Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1885
- Issue
- Heft 17 (1.10.1885)
- Date
- 1885-10-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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,-e lb st - E m an c ipa ti o n! Nr. 17 Muß ihm da nicht jeder Appetit vergehen? Von Lust und Liebe zum Gegenstände kann da entschieden keine Rede mehr sein. Darin liegt meines Erachtens der Cardinal- Fehler, denn wie bekannt sind ja die ersten Eindrücke bei den Kindern die bleibendsten. Das sieht selbst der Laie ein, daß das kein pädagogisches Vorgehen ist. Es liegt ferner auf der Hand, daß dem Kinde — bevor man zum eigentlichen Bibelunterrichte schreitet — etwas geböten werden müßte, wodurch der Grund' gelegt, der Weg geebnet, planmäßig znm hebräischen Sprachunter- 'richte vorbereitet wird; das Kind muß eine Vorbereitungsschule durchmache», in welcher rationell vorg"arbeüct ivird, in der Weise,' daß der spätere hebräische Spiachuuterricht ihm leicht, folglich auch interessant und angenehm gemacht wird. Dazu ist nun unstreitig gerade die Fibel am geeignetsten. Dieses Buch bekommen ja auch die Kinder in die Hand, wenn ihnen die ersten Elemente des Lesens und der Sprache beigebracht werden. Sehen wir uns-nun dieses Lehrmittel an I Prüfen wir, ob die bisher erschienenen Fibeln diesem Zwecke entsprechen! Es ist nicht meine Manier Steine auf die frtthern Verfasser zu wersen, Die ältern Verfasser der hebräischen Fibeln mußten ja auch den . damaligen Verhältnissen Rechnung tragen. — In jener Zeit begann man (»i der jüdischen Volksschule) überhaupt jeden Unterricht nut dem hebräischen Lesen. Die Haarspalterei und die Aengstlichkeit, die die damaligen Verfasser an den. Tag legten, ist ihnen also zu verzeihen, denn das Kind hatte damals überhaupt das erste Mal mit den Schwierigkeiten des Lesen-Erlernens zu kämpfe». Charakteristisch bleibt aber das planlose Zusammenstellen von einem ' Meere den Kinder» ganz unbekannter Begriffe. Welche Anregung, bietet das für den späteren Sprach-Unlerricht? Wird dadurch das Sprachgefühl rege? Wird dadurch dem ivätern Bibel-Unterrichte vorgearb.-itei? Wahrlich nicht! Die neuer» Verfasser fanden schon ein fruchtbares Terrain vor. Heute ist es ja schon ganz anders geworden, heute sind die Kinder schon über die Leseschwierigkeiten in der Muttersprache — in manchen Gegenden sogar über die der zweiten Landessprache — hinaus, dann erst schreitet man zum. hebräischen Lesen. Sehen wir nur, wie die neueren Verfasser diesen gordischen Knoten lösten? Wir finden in den neuesten Fibeln den alten Schlendrian in erneuerter Auflage fortwuchern, dasselbe Chaos von Begriffen aufgespeichert. Heißt das nicht den Gegenstand verleidet — von Lust und Liebe zu demselben will ich gar nicht reden — wenn man die bereits geistig geweckten Kinder Wochen, ja Monate lange mit un-' zusawenhängenden Begriffen maltraitirt? Wir vermiffen in den neuesten Fibeln auch jede Anbahnung zum späten, Sprach-Unterrichte, jede Anregung zum Denken. Nach einer solchen Fibel zum Bibel-Unterrichte überzugehen ist das pädagogischer Tact? Ein methodischer, naturgemäßer Uebergang zum späteren Unterrichte? Bei weitem nicht! Glauben aber die neuesten Verfasser, daß die hebräische Fibel blos das'mechanische Lesen zu erzielt» habe, da wären sie ebenfalls auf dem Holzw ge. Ist es pädagogifch denkbar: Auf der eine» Seite, bei allen andern Disciplinen das ernsteste Bestreben, die heiligste Pflicht, den Geist des Kindes zu wecken, dasselbe zum Denken anzurrgen, durch rationelle Behandlung jeden Gegenstand leicht, interessant und angenehm zu machen, . Lust und Liebe zu erwecken, auf der andern Seite — beim hebräischen Unterrichte der leibhafte Mechanismus, der tobte Buchstabe. Das hieße nicht nur, was aus der einen Seile erzielt wurde'auf der anderen wieder , abgeben, sondern den Geist des Kindes gerade kgegen unsere heilige Sprache abstnmpfen, das hieße nicht nur den Bibel-Untert icht nicht fördern, sondern vielmehr gefährden, nicht nur keine Sym pathie gegen unsere Nationalsprache, sondern Antipathle gegen dieselbe erwecken. In einem dritten Artikel werde ich mir erlauben die Aufgabe der hebräischen Fibel zu besprechen und so pädagogisch nachzuweisen, daß auch der hebräische Unterricht — wenn demselben planmäßig vorgearbeitet wird, leicht, interessant üiid angenehm gemacht werden kann. Filipp Kun Offieielle Mittheiluiigeu des akademischen Wereines „Kadimalt“ in Wien. Das Vereinslocal e, II., Herminengasse Nr. 10, 1. Stock, wird Sam stag, de n 10. k. M., Abends um 6 Uhr wieder eröffnet und werden au de», Ausschuß zu richtende Aufnahmsgesuche voll Montag, den 12. October, an, täglich mit Ausnahme Freitags, Samstags und Sonntags in den Abendstunden entgegeiigenoninien. Donnerstag, d e n 15. O c t o b e r, findet Abends um 7 Uhr eine Ausschußsitzung statt. Für Samstag, den 17. October, Abends um 6 Uhr, werden alle Herren Mitglieder zu einer in Robitsch ek's Restauration (I. Wipplingerstraße 47, vis-a-vis der Börse) statifindenden außerordentlichen Plenarversammlung eingeladen. Die Tagesordnung ist folgende: 1. Fortsetzung der Statutenändernng. — 2. Eventualia. — Der Plenarversammlung schließt sich ein geselliger Abend an, bei dem jüdische Gäste herzlich willkommen sind. » Für b c ii An s sch u ß : 8tud. jur. Abraham Salz, stud. jur. Nathan Birnbaum, dz. Schriftführer in deutscher dz. Präses. Wie», den 20. Disvhri 5646. 29. September 1885. Offieielle Mittheilunge» Vereines jüdischer junger Männer „Zukunft" in Wien. — In der am 13. September stattgehabten Ansschnß-Sitzinig wurde den Herren Rabbinern Lazar Münz (Kempen) und Wilhelm Dt ü n z (Gleiwitz) für die dem Vereine gespendeten Bücher der Dank prorocollarisch ansgedrückt und weiters beschlossen, dem löblichen Vereine „Ahavass Zijon“ in Hamburg für die uns anläßlich des Jahreswechsels übermittelten Glückwünsche unseren Daiik schriftlich auszudrücken. — In der Ausschuß-Sitzung vom 21. September wurde den Herren Rabbiner Dr. I. R ü l s in Memel und Osias Attlas in Dembina für ihre Bücherschenkungen an den Verein protocollarisch gedankt. — Am Abende des 26. September wurde die Diskussion über das Thema: „Sind die Juden eine Nation?" fortgesetzt, jedoch nicht zu Ende geführt und findet die Fortsetzung derselben am Abende des 10. October nachdem bereits angeküiivigteii Geschichtsvortrage in Robitjchek's Localuätrn, I., Wipplingerstraße Nr. 47 statt. — Am 3. October. Abends 8 Uhr, wiro in Herrnfeld's (nicht in Kilhner's) Lokalitäten (l., Schottenring, Börsegasscö) die S imchath-Thor ah-g r i r r, verbunden mit einem Tanzkräiizchen, abgehalten. Enträe- (für «Mitglieder und deren Angehörige) frei,