Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1885
- Issue
- Heft 17 (1.10.1885)
- Date
- 1885-10-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 17 Selb st-Emancipation! ©fitr 5 Berichtigung: In der vorigen Nummer unseres Blattes soll es im Berichte über den Verein „Mirjam“ bei Angabe des Vereiuszweckes statt „die Colonisation Palästinas" -heißen „die Unterstützung der Colonisation Palästinas.") Kischinew, den 11. 23. September 1885. Ich kann Ihnen die freudige Nachricht bringen, daß auch in Kischinew bereits ein Zweigverein des Montefiore-Verbandes existirt nud die ersten 100 Rubel bereits nach Warschau an's Central- Comitö abgegaugen sind. Ereur Jom Kippur war ich mit einem Gesinnungsgenossen in vielen Synagogen Kischinews und habe» wir den dort stehenden Sammeltellern überall .je einen mit der Aufschrift hinzuqefügt: I'ssolrsr nisch- ' mati. hazadik R. Mosckeh Montefiore s. z. 1. — maskaratli Mosche, li-jeschuw erez hak’doschah. Auf diese Weise kamen 50 Rubel zusammen, abgesehen von dem moralischen Erfolge, dadurch die Colonisationsidee im Volke bekannt gemacht zu haben. Reo K. (Ezah we-<uscli!ah) betitelt sich eine kleine, von dem Agronomen Herrn Manasse Meyerowitz in Warschau -herausgegebene Brochüre in hebräischer Sprache, . die der Verfasser dem bekannten Zionsfreunde, Herrn K. S. Wissotzky, widmet und in welcher er darlegt, wie durch . rationellen Weinbau die Colonisation Palästinas gefördert werden könnte. Durch Pflege des Weinbaues und der Weinrrzengung wäre dreierlei erreicht. 1. Eine ausgedehntere Colouisatio». 2. Die Gewährung der Möglichkeit, einige Jahre außerhalb Palästinas zu bleiben und dann bei der Ankunft Alles zu einer sorgenlose» Existenz vorbereitet zu sinden. 3. Befriedigung der jetzt allenthalben ■im heiligen Lande regen Arbeitslust. Herr Meyerowitz legt, in Kürze zusammengefaßt, die Sache folgendermaßen dar: Der Moiitefiore-Verbanv betraut ein eigenes Comits mit dieser Angelegenheit, welches den geeigneten Boden ausfindig macht, der hier umso leichter zu erwerben ift; da auch sandiges und felsiges Erdreich benützbar ist. Durch den Erlag von 500 fl. für den Ankauf des Bodens und einer durch 4 Jahre jährlich zu bezahlenden kleinen Summe (etwa 50 fl.) für die Anpflanzung und Instandhaltung des Weinberges, die durch von Moutefiore-Verbande angestellten Leute geschieht, kann jeder Fanulienvater, der diese verhältnißmäßig kleine Summe aufwendeu will, binnen vier Jahren im Besitze eines Weinberges im Werthe von 1000 Gulden, und eines jährlichen Einkommens von .700—1400 fl. sein, abgesehen davon, was ihm der Gemüsebau und die Viehzucht trägt. 25 solche Weinbergbesitzer sollen eine Colonie bilde.,. — Herr Wissotzky hat sich in einem Briefe an die Warschauer „Zionsfreunde", der auch in der Brochüre abgedruät ist, mit diesem Projecte einverstanden erklärt und theilt mit, daß er bereits seinen Geschäftsträgern den Auftrag gegeben habe, nach einem passenden Grunde für die erste derartige Colonie zu forschen. — Es ist mit Bestimmtheit zu erwarten, daß viele Stammesgenosien sich diesem nationalen und zugleich rentablen Unternehmen anschließen -werden. Literarisches. „Der ewige Jude" von Lndw. Börne, in's .Hebräische übertragen von A. I. D zo n. — Lemberg 1885. — Es ist sicher kein leichtes Unternehmen, genannte Schrift des großen Börne, mit welcher er die Staatsbürger- und Menschenrechte unseres Volkes gegen mittelalterliche Institutionen und gegen germanischen Antisemitismus so trefflich vertheidigte, in's Hebräische zu übersetzen. Wir haben alle Ursache, Herrn Dzon zu seiner literarischen Arbeit zu beglückwünschen. — In seinem Werke ist das Original nicht zu verkennen, denn seiner leichten Feder ist es gelungen, die Börne'sche Apologie in ein schönes Hebräisch zu kleiden. Die 5 Seiten starke Vorrede verdient besonders genannt zu werden. Die gehobene Sprache derselben zeugt von dem tiefen Gefühle, mit welchem sie geschrieben wurde. Sie enthält eine kurze, national-historische Darstellung der Judenfrage. In Anbetracht der überwuchernden antisemitischen Schriften und der tausendfachen ausgesprochene» und gedruckte» Beschuldigungen gegen die Juden muß man die apologetische Literatur bei allen bis nun erschienenen Schriften — für viel zu klein betrachten. Jede gute apologetische Schrift muß uns theuer sein, besonders, wenn sie hebräisch spricht, denn sie befestigt das Vertrauen des Volkes auf sich s e l b st und erstickt die Krankheit des sogenannten jüdischen Antisemitismus im Keime. Aus diesem Grunde empfehle» wir die gelungene Uebersetzung des Herrn Dzon auf's Wärmste. K. „Tsehto tafeoje Ewreistwo?“ (Was ist Judenthum?) von F. Getz. St. Petersburg 1885. Die in fließendem Russisch geschriebene Broschüre zeigt in sehr geistreicher Weise einerseits die Verdienste des jüdischen Volkes llin die Menschheit und andererseits die Unmöglichkeit der Assimilation. Mit der unserer Ansicht nach blos platonischen Liebe des Verfassers zur Zionsidee könne» wir uns freilich nicht zufrieden geben und theileu wir diesbezüglich nicht seine Meinungen. Abgesehen davon aber können wir die Broschüre nur auf's Wärmste empfehlen; dieselbe ist um 60 Kopcken in der Redaction des „Hamelitz“ zu haben. — Der Unterricht des Hebräischen an unseren Volksschulen?) Es ist leider eine traurige Thatsache, daß der hebräische Unterricht zum Paria unter den Disciplinen der j ü d i s ch e n V o l k s f ch u l e herabgesunkeu ist. Sollen wir noch länger zusehen, wie das jüdisch- Kind der nationalen Sprache, der Religion ganz entfremdet wird? Kann denn diesem Uebelstande nicht abgeholfen werden? Ist es denn nicht möglich, zur Hebung, Förderung und gedeihlicheren Entwicklung dieses so wichtige» Gegenstandes in der jüdischen Volksschule beizutragen? Ich will mich nicht in Recriminationen einlassen, weder die Lehrer und Eltern noch die Seelsorger und Schul-Vorstände beschuldigen. Wie der verständige Arzt bei der Saairung eines Nebels nach der Entstehung desselben zu forschen hat, so ist dasselbe auch hier geboten: Ich war ein Viertel Jahrhundert in den verschiedensten Gegenden praktischer Lehrer, kenne die jüdischen Verhältnisse und Schulen, habe jetzt nebenbei auch den Vortheil, diese wichtige Frage objectiv besprechen zu können: Meiner unmaßgeblichen Meinung nach ist die Unterrichts-Methode. die B e h a n d l n n g s w e i s e, die dem hebräischen Unterrichte zu Th eil wird, die Ursache desselben. Jede Disciplin in der Volksschule wird möglichst interessant und angenehm gemacht, nur für den Unterricht des Hebräischen weiß man keine Liebe bei den Kindern zu erwecken, dieser wird nur bagalellmäßig behaidelt. Wenn man einem für die Mittelschule reifen Schüler bei der ersten L e c t i o n in der lateinischen Sprache den „Ovid" vorlegen würde, was für große Augen würde er da machen? Welche Lust und Liebe würde er für die lateinische Sprache bekommen. Einem sechsjährigen Knäblein legt man bei der ersten Lectionen das Buch der Bücher vor : Das ist der Anfang, so wird dem armen Knäblein der Tisch gedeckt! Muß es da nicht zitternd zurückschrecken? *) Siehe Nr. 16, Elugesenbet.