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Selbst-Emancipation · 1885-10-01 · Heft 17 (1.10.1885) · p. Seite 4

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1885
Issue
Heft 17 (1.10.1885)
Date
1885-10-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Selbst-E mancipatio n! Nr. 17 Professor Rosenblat fiir Giltel Ritter. Machalski's Rede wird mit Spannung eiitgrgengeseheu." — Wir wrrde» in nächster Nummer über den Ausgang dieses Proosses berichten. (Rumänisch.) Wir entnehmen dem „LlajostL" fol»' gende Geschichte: „Bei Bottuschan besaß ein österreichischgalizischer Unterthan, Namens Josua Hirsch Grimberg, ein Waareu-Magazin. Eines Tages kam der Primär zu deul -Magazin und ließ es schließen und versiegeln ohne jeglichen Grund. Als der Besitzer darauf mit seinem greisen Schwiegervater dorthin ging, ließ sie der Primär auf das Entsetzlichste blutrünstig schlagen. Einige durchreisende Juden, welche die Unglücklichen retten wollten, wurden durch einen Haufen herbcieilender Bauern vertrieben. Und nun fielen diese über die beiden Juden her und mißhandelten sie. Darauf ließ sie der Primär nach dem nächstgelegenen Dorfe Iransportiren, dorthin kam er selbst mit zwei Damen nach. Ein Bauer brachte einen Strick und die Unglücklichen wurden mit diesem aneinander gefeffelt. Doch die beiden Damen schienen auch ihr Bergnügen haben zu wollen und eine rieth dem Primaner in liebenswürdigster Weise, die Juden den Bauern als Diebe zu bezeichnen. Nun fielen die edlen Landlcute über die Unglücklichen her, die sich, durch einen einzigen Strick aneinander gefesselt. nicht rühren konnten, und schlugen sie unter dem holdseligen Lachen der zarten Damen, bis thatsächlich das Blut von den Körpern der beiden Juden herabströmte und die Kräfte der Bauern erschöpft waren. ‘ Darauf wurden die beiden armen jüdischen Männer unter der Bedeckung von achtzehn Bauern wie Räuber fortgesührt, bis sie an einen ■ Bach kamen, über den ein so schmaler Steg führte, daß nicht zwei Menschen neben einander diesen überschreiten konnten, doch die Juden wurden so lange gepeitscht, bis sie endlich, da sie eng aneinander gefesselt waren,' sich seitwärts hinüberschleppten. Dann ging es weiter durch den ganzen District." — (Herr Dr. Rüben Vierer), seinerzeit Führer der jüdisch-nationalen Partei in Lemberg, wo er den Posten eines k. k. Gerichtsarztes bekleidete, seit einigen Monaten kgl. Bezirksarzt in Vlasotynce (Serbien) wurde vom König Milan zum königlichen Stadtarzt der serbischen Hauptstadt, Belgrad ernannt. So wird er denn nach mehrmonatlicher Einsamkeit in den nnwirthlichen Bergen des Balkans wieder in eine Stadt versetzt, wo eine größere jüdische Gemeinde ihm Gelegenheit zur lebhafteren Thätigkeit für die nationale Sache gibt. Wir rufen ihm ein herzliches „Glück auf!" zu. (Alls Rußland) wird berichtet, daß ein Erlaß die Ertheilung von Stipendien für Hörer höherer Bildungsanstalten auf christliche Studenten beschränkt. (Selbst gerichtet!) Man kann nicht schärfer sein eigenes Urtheil sprechen, als dies der in Warschau erscheinende „Izraelita“ durch die Aufnahme der Beschwerde riues jüdischen Studenten thut. Der junge Mann beklagt sich nänllich darüber, daß es den jüdischen Studenten unmöglich sei, einen Erzieherposten in einem christlichen Hause zu erlangen. Von sich speciell erzählt er, daß er auf Fürsprache einer seiner College» eine solche Stelle erhalten habe. Sobald man aber erfuhr, er sei Jude, wurde ihm gekündigt. Welch'lehrreiche Schlüsse kann mau nicht aus. dieser bittern Klage ziehen? Man kann sich lebhaft vorstellen, wie assimilirt bereits der junge Mann sein muß, wenn man ihn bei der Aufnahme nicht als Inden erkannte, und trotzdem hatte der edle Connationale christlichen Glaubens kein Erbarnien mit ihm. Dazu also die Polouisirung? (Die Bnkarester Juden) sind in der höchsten Aufregung. Ein in Bukarest weilender französischer Journalist, Namens Armand Levy, hat das Projekt der Errichtung rrnrS „jüdischen Consistoriums" nach französischem Muster aufgestellt und wird dabei von den sogenannten „Zionisten" einem Vereine, der sich aus die Repräsentanz der rumänischen Judcnheit herausspielt, unterstützt. Ueber diese» Plan ist nun die jüdische Mittelclasse höchst aufgebracht und wurde.» große, von Tausenden besuchte, Meetings abgehalten. Die Studenten sind größtentheils auf Seiten des Volkes, das mit Recht in diesem Plan eine» egoistischen, aut herzlose AnSbeutniig und Bevormuiidu'ig der ärmere» Classen gerichteten Schachzug der Reichen sieht. — Armand Levy wurde am 15. September, als er Abends aus einer Versammlung ging, von einem Individuum attaquirt, worauf sich dasselbe flüchtete und im Gebäude der Polizei-Präfectur verschwand. (Zur Statistik der Juden.) Der jüngst erschienene Bericht der-Geographischen Gesellschaft in Marseille schätzt die Zahl der Juden der ganzen Welt auf 6.377.602 Seelen. Der Bericht versucht es dann, für die Richtigkeit dieser Ziffer Beweise zu erbringen, indem er auf Grund der Volkszählungen der einzelnen Staaten die Zusammenstellung annimmt. — Erwähnen wollen wir hier, daß bereits im Jahre 1881 Richard A n d r s e in seinem Werke: „Zur Volkskunde der Juden" die Zahl der Juden der ganzen Welt mit 6,139.662 Seelen veranschlagt. I» dieser Ziffer sind aber 200.000 Falasche nicht mitgezählt. Korrespondenzen.' Lemberg, 20. September 1885. Angesichts der Massenausweisungen unserer Stammesbrüder aus dein preußischen Staate, hat in der Ausschußsttzung des jüdisch-nationalen Vereines Mlrra ^oässoli Herr Carl Stand den dringenden Antrag gestellt: der Verein möge, trotzdem selber blos den Zweck der Förderung der hebräischen Sprache und der Erhaltung deS Stammesbewußtseins unter den Juden habe, in Anbetracht der äußerst traurigen Lage unserer Brüder außer Deutschland, ferner in Erwägung, daß hier in Lemberg speciell sich keine Seele um das Los der armen Vertriebenen kümmert — nunmehr den Rahmen seines Könnens und Thun's überschreiten und in einem Namens des Vereines zu erlassenden Aufrufe die Leniberger Judenschaft zu einer Besprechug über die trostlose Lage der jüdischen Emigranten entladen, um die Art und Weise einer möglichen, raschen Hilfeleistung der Berathung zu unterziehen. — Der Antrag wurde freudig begrüßt und veranstalteten die Aüsschiißmitglieder soforl unter sich eine Collecte. znr Bestreitung der vorläufigen erforderlichen Ausgaben, als Drnäkosten des Aufrufes u. dgl. Der Präses des Vereines, Herr Rabb. Dr. K o b a ck, erbot sich, den Ausruf zu erlassen und außerdem in seiner Samstag-Vorlesung im Vereine dieses Thema zu besprechen. Der Tag der öffentlichen Discussion wurde auf den Halbfeiertag Snccotli, den 27. d. M., 3 Uhr Nachmittags, festgesetzt. — Mögen sämmtliche jüdische Gemeinden Oesterreich-Ungarns ein Gleiches veranlassen! , —x.— Lrez Israel. (Vere'm jüdischer junger Damen „Mirjam“ in Wien.) Ununterbrochen laufen Anmeldungen beim Gründungs-Comitö des Vereines ein. Es ist za hoffen, daß die Mitgliederzahl bei Beginn der Wirksamkeit des Vereines, d. i. nach Genehmigung der Statuten, eine recht a nsehnl i ch e sein wird. Die nächste Vorbesprechung findet Sonntag den 11. October, Nachmittags um 3 Uhr, in der Wohnung der prov. Schriftführerin, Fräulein Rosa Oesterreicher (II., Cirkusgasse 47) statt, wohin auch BeitrittSanmeldungen zu richten sind. — (Druckfehler-

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