschichte. Aber daß die Budapester orthodoxe Gemeinde daran geht, einen eigenen „orthodoxen" Friedhof anzulegen, das geht schon über alle Grenzen..Und zu diesem herrlichen Werke fanden sich sofort nach der diesbezüglichen Aufforderung fünf Herren, dir die stattliche Summe von 30.000 fl., sage, dreißigtausend Gulden für diesen Zweck zeichneten. Diese BedauernSwerthen, die sich daran stoßen, wen» ihre Gebeine neben denjenigen von Stammes-'und Glaubensgenossen modern, weil diese weniger rigoros waren! Heißt der Friedhof etwa deshalb im Hebräischen „Haus des. Lebens", um dadurch anzudeuten, daß auch hier die Zwistigkeiten der Lebenden fortdauern? Pfui über das Ausdehnen der Zwietracht über dar Grab hinaus 1 — Würden die hochherzigen Spender das Geld lieber für. die Colonisation Palästinas bestimmt haben, dann hätten sie vielleicht sogar einstens das. Bergpügeu genießen können, in Erez-Jsrael-Erde begraben zu sein. , (Pater Eberhard,), welcher bekanntlich die Rachel Stieglitz ohne Einwilligung ihrer Eltern entführt und in ein Kloster internirt hat, wurde im vorigen ^Jahre von dem pratestantisthen Gärtner M o r g e n st e r n beschuldigt, dem Letzteren ebenfalls seine Tochter entführt zu haben. Pater Eberhard '-strengte nun - geoen Herrn Morgenstern, sowie gegen dessen'Vertreter die Ehrenbeleidigungsklage an und beide Angeklagten wurden von dem Bezirksgerichte zu längeren Freiheitsstrafen verurtheilt. Gegen dieses Urtheil .ergriffen die Verurtheilten die Berufung und bei der, vorige Woche beim Appelsenate in Krakau stattgehabien Verhandlnng wurden dieselben freigesprochen. Der Vertreter des Klägers zog sich , überdies eine strenge Rüge seitens des Vorsitzenden zu, weit her die Angeklagten in scharfer Weise angegriffen hatten (Zu den Wahle» in Frankreich.) Aus Constantine (Algier) wird unterm 9. b: M. gemeldet: Bei einem gesternzu Ehren der opportunistischen Depntirten gegebenen Punch;eine Bande von Intransigenten die-opportunistische Versammlung an und'-bewarf dieselbe mit Steinen unter -' den Rufen: „Tod den-Juden!" '— Wohl gemerkt! Das sind Glieder des ganz besonders judenfreundlichen französischen Stammes-! > (AnS Warschaü) wird unterm 3. dieses Monats mitgetheilt: Auf Anordnung des Generalgouverneurs Gurko wurde eine Commission unter Vorsitz des Baron .Meide» eiiigesetzt, welche die Rechte der Juden in Russisch- Polen zu revidircn und „nöthige" Beschränkungen vorzuschlagen hat. (IN Minsk) in Rußland kam es unlängst zu folgender Curiosität: Nach einer der.neuesten Verordnungen .wurde den jüdischen Gymnasiasten und Studenten - der Unterricht christlicher Schüler verboten und es ist ganz natürlich, daß sie genöthigt waren, denselben aufzugeben. Ein Gymnasiast, der ältere Sohn eines Militär-Arztes der obenerwähnten Stadt, wandte sich an den Gymnasial-Chef Mit der Frage. > ob, er seinen jüngeren, g e t a u f ten . Bruder unterrichten dürfe, worauf er von der Schulleitun g eine verneinende Antwort erhielt. (Judeuhetzen in Rußland.) Aus Warschau wird unterm 10. d. Mi telegrafirt: „Im Dorfe Poniemun Pozajen (Kreis Märiampol) kam es zu argen Judenkrawallen -und entspann sich, als die Polizei einschreiteu wollte, ein Handgemenge zwischen diesen und den Krawall-; machern, so daß zuletzt geschossen werden mußte. Zahlreiche Verhaftungen wurden vorgenommen. Die Untersuchung ist bereits eingeleitet. (In vielen Stödten Rußlands) wurde von den „Zionsfreunden" in den Halbfeiertagen des Luoooblr-Festes das althebräische „Wafscrschöpf-Fest" gefeiert. Gründungsfeier Vereines „Ahawass Zijoii“ in Hamburg, . (Zweigvereines des Montefiore-Verbandes.) Am Ausgange des „Sodabbatd Lsrssoditd" 56^6 (3. Dctob. 1885.) (Original-Bericht der „Selbst-Emancipalion!") Schon um 8 Uhr Abends :war, der. große, .schöne Saal der „Erholung" fast gefüllt; als um 9 Uhr vom Vorstandstisch das Zeichen zum Anfänge gegeben, wurde, sah man ' kaum, ein Plätzchen unbesetzt. Nach Abspielung einer Ouvertüre betrat der Vorsitzende.des Vereines, Herr Ferdinand Wolfs, unter allgemeinen. Beifallsrufen die Tribüne unb _ eröffnet? die Feier mit einer kurzen aber energischen Rede, die Hoffnung aussprecheud, daß dieses. erste öffentliche Fest des. Vereines zur Förderung und Kräftigung seiner erhabenen Jd^en beitragen werde, Nach einer Musikpiece, welche von einem jüdischen Prüderpaare ausgeführt wurde, trug Fräulein Johanna Meyer das herzerhebende Gedicht