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Selbst-Emancipation · 1885-10-01 · Heft 17 (1.10.1885) · p. Seite 7

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1885
Issue
Heft 17 (1.10.1885)
Date
1885-10-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 17 Selb st-E mancipatio n! — Die Karten für die Gründungsfeier können von nun an durch die Ausschußmitglieder bezogen werden. Auf schriftliches Verlangen von 28 Vereinsmitgliedern findet Sonntag den 4. O c t o b e r, um 2 Uhr Nachmittags in R o b i t s ch e k's Lokalitäten, I., Wipplingerstraße Nr. 47 (vis-a-vis her Börse) eine autzerorvemliche Plenarversammlung mit folgender Hagesordnung statt: 1. Geschäftliche Mittheilungen, 2. Statuten-Aendernngen, 3. Nachwahlen in den Ausschuß, 4. Anträge und Interpellationen. Die Herren Mitglieder werden d r i n g e n d st ansgefordert, bei dieser Versammlung bestimmt zu erscheinen! Das Local,' des Vereines befindet fich vom 10. October ab: II., Herminengaffe Nr. 10, 1. Stock. Sitzungen für d i e Zeit vom 4. bis 16. October: Sonntag.- den 4.: 2 Uhr Nachmittags: Ausschuß- Sitzung (Robuschek's Local). Montagden 5.: 7 Uhr: Geschichtscomin.ssioii. — "»8 Uhr: H b:äischer Sprach und Sprech Club. — 8 Uhr Gründuugsfeier-Coml!« Mittwoch, den 7.: 7 Uhr: Agitationscomite. Sonntag, den 11.: 3 Uhr Nachmittags: Ausschuß- Sitzung (im neuen Vr> einslocale). Montag, den 12.: 7 Uhr: Geschichtscommission. — 1,28 Uhr: Hebräischer Sprach- und Sprech Club. :— 8 Uhr: Gründungsfeier-Comite. Mitttwoch, den 14.: Gründnngsfeier-Comits. 19. Tischri 5646. ' 28. September 1885. Für die Bereinsleitung: Lazar RathhauS, Rudolf Schriftführer.! ^eldbaum. Officielle Mitthcilnngeu Vereines „akava88 Zi]on“ ixt Karnburg, Aweigsertine» des Mo»1rfiore-A«rl>a»der. Seit dem letzten Berichte haben wir einen erfreulichen Aufschwung in der Zahl der Mitglieder und Förderer des Vereines zu verzeichnen; auch können wir mit Vergnügen constatiren, daß dir hiesigen jüdischen Damen immer mehr Interesse an unserer guten Sache zeigen. Inzwischen hatten wir wiederum zwei Vorträge, welche ziemlich gut besucht waren. Es sprachen unser Cassierer Herr Veit Hirsch über das Thema: „Die Zeit, in der wir lebe», nennt man die Zeit des Fortschritts", sowie der Unterzeichnete über: „Assimilation- Antisemitismus — , Selbst - Emaucipation, Colonisätion." . Zur Regelung der Vorträge wurde ein literarisches Somit« gewühlt, welches aus den Herren Moritz S. Wolff und S. Gotdschmidt besteht. — Zum 2. Vorsitzenden wurde Herr Albert Ehrenberg und zum Archivar Herr S. Goldschmidt ernannt, so daß der Vorstand nunmehr vollzählig ist. ' - . Auf Antrag des Herrn Moritz S. Wolff wird am 3. October, Abends 8 Uhr, eine Gründungsfeier in den Räumen des Etablissements „Erholung" (Dragonerstall) statlfinden. Mit dem Arrangement des Festes wurde statutengemäß ein Comitö, bestehend aus den Herren M. S. Wolff und Levisohn, betraut, welches zusammen mit dem Vorstande zu wirken hat. Wir hoffen auf eine zahlreiche Betheiligung an dieser Feier, welche sicher unserer guten Sache nützlich sein wird. Es darf nicht unerwähnt gelassen werden, daß der Bericht über die Montefiore-Trauerseier unseres Brudervereines „Zukunft" in Wien durch Herrn M. S. Wolff in den letzte» beiden Sitzungen vorgelesen wurde. Säinintlich- Reden und Gedichte verfehlten nicht, einen guten Eindruck auf die Zuhörer zu machen. Es wird beabsichtigt, am 5. December eine Makkabäer- Feier i» größerem Stile zu velanstalten. H a m b u r g, Lrsrv Suckoth 5646. 23. September 1885. Im Austrage des Vorstandes: Hermann Wolfsbern, dz. Schriftführer. Gingesendet. Memel, Slplcinber (Eiul) „Meine Brüder rufe und suche ich." Länger darf mit diesem Hilferufe nicht zurückgehalten werden. Mehr als 800 Glaubensgenossen müssen infolge Ausweisungsbefehls hier und in den nächsten Grenzbezirken das preußische Gebiet verlassen, zumeist solche, die gar nicht mehr nach ihrer russischen Heimat zurückkommen dürfen. Sehr viele darunter sind grenzenlos arme Menschen, Witwen und Waisen, .die den Ernährer früh verloren haben, Frauen und Kinder, deren Männer weiter gereist sind, um die Ihrigen später Nachfolgen zu lassen, Familien, die, auf der Answanderlmg begriffen, aus Mangel an Mitteln hier zurückbleibeu mußten, vieljährig seßhafte Handwerker und Arbeiter, die es nie zu etwas bringen konnten, aber auch viele Familienväter sind darunter, die sich und die Ihrigen durch ihr Geschäft oder ihr Handwerk recht gut ernährt haben. Mit dem Augenblick der Ausweisuitg sind jedoch allesammt gleich arm, gleich hilfsbedürftig. Mit dieser Ausweisung ist jedoch die ganze Summe von Noth und Elend noch nicht abgeschloffen. Seit dem , Jahre 1882 haben wir uns mit der Unterstützung von answandernden russischen Glaiibensgeuoffen beschäftigt. Bis zur Stunde sind 3234 Personen befördert worden. In den letzten zwei Jahren haben wir die Mittet hierzu fast ausschließlich von dem deutschen Central-Comit« für die russisch-; jüdischen Flüchtlinge in Berlin (Vorsitzender: Herr Justizrath Makvwrr), und zwar bis jetzt etwa 25.000 Mark erhalten. Das Berliner Somit« ivird sich austösen und die letzten 2000 Mark sind uns am 9. Juli d. I. zugegangen und nahezu verbraucht. Unsere Unterstützungen bestehen schon seit einem Jahre einzig und allein darin, daß wir diejenigen Personen bis Hamburg oder Bremen befördern, welche von den Ihrigen, die ihnen bereits voransgegangei, sind, Schiffskarten erhalten haben. Da kommen nun meist Frauen mit zahlreicher Kmderjchaar in geradezu grauenerregendem Zustande. Selbst wir, an solchen Anblick gewöhnt und dagegen abgehärtet, wenn nicht schon stark verhärtet, können uns bei solchem Anblicke kaum der Tbränen erwehren. Wenn wir uns der armieligen Geschöpfe nicht annehmen, so sterben sie ans der Straße vor Hunger und Erschöpfung. Glaubensbrüder! Bethätigt Eure Liebe. Euer Mitleid. Eure Zusammengehörigkeit mit den armen, flüchtigen, vertriebenen, hliiigernden und efeubeu Stammes- und Glaubens-

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